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Frater GladiusVom BoomBaby zur Generation SKI

Von Frater Gladius | 31.01.2010, 17:28 | 15 KommentareShare/Save

Baby Boomer by Mike Kline

Nein, kein patriotischer Aufruf für Vancouver. SKI steht hier für „Spending the Kids´Inheritance“ – das Erbe der Kinder verprassen – und gehört zum Lifestyle der Generation 50+.

Generation 50+. Die Nachkriegskinder. So werden sie heute natürlich nicht mehr genannt, dafür gab und gibt es zu viele Kriege. Der international geläufige Begriff für diese Altersgruppe ist „BabyBoomers“. Gemeint sind jene Kids, die von 1946 bis 1961 für die eine massive Bevölkerungsexplosion im Westen sorgten. Erst mit Erfindung der Pille (1960) kam dann jener „Knick“, der demnächst dafür sorgt, dass immer weniger Junge für immer mehr Alte die Pensions-Rechnung begleichen (aber davon später).

BabyBoomers standen für so manches. Zunächst einmal für eine Rebellion gegen traditionelle Werte. Sie stemmten sich gegen Alte Autorität und Repression, jeder zweite Boomer verzichtete auf das religiöse Bekenntnis seiner Eltern, Boomers waren für Liebe machen anstatt Krieg, sie befürworteten mehrheitlich Abtreibung, sie akzeptierten Homosexualität. Boomers wollten leben und leben lassen.

Auch waren sie – ohne sich notwendiger Weise dessen bewusst zu sein – privilegiert. Sie wurden in eine Zeit des Wiederaufbaus und der „Wirtschaftswunder“ hinein geboren. Studieren kostete nichts, für die Alltagsfinanzen standen Eltern gerade, die davon beseelt waren, den Kindern einen besseren Start zu ermöglichen als ihnen gegönnt war. Und es ging voran. Die Welt war Jahre lang die Auster des Boomers. Ich weiß das. Bin ja 50+.

Dann war da noch die kulturell getriggerte Identität jener Generation. Dylan, Stones & Co sorgten für einen Soundtrack, der ausdrückte, was für den Boomer Sache war. Darunter waren auch Sager, die bis heute ihre zunehmend ambivalenten Nachwehen haben. Etwa „forever young“ (Dylan) oder „ich möchte sterben, ehe ich alt werde“ (The Who). Das Dumme dabei: Der Boomer ist heute alt. Allerdings verdrängt er das. Er huldigt dem Jugendkult, etwaige Falten werden wegoperiert, die Devise ist leben in vollen Zügen. Spätestens seit dem Fall der Berliner Mauer und dem zeitgleichen Aufstieg der Yuppies sind diese „vollen Züge“ halt eine beschränkte Sache. In vollen Zügen leben ist immer gleich Geld ausgeben. Wir haben ja nur den Kapitalismus.

Diverses Unbehagen ob seines Lifestyles kam beim Boomer gelegentlich auf. Ende des vergangenen Jahrhunderts WURDE BERICHTET, dass die Generation der Boomers generell Diskussionen und langfristige Pläne für die Zeit ihres Alters und Ablebens vermieden hatten. Eine Aufgabe, die nun vermehrt ihr Nachwuchs zu erfüllen habe.

Zumal derlei Berichte den Boomer nicht zu einem Umdenken animierten. Im Gegenteil. In der jüngeren Vergangenheit ließ sich der BabyBoomer zwischenfristig ganz einfach in die „Generation SKI“ umtaufen. Eine Generation, die nun das Geld ausgibt, das traditionell dem Nachwuchs hinterlassen wurde. Laut einer (englischen) UMFRAGE etwa bekannten zwei von drei erwachsenen Boomers, dass ihr einziger Plan sei, das Leben zu genießen und sich nicht um den Nachlass zu sorgen. Ein lebenslang betriebener Lifestyle hat dafür gesorgt, dass ihr Ego nun grenzenlos ist.

In den USA gibt es nun auch SKI-er-Websites, die den Boomers flüstern, „wie man eine Harley kauft, die Kinder aus dem Haus wirft und dafür sorgt, dass sie nicht zurück kommen.“

Die Generation des Nachwuchses – das wären heute die 20-29jährigen – hat sich bislang noch nicht kritisch dazu gemeldet. Obwohl sie dazu einiges zu sagen hätten. Allerdings tun sie das nur, wenn sie selbst ausgerechnet von der Boomer-Generation angegriffen wird. Vergangenen Herbst etwa gab es in Blogworld im Zuge der von MEREDITH HAAF getriggerten Diskussion über die Bravheit und Angepasstheit der Gen20-29 etwas Zoff, der zu einem „Altersgruppen-Bashing“ nebst betulichen Ratschlägen führte, das auch sich angegriffen fühlende junge Kreative wie TOM SCHAFFER dazu brachte, mal laut über die 50+-Generation nachzudenken. Das Resultat las sich nicht schmeichelhaft, wenn auch realistisch:

„Die Wirtschaft hinterlässt man uns in Scherben, das Klima zerstört, während die Ressourcen am Rand ihrer Kapazität sind. Die Gesellschaft haben die alten Generationen zur Ellbogenarena gemacht, in der die Menschen gegeneinander so aufgehetzt sind, dass sie den Wert eines gewissen Maßes an Kollektivität und der Solidarität erst wieder entdecken müssen. … Diese Alten, für die wir noch bezahlen müssen, was wir selbst angeblich nicht mehr bekommen sollen: Soziale Netze, staatliche Pensionen, sichere Arbeitsplätze … Was haben die Alten gemacht, dass es ihnen erlaubt darüber zu urteilen? Was ist schon eure Leistung? Uns Junge – so unterschiedlich wir sein mögen – wird eines einen müssen: Wir sind die Generation der Feuerwehrleute, die eure eingebrockte Suppe auslöffeln wird. Aber anders gehts nicht, sonst geht die Welt zugrunde – weils die anderen wider besseren Wissens verschissen haben. Unser Credo ist vorgeschrieben: verzichten und umdenken. Wir können es uns wohl nicht aussuchen.“

Können sie vermutlich wirklich nicht. Aber meiner Generation der BabyBoomers könnte es nicht schaden, darüber etwas nachzudenken, nämlich grundsätzlich. Etwa so, wie es der dritte US-Präsident THOMAS JEFFERSON bereits im 18. Jahrhundert mal andiskutiert hat, als er das Recht der Alten in Frage stellte, dem Nachwuchs oben von Schaffer erwähnte Suppe einzubrocken:

„Die Frage, ob eine Generation der Menschheit das Recht hat, eine andere zu binden, scheint weder auf dieser noch auf der anderen Seite des Wassers je gestellt worden zu sein. Ich gehe von Grundgedanken aus, die ich für selbstredend halte: Das Nutzungsrecht der Erde gehört den Lebenden. Und die Toten haben weder die Macht noch die Rechte darüber.“

Dem kann ich mich nur anschließen. Und sei es auch nur wegen der notwendigen Hygiene zum Zweck der Ruhe in Frieden. Mir wäre nicht wohl beim Gedanken, der Nachwuchs werde mir aufs Grab spucken. Aber wer könnte ausschließen, dass ein BabyBoomer zum Abschied nur leise „Nach mir die Sintflut“ sagt, ehe er den Löffel abgibt, an dem seine Nachwelt dann nagt. Besinnliche Zeiten, liebe Leute.

15 Kommentare »

  • Ben sagt:

    Können Sie lokalisieren wohin man den Rettungswagen hinschicken soll? (..)

  • majella reismann sagt:

    …gott sei dank schlief ich nächtens, diese ergüsse lassen ansteigenden alkoholspiegel vermuten;-)

  • majella sagt:

    überall wird gejammert. worüber denn, dass nicht alles in sicherheit ist? tja der größte fehler ist, anzunehmen das irgendetwas sicher ist. die einzige konstante ist die veränderung. jeder der das erkennt und danach handelt hat eine chance das beste daraus zu machen. egal ob 20 oder 50 jahre jung. ich glaube die heutigen 20-29jährigen sind gut bedient, wenn sie nicht auf alle nichtwisser, besserwisser, ewiggestrigen usw. hören, sondern sich auf ihren gesunden menschenverstand verlassen und auf ihre innere stimme hören = bester lebenskompass. die jungen wollen eigenständig, selbstbewußt, neugierig und intiativ gestalten. ein dreifachhoch der nächsten generation, sie sind uns einen großen evolutionären schritt voraus und werden die probleme ihrer zeit so gut lösen, wie wir die unsrigen gelöst haben;-))

    • Frater Gladius sagt:

      Ihre Worte in Teutates´Ohr, liebe Majella. Zu hoffen bleibt (im Interesse des Hörenden), dass die innere Stimme, der er gehorcht, nicht nur eine vermeintlich innere Stimme ist. Ihr FG

  • naja, nachdem ich auch 50+ bin, wenn auch nur knapp, aber in absehbarer zeit wirds zumindest binär, fühle ich mich auch berufen dazu meinen üblichen würschtlsenf abzugeben.

    nachdem mein verehrter bruder mir ja unlängst versichert hat, dass so etwas noch lange nicht aus dem regal mit der aufschrift “depressiv” kommt, erlaube ich mir das auch frohen mutes anzugehen.

    zunächst mal, ja, den tom schaffers dieser welt können wir als generation nur eines sagen: jou, bingo. ich hoffe, das wirkt nicht zu jugendkultig, aber meine sprache ist halt etwas durch den umgang mit zwei teenagerigen söhnen und sonstigen hinterdenohrennochgrünlingen kontaminiert.

    nostra culpa, nostra culpa, nostra maxima culpa. wenn sich irgendwer einbildet, dass da jetzt jemand ego te absolvo sagt, dann isser schief gewickelt. und die relevanz derer, die es gegen ein klingeln im beutel oder widerwilliges repetitives aufsagen eines gedichtes aussprechen, konvergiert gegen null.

    global heißt es natürlich schleunigst die notbremse ziehen und wo es geht und sinnvoll ist, den retouragng einlegen, und da ist natürlich auch unsere generation gefordert, weil ja die an den schalthebeln der macht sitzt, aber weder schwertbrüder noch würschtln sind in dieser position, also bleibt uns nur predigen bzw. sudern.

    was aber das individuelle betrifft, so reicht es meines erachtens die knaben hochgebracht und denen einen vernünftigen start in die selbständigkeit ermöglicht zu haben, auch wenn es mir erheblich leichter gefallen ist als meiner mutter. außerdem will ich da echte tränen sehen, wenn ich im never come back container liege, und das erzielt man am besten, indem man dafür sorgt, dass der verlassenschaftsrichter sagt, da brauch ma kan notar damit belästigen. und meine söhne kratzt das sowieso ned, denn die haben dieses vögel des himmels prinzip schon verstanden, so wie auch ein immer größerer teil der anderen in deren alter, auch wenn sie da eine andere terminologie verwenden.

    und was diese ominöse alterspyramidenproblematik betrifft sei darauf verwiesen, dass wir ja aber immerhin, vor allem durch die mikroelektronik, ganz erheblich rationalisiert haben, sodass ja sowieso in hinkunft erwerbsarbeit zum luxus werden wird, was sich auch deutlich in der entwicklung der arbeitslosenstatistik manifestiert. man braucht da ja bloß den kapitalismus abschaffen und das bip bzw nettonationaleinkommen gerecht verteilen, und das muss klarerweise weltweit passieren, dann ist etwa auch die migrationsproblematik keine mehr. ecco fatto.

    nur bringen uns da gegenseitige schuldzuweisungen zufolge nichterkennen dieser divide et impera politik nicht weiter, sondern wir müssen an einem strang ziehen.

    so, ich habs gesagt, und wenn die twens sich aber lieber dafür bezahlen lassen die mindestsicherungsbezieher unter kontrolle zu halten, die festung europa zu verteidigen und mit dem lohn in luftballongeld zu investieren um vor-zusorgen, also sich sorgen zu machen, wenn es gar keienn grund dazu gibt, dann bleibt mir nur eins zu sagen: sskm.

  • und wenn die mein angebot angenommen hätten, hätt ich begonnen mir sorgen um die knaben zu mach. aber der sax hat mir doch ned mal den herrn götz zurückgeschickt und ich hab genau verstanden, warum ;-)

  • Dieses Forum dient der Diskussion um den Inhalt des Blogposts. Ich zitiere aus unserer Hausordnung:

    “Sollten Sie auf die Idee kommen, herabwürdigenden Blödsinn, persönliche Beleidigungen oder sonstigen Unsinn zu posten, behalten wir uns vor, das einfach zu löschen.”

  • ich hoffe das nicht geatn zu ahebn, herr lauth, und sollte ich so etwas jemals tun, dann bitte ich sogar darum, diesen mist für mich wegzuschaufeln.

  • Frater Gladius sagt:

    Sind Sie okay, Frank? Ich habe das Gefühl, es bedrückt Sie was? Beichtstuhl? (Das müsste dann aber doch diskret vorgenommen werden). Ihr FG

  • träum ich schon, oder hab ich da ned grad gepostet. ich hoff ich war ned frech, denn stocknüchtern wär mir das echt peinlich.

  • und nen geistlichen, der ned alles besser weiß, is genau das, was n mann in so ner situation braucht. ich mein, ich erzähl ned alles meiner frau, aber das kann sie ruhig wissen.

  • ps: dass teutates jetzt mal ne weile nur ohren wie spock hat, davon würd ich spaßeshalber mal ausgehen.

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