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Wie Wikileaks die Welt verändert. Oder zumindest den Journalismus

Von | 07.04.2010, 0:10 | 2 Kommentare

Die Organisation Wikileaks hat ein Video veröffentlicht, das den Mord von US-Soldaten an zwölf Menschen zeigt. Das muss Folgen haben.

Am einfachsten wäre es natürlich, den Weg manch bequemer Blogger zu gehen und mit Häme zu reagieren. Schauschau, die alten analogen Deppen haben auch endlich entdeckt, worüber wir digitale Elite schon lange diskutieren. Schauschau, was wir schon längst kennen, hieven sie nun in die Viral Video Charts. Schauschau, wie lahm sie alle wieder sind.

Ist ja gut, liebe Leute. Und jetzt konzentriert euch wieder auf die Sache. Die Sache nämlich ist nämlich zu groß, um sie für kleine Selbstgefälligkeiten zu benutzen. Die Organisation Wikileaks (mehr auch hier bei der BBC) hat am 5. April ein Video veröffentlicht, das am 12. Juli 2007 in Bagdad aufgenommen wurde – von Bord jenes Kampfhubschraubers, der auch die Schützen transportierte, die zwei Reuters-Journalisten und zehn weitere Zivilisten erschossen. Das Video zeigt keinen schnieken embedded Journalism, sondern kaltblütigen Mord. Hier die komprimierte Version davon, eine längere findet sich auf collateralmurder.org.

Es sind Aufnahmen wie diese, die einen Krieg ins rechte Licht rücken, die den Mythos von den tapferen Boys daheim in den USA zerstören – und die ihn vielleicht beenden helfen. Es sind Aufnahmen wie diese, die – sofern einmal veröffentlicht – von keiner Organisation der Welt mehr zensiert werden können. Es sind Aufnahmen wie diese, die einmal mehr zeigen, welch aufklärerische Kraft im Netz liegt.

Und Wikileaks – ich weiß, liebe Alpha-Blogger, euch erzähle ich damit sicher nichts Neues – als Organisation, die seit 2006 Dokumente veröffentlicht, die unethisches Verhalten in Regierungen und Unternehmen dokumentieren, ist eine der wichtigsten dieser aufklärerischen Kräfte. Wikileaks schützt (vor allem auch mit ausgeklügelten Verschlüsselungstechnologien) seine Quellen. Und Wikileaks hat mittlerweile eine solche Bedeutung, dass der amerikanische Geheimdienst CIA Pläne ausheckte, wie die Organisation unterwandert und in ihrer Glaubwürdigkeit erschüttert werden könnte – die entsprechenden Dokumente gerieten prompt in die Hände von Wikileaks und wurde selbstverständlich veröffentlicht (mehr dazu in der futurezone).

Die Rezeption des erschütternden Videos aus Bagdad ist nun ein weiteres Musterbeispiel für neue Mechanismen der Veröffentlichung, die klassischen Journalismus nur mehr als Transporter oder Aggregator braucht. Journalismus multipliziert bloß mehr die Wirkung der Geschichte, die sich dann aus der Folgearbeit, den weiteren Recherchen anderer ergibt.

Es war Mike Masnick von Techdirt, der in diesem Zusammenhang eine entscheidende Frage formuliert hat: Warum wird uns eigentlich immer noch erzählt, dass sich keiner mehr um investigativen Journalismus kümmert?

2 Kommentare »

  • dazu vielleicht nicht uninteressant: ich musste gestern auf fakebook einen link auf theintelligence.de posten, von wo ich die information her hatte, es war mir nicht möglich dieses youtube-video direkt zu posten.

  • truetigger sagt:

    ++ (einfach nur Zustimmung zum Geschriebenen)

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