Gladius 15. Mann am Mond
Am Montag, den 20.07.09 vor 40 Jahren wurde Geschichte, was man „das größte Abenteuer der Menschheit“ nannte. Tausende Jahre lang hatte man den Mond mit – teils misstrauischer – Neugier betrachtet. Nun setzten zwei Menschen bzw Männer bzw Amerikaner ebendort erstmals ihre Fußabdrücke in den Staub und der ganze Planet der Menschen zollte Respekt. Der Mensch konnte offenbar alles meistern, nur nicht das vergleichsweise banale Kunststück des friedlichen Zusammenlebens mit seinesgleichen auf Erden.
Es war dies einer jener raren Momente, den heute jeder erinnert der ihn damals mit erlebte. Wo warst du am 20. Juli 1969, als die seltsam surrealen Schwarzweißbilder vom Mondspaziergang der Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin über den TV-Schirm flimmerten? Ich war selbstverständlich zuhause, im Wohnzimmer vor dem Bildschirm und wurde Zeuge eines seltsamen Ereignisses, seltsam in Bezug auf den Umstand, dass ich zu jung für den Genuss von Alkohol war, tatsächlich war ich zu jung, um mir selbst den Gedanken an Alkohol als einen verlockenden zu deuten. Der Broterwerber des Hauses aber hatte eine Flasche Sekt nebst Gläsern auf den Tisch gestellt und sagte: „Wir sind am Mond. Darauf müssen wir anstoßen.“
Er hatte „wir“ gesagt. Einen Moment lang waren die beiden Moonwalkers nicht mehr nur zwei Exemplare der Großmacht USA, die da gleichzeitig in anderer Mission gerade Vietnam mittelfingerte. Sie waren nicht nur zwei Mitglieder eines Teams, das ein fiktives „Weltraumrennen“ gegen die Russen für sich entschieden hatte. Sie waren „zwei von uns“, die da stellvertretend für die Spezies Mensch einen historischen Akt hingelegt hatten. Eine Weile lang war der Amerikaner nicht nur ein zwiespältiger Geselle sondern auch ein gestandenes Mannsbild und die Welt mit ihm ein vorwärts mobiler Ort. Es ging voran am Planet der Menschen, es herrschte Fortschritt, das war sonnenklar und es fühlte sich erhebend an. Vorübergehend.
Natürlich waren sich die Astronauten ihrer Geschichtlichkeit maximal bewusst. Nach dem ersten Fußtritt auf den Mond entfuhr Armstrong gleich jener zur Unsterblichkeit verurteilte Satz vom kleinen Schritt eines Menschen, der einen großen Schritt für die Menschheit darstellte, obwohl, ein paar kleine Unterschiede in den Details gingen in der Übersetzung verloren. Hatte Armstrong von einem kleinen Schritt für „man“ (Mensch) oder für „a man“ (einen Mann) gesprochen? Der Astronaut selbst beteuerte zweiteres, das „a“ sei halt im Funktransfer verlustig gegangen. Aber immerhin, dieses verschluckte „a“ sorgte dafür, dass die „männliche“ Qualität zum Mondspaziergang ein wenig hinter den „menschlichen“ Aspekten verschwand.
Tatsächlich aber war die Eroberung des Mondes ein durch und durch männlicher Akt, vielleicht der letzte makellos männliche unserer Geschichte. Nicht von ungefähr stand das Abenteuer im Zeichen von Apollo und der war die Ikone des Himmels, der Gott des Lichts und der Sonne und für die griechischen Denker war er auch die Ansprechstelle für Logik und Vernunft: Das Apollonische war das Prinzip sichtbarer Grenzen und was unsichtbar war, war de facto nicht existent, so gab es keine die Logik behindernde Unbekannte. Für die alten Griechen war Apollo der Idealtyp des geradlinig empor strebenden Männlichen, so wie Dionysos für das konturenlos Fließende und Naturverhaftete des Weiblichen stand. Und das hehrste Streben des Mannes war, sich über die Natur zu erheben, das befreite seinen Geist. Daher war Apollo auch im Stande, eine Lösung anzubieten, wo der weinselige Dionysos nur Verständnis aufbringen oder bestenfalls mit einer kleinen Ekstase trostpflasternd drüber fahren konnte.
Der Mond war sichtbar und für Präsident Kennedy im Jahr 1961 ausreichend Ehrgeiz erweckend, um die Vision zu formulieren, dass vor Ende jenes Jahrzehnts der erste Amerikaner dort oben stehen solle. Alles andere war eine Sache der Entschlossenheit, die einschlägigen Probleme zu beseitigen. Ein Triumph amerikanischen Selbstbewusstseins, aber für den Rest der Welt blieb immerhin die Fantasie von einer Weltzivilisation, die sich über die Grenzen von Kontinenten und Völkern hinaus zur Gemeinsamkeit des zutiefst Menschlichen bekennen kann, wenn die Ziele nur hoch genug sind. Und hoch genug sind die Ziele, wenn sie dort angesetzt sind, wo der Mensch noch nie zuvor war. Das rückt ihn am Ausgangsort zusammen, wo er nicht mehr länger ein Amerikaner oder Russe oder Chinese ist. Er ist ein Bürger des Planeten der Menschen.
Demnach hat sich Präsident Obama unlängst auch einen ersten Schnitzer erlaubt, als er davon sprach, dass bis zum Jahr 2018 der nächste Amerikaner am Mond sein wird. Dieser Ausspruch zeugte nur von der Sehnsucht des obersten Charismatikers, eine Euphorie, die einst – dank Kennedy – einem anderen US-Präsidenten zuteil wurde, nun auch für sich zu buchen. Nur fehlt so einer „gesponnenen“ Euphorie die Substanz. Der Mond ist bereits abgehakt. Dort waren „wir“ schon. Der Mensch in seinem Selbstverständnis als Spezies muss hin, wo er noch nicht war. Sonst wär er´s nicht.


Ich finds klass, dass Frauen mehr und mehr in ehemals männliche Regionen einziehen: am WE sah ich mir ein DTM-Rennen an und stellte fest, dass unter den Rennfahrern zwei Frauen am Start waren – nächste Saison fährt mit Danica Patrick vielleicht sogar eine Frau bei der Formel 1 mit.
Ob als Soldaten in Kriegen, ob als kühle Konzernleiter, ob in Kunst, Politik oder Wissenschaft, ob beim Boxen oder im Weltall – Frauen werden langsam (viel zu langsam zwar) zur Selbstverständlichkeit. Und ich find das gut.
Ich versteh Sie, Truetrigger. Aber es ist ja nicht so, dass das weibliche Element in den euphorischen Sixties die Daumen drehte. Während oben am Mond die Himmelsstürmer samt ihrem Heer der Nasa-Denker dem Apollo huldigten, machte sich auf Erden – dank Pille, Drogen, Rockmusik – das dionysisch Weibliche vehement breit und ertränkte eine ganze Generation in Ekstase. Sowas betört auf Dauer auch dem härtest gesottenen apollonischen Geist die Sinne – und bringt ihn letztlich hinunter, auf den Boden der Dinge. Ihr FG
na dann auf zum mars, werter frater! steckt dahinter irgendwo perfide versteckt etwa das ziel, anderswo als auf mutter erde – wo dieses ja nicht mehr ganz so hip zu sein scheint, wie, sagen wir, noch im mittelalter – die fahnen des katholizismus in die, hm, erde zu rammen? am mond mitte 69 wurde derlei ja offenbar versäumt …
überhaupt, wie steht der liebe gott eigentlich dazu, andere planeten zu erobern? mag er das? oder hatte das schon seine guten gründe, warum er uns bloß die erde als lebensraum zuteilte?
und – was geschähe mit extraterrestrischen, so es sie gäbe? wären auch sie zu kreuzzugisieren? oder haben die am end eine eigene religion? vielleicht auch mit unserem gott als oberchef? weil, wer weiss, wie weitläufig das unternehmen himmel vernetzt ist? wo es überall einnahmequellen betreibt? oder, anders rum: ist es nicht vermessen zu glauben, wir seien die einzigen gottbetreuten in diesem seinen unendlichen universum?
bleiben wir doch lieber da, lieber frater … oder? was meinen Sie?
Herr Biringer,
natürlich hatte der „liebe“ Gott dem Menschen die Erde – und nur die Erde – als Lebensraum zugedacht. Was darüber war, war der Himmel, und den musste sich der Mensch erst mal verdienen. Sehr wohl aber hat der christliche Klerus den apollonischen Geist äußerst geschätzt. Apollos Erhöhung über die Beschwernisse und Verfänglichkeiten des Irdischen war ja nur durch eine im Kern strikt zölibatäre und generell asketische Haltung möglich. Enthaltsamkeit entledigt dich der von den Verstrickungen in der materiellen Welt und im Beziehungsleben aufgezwungenen Kompromisse. Nur so kann der Geist pur zur Geltung kommen. Und das ist eben genau jene Art von Allee, auf der ein strammer Katholik gern wandelt. Ihr FG
fein drumherumlaviert, werter frater. in dieser art können das nur vertreter ihrer beruf(ung)sgattung. aber – was nun, wenn die expedition zum mars dereinst nicht mehr apollo heissen sollte?
Herr Biringer,
was erreichbare Ziele anbelangt, ist das Firmament ohnehin fest in der Hand der griechisch/römischen Mythologie. Die Expedition zum Mars – dem röm. Kriegsgott – wird sicher nicht im Zeichen Apollos laufen. Ideal wäre Amor (alias Cupido). Der war – wie Apollo – mit Pfeil und Bogen kommunikativ, wenn auch mit anderen Stärken begnadet. Apollo stand für Logik und Ratio, Amor´s Pfeil bewirkte das Gegenteil, Betörtheit jenseits von Ratio. So wurde mancher Höhenflieger gestoppt und wieder zurück auf die Erde gebracht. Wenn Amor wollte, begann es auch unter Göttern zu menscheln. An sich kein gutes Omen für ein Weltraumprojekt. Andererseits steht Amor eben für Liebe und das gibt als Motto unter Menschen einiges her. Liebe verbindet. Vor allem aber spricht für Amor der Name seines göttlichen Zeugers: Mars. Wenn also Sohn Amor – Symbol der Liebe – sich auf die lange Reise zu Vater Mars – Symbol des Krieges – begäbe, nun, das gäbe was her. Ihr FG