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Gladius43. Viel Rauch um eine Ohrfeige

Von | 04.04.2010, 18:50 | 60 Kommentare

Heimische Medien bemühen sich mächtig, den Pädophilenskandal mit Schwachsinn zu verwässern.

Wo beginnen? Ich muss zugeben, es fällt mir nicht leicht, in Zeiten, da der Botschafter zur Botschaft wird. Ich meine: Bin das nur ich, oder war dies eine obszön seltsame Karwoche?

Am Papst lag das nicht. Der machte, was ein Papst eben macht. Ortete am Palmsonntag das „funkelnde Licht der Auferstehung“, die im Stande sei, Hass in Liebe zu verwandeln. Und bekümmerte sich heute – urbi et orbi – um die Krisen der Gegenwart: Haiti & Erdbeben, Südamerika & Drogenhandel, Naher Osten & Menschenrechte. Das Übliche. Das Unangenehme erledigte Radio Vatikan („die Pest der Pädophilie“, als wär es eine Seuche, der man hilflos ausgeliefert ist), die Paranoia („Weltverschwörung gegen die Kirche!“) besorgte ein Kardinal. Den Wahnsinn, dass einer wie der Dalai Lama von seiner weltlichen Macht schikaniert wird, während der Vatikan ungeniert Wolke Neun spielen kann, wollen wir hier mal ignorieren.

Eiskalter Krieger, der dieser Papst nun mal ist, machte ihm die gut aufgesetzte Laune keine Mühe. Hätte er sich durch unsere Nachrichtenszene gelesen, wär ihm wohl auch der eine oder andere breite Grinser entfahren. Da regnete es zunächst dumme Fragen („Darf ein Papst lügen?“) und kongeniale Logik („Es existiert ein Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch!“), dann wurde dem Missbrauch auch noch das Sexuelle abgeschminkt, und ganz ohne klerikale Mitwirkung.

Ja, die Ohrfeige. Ein Kirchenmann hat geohrfeigt. Wen? Jugendliche. Wo? In Österreich Land. Wann? In den Sechziger Jahren. Echt? Jawohl. UGN (Unser Geschätztes Nachrichtenmagazin) hat in der Tat ein Opfer recherchiert, das willig auspackte. Ob ich Sie verarschen will? Mitnichten. Ich will aber nicht ausschließen, dass da jemand uns alle gekonnt mittelfingert.

Entweder bin ich der einzige Ösi über 50, oder UGN plus Staatsfunk wollen uns den Umstand, dass ein Geistlicher in den 60er Jahren einem Schüler eine geknallt hat, als Skandal unterjubeln (und so nebenbei den Pädophilenskandal verwässern). Werte Printmedien, geschätzter Staatsfunk: In den 60er Jahren wurde in ALLEN österreichischen Schulen geohrfeigt und geprügelt, und nicht nur von Geistlichen. Das gesamte Lehrpersonal hatte dazu die Freiheit (nicht alle – LehrerInnen eher selten – nutzten sie aus).

Es wurde geohrfeigt, es regnete Faustwatschen, Ohren wurden umgedreht und Haarbüschel ausgerissen, es hagelte Ruten auf ausgestreckte Finger und nackte Ärsche. Tatsache. Haben wir alles genossen, aber es fällt mir ein wenig schwer, jetzt da eine Opfergrimasse ins Gesicht zu zaubern. Bitte nicht missverstehen, aber: Es war „normal“. Heute kann ich es auch mühelos verstehen. Die Generationenkluft, no? Die Alten und anderen Autoritäten waren noch weltkriegsgeschüttelt (und teilten das dem Nachwuchs nicht mit, der Geschichtsunterricht endete im Jahr 1922, jedenfalls bei uns, im BRG Wels). Die Jungen (Born in the Fifties) waren Richtung sexuelle Befreiung unterwegs, zum Soundtrack von I Can´t Get No Satisfaction, der wiederum die Alten planlos hinterließ.

Und wir waren extrem einfallsreich beim Schikanieren des Lehrpersonals. Zeigte ein Lehrer „Schwäche“, wurde er nervlich fertig gemacht. So war das. Und irgendwann Anfang der 70er Jahre widerfuhr dem Unterrichtsminister der Genieblitz, alle körperliche „Disziplinierung“ ausdrücklich verbieten zu lassen, und der ganze Prügelspuk verschwand ziemlich schnell, weil wir nämlich – im Wissen, dass uns keine Konsequenzen erblühten – sonst ganz einfach zurück schlugen. Das war´s.

Und Schwamm drüber, bitte schön.

„Wolfsschafpriester“ der Wiener Künstlerin Deborah Sengl. Foto: marcokalmann

Zurück zu dem, was Sache ist. Zurück zum Pädophilenwahnsinn. Dazu hab ich mich vor einem Jahr geäußert (nämlich HIER). Und dazu kübelt UGN jetzt gerade wieder seinen üblichen Rattenschwanz an Journalistenspeak raus (Opus Dei, Vatikan von innen, Freimaurer, Blablabla). Wie gesagt, ich verstehe die ungetrübte Laune des Papstes. Solange die katholischen Kirchendiener nicht weltlich/gesellschaftlich zur Verantwortung gezogen werden (können), wird sich kaum was ändern. Die „Pest der Pädophilie“ wird im Vatikan weiterhin „mysterium iniquitatis“ genannt, eine – von seinem Vorgänger Johannes Paul II geprägte – Referenz an die „Mächte der Finsternis“. Das heißt, auch Benedict XVI ist nicht bereit, die pädophilen Exzesse seiner Zunft als Verbrechen zu sehen. Und dorthin muss er gelangen. Solange ihm gestattet wird, diese Verbrechen als „Sünde“ zu verniedlichen, solange werden sie Abteilung Geht-nur-die-Kirche-was-an bleiben. Simpel, eigentlich.

Sünden sind was verführerisch Mystisches, und mystische Wahrheit kommt nicht in der Gegenwart an den Tag, sie prozessiert sich frühestens in Jahrhunderten, spätestens am Jüngsten Gericht. Ad hoc fällt mir dabei natürlich die Story von Galileo ein, der Anfang des 17. Jahrhunderts dem Papst (Paul V) sein neues Teleskop präsentierte, jenes Instrument zur Findung der wissenschaftlichen Wahrheit. Bekanntlich war Paul V zunächst schwer begeistert, weil das schließlich nur bedeuten konnte, dass die biblische Wahrheit endlich auch wissenschaftlich bewiesen werden konnte. Der Rest ist History. Ebenso bekanntlich brauchte der Vatikan über 350 Jahre, um die Kurve zu Galileos (heliozentrischer) Wahrheit zu kratzen. Frohe Ostern, liebe Leute.

PS: Wussten Sie, dass zwischen Mars und Jupiter ein riesiger (Durchmesser 10 km) Asteroid seine Kreise zieht, den seine Entdecker Ratzinger 8661 tauften, weil ihnen der heutige Papst einst als Kardinal die vatikanischen Archive öffnete? Ja, mir ist auch nicht wohl bei dem Gedanken …

60 Kommentare »

  • […] der Pranke meines Religionslehrers etwa, die mich oft mühelos der Schwerkraft der Erde enthob, konnte man mir alles Mögliche […]

  • Axel N. Halbhuber sagt:

    eine wunderbare diskussion. ich danke aus der ferne fuer diese aeusserst oesterreichischen gedanken. und bevor das jemand falsch auffasst: ich mag oesterreichische gedanken!

  • robert kana sagt:

    1962 (Crimine solicitationies) beschließt die römisch-katholische Kirche, Missbrauchsfälle ausschließlich intern zu behandeln und via Kirchenrecht zu sanktionieren. Der Hintergrund war die allmähliche Einführung legistischer Paragraphen gegen den Missbrauch in den Nationalstaaten der Industrieländer. 2001 (Sacramentum sanctitati tutela) beschließt die Glaubenskongregation in Rom (unter dem Leiter Ratzinger), die ausschließlich intern gesammelten Daten um sexuellen Missbrauch nicht mehr in den Kirchen der Nationalstaaten, sondern im Vatikan zu sammeln. Doch warum?
    Um diese Frage beantworten zu können, muss ein neuer Diskurs eröffnet werden. Laut transparency international liegt Korruption dann vor, wenn eine Machtposition zum eigenen Vorteil ausgenutzt wird. Die ausschließlich interne Behandlung von sexuellen Missbrauchsfällen seit 1962 ohne Einschaltung der Staatsanwaltschaften widerspricht rechtsstaatlichen Prinzipien. Bei jeder anderen Organisation oder jedem anderen Unternehmen würde von Verdunkelung gesprochen werden. Die systematische Geheimhaltung per Dekret ist eine Maßnahme, die jeden Rechtsstaat aushebelt. Das Grundprinzip eines jeden Rechtsstaates lautet: Niemand steht über dem Gesetz. Jede StaatsbürgerIn ist auch verpflichtet, wahrgenommene Straftaten der Anzeige zuzuführen. Unterlassungsschuld ist in jedem Rechtsstaat festgeschrieben. Dass eine Institution sich anmaßt, sich über diese rechtsstaatlichen Prinzipien zu stellen, ist ein Skandal, der seltsamerweise nicht reflektiert wird.

    Als in den USA die erste Welle von Missbrauchsfällen bekannt zu werden begann, beschließt die Glaubenskongregation, alle ausschließlich intern gesammelten Dokumente der einzelnen Kirchen über sexuelle Missbrauchsfälle in den verschiedenen Staaten in den Vatikan zu transferieren. Die Order ist, dass die in den einzelnen Nationalstaaten befindlichen Kirchen keine Dokumente in den Nationalstaaten archivieren dürfen. Doch warum?
    Archive über sexuellen Missbrauch in den Nationalstaaten können von der Staatsanwaltschaft des jeweiligen Nationalstaates durch richterlichen Beschluss geöffnet werden. Im Prinzip könnte eine Staatsanwaltschaft eines jeden Staates sagen: Raus mit der internen Datenbank. Durch die Transferierung der Datenbaken in den Vatikanstaat existieren rechtlich keine Daten in den Kirchen der jeweiligen Nationalstaaten. Die Datenfreigabe kann also nicht mehr von den Behörden erzwungen werden. Die Freigabe von solchen Daten muss nun völkerrechtlich behandelt werden.

    Die Dimension dieser Fakten erscheint noch ungeheuerlicher als es jede singuläre Tat ohnehin schon ist: Die systematische Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit der Nationalstaaten, obwohl die Kirche in den Nationalstaaten operiert. Würde eine andere Organisation, ein anderes Unternehmen als die Kirche seine Datenbanken in einer Enklave ansiedeln, wäre der Aufschrei der Bevölkerungen gewiss. Würde ein anderes Land als der Vatikanstaat mit der Rechtsstaatlichkeit der Nationalstaaten ebenso verfahren, würden Panzer auffahren, um die Datenbanken zu erhalten.

    vielen dank für den beitrag!

    • naja. wassis mit nummernkonten in der schweiz. briefkasten auf jersey. guantanamo auf kuba. etc etc etc.

      • robert kana sagt:

        das alles existiert…und auch institutionen von nationalstaaten wie das pentagon http://www.collateralmurder.com/ tun dies. das ist richtig! und dennoch: auch das pentagon steht nicht außerhalb des gesetzes. auch das pentagon wird sich verantworten müssen. das pentagon hat keine insel gekauft und eigene gesetze gemacht, die eine staatsanwaltschaft hindern können, hier einzusehen. das ist der unterschied.

        der rechtsstaat ist IMMER in gefahr. jederzeit durch jede organisation und jeden menschen. wir entscheiden täglich und slebst: für oder gegen den rechtsstaaat.

        • nationale sicherheit. game over.

          • robert kana sagt:

            hmmmm….die kirchlichen verbrechen an leib und seele dienen also der nationalen sicherheit?

        • lusciniola sagt:

          Und wieso gibt es dann Guantanamo? Wieso glauben Sie, dass die USA das Gefangenenlager nicht in den USA haben? Weil es auf Kuba so sonnig ist? Oder vielleicht etwa, um sich dem amerikanischen Rechtsstaat entziehen zu können? Und dass die Staatsanwaltschaft dem Pentagon Vorschriften machen könnte, glauben auch nur Sie. Wenn da was aufgedeckt wird, dann immer durch irgendwelche Lücken im System – die StA kommt an Pentagon, CIA und Co nicht ran. Patriot Act und dergleichen.

    • lusciniola sagt:

      „Jede StaatsbürgerIn ist auch verpflichtet, wahrgenommene Straftaten der Anzeige zuzuführen. Unterlassungsschuld ist in jedem Rechtsstaat festgeschrieben.“

      In Österreich? Seit wann? Wo steht das?

      „Dass eine Institution sich anmaßt, sich über diese rechtsstaatlichen Prinzipien zu stellen, ist ein Skandal, der seltsamerweise nicht reflektiert wird.“

      Sehr richtig. Ich finde in der Tat, dass das der eigentlich zu monierende Skandal ist. Dass es pädophile Geistliche gibt und Menschen, die Kinder mißhandeln, mag zwar vielleicht auch mit gewissen Strukturen und Seltsamkeiten in der Kirche zu tun haben, aber grundsätzlich kann eine Institution nichts für das höchstpersönliche Fehlverhalten ihrer Mitglieder. Das kann überall passieren und passiert auch vielorts. Dass die Kirche das aber unter den Teppich kehrte, die Täter gedeckt hat und die Taten vertuscht hat, das ist es, wofür sie zur Verantwortung gezogen gehört. Ob sich im heutigen Rechtssystem dafür eine Grundlage finden kann, sei dahin gestellt – für die Zukunft müßte jedenfalls eine geschaffen werden.

      Ansonsten möchte ich aber erheblich in Zweifel ziehen, dass die Kirche die einzige Institution der Welt ist und der Vatikan der einzige Staat, der sich über anerkannte rechtsstaatliche Prinzipien hinweg setzt und dafür nicht zur Verantwortung gezogen wird.

      • robert kana sagt:

        vielen dank für deinen kommentar! ja, die kirche steht ÜBER dem rechtsstaat und mir ist kein unternehmen, keine organisation und kein anderer nationalstaat bekannt, der sich das ohne öffentlichen widerspruch erlauben kann. kannst du dir vorstellen, dass australien so vorgeht? oder eine firma eine insel kauft und ihre eigenen gesetz dort macht und die daten transferiert? was für einen aufschrei würde es geben!

        selbstverständlich hat das kirchliche vorgehen mafiöse züge. doch der unterschied zur mafia besteht darin: die kirche kann sich in den vatikanstaat zurückziehen und sich den staatsanwaltschaften der einzelnen nationalstaaten entziehen. und das ist der wirkliche skandal dahinter. die sytsematische aushölung des rechtsstaats geht bei der mafia nicht so weit. aber sie haben ja jetzt ein gutes beispiel, „WIE MANS RICHTIG MACHT“. wer weiß, was das für die zukunft bedeutet.

        selbstverständlich gilt die anzeigepflicht auch in österreich. und: das heilige SAKRAMENT aus 2001 hat die nachverfolgbarkeit der anzeigepflicht halt leider zunichte gemacht. dass über die beichte alles intern bekannt ist, ist klar. nur gerichtliche beweisbarkeit ist nicht mehr gegeben, weil die aufzeichnungen im vatikan sind! das ist das problem….

        • lusciniola sagt:

          „selbstverständlich gilt die anzeigepflicht auch in österreich.“

          Wo steht das bitte? Ich hätte liebend gerne eine Quelle für diese Behauptung. Wo steht, dass ich mich strafbar mache und rechtsstaatswidrig handle, wenn ich eine Straftat nicht anzeige? Aber bitte für Nichtjuristen verständlich erklären.

          Die Kirche steht sicher nicht über dem Rechtsstaat.

          Spontan fallen mir die USA ein, wenn es um Staaten geht, die sich über Rechtsstaatsgrundsätze hinweg setzen und sich dafür nicht verantworten müssen.

          Bei den Organisationen drängt sich sogleich die CIA auf, und wahrscheinlich noch das eine oder andere Pendant in anderen Staaten, die in einem Raum außerhalb von Recht und Verantwortung agieren.

          Hinsichtlich der Firmen, die auf Gebieten oder Inseln ihre eigenen „Gesetze“ machen, empfehle ich, einmal nach „special economic zones“ zu suchen. Was auf den ersten Blick harmlos und einleuchtend wirkt, stellt sich alsbald zuhauf als de facto exterritoriale Gebiete heraus, in denen gewisse fundamentale Rechte von Menschen – insbesondere der Arbeitnehmer dort – nicht mehr gelten. Und der Staat sich nicht mehr darum schert, was in diesen Zonen wirklich geschieht.

          Ja, die Welt ist schlecht. Und die Kirche nicht die einzige Institution, die sich dem Rechtstaat entziehen will und kann. Es liegt mir fern die Kirche zu verteidigen. Aber da gibt es genug andere, die ähnlich agieren. Nicht nur die Geschichte wird vom Sieger geschrieben, auch der Rechtstaat wird vom Stärkeren ausgelegt und vollzogen.

          • robert kana sagt:

            also: das bundesgesetzblatt zur anzeigepflicht such ich dir noch raus. ich poste es später. da bin ich im moment nicht in der lage dazu.

            ja, unternehmen agiern ebenso wie die kriche mittlerwile.
            ich seh das wie du. und ein rechtsstaat darf sich das nicht gefallen lassen, nur: einen eigenen, persönlichen staat hat kein unternehmen….bislang nicht!

            am ende geht es darum: können wir sei zu verntwortung ziehen (erziehen)? oder nicht.

            • doch. die raika hält sich zb mittlerweile die monetokratische republik österreich.

            • lusciniola sagt:

              Bevor Sie jetzt den ganzen Tag mit dem Suchen eines nicht existenten BGBl verbringen, weise ich Sie freundlich darauf hin, dass es in Österreich keine Anzeigeverpflichtung gibt. Es gibt die Tatbegehung durch Unterlassung und es gibt die unterlassene Hilfeleistung. Es gibt aber keine rechtliche Verpflichtung in Österreich eine schon begangene Straftat anzuzeigen. Die gibt es derzeit nur für Behörden oder öffentliche Dienststellen. Die angelsächsischen Kulturen haben so etwas, Österreich hat so etwas nicht. Insofern hat die Kirche bei uns auch nicht gegen den Rechtsstaat verstoßen, indem sie nicht angezeigt hat. Das zu ändern wäre jetzt Aufgabe der Politik.

              Der Vatikan ist ein eigener Staat, zumindest ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Das ist historisch gewachsen und ist jetzt nicht wirklich mit Unternehmen zu vergleichen. Und dass auch andere Staaten sich nicht um Rechte, Rechtsstaat und ähnliche Unnötigkeiten scheren und ihnen dafür nichts passiert – da braucht man sich nur Lybien anzuschauen oder zB China.

  • saxo lady sagt:

    es nervt mich gewaltig!
    einerseits selbstverständlichkeiten der 70er jetzt auszugraben und andererseits diese dinge im selben atemzug zu nennen, wie kindesmißbrauch und gewaltverbrechen ist leider tatsächlich geschwätz.
    und gibt diesen betonierer im vatikan die möglichkeit, sich erst recht abzuputzen.

    ist das methode?
    nebelbomben schmeißen, damit der eigentliche kern der sache so gut wie möglich verschleiert wird?
    gut, dass diese erziehungsmethoden vorbei sind.
    meine lehrerin, bald drauf direktorin der vs, hat mich *nur mal* mit dem kopf gegen die tafel gedonnert. schön. andere ohren haben mehr gelitten.
    diese dinge mit sexuellen und macht-missbrauch gleichzusetzen ist ähnlich, wie asylanten mit kriminellen.

    führt zu einem kollektiven bashing einer gruppe. als ob es je so einfach wäre.
    aber auch die linken und die laizisten und die denker brauchen offenbar feindbilder. obs hilft?

    schöne predigt, frater!

    • lusciniola sagt:

      „diese dinge mit sexuellen und macht-missbrauch gleichzusetzen ist ähnlich, wie asylanten mit kriminellen.“

      Ein nicht sehr passender Vergleich finde ich. Kinder körperlich zu mißhandeln ist genauso ein Verbrechen oder Vergehen wenn man so will. Asylanten begehen mal grundsätzlich keine, so will ich hoffen, zumindest ist der Status Asylant noch keine Gewähr dafür, gegen das Recht zu verstoßen.

      Obwohl ich grundsätzlich d´accord mit Ihnen bin, halte ich es dennoch für verfehlt, wenn man die körperlichen Mißhandlungen jetzt bagatellisiert ála wir haben es auch überlebt und uns hat es nicht geschadet.

      Ja, da war in der 60ern/70ern so und es haben alle gemacht. Kein Grund jetzt, deswegen nur auf die Kirche loszugehen. Aber trotzdem das Bekenntnis, dass so etwas untragbar ist, nicht toleriert wird und körperliche „Mißhandlungen“ sehr wohl Machtmißbrauch sind und einfach nicht passieren dürfen. Heute nicht mehr. Auch wenn es den Generationen damals „nicht geschadet“ hat.

      Ansonsten haben Sie natürlich recht.

      • saxo lady sagt:

        hmmm verschiedene ebenen der kommunikation:

        übereistimmung in:
        kindesmissbrauch…großes verbrechen, gehört sofort beendet, muss verfolgt werden, ausgemerzt werden. jetzt. punkt.
        erziehungsmethoden der zeit….ganz andere ebene.
        im grunde sollten wir spätestens, seit diese unsägliche winter in kärnten mohammed einen kinderschänder nannte, usancen in den kontext der geschichte setzen. sonst ist alles und jedes —auch das, was wir heute tun—irgendwann und irgendwie mißbrauch, kriminell etc.
        und diese zugegebenermaßen haarfeine grenze wird (mE ganz bewusst) verwischt, um die wirklichen probleme nicht angehen zu müssen.

        andere ebene:
        vergleich zu asylanten–kriminelle.
        da gehts um eine koommunikations-ebene, auf der diese nebelbomben gerne gezündet werden.
        ich vergleiche nicht schmach mit schande oder elend mit katastrophe sondern versuche, die mechanismen dahinter zu erkennen. (versuchte)

        • lusciniola sagt:

          Dass das im Kontext der Zeit gesehen werden muss, habe ich ohnedies zugestanden. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass man nicht sagen soll, dass körperliche Mißhandlung ein Kavaliersdelikt ist. Das war es nie. Damals war es halt usus, macht es aber noch lange nicht in Ordnung. Was vorbei ist ist vorbei, aber für heute muss klar sein: körperliche Mißhandlung von Kindern muss ein no go sein.

          Winter war übrigens in Graz ;).

          Teile den Vergleich mit den Asylanten immer noch nicht. Denn bei denen wird bewußt versucht, Abneigung gegen eine Gruppe zu schüren, indem man sie, obwohl sie gar nichts verbrochen haben, in ein kriminelles Eck stellt. Während jene, die Kinder geschlagen haben, zwar in keiner Weise mit Sexstraftätern zu vergleichen sind, aber dennoch selbst auch Dreck am Stecken haben.

          Für den Rest: d´accord.

      • das in den geschichtlichen kontext setzen wird sowieso nix nutzen: was wir tun IST kriminell. nach ostern haben wieder etliche mit ihrem gewicht zu kämpfen während gleichzeitig leute verhungern.
        das ego te absolvo wird nicht kommen.

        • saxo lady sagt:

          was wir tun…ist einfach.
          bewertet wird es immer im kontext von irgendwas.
          vor allem irgendwem mit irgendeinem hintergrund.
          das ist doch der punkt. wir leben in einer dualistischen welt. alles, wirklich alles, ist von einem standpunkt aus völlig richtig und vom andern aus völlig idiotisch. (ok, sich kindesmissbrauch in diesem zusammenhang vorzustellen bedarf ziemlicher abstrahierung jeglichen gefühls…brrrrrrr)

          für mich ist es grad darum offensichtlich: es geht um die mitte, die harmonie. wenn ich im reichtum lebe, (was immer das dann auch ist, ist ja auch ziemlich dehnbar der begriff) soll ich dann wirklich alles zerschlagen, in depression verfallen, dadurch bewegungsunfähig werden, weil es jemand gibt, der soviel weniger hat? oder ist „reichtum“ nicht in erster linie eine verpflichtung und ein auftrag, aus dieser möglichkeit heraus zu agieren?
          umkehrfrage:
          ist jemand, der in armut und krankheit lebt automatisch ein heiliger?
          egal, was er tut und wie er sich bewegt in seinem umfeld?

          für mich gibt es keine schlüssigen antworten darauf. genau das jetzt und das hier ist ein auftrag. leben genannt. oder auch lernen. zu ostern feiern und den frühling, die auferstehung, das wiedererwachen der natur oder was auch immer im zentrum stehen mag, zu begrüßen ist nicht kriminell. sondern die zeit dafür.
          einatmen, ausatmen ;)

        • lusciniola sagt:

          Hm, da müsste man aber noch genau den Kausalzusammenhang untersuchen. Das erinnert mich ein wenig an so Aussprüche aus Kindertagen: die armen Kinder in Afrika verhungern und du isst deinen Teller nicht auf.

          • des is oba jetzt ned woa, nachtigallchen. der kausalzusammenhang zwischen unserem relativen reichtum und der bitteren armut, kinderarbeit usw. in der dritten welt sowie der bilanzen der ösi-banken und der armut in osteuropa und ähnliches müsste erst untersucht werden? schon mal was von jean ziegler gehört oder joseph stieglitz?

            • saxo lady sagt:

              und was ist die lösung? verzicht auf alles, was man mit mehr als 800,– im monat bezahlen müsste? enteignung von jedem, der mehr als 40 m2 pro person als wohnfläche hat? zwangsverpflichtung zu feldarbeit?

              wem hilfts?
              einem kind, dass zwar jetzt nimma für nike billigstarbeit leisten muss aber dafür wieder 40km zum nächsten wasserloch rennen muss?
              einem mißbrauchsopfer, das jetzt die berechtigung hat, seinem mißbraucher den lebensunterhalt wegzuklagen, obwohl, wenn der auch nur 800,– hat??
              ist ein motorrad erlaubt, wenns doch öffentliche verkehrsmittel gibt?
              wo ist die grenze?
              ich frag ja nur, sir ;)

              • die lösung ist eigentlich trivial, wie der anlass des österlichen wettkonsumierens so schön erklärt hat. und weils so trivial und ohne jede ausweichmöglichkeit ist, haben sie ihn eben angenagelt. serves him right.

                daher: liaba reich und xund ois wia oam und kraunk.

                vor ein dreiviertel jahr hat ein gemüse mal geschrieben:
                ——————————————————–

                modifiziernen wir mal:

                du stehst nicht im stau
                du bist der stau

                oder auch
                ich steh nicht im stau
                ich bin der stau

                _________________
                Ich frag ja nur, Sir!!
                ——————————————————–

                but the times, they are changin‘, ain’t they.

                • saxo lady sagt:

                  ja, jetzt sind wir..bin ich…der stau…
                  aber meine frage war ernst gemeint:
                  was ist die lösung?
                  der tod und die auferstehung?
                  geschenkt…..da kann ich auch gleich kollektive erleuchtung einfordern.
                  was ist jetzt in diesem moment mit dem stau, in dem wir gerade erkannt haben, dass wir/ich stehe, zu tun?
                  nicht blabla ausflüchte in gemeinplätze, frankyboy ;)

                • tod und auferstehung? vergiss mal das santa, daniela ;)
                  ganz einfach: teilen. und nicht for a few dollars more bei denen schleimen, die das in ihrer grenzenlosen gier verhindern.es gibt mehr als genug für alle und niemand muss 40 km zu einem wasserloch laufen oder in sack und asche gehen.
                  http://www.youtube.com/watch?v=yNKhIJfB510

            • lusciniola sagt:

              Ich geb zu, ich habe das ein bißchen provokant formuliert in der Hoffnung, Ihren Blutdruck zu beeindrucken.:) Nichtsdestotrotz sehe ich dennoch nicht den direkten Kausalzusammenhang. Wer handelt kriminell? Welches Tun ist jetzt konkret kriminell?

              Wir können uns einigen darauf, dass unser System kriminell ist. Meinetwegen auch unsere Gesellschaft. Der einzelne? Weil er zu Ostern ein Schnitzel mehr isst? Wenn er das nicht isst, ist auch niemandem geholfen, man denke an den halb aufgegessenen Teller.

              Die Banken in Osteuropa – schön. Was kann der einzelne Otto Normalverbraucher jetzt konkret dafür, dass sich einige bei uns die Taschen vollstopfen in der Hoffnung, auch das letzte Hemd würde solche besitzen?

              Ist es schon kriminell, in den Westen in eine reiche Gesellschaft hineingeboren zu werden?

              Ich glaube schon, dass die Sache ein wenig komplexer ist, nicht wahr?

              Mich dudelt gerade das Lied We are the world voll.

              There comes a time, when we heed a certain call
              When the world must come together as one
              There are people dying
              And it’s time to lend a hand to life
              The greatest gift of all

              We can’t go on pretending day by day
              That someone, somewhere will soon make change
              We are all a part of God’s great big family
              And the truth you know and
              Love is all we need

              We are the world, we are the children
              We are the ones who make a brighter day
              So let’s start giving
              There’s a choice we’re making
              We’re saving our own lives
              It’s true, we’ll make a better day, just you and me

              There’s a choice we’re making…

              Ich glaube, diese „choice“ ist es, was zählt. Und welche wir treffen. Und diese Wahl hat jeder von uns, überall auf der Welt, mag er arm sein oder reich und die muss jeder treffen.

              Das bedeutet aber nicht, dass jeder in Askese leben und in Sack und Asche gehen muss. Und zu Ostern nichts mehr essen darf.

              • um meinen blutdruck zu steigern brauchts schon ein wenig mehr als das ;)

                wer redet von askese? darum geht es nicht, habe ich auch nie behauptet, auch wenn mir das gebetsmühlenartig unterstellt wird, ich erkühne mich ja sogar ein motorrad, wenn schon nicht zu besitzen, so denn och zu fahren.
                deswegen gefällt mir auch der islam deutlich besser als das christentum (zumindest idgf), da er die „hingabe an gott“ durchaus mit dem genuss der „irdischen“ freuden als kompatibel ansieht.
                außerdem kommt er ohne diesen sohn-gottes- und trinitätsschmarrn aus.
                aber das ist ihnen gemeinsam (jesus ist ja auch im islam im gegensatz zu gängiger auffassung einer der fünf vollständig gleichwertigen hauptpropheten, den razuli): jesus spricht vom reichen und dem kamel und dem nadelöhr, der islam verpflichtet dazu für die armen zu sorgen und das nicht zu knapp.

                was aber tut der gelernte wohlstandsbürger? investiert direkt oder über eine „zusatzpension“ in fonds, die osteuropa abgrasen, und beruhigt sein gewissen damit, dass das malochen bei nike dem kindlein ja 40 km zum wasserloch spart. hei, was sind wir doch gut.

                umd meine art von gedudel ist das des zimmermanns: http://www.youtube.com/watch?v=e2q1_OYG8h8
                how many times can a man turn his head, pretending he just doesn’t see?
                und das kann ausnahmsweise durchaus gegendert werden ;)

                • lusciniola sagt:

                  Ich will ja auch wieder nicht für gesundheitliche Probleme Ihrerseits verantwortlich sein.

                  Die Engländer haben es sehr bequem, die müssen überhaupt nie gendern! Was für eine überaus praktische Sprache.

                  Zu Ihrem Vortrag muss ich sagen, dass ich das nach wie vor etwas platt und billig finde, die Kausalzusammenhänge munter durcheinander geworfen und sehr undifferenziert dargestellt. Aber vielleicht hatten Sie es ja eilig.

                  Lassen Sie mich eingangs die kühne Frage stellen, wie es denn um den Inhalt Ihres Kleiderschrankes bestellt ist. Mich interessiert jetzt weniger die Anzahl der noch nicht verblichenen, gar nicht zerknitterten T-Shirts, sondern die Herkunft Ihrer Kleidung. Sicher, dass das eh alles fair trade ist? Keine Kleidungsstücke, die von ausgebeuteten Chinesen hergestellt wurden, unter unsäglichen sozialen und ökologischen Bedingungen? Keine Kinderarbeit? Keine Ausbeutung von Menschen und Ressourcen? Die Baumwolle Ihrer Kleidung nicht von ausgebeuteten unter gesundheitsschädlichen Bedingungen arbeitenden Menschen gepflückt? Und wie steht es um Ihren Kühlschrank? Alles bio und fair trade? Nicht hundert Mal um die Welt gekarrt, ökologische Katastrophen, unter Ausbeutung von Bauern und Arbeitern hergestellt? Ich hoffe doch, Sie werden den hier so hoch erhobenen Ansprüchen gerecht. Nicht nur durch Investitionen in Fonds kann man die Welt und seine Mitmenschen schädigen.

                  Wenn man das gesamte weltweite BIP durch die Anzahl der vorhandenen Menschen teilt, kommt in etwa ein Betrag von 5.000 Euro pro Person raus. Im Jahr. Keine Askese?

                  Der Islam verlangt so weit ich weiß, dass man 10% seines Einkommens mit den Armen teilt. Was Jesus unter reich verstanden hat, weiß ich natürlich jetzt nicht.

                  Ich weiß aber sicher, dass nicht jeder Mensch in der westlichen Welt in Fonds investiert oder eine Zusatzpension hat. Ich glaube auch nicht, dass man es einer alleinerziehenden Mutter oder einem Mindestpensionisten zum Vorwurf machen kann, wenn die billigste Lebensmittel und Kleidung einkaufen, die unter fragwürdigen Bedingungen erzeugt wurden, weil sie einfach nicht genug Geld haben. Oder den Menschen einen Vorwurf machen, wenn sie eine Zusatzpension haben, wenn man ihnen jahrelang Angst und Panik einredet, dass sie im Alter verarmen werden, weil der Staat nichts mehr übernehmen wird.

                  Man hat nicht einmal besonders viele demokratische Alternativen, wenn man ein anderes System wünscht.

                  Man darf auch weder Osteuropa noch Afrika aus der Verantwortung lassen. Vieles was dort schief läuft ist auch hausgemacht. Die Eliten vieler afrikanischer Länder bereichern sich auf Kosten der dort lebenden Menschen. In Osteuropa gibt es genug interne Probleme, man denke nur an den Rechtsruck in Ungarn, und ausreichend Hilfe von der EU, die aber eben auch nicht immer richtig genutzt wird, als dass man jetzt alle Wohlstandsbürger für alles Elend auf der Welt verantwortlich machen könnte.

                  Ich bleibe dabei: unser System ist kriminell – ja. Einzelne Menschen sind äußerst kriminell, die bestehlen die ganze Welt in ihrer unersättlichen Gier nach mehr und halten alle in Geiselhaft. Der eine oder andere Wohlstandsbürger trägt sicher eine Mitschuld am System, weil er zu viel mitspielt, aber nicht die Hauptverantwortung. Darüber hinaus kommt es auf jeden einzelnen an, wie der sein Leben gestaltet und seinen Umgang mit anderen und der Welt.

                  Alles in allem halte ich noch immer Ihre Aussage, dass wir kriminell wären, weil wir zu Ostern so viel essen, während andere verhungern, für einen platten Populismus. Dass unser System krank ist, das unterschreibe ich aber sofort.

                • klar, die nigger sind selbst schuld, sollen sie doch einfach brav sparen, dann verkaufen wir ihnen auch die waffen, die derzeit nur die „eliten“ und warlords bekommen, die sie unterdrücken. und sie bräuchten ja bloß sagen, dass ihnen das nicht recht ist, dass 90% der ölprofite aus nigeria in den kassen der multis landen.
                  ui, erwischt. leiberl von h&m, kaffee vom hofer, herkunft unbekannt, aber eher nicht fair trade. bei den 200 euro, die ich so alle zwei jahre für kleidung ausgebe, könnten es aber wohl auch 300 oder 400 sein, und kaffee trinke ich ohnehin zu viel. 5000 pro jahr also, das wären gut 400 pro monat. dann müsste ich ja aber wohl nicht die hälfte meines einkommens an die vermieterin abliefern, die würde dann jeweils so ein oder zwei euro pro monat von den mietern ihrer zinshäuser bekommen. für mich würde sich also nicht viel ändern. und für die – soweit ich weiß – etwa zwei milliarden menschen, die mit weniger als einem us-dollar pro tag auskommen müssen, wärs eine gewisse verbesserung, auch für die gar nicht wenigen vierköpfigen familien in österreich, die weniger als 20.000 pro jahr haben. ja, gute idee, mach ma s einfach.
                  vielleicht würde uns das auch motivieren verstärkt dinge zu produzieren, die leute wirklich brauchen statt elektrischer nasenhaartrimmer und und fünffach eingewickelter kaugummis.

                  aber das ist billiger populismus, ain’t it.

                • lusciniola sagt:

                  Differenzieren ist ganz offensichtlich nicht Ihre Stärke? ;)

                  Billiger Populismus ist es, scheinbar einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben und undifferenziert pauschal Schuldige auszumachen.

                  Offenbar haben Sie den Kurier gelesen, ich musste gleich heut früh an Sie den-ken.:) Jetzt frage ich Sie: wer ist Schuld daran, dass die Ölmultis in Nigeria abkassieren? Otto Normalverbraucher im Westen? Glauben Sie, dass die Leute hier wollen, dass Waffen an die Warlords verkauft werden? Sind die ganz normalen einfachen Leute im Westen schuld daran? Oder doch einige wenige, die sich auf Kosten aller bereichern? Und wenn Sie den Artikel gelesen haben, dann wissen Sie auch, dass die nigerianische Regierung einen Teil der Schuld trägt, die sich bestechen lässt und in die eigene Tasche arbeitet. Daran ist auch nur der Westen schuld? Für alle Regierungen Afrikas ist der Westen schuld? Sehr simpel gedacht.

                  „für mich würde sich also nicht viel ändern.“ Ach so. Sind Sie der Nabel der Welt? In einem anderen Artikel hier sagten Sie einmal, dass Sie monatlich das Fasten als Sozialleistung mitbekommen, weil Sie so wenig Geld haben. Askese also. Für alle dann. Muss das jeder erstrebenswert finden? Und ist es kriminell wenn man nicht allen Wohlstand verlieren will?

                  Inklusive aller Transfers und Einkommen haben gar nicht so viele 4köpfige Familien in Österreich nur 20.000 zur Verfügung. Lassen wir die Kirche im Dorf.

                  Bei der Miete täuschen Sie sich, denn die Kosten für die Erhaltung, Infrastruktur und Verwaltung der Gebäude würde weit mehr kosten als 1-2 Euro im Monat. Ihre Miete würde sich vielleicht auf ein Drittel der bisherigen reduzieren. Dafür würden die Energiekosten wesentlich steigen. Denn wenn die Energie und die Ressourcen nicht nur gerecht auf alle verteilt werden würden (wir wollen ja nicht beim BIP Halt machen) sondern dies außerdem ökologisch und sozial verträglich auch für nachfolgende Generationen erzeugt würde, dann wird Energie extrem teuer und es werden die laufenden Kosten für Sie in Summe vielleicht um ein Drittel weniger sein als jetzt. Dafür haben Sie dann aber nur mehr 400 Euro im Monat zur Verfügung. Die Produkte würden zwar um einiges aber nicht substantiell billiger werden, wenn man den Menschen auch allen gerechte und angemessene Löhne zahlen will. Und dann werden Sie – sollte das Erdöl auch gerecht auf alle pro Kopf verteilt werden – vielleicht alle halben Jahre mal mit Ihrem Motorrad eine Sonntagsfahrt unternehmen können. Denn dann ist es im wesentlichen aus mit dem Individualverkehr.

                  Teilen hört ja nicht beim BIP auf, oder? Die Implikationen sind natürlich gewaltig. Aber immerhin, ich finde es außerordentlich lobenswert und nobel von Ihnen, dass Sie sich für ein System und eine Veränderung einsetzen, bei der sich „für Sie nicht viel ändern wird“ und die Sie nichts kosten würde. Ds ist wahrhafter Altruismus.

                • nö, den kurier habe ich heute nicht gelesen, zufällige koinzidenz, das weiß ich auch so.
                  was soll das herumgerede? wenn das bip so hoch ist, dass für jeden unterm strich 5000 möglich wären, dann ändert auch noch so viel herumschieben von funny money nichts daran. „differenziert“ nachzulesen wäre das etwa in „die chancen der globalisierung“ von joseph stieglitz, aber ich bitte um nachsicht, dass ich dieses buch hier nicht nacherzähle.
                  und es geht nicht um mich, die frage ist schlicht, ob das zu vertreten ist, dass ein teil der menschheit im luxus schwelgt während andere am krepieren sind. wenn dann im schnitt das herauskommt, was ich derzeit habe, dann ist das insofern nützlich, weil ich ja damit beweisen kann, dass man davon leben kann und nicht mal schlecht, wenn man lebensqualität nicht ausschließlich an der möglichkeit zum konsum festmacht.
                  ich bin vor jahren aus diesem irrsinn ausgestiegen, zu einem zeitpunkt, als ich durchschnittlich 10.000 p.m. „gemacht“ habe, „verdient“ hatte ich sie bestimmt nicht. ob das etwas verändert oder nicht, werden wir sehen oder auch nicht, aber vielleicht ist es zumindest einer diesen berüchtigten schmetterlingsflügelschläge. jedenfalls ist meine lebensqualität erheblich höher als damals, daher: zur nachahmung empfohlen.

                • lusciniola sagt:

                  Ich wollte Ihnen lediglich vor Augen führen, dass das teilen nicht am Geld oder am BIP halt macht. Wenn jeder Mensch auf der Welt so viel Ressourcen und Energie verbrauchen würde wie die Leute im Westen, dann explodiert unser Planet in gar nicht so langer Zeit. Die Welt auf sozial und ökologisch verträgliche Beine zu stellen und auf alle Menschen aufzuteilen, bringt eine vollkommen andere Welt mit sich als sie jetzt ist. Individualverkehr ist nur eine Sache, Energie, technologischer Fortschritt etc. eine andere.

                  Die Menschen sind nicht kriminell, wenn sie ein wenig Wohlstand haben wollen. Jene sind kriminell, die die ganze Welt aussaugen und überproportional viel Profit an sich raffen.

                  Machen Sie außerdem nicht den Fehler alles für gut und richtig und erstrebenswert zu halten, nur weil Sie diesen Weg gegangen sind. Dieser Weg muss nicht der richtige für andere sein.

                  Die Frage ist, was Sie als in Luxus leben bezeichnen. Wenn es schon Luxus ist, dass man mehr hat als man unbedingt nötig pro Monat zum Beissen braucht, dann ist die Schwelle natürlich niedrig. Das was Sie tun, würden vermutlich viele als in Askese leben bezeichnen. Es findet nicht jeder, dass es die Lebensqualität erheblich steigert, wenn man nicht jeden Monat genügend zu essen bekommt.

                  Vielleicht ist es ja erstrebenswert, dass alle Menschen sich nur mehr auf die Befriedigung ihrer Basisbedürfnisse zurückziehen, ich weiß es nicht, für unseren Planeten sicher – aber man sollte schon so ehrlich sein zu sagen, was das bedeutet, was man will und sich nicht darauf zurückziehen, dass es eh nur um ein bisserl teilen gehen und nicht für a few dollars more irgendwelche Dinge zu tun. Oder wenn man das selbst nicht begreift, dann ein bißchen über die Folgen und Auswirkungen nachdenken.

                  In diesem Sinne ein schönes Wochenende noch :).

                • es geht nicht darum, dass damit alle probleme gelöst wären, aber es scheint mir einmal ein notwendiger erster schritt zu sein anzuerkennen, dass jeder mensch das recht auf den gleichen fairen anteil dessen hat, was dieser planet zu bieten hat. dass danach weitere schritte folgen müssen, kann keine ausrede sein den ersten nicht zu tun, weil man nicht alle schritte auf einmal tun kann. auch die weiteste reise beginnt mit dem ersten schritt. nur tun muss man ihn mal.

                  mit dem thema nachhaltigkeit beschäftigen wir uns übrigens intensiv auf http://www.agenda2020.at.

                • lusciniola sagt:

                  Nur was ist der erste Schritt? Der erste Schritt kann imho nur sein, jene, die gierig die ganze Welt ausplündern und Mrd zusammenraffen, zu stoppen. Und nicht jenen, die ein wenig Wohlstand errreicht haben (im Vergleich zur 3. Welt ohnedies jeder im Westen) als die Schuldigen auszumachen und ihnen das bißchen wegnehmen wollen. Und dann als zweiten Schritt in den Ländern der 3. Welt eine Infrastruktur und ein Know How aufzubauen, um neu gewonnene Ressourcen überhaupt nutzen zu können. Simbawwe sollte da ein Lehrbeispiel gewesen sein.

                  Und dann muss man sich klar werden, dass das alles einen enormen Wohlstandsverlust für alle Menschen im Westen bedeutet und auch viel vom technischen Fortschritt zurückgedreht werden muss (was ich manchen Fällen ohnedies nicht das schlechteste wäre). Dafür kann man eintreten, man muss die Dinge aber ehrlich beim Namen nennen.

                  Im übrigens würde mich brennend interessieren, was Sie unter im Luxus leben verstehen. Definieren Sie mal Luxus.

                  Hinsichtlich des fairen Anteils: aus Sicht der Menschenrechte und dergleichen – natürlich Zustimmung. Allerdings kann man hier wieder das Thema aufwerfen, dass im Westen die Menschen im Schnitt 1-2 Kinder pro Frau bekommen, weil das Halten von Wohlstand eben nicht mehr Kinder verträgt, während in Afrika Frauen zwischen 5 und 15 Kinder bekommen. Wieso soll dieser enorme Kinderreichtum dann zu Lasten der gehen (dadurch minimiert sich natürlich wieder der Wohlstand aller), die sich beim Kinderkriegen einschränken?

                  Aber das ist ohnedies nichts, was wir hier jetzt lösen könnten. Was mich aber wieder zum Ausgang zurückbringt: das waren einfach zu simple Antworten auf sehr komplexe Dinge.

                • lusciniola sagt:

                  Ach ja, noch ein kleiner Nachtrag: die Erde kann problemlos die derzeitige Anzahl an Menschen ernähren. Vielleicht nicht immer hochwertig, aber sättigend. Was sie nicht kann, ist für diese Anzahl an Menschen den Ressourcen- und Energieverbrauch zu tragen. Um bestehen zu können, muss der derzeitige CO2 Ausstoß und auch der Energieverbrauch vermutlich um 30% gesenkt werden. Wenn 2/3 der jetzt verbrauchten Ressourcen und Energie durch die Weltbevölkerung geteilt wird, dann sind Sie sich hoffentlich im Klaren, dass Ihr im Winter immer geheiztes Wohnzimmer, ständig verfügbares Licht, Ihr Computer, Ihr Fernseher und Ihr Motorrad einfach Geschichte sind. Und das saubere, hochwertige Trinkwasser aus der Wasserleitung ebenfalls (ein Luxus auf den ich übrigens nicht bereit bin zu verzichten).

                • der erste schritt wird wohl mal sein, das unrecht zu erkennen und es an sich heranzulassen. in lak’ech, ich bin ein anderes du, das 40kmwasserlochnikekind ist dein eigenes. und diese ominösen bösen unterjocher werden erst dadurch möglich, dass ich sie zulasse. der rest: feinarbeit. kollektorfelder in wüstengebieten und höchstspannungsgleichstromleitungen über max 5000km, nix mit kaltem wohnzimmer und computerexitus. kein individualverkehr in der gewohnten form mehr, weil ja wirklich sinnlos, du bist der stau. das auto ein stehzeug, kein fahrzeug, wie knoflacher sagt, steht ja die meiste zeit herum, wo wiese sein könnte und spielende kinder. jeden tag zweimal mutterseelenallein mit diesem zweitonnenersatzphallus „in die arbeit“ und „von der arbeit“ stehen, dazwischen sinnentleertes phrasendreschen, wer hat den größeren schwanz und wie komme ich an sein geld. mit dem geld dann mentales retrofitting bei nulldiät und töpferarbeit in einem fakebuddhistenkloster in der schweiz. luxus? freedom’s just another word for nothing left to lose.

                • lusciniola sagt:

                  Um das jetzt abzuschließen – schließlich hat der Frater schon eine neue inspirierende Predigt zu einem verwandten Thema geschaltet :) – erlaube ich mir nur mehr ein paar kurze Anmerkungen:
                  „und diese ominösen bösen unterjocher werden erst dadurch möglich, dass ich sie zulasse.“

                  ominös sind die leider nicht, sondern sehr real. Aber wenn Sie den Satz anders haben wollen: die Leute in Nigeria haben nur Probleme mit den Erdölfirmen, weil sie zulassen, dass ihre Regierung sie an diese verkauft. Also absolut einfach: einfach die Regierung zum Teufel jagen und schon wird sich alles in Wohlgefallen ausflösen. Schon wieder: Sie suchen die falschen primären Schuldigen und simple Lösungen, die es so nicht gibt.

                  Einsicht ist gut und klingt so simpel – tatsächlich wohl das schwierigste, das zu bewirken. Deshalb bevorzuge ich den Weg der machbaren Schritte hintereinander – eh schon schwierig genug.

                  Bin weder Techniker noch Ökologe, aber wenn man mit Sonnenkollektoren in der Wüste soviel Energie für die gesamte Menschheit erzeugen könnte, dann hätte man sich längst dran gemacht, das zu nutzen.

                  Habe das Gefühl, Sie haben immer einen besonderen Menschenschlag vor Augen, wenn Sie Ihre Kritik anbringen und rechnen auf den die ganze westliche Welt hoch.

                  @Luxus und Freiheit: wohl zwei vollkommen verschiedene Ebenen. Beim einen geht es darum wie frei man ist und was man selbst für so unbedingt nötig hält bzw woran das Herz hängt – das können auch sehr wohl nicht materielle Dinge sein – beim anderen darum, was Luxus ist, wenn Sie sagen, dass es kriminell ist, wie die einen im Luxus leben, während andere verhungern.
                  Luxus ist es dann in Ihren Augen, wenn man mehr hat als man absolut lebensnotwendig jeden Tag braucht? Und dann sagen Sie, dass es niemals darum geht, in Askese zu leben? Sind Sie sich im Klaren darüber, was Sie von den anderen – nicht von sich selbst – eigentlich wollen?

                • na, eben ned die nigger. ich. ich kaufe denen ja das benzin für mein motorrad ab.
                  und die frage war ja, was ist luxus. und für mich ist freiheit „luxus“. freiheit von anhaftung an das materielle. sagt osho. wollen schafft leiden. sagt buddha. mein reich ist nicht von dieser welt. sagt josh. nothing left to lose. sagt kris kristofferson. lauter spinner offenbar. mein haus, mein auto, meine frau, meine freundin. das ist wahrheit.

                • aja. „wenn man mit Sonnenkollektoren in der Wüste soviel Energie für die gesamte Menschheit erzeugen könnte, dann hätte man sich längst dran gemacht, das zu nutzen.“ vielleicht werde ich das in hinkunft zur exemplifizierung des begriffes „naivität“ recyclen. wobei ich allerdings das gefühl habe, dass es sich hier nicht um naivität handeln kann.

                • lusciniola sagt:

                  Recyceln Sie nur :). Aber bringen Sie mir vorher den Beleg, oder zumindest eine glaubhafte Quelle, dass das mit den Sonnenkollektoren und der Energie für die ganze Welt möglich ist.
                  Das Benzin können Sie genauso gut von den Saudis haben. Es ging darum, dass Menschen etwas zulassen. Und die Nigerianer lassen es genauso zu, dass ihre Regierung ihre Lebensgrundlage an ein paar Multis verkauft wie die normalen einfachen Menschen in der westlichen Welt, dass irgendwelche Multis und Finanzspekulanten sich auf Kosten aller bereichern. Die Möglichkeiten des einzelnen das zu stoppen, sind in beiden Fällen wohl ähnlich.
                  Die Möglichkeiten, dem ganzen Steine in den Weg zu legen wie zB über das Konsumverhalten, das nutzen auch Sie nicht. Sie begnügen sich damit in Askese zu leben, was momentan keinem Afrikaner etwas nutzt, während das, wo Sie etwas tun könnten, nämlich nur Produkte zu konsumieren, die ökologisch und sozial verträglich erzeugt wurden und meinetwegen kein Benzin, Ihnen offenkundig zu mühsam und uninteressant ist. Dort wo Sie etwas tun müssten, tun Sie nichts; alles was Sie tun, ist auf Dinge zu verzichten, die für Sie ohnedies nicht von Interesse sind, weil Sie die eh nicht brauchen. Wieso drängt sich mir da die eine Bibelstelle auf, wo es darum ging, dass wenn man eh nur das tut, was von einem erwartet wird und übertragen was einem nichts ausmacht, man sich nicht von den Pharisäern unterscheidet.

                  Die Frage war: was ist Luxus im Zusammenhang mit Ihrem Ausspruch: es ist kriminell, dass manche in Luxus leben, während andere vor Hunger krepieren.

                • da gehts schlicht um ein insiderding, über das ich mich hier nicht verbreitern will ;)

                • lusciniola sagt:

                  Ach so. Ja, wieso sagen Sie das dann nicht gleich und lassen mich tagelang beim Versuch erschöpfen einen Pudding an die Wand zu nageln? ;)

                • ooch, ich find das nett :D

                  und die diskussion zeigt ja auch durchaus allgemeingültiges, etwa wie sich ein anscheinend nicht asketisch gesinntes und durchaus wohlbestalltes nachtigallchen dreht und windet und nicht zur kenntnis nehmen will, dass man statt „unter gewissen randbedingungen könnte es sein, dass die summe des sekundären elementes in der reihe der natürlichen zahlen augmentiert um den eigenwert gegen die quadratwurzel aus sechzehn konvergiert“ auch einfach 2 + 2 = 4 sagen kann. das ist natürlich eine politisch nicht korrekte „normative“ aussage, während die obige doktorandenformulierung ausreichend spielraum läßt auch „mal fünf gerade sein zu lassen“.

                  ich sehe mich selbst übrigens ganz und gar nicht als asket, sondern vielmehr als bohemien, außer in ganz kurzen phasen hatte ich nie jemals hunger zu leiden und die in wirklichkeit entscheidende ressource, die sargnägel, sind mir noch nie ausgegangen. und wenn mal im kühlschrank gähnende leere herrscht, dann weil ich zu faul zum einkaufen oder mir das futter für die 98 pferde wichtiger war, meine eigene schuld.

                  es gibt aber eben jede menge leute, bei denen das nicht so ist, und wie man angesichts der jedem zugänglichen wirtschaftshistorischen entwicklung insbesondere seit der zeit der conquistadores und der east india company, in die auch der aufstieg des kapitalismus fällt, behaupten kann, die nigger seien doch selbst schuld und sollen nicht züchten wie die karnickel und doch froh sein, dass sie soviel lohn bekommen um sich das inzwischen ebenfalls in den händen kapitalistscher monstren befindliche wasser kaufen zu können, ohne zu erkennen, dass wir es sind, die all das durch unser konsum- und wahlverhalten erst ermöglichen, will mir nicht in den schädel.

                  und wenn ich dann sehe, wie leute mit noch vom gloria in excelsis deo verzückten mienen beim gelage beim kirchenwirt den vorher inbrünstig angejammerten kerl regelrecht ficken und sich vom allgegenwärtigen raikaheini in anlageformen beraten lassen, dann entweicht mir schon mal das eine oder andere politisch unkorrekte. daran, dass sich dann immer jemand findet, der der stimme eines rufers in der wüste ob des honigs zu den heuschrecken pharisäertum vorwirft, habe ich mich gewöhnt. what shall’s, man gönnt sich ja sonst nichts :D

                  übrigens bauen die saudis in der arabischen wüste bereits solche kollektorfelder (über den aktuellen stand des projektes bin ich zu meiner schande allerdings nicht orientiert), und ein ähnliches projekt in der sahara ist an den üblichen mechanismen gescheitert, genauso wie die brennstoffzelle, die ende der 90er eigentlich serienreif gewesen wäre.

                • lusciniola sagt:

                  Ich hoffe das „gar nicht asketisch gesinnt und wohlbestallt sein“ beinhaltet keine Vermutung über meine Leibesfülle.

                  Mit dem Winden irren Sie sich aber. Ich gebe vollkommen unumwunden zu, dass ich nur schwer auf manchen Luxus verzichten will. Nur dass das mitunter nicht der Luxus ist, den Sie vermutlich vermuten. Ein Motorrad brauche ich jedenfalls nicht, um mich als Held der Autobahn zu fühlen, auch auf das Auto könnte ich großteils verzichten, wohne ich ja glücklicherweise in dem Ort, an dem ich auch meine Arbeit verrichte. Elektrischen Nasenhaartrimmer nenne ich auch nicht mein eigen, ich wusste nicht einmal, dass so etwas existiert.

                  Nachdem Sie sich aber großteils in Allgemeinplätzen ergehen und pauschale feel good Argumente als geniale und simple Lösungen präsentieren wollen und pauschale Beschuldigungen reiten, die der Komplexität der Ursachen und Wirkungen nicht gerecht werden und zudem auch noch keineswegs als locker implementierbar angesehen werden können, bin ich geneigt Ihnen mit Widerspruch meine abweichende Sicht der Dinge nahezubringen. Ich glaube nun mal nicht daran, dass kollektiv allen Menschen zugleich in einem absehbaren Zeitraum das Licht aufgehen wird, dass es so nicht weitergehen kann und sich gleichzeitig die Bereitschaft anschließt, auf allen bisher erworbenen Wohlstand und Teile des Fortschritts zu verzichten, um dann in trauter Brüderlichkeit (Sie verzeihen, wenn ich das jetzt nicht gendere) sozial und ökologisch verträglich die restlichen Tage der Menschheit zu beschließen. Und ich glaube, dass Sie sich entweder nicht im Klaren sind, welche Implikationen Ihre Forderungen haben oder dass Sie bewusst die Dinge nicht beim Namen nennen wollen.

                  Deshalb bevorzuge ich einen Weg der (schon sehr schwierig) machbaren, aber zugegebenermaßen kleineren und dafür auch länger dauernden Schritte, die aber vielleicht plausiblere Aussichten auf Erfolg haben. Und diese lauten: 1) muss mal einer ausreichenden Anzahl von Menschen das Licht aufgehen, dass es so nicht weitergeht und wir uns kollektiv in der Geiselhaft von ein paar Irren befinden, deren Gier unsere gesamte Erde samt den dazugehörigen Lebewesen nachhaltig zerstört und wir uns nicht gegeneinander über Lächerlichkeiten in die Haare geraten sollen, wodurch Energie, Ressourcen und Weitblick fehlen, den Irren Einhalt zu gebieten (klassisches divide et impera Spiel). Und durchaus auch jeder von uns auf einiges verzichten müsste bzw. die Irren nicht stützen darf, nur um auch am schnellen Geld partizipieren zu können, was aber sobald ein Licht aufgegangen ist, den meisten vernünftig erscheinen dürfte. 2) muss in der 3. Welt ein Know-How Transfer sowie die nötige Infrastruktur geschaffen werden, dass diese auch flächendeckend und nachhaltig am Wohlstand partizipieren können. 3) kann man sich dann daran machen, den Wohlstand besser umzuverteilen, wobei ich ja glaube, dass bei der derzeitigen Anzahl an Menschen auf Planeten Erde und gleicher Verteilung der Ressourcen in einer für nachfolgende Generationen akzeptabler Weise sich nicht mehr als ein Leben auf dem Level der Indianer ausgeht, dafür mit moderner Medizin und gerade noch öffentlichen Verkehrsmitteln sowie einiger technischer Neuerungen, aber das ist es dann. Mutter Erde würde es uns danken, ob die Menschen dem auch so positiv gegenüber stehen, lasse ich einmal dahin gestellt, jedenfalls kann dieser Umverteilungsprozess nur ein abgestuft gradueller sein, der längere Zeit braucht, um abgeschlossen werden zu können.

                  Im übrigen bin ich vor ein paar Tagen auf einen Artikel gestoßen, der das hier behandelte Thema streift. Der Herr dürfte zwar etwas esoterisch angehaucht sein, die Grundsatzaussagen in diesem Artikel halte ich aber für durchaus plausibel, ohne sie jetzt bewerten zu wollen. Das könnte auch Ihren außerirdischen Freund auf Ihrer Website interessieren. http://www.siegfriedhagl.com/okologie/eine-neue-wissenschaft

              • lusciniola sagt:

                Interessant, dass Sie sich als bohemien bezeichnen. Hatte ich doch bisher den Eindruck, dass gerade die Bobos zu Ihren bevorzugten Feindbildern zählen. Ich habe zwar nicht die geringste Ahnung, wozu man Sargnägel benötigt, aber auch zum Fasten genötigt zu sein, erachte ich nicht als erwünschenswerten Sprung in der Lebensqualität (oder wie war sonst der Satz mit dem Fasten als monatliche Sozialleistung gemeint?).

                Den conquisatoderes und der EIC alle Schuld an den heutigen Zuständen zu geben, ist eben auch zu kurz gegriffen. Wir haben keine Kolonien mehr, die korrupten Regierungen werden vielfach von den Menschen gewählt, der Westen trägt sicher viel Mitschuld, aber die Menschen in Afrika sind nicht bar jeglicher Verantwortung für ihre eigenen Leben. Außerdem gab es Kolonien sowohl in Asien als auch in Lateinamerika und in Afrika – so mau wie in Afrika sieht es in den anderen Kontinenten nicht aus. Das hat natürlich viele Gründe, die ich jetzt nicht auch noch diskutieren möchte.

                @Karnickel: das war lediglich ein Beitrag zum Thema Ressourcenverteilung im gleichen Ausmaß. In Wahrheit ist das natürlich nur ein utopisches Gedankenspiel, denn dass jeder genau seinen Anteil an der Erde und den Ressourcen erhält, ist natürlich nur theoretischer Natur, der man sich in der Praxis annähern kann, aber angenommen wir würden die Welt heute auf alle aufteilen (abgesehen davon dass der Großteil des weltweiten BIPs auch im Westen erarbeitet wird, wo sich auch die Verteilungsfrage stellen könnte): um eine Geburtenkontrolle ähnlich der 1-Kind Politik wird man dann nicht herum kommen, weil dann jeder überproportionale Nachwuchs zulasten des Wohlstandes jedes einzelnen und der Zukunft geht und das mitunter erhebliche Ausmaße annehmen kann. Und bevor Sie jetzt mit der Altersversorgung kommen: bei uns glauben die Leute eine Zusatzpension als Altersvorsorge zu brauchen, weil der Staat auslassen könnte, bei den Afrikanern glaubt man, dass man viele Kinder dafür braucht. Beides aus Ressourcensicht und Nachhaltigkeit ein Fehler. Gleichwertig? Bestimmt nicht. Parallelen? Durchaus.

                Amüsant Ihre Notiz: „ohne zu erkennen, dass wir es sind, die all das durch unser konsum- und wahlverhalten erst ermöglichen,“. Genau das tun Sie ja; Sie ändern Ihr Konsumverhalten nicht, kaufen nicht bewusst ein, sondern was eben gerade bequem und günstig erscheint. Wie diese Produkte erzeugt wurden, interessiert Sie offenkundig nicht, weil Sie leben ohnedies schon in „Askese“ und leisten damit genug für die Welt. Welches Wahlverhalten? Welche Alternativen im Wahlverhalten hätte den jemand bei uns hierzulande, wenn er ein anderes System will? Wenn Sie den Afrikanern nicht vorwerfen, dass die ihre korrupten Regierungen aufrecht halten und weiter wählen, wieso werfen Sie es dann den Menschen im Westen vor, für die sich soweit ersichtlich auch keine Alternativen am Wahlzettel präsentieren?

                Wenn das mit den Sonnenkollektoren so einfach wäre, dann hätte ein profitorientierter Kapitalist sich das längst zunutze gemacht, um das um teures Geld zu vermarkten. Wenn Sie daran Ihre Umverteilung hängen wollen, dann könnten Sie sich leicht die Finger verbrennen oder dann im Dunkeln sitzen :D.

                Ich „werfe“ Ihnen Pharisäertum „vor“, weil Sie es mit den eigenen Ansprüchen bei sich selbst nicht genau nehmen. Und sich für Dinge stark machen, die Sie nichts kosten, weil sich ja für Sie eh nichts ändert und Sie sich dafür loben, dass Sie auf Dinge verzichten, die Ihnen eh nichts bedeuten und die Sie nicht brauchen. In der Wüste rufen dürfen Sie. Tun Sie das nur weiter, solche Leute braucht es gerade heute ohnedies dringend.

                • if you can’t convince them, disturb them. immer mehr details, plausible, aber nicht nachprüfbare „fakten“, schlichte behauptungen.
                  „Die Obergrenze für die Bevölkerung der Erde hängt vom Lebensstandard ab. Sie ist nur schwer abzuschätzen und dürfte kaum über zwei Milliarden liegen.“ aha.
                  der erste satz zweifellos logisch einwandfrei, der zweite: pure scharlatanerie, charakteristisch für den stil, in dem diese diskussion der ungebremst auf die klippe zulaufenden lemminge abläuft.
                  die alles entscheidende frage wird nicht mal angerissen: cui bono?
                  stattdessen horrorszenarien von zurück auf die bäume bis mad max. und das wollen wir doch alle nicht, also weiterlaufen, bis jemand die einzuschlagende alternativrichtung auf zwei winkelsekunden genau angegeben, theoretisch einwandfrei bewiesen und auch im selbstversuch, natürlich zusammen mit einer entsprechenden anzahl von probanden auf statistischer basis experimentell untermauert hat.

                  „Wenn das mit den Sonnenkollektoren so einfach wäre, dann hätte ein profitorientierter Kapitalist sich das längst zunutze gemacht, um das um teures Geld zu vermarkten.“ echt, he?
                  hat irgendjemand gesagt, dass es einfach wäre? die kollektorfelder selbst schon, das problem liegt eher beim transport. erstens überhaupt mal technisch, zweitens, welche unerwünschten nebeneffekte wird das wieder haben. werden vielleicht die zugvögel durch die entstehenden magnetfelder heillos verwirrt? ähnliches bei windenergie: wie wirkt sich der wärmentzug, der es ja in letzter konsequenz ist, auf das lokale klima aus, welche auswirkungen haben die geänderten strömungsverhältnisse auf windbestäuber?
                  das alles erfordert umfangreiche forschungsprojekte und man denke an die gewaltigen investitionen, das können wir uns einfach „nicht leisten“. es liegt doch auch auf der hand, dass wir uns freien hochschulzugang nicht mehr wie in den 70ern leisten können, als die wirtschaftsleistung und das nettonationaleinkommen nur halb so hoch waren wie heute, inflationsbereinigt wohlgemerkt. ja klar, wir brauchen viel mehr akademiker. zwischenfrage: warum? frag ned so blöd. jedenfalls können wir uns das nicht mehr leisten, wir müssen den gürtel enger schnallen. warum? frag ned so blöd. jessasmarantjosef, also halt mich nicht auf beim weiterlaufen.

                  ich bin kein pherologe, nicht mal ökologe, aber ich bin techniker. als solcher vermute ich aufgrund meiner erfahrung (zwar nur im maschinenbau und der it, ich kann also nicht verallgemeinern, vielleicht ist das in der elektronik ja ganz anders und in der medizin kann ich sowas von gar nicht mitreden) mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit („ich weiß“ trau ich mir nicht sagen, das ist wieder so politisch unkorrekt normativ, möglicherweise sogar „wertend“, pfuigack aber auch), dass es für jedes problem eine lösung gibt. meistens nicht die ursprünglich angestrebte perfekte, aber hinreichend gut. gekillt werden die dann von den erbsenzählern, weil der roi nicht passt. erneuerbare energie eben zb aus sonnenlicht (die sonne beglückt die erde jeden tag mit so viel energie wie die ganze menschheit ein ganzes jahr verbraucht) wäre zwar the thing to do, aber die kosten, sie wissen schon. das kann niemand bezahlen. amortisationszeiten im dekadenbereich, die nächste hauptversammlung ist aber im märz. also vergiss es, zum vorstand brauch ich mit der idee gar nicht gehen. wir retten damit die menschheit? und wie lautet die zugehörige betriebswirtschaftliche kennzahl? hmm? na also.
                  cui bono? was soll die frage, außerdem lernt man in der hak nicht tschechisch. klar sind das irre, aber die bezahlen mein gehalt und shopping macht happy.

                  bobo ist ja das kürzel für bohemien bourgeois, und mit bürgerlich hab ich es gar nicht, unter wohlbestallt verstehe ich „finanziell unabhängig“, womit durchaus eine erhöhte leibesfülle einhergehen mag, aber das muss ja nicht sein. kann es sein, dass wir zwei verschiedene sprachen sprechen und babelfische im ohr bräuchten?
                  also gut. mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa. die drei kilo nicht fair trade kaffee im monat und die zwei jeans und fünf leiberl alle zwei jahre überhaupt ungeklärter herkunft disqualifizieren mich und die türken und inder, bei denen ich im allgemeinen einkaufe, haben mir auch noch nie usprungszertifikate gezeigt. also werd ich mal zusehen, dass ich nullkonsum auf basis von fair trade implementiere und das pöhze motorrad werd ich wohl auch weggeben müssen, und dann red ich weiter.

                  aber biker fahren nur im notfall auf der autobahn (zu wenig kurven) und andere kulturen haben vielleicht ganz andere kriterien für wohlstand. aber was weiß ich schon.

                • saxo lady sagt:

                  soso, frankyboy ist grantig :D

                • wieso grantig? ned mehr als sonst auch, und außerdem is grantig ja sexy :D

                • lusciniola sagt:

                  Also ich habe den Eindruck, dass es jetzt gerade Ihrem Blutdruck nicht besonders gut geht :). Fällt das jetzt in die Kategorie: if you can´t convince them, be aggressive? Aussichtslos – das wirkt bei mir nicht ;).

                  Ich will zu Ihrem hysterischen Wortschwall jetzt nicht im Detail Stellung nehmen, aber kann es sein, dass Sie gerade wieder mit jemand anderem reden und nicht mit mir? Kommt mir vor wie eine Predigt ins Blaue.

                  Was das plausible Annahmen und keine Fakten angeht, sind Sie es, der genau damit operiert: Annahmen, Vermutungen, keine Fakten. Genauso wie jeder von uns. Sind Ihre Vermutungen und Annahmen die besseren? Den Beleg, dass das mit den Sonnenkollektoren funktioniert, bleiben Sie schuldig, da nutzt Ihr Herumgeiere nichts. Der nahe liegende Schluss, dass das Energieverbrauchslevel für alle dann nur mehr entsprechend niedrig sein kann, wenn das nicht funktioniert, verursacht Ihnen fast einen Herzkasperl. Wieso verlangen Sie von anderen, alles genau zu untermauern, im Selbstversuch zu testen und auf eine Winkelsekunde zu berechnen („plausible, aber nicht nachprüfbare “fakten”, schlichte behauptungen“), wenn Sie das bei Ihren eigenen Annahmen und Vermutungen empört zurückweisen? Sind Ihre Gesprächspartner normalerweise so minderbemittelt, dass sie auf diese Argumentationstaktik reinfallen?

                  Mad Max und zurück auf die Bäume – kam nicht von mir, es sei denn, Sie bezichtigen die Indianer, wie die Affen zu leben. Dass der pro Kopf Verbrauch an Energie, Ressourcen und CO2 der Menschen im Westen nicht auf 7 Mrd Menschen ausgedehnt werden kann, sollte wohl evident sein.

                  Natürlich gibt es für jedes Problem eine Lösung. Nur diese Erkenntnis sagt noch nicht, was die Lösung ist. Insofern kein besonders erhellendes Argument.

                  Finanziell unabhängig also. Sind Sie dann nicht auch wohlbestallt? Freedom is just another word for nothing´s left to loose? Vertrüge sich das mit einer Abhängigkeit finanzieller Natur? Finanziell unabhängig bin ich nicht. Ich hänge davon ab, mein Einkommen durch meine Arbeit zu verdienen.

                  Wieso Kaffee? Konsumieren Sie nur Kaffee und sonst gar nichts? Sie müssen Ihr Motorrad nicht aufgeben und können einkaufen wie Sie wollen. Wegen mir brauchen Sie nichts umstellen ;). Bemerkenswert ist nur, dass Sie nicht einmal auf die Idee gekommen wären, dass auch Sie mit Ihrem Konsumverhalten zu einer Veränderung beitragen könnten, dafür aber den anderen Vorhaltungen machen, sie abstempeln und verurteilen, dass diese mit ihrem Konsumverhalten die Welt schädigen würden. Sie wirken halt ein wenig unglaubwürdig, wenn Sie Dinge von anderen verlangen, die Sie selbst nicht so handhaben. Das soll Sie aber nicht daran hindern zu tun, was Sie wollen, das geht mich wirklich nichts an.

                  Sie legen Ihre eigenen spezifischen Lebenserfahrungen auf alle um und verlangen von allen anderen das gleiche, was Sie selbst tun, weil Ihnen das als das eine richtige erscheint. Nur haben Sie nicht die Richtigkeit der Welt gepachtet. Neulich hat mir ein Vegetarier erklärt, wie kriminell und ökologisch und sozial unverträglich wir Fleischesser alle sind, durchaus mit vielen plausiblen Argumenten. Der kann das auch mit Fug und Recht vertreten – ist dann aber schon jeder kriminell, der nicht seinem Beispiel folgt?

                  Man sollte sich selbst nicht für den Nabel der Welt halten – dann behält man vielleicht auch den Blick für Relationen – und kann trotzdem engagiert für seine Sache eintreten.

                  Hinsichtlich der unterschiedlichen Auffassungen von Wohlstand haben Sie aber recht. In der Tat ist Wohlstand etwas sehr subjektives, nicht nur in den unterschiedlichen Kulturen, sondern auch innerhalb einer Kultur. Und den Menschen in Afrika ist eine Waschmaschine und ein Geschirrspüler wahrscheinlich kein besonderes Anliegen, während ich dekadentes Wesen ungern auf diese verzichten möchte. Das wird auch einer der Schlüssel zur Umverteilung von Wohlstand sein und deshalb sagte ich, dass dieser Prozess ein abgestufter gradueller sein wird. Aber das war in dem konkreten Fall nicht das Thema – da ging es um Ihre Aussage, dass jeder Mensch Anspruch auf den gleichen Anteil von dem hat, was die Erde bietet und da gehören eben auch nicht oder nur bedingt erneuerbare Ressourcen dazu.

                • lusciniola sagt:

                  Ich zerstreute Nachtigall habe das noch ganz vergessen: „kann es sein, dass wir zwei verschiedene sprachen sprechen und babelfische im ohr bräuchten?“

                  Das ist einer der Sätze, die ich voll und ganz unterschreiben wüde :)).

                • omfg. irgendwie kommt mir das alles so bekannt vor. kümmern wir uns lieber mal um die babelfische. fair trade natürlich :D

                • lusciniola sagt:

                  In Ordnung. Aber die Babelfische müssen Sie besorgen, ich bin zu sehr damit beschäftigt, meine Wohlbestalltheit aufrecht zu halten.

                • war ja klar :D die revolution scheitert an überbeschäftigung ;)

                • lusciniola sagt:

                  Aber woher denn, ich beherrsche schließlich die Kunst der Delegation. Und die Babelfische sind bei Ihnen ganz gut aufgehoben. Ich bin auch nicht heikel, das Design ist nebensächlich, solange mein Fisch funktional ist. :)

  • ich kann mich auch noch gut an auf auf der schreibtischplatte auszustreckende finger niedersausende lineale erinnern, nicht selten mit der kante, was dann tagelang scheiße weh tat. es galt auch nicht so wie heute bei den bänkstern die unschuldsvermutung, vielleicht weil so ein pimpf ja auch noch gar nicht strafmündig war, „wird da scho gheat hom“ war der standardkommentar. aber d’accord, yestermillenium’s news, auch wenn derlei bestimmt bleibenden schaden an der einen oder anderen kinderseele angerichtet hat. summa summarum sind wir wahrscheinlich den lehrern ohnehin nichts schuldig geblieben, und trotz allem, ich hoffe, mein blick auf die vergangenheit ist nicht allzu verklärt, ich hatte bessere lehrer als meine söhne.
    ich erinnere mich auch gern an meinen religionslehrer im internat, der mann hieß übrigens saxinger, der mir, obwohl katholischer priester, einen eindruck vermitteln konnte, wie man das thema religion tatsächlich angehen sollte. der einfachheit halber will ich es glück nennen, dass der mit „Transparenz, Entschlossenheit und Strenge“ vorgehende paparatzi damals noch nicht chef der inquisition war, und so dürften sie den wohl bona fide, nichtsdestotrotz aber häretiker einfach übersehen haben, jahre später habe ich erkannt, dass er uns eigentlich den buddhismus in römisch-katholischem tarndress gepredigt hat. so verwunderlich ist das auch gar nicht, der erste vers des johannesevangeliums gibt einen tadellosen zenspruch ab, und christopher moore entwirft in der bibel nach biff ein durchaus plausibles szenario, wie das kommen könnte, auch in der hinduliteratur finden sich entsprechende hinweise.

    ich darf ebenfalls auf das „HIER“ verweisen, hier habe ich seinerzeit meinen senf dazu abgegeben, und, ist der ruf erst mal ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert, ergänzend hierzu auch auf die prophezeihungen des malachias hinweisen, die sich, für mich ganz offensichtlich, erfüllen. für den spruch „de gloria olivae“ finde ich zwar keine direkte interpretation, allerdings habe ich im jahre des herrn 2002 auf basis dieses spruchs und eines wandgemäldes an dem gebäude in der stiftsschank des derzeit auch ziemlich im gerede befindlichen kremsmünster die kecke vorhersage getan, dass der nächste papst entweder ein schwarzer oder ein benediktiner sein oder benedikt heißen wird, den kameraden sind 2005 die augen ziemlich rausgekullert.
    und ratzi terminiert die kathchurch ja nach allen regeln der kunst, der von dem unbekannten, aus marketinggründen die prophezeihungen zwei jahrhunderte vordatierenden und eben diesem malachias zuschreibenden autor dieser sprüche angeführte peter romanus wird wohl nur mehr ein masseverwalter sein.
    dass der papst so gut aufgelegt wirkte, habe ich zwar nicht bemerken können, ich würde eher vermuten, dass sich dieses profitliche grinsen mittlerweile in seiner gesichtsmuskulatur perpetuiert hat, aber ich hatte ja auch besseres zu tun als diesen event zu verfolgen und kann mich daher nur auf die veröffentlichten fotos stützen.
    bemerkenswert finde ich, dass es in der urbs zu dem zeitpunkt kräftig geschüttet hat, und man hat uns ja als kindern gesagt, wenn es regnet, weinen die engel, und, man (und auch frau) halte mich für verrückt, mir ist das wuascht und macht einen heidenspaß, ich könnte mir vorstellen, dass es freudentränen waren darüber, dass mit diesem unsinn jetzt endlich bald schluss ist. und ich befinde mich da ja in guter schlechter gesellschaft, letztes jahr hat sich, wenn auch vage, aber doch, auch adolf holl in einem aufsatz über das evangelium des seligen abtes joachim in diese richtung geäußert, was uns dann zu einer kleinen spinnerei inspiriert hat, wen es interessiert, der findet sie hier.

    • aja, noch eine bemerkung ad mars und jupiter und ruf und ungeniert: in aquarius finden wir ja die textzeile „when jupiter aligns with mars“. jupiter gilt als symbol der spiritualität, mars als das der kraft in den niederungen der „realität“. zufällig war gestern im mayakalender gerade der tag des solaren kriegers mit der charakterisierung „Harmonisierung von Intuition und Ratio „, vgl. auch coelho’s „krieger des lichts“, und dass dazwischen ein bröckerl namens ratzinger sozusagen als hindernis seine kreise zieht, könnte ein netter gag des kosmischen komikers sein. zudem ist die quersumme von 8661 eben 21, was in der großen arkana des tarot das universum ist (Ganzheit, Vollendung, kosmische Vereinigung (Symbiose von Eros und Spiritualität)), paranoid schizophrene conclusio daher: ratzi the terminator.
      aber das ist alles unsinn, also vergesst es.

    • Frater Gladius sagt:

      Danke. Den Regen hatte ich tatsächlich vergessen. Eine unverzeihliche Nachlässigkeit. Ja: Der Himmel hat geweint. Ihr FG

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