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Strafe

Von | 15.03.2010, 9:08 | 42 Kommentare

Wir haben die Strafe verloren, irgendwo am Weg. Wir haben sie verloren, gemeinsam mit vielen anderen Sachen, die wir ständig verlieren, in diesem Angst erregenden Prozess, den wir „sozialen Wandel“ nennen.

 All diese Dinge, gut und schlecht, die langsam – oder plötzlich – ihre Form und Bedeutung verloren, oder vollkommen aus unserer Kultur verschwanden. Mitgefühl? Verbindung mit einem „höheren Sinn“? Einer Seele? Gemeinschaft? Strafe?

Ja, wir haben die Strafe verloren. Oder besser, die Idee der Strafe. Selbst wenn wir bestrafen, ist die Bestrafung milde. Mörder und Kindervergewaltiger verschwinden einfach aus unserem Blickfeld und werden in Institutionen gesteckt, mit warmen Duschen und mehreren Mahlzeiten täglich, mit Besuchsrechten und Spaziergängen im Hof, mit Arbeitsplätzen und Turnhallen. Bestrafung? Eine Lektion, es nie wieder zu machen? Und, vor allem, eine Warnung an andere mit ähnlichen Neigungen? Bin mir nicht so sicher.

Und für die wenigen Auserwählten haben wir die Idee der Strafe komplett verloren.

Ist Strafe gut? Ist sie schlecht? Wer hat das Recht, wen zu bestrafen? Und wofür? Ich weiß es nicht. Als Kind wurde ich nie bestraft. Aber gut, war auch nicht notwendig. Ich war ein außergewöhnlich gutes Kind. Eine Streberin von Natur, die sich cool gab. Also weiß ich nicht, ob die Idee der Strafe tatsächlich funktioniert. Ich weiß nur, dass Doppelmoral garantiert nicht funktioniert.

Wir sind aber keine Kinder. Grausame Verbrechen passieren vor unseren Augen (dank Globalisierung und Massenmedien) und schockieren uns. Einige haben großen Einfluss auf unser Leben. Die Verantwortlichen verschwinden, ohne dass eine korrektive Maßnahme getroffen wurde. Wir kennen Leute, die solcher Ungerechtigkeiten schuldig sind, aber wir bestrafen sie nicht. Wir denken nicht einmal daran, sie zu bestrafen. Warum? Was macht Banker, katholische Priester, Konsulentenfirmen (und andere Konglomerate) und amerikanische/britische Entscheidungsträger so unberührbar?

Warum sollten sie anders behandelt werden als du und ich? Im Unterschied zu denen würden du und ich ins Gefängnis wandern, wenn wir

* einen größeren finanziellen Betrug durchziehen, der ein paar wenige (und nicht Milliarden) Menschen ruiniert

* Kinder schlagen, foltern und vergewaltigen

* jemandem beim Fälschen des Kontobuches helfen, mit dem Resultat, dass ein paar wenige (und nicht Millionen) Menschen in Schulden enden, die sie nie wieder zurück zahlen können

* ins Haus eines Anderen einbrechen, sein Besitz zerstören und seine Familie töten (insbesondere, wenn wir das ohne Grund machen)

Ist das Demokratie? Ich weiß nicht. Wenn „jene da oben“ mit Menschen – denen sie dienen sollten – ungestraft anstellen können, was immer sie wollen: Hat das nicht einen anderen Namen? Welche Wirkung hat das auf unser Verständnis von Moral? Von Fairness? Von Verantwortung? Von der Welt in der wir Leben?

Und warum zum Teufel halten wir den Mund???

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42 Kommentare »

  • wir halten ja nicht den mund. aber es hört uns keiner, weil die, die sich ja an die gesetze halten, die vorher von ihnen geschmierte nach ihren vorgaben beim plausch am jägerball gemacht haben, inzwischen auch nahezu die gesamte presse und sonstige medien kontrollieren und meinung _machen_.

    und irgendwie hängt der großteil der leute irgendwie drin, ein schönes häusl auf kredit, schiurlaub muss auch sein und alle zwei jahre ein neues auto und die kinderleins, ja, die werden ja sonst in der schule gemobbt, wenn sie keine converse haben (oder san die inwischen out?). die alternative ist halt nicht so schön. glaubt ihr.

    sskm.

    und divide et impera funktioniert immer noch tadellos, wie man sieht.

  • Ana Tajder sagt:

    Tajder hat alle Komentare verfolgt, alles gelesen und bedankt sich sehr für Ihre Meinungen.
    Und jetzt will Tajder (versuchen zu) klären, was sie gemeint hat, und was sie ärgert:

    Erstens: Das Foto. Es wurde vom Herrn Sax schlecht gewählt und gab meinem Text offensichtlich ein Ton, der nicht so gemeint war. Ich würde mich freuen, in Zukunft über die Bebilderung mitbestimmen zu dürfen.

    Zweitens: Totaler Verfall aller Werte, Grenzen, Moral und Ethik in unserer Gesellschaft. Wir werden immer mehr, unser Planet bleibt gleich groß. Die Globalisierung und die neuen Technologien brechen alle Grenzen. Die Politik, der Staat und der Mensch sind mit der Orientierung und Anpassung zu langsam. Wir lassen uns treiben. Und genau deswegen brauchen wir jetzt, mehr als je, klare Werte und klare ethische Gesetzte. Aber genau der Gegenteil passiert: Alles wird relativiert (sieht man auch sehr klar in den Kommentaren). Und wenn alles geht und alles relativ ist, dann ist nichts mehr wertvoll und alles bedeutungslos. Inklusive der menschlichen Seele und Wurde. Wir werden in einem Cyber-Chaos enden, beherrscht von Profit-Cowboys und denen, die den niedrigsten menschlichen Trieben dienen, in einem Chaos in dem alles OK ist, und sich niemand traut zu protestieren, weil er dann als „rechts“, „konservativ“, „populistisch“, „provinziell“ abgestempelt wird. Auch eine humanistische Einstellung muss sehr klare Grenzen und Gesetze kennen. Beim laissez-faire gewinnen nur die Brutalsten und Skrupellosesten.

    Drittens, viertens, fünftens…..:
    Dass George Bush (& co.), nachdem er Millionen von Leben und Schicksalen ruiniert hat, und ein ganzes Land zertrümmert, ohne einem anderen Grund außer Profit für seine Landsmänner, seine Rente im Luxus und Ruhe genießt. (Dass wir mittlerweile von dem Thema zu ermüdet sind, um zu reagieren.) Tajder findet es richtig, dass Kriegsverbrecher aus „ex-YU“ jetzt im Tribunal sitzen.
    Dass die Missbräuche in der katholischen Kirche durch „Passiert auch in der Familie“ relativiert werden – aber die Kirche soll doch Ethik, Moral, und das Gute in der menschlichen Seele repräsentieren. Genau aus dem Grund haben Millionen von Menschen ihre Kinder der Kirche anvertraut.
    Dass sie noch keine Verhaftungen von Priestern gesehen hat. Oder nur eine. Bei Tausenden von Fällen.
    Es ärgert die Tajder, dass sie und ich bestraft werden, aber Manager/Banker/Politiker/ Korporationen nicht. Warum? Wenn wir so eine tolle, weitentwickelte, demokratische, humane Gesellschaft sind, will Tajder das gleiche Recht für alle.
    Es ärgert die Tajder, dass in der Sezession jemand Geld mit einem Swingerclub verdient und jemand anderer dies als seine Kunst klassifiziert. Und dass man schon wieder nur über das Geld diskutiert hat, und nicht über dem wichtigsten Punkt: den geistigen Stand unserer Gesellschaft.

    Was mich aber freut, ist, dass es Menschen gibt, die lesen, sich Gedanken machen, eine Meinung haben, diskutieren und sich trauen, kritisch zu sein. Und eine Plattform dafür haben.
    Das hat alle Kritiken an meinem Text neutralisiert.

    • lusciniola sagt:

      Ich glaube, da haben Sie einige kritische Kommentare mißverstanden. Ich sagte es schon unten: hier werden zwei Dinge vermischt: 1. dass zu wenig gestraft wird, weil einige es sich richten können und 2. welcher Art die Strafen sind, die verhängt werden.

      So weit ich es überblicken kann, wurde relativ einhellig nur kritisiert, dass Sie unsere Strafen hierzulande zu weich finden, nichts richtiges, keine Lektionen, der Ruf nach einer härteren Hand, die weh tut sozusagen.

      Gegen Ihr anderes Vorbringen, nämlich dass zu wenig gestraft wird, hat niemand etwas eingewandt. Diese Kritik ist ja auch vollkommen berechtigt. Aber imho geht es da um was viel größeres: nämlich ein neues Wertesystem zu implementieren, wo nicht mehr der, der den meisten Profit hat und die meisten Menschen reinlegt, der coolste boy am Spielplatz ist. Aber jetzt nach Strafen zu schreien für Leute, die sich regelkonform verhalten haben, weil wir diese Regeln aufgestellt haben, entspringt zwar einer berechtigten Wut, ist aber zu kurz gegriffen. Die meisten von uns haben mitgemacht bei dem System. Wollten immer höhere Rendite auf ihre Pensionsfonds oder ihre Investmentfondsveranalgungen. Über 1 Mio Veträge bei der Zukunftsvorsorge, die weitgehend in Aktien investiert wird. Das waren nicht nur ein paar Manager, sondern an dem System haben die meisten von uns partizipiert.

      Und zu den Priestern: die Kirche gehört zur Verantwortung gezogen und dazu gezwungen, alle Fälle anzuzeigen, deren sie gewahr wird. Daqnn wird sich was ändern. Wenn Sie vor 30 Jahren jemanden mißbraucht hätten, dann kämen aber auch Sie nicht ins Gefängnis, wenn es jetzt erst rauskommt. Da würden Sie nicht anders behandelt als ein Priester.

      Ich relativiere nichts und benenne niemanden rechts oder provinziell, der die Mißstände in unserem Land aufzeigt und auch seine Wut darüber rausläßt. Aber wenn diejenige es so gestalt macht, dass sie sich über warme Duschen und Essen in den Gefängnissen aufregt und dass unsere Strafen zu wenig hart und lektionenreich wären, dann erlaube ich mir, meine Meinung dazu zu sagen. Humanismus rechtfertigt keine Verbrechen. Aber er sorgt dafür, dass auch ein Verbrecher Mensch bleibt.

    • Roybatty sagt:

      Danke. Sie ersparen mir neuerliche lange Erklärungen. Kann mich nur 100 %ig anschließen.

    • Manfred Sax sagt:

      ad: „Das Foto. Es wurde vom Herrn Sax schlecht gewählt und gab meinem Text offensichtlich ein Ton, der nicht so gemeint war. Ich würde mich freuen, in Zukunft über die Bebilderung mitbestimmen zu dürfen.“

      Tut mir leid, dem kann ich nicht folgen. Erstens formal. Die Mitbestimmung zur Bebilderung war nie eine Frage des „Dürfens“. Jede(r) Beitragende darf IMMER die Bebilderung mit bestimmen (und wird auch im Moment der Veröffentlichung hin gewiesen, ob die Wiedergabe so passt). Auflage ist nur, dass das Bild zur Wiederveröffentlichung freigegeben ist – was einer gewissen Recherche bedarf.

      Zweitens inhaltlich. Ich möchte daran erinnern, dass das Thema “humaner Strafvollzug“ erst mit Anfang der 70er Jahre zur Debatte stand (jedenfalls in Österreich). Erst Anfang der 70er Jahre durften etwa österreichische Lehrer ihre Schüler nicht mehr nach Gutdünken prügeln. Ich räume ein, dass es Leute gibt, die zu jung sind, um das mit erlebt zu haben. Ich bin alt genug, um die Tage dieser „Wende“ zu erinnern, und zwar sehr genau. Ich habe einen (Mathematik)lehrer an der Ausübung seiner „Disziplinierung“ (Ohrenziehen, Haare ausreißen, Ohrfeigen austeilen, das Übliche) gehindert, indem ich ihn wegstieß – worauf er sich am Kopf verletzte. Das war unerhört. Ich kam dennoch straffrei davon – weil das Gesetz gerade Fuß fasste.

      Womit ich sagen will: das Foto illustrierte perfekt die „Idee der Strafe“, deren Absenz die Autorin lamentierte. Dass der Text kontroversiell sein würde, war schon vor Setzung des Fotos klar (und es störte mich keineswegs, schließlich lebt ein Blog davon, erst in der interaktiven Debatte komplett zu werden). Wenn das Bild aber dem Text „einen Ton (gab), der nicht so gemeint war“, dann ist mir unklar, wie der Text gemeint war. Ihr sax

  • Lina sagt:

    Einmal ganz abgesehen von der mangelnden Qualität des Textes ist das Foto einfach geschmacklos. Ein nackter Mensch wird gefoltert. Herr Sax findet das wohl “cool”? Es zeigt nur einmal mehr, dass ihm jede Sensibilität im Umgang mit den Themen Gewalt und Sexualtitä fremd ist.

    • Manfred Sax sagt:

      Dear Lina,
      es gibt einen Unterschied zwischen Folter und Strafe. Dieses Bild illustriert eine Strafe – eine öffentliche Demütigung (HUMiliation) eines Brechers der akzeptierten Sitten, in einer Zeit, gar nicht so lange her, in der „Mörder und Kindervergewaltiger“ NICHT „einfach aus unserem Blickfeld (verschwinden) und in Institutionen gesteckt (werden), mit warmen Duschen und mehreren Mahlzeiten täglich“ (Text Tajder). Mit „cool“ hat das nichts zu tun, mit Realität einiges. MS

  • Ettmayer sagt:

    Liebe Ana Tajder,

    ich fühle mit Ihnen. Dieses gewohnheitsmäßige Verwässern und Verharmlosen und Milde walten lassen geht mir auch schwer auf die Nerven. Und am schlimmsten sind die supersozialen Schubladisierer, die auf Texte wie den Ihren reflexartig gesellschaftspolitische Worthülsen abfeuern. Da unten in irgendeinem Kommentar wird wieder gewohnheitsmäßig der Erzfeind Strache aus der Schublade gezogen, als ob diese ungustiöse Figur der österreichischen Politbühne mitsamt ihrer Geisteshaltung wirklich etwas mit der Tiefe Ihrer Gedanken zu tun hätte.
    Ich persönlich bin ein Anhänger des guten alten Notwehrprinzips. Also wenn mir jemand den Ellbogen ins Gesicht rammt, halte ich sicher nicht die zweite Backe hin. Ich setze mich zur Wehr, so gut ich kann. Sagen wir mal, ich bestrafe den Angreifer.
    Die Hoffnung auf Gerechtigkeit nämlich, bleibt häufig eine solche. Dafür sorgt ein Berufsstand, der in der gesamten Justiz – Richter miteingeschlossen – anzutreffen ist: der Rechtsverdreher.

    Mit sportlichen Grüßen
    Ettmayer

    • Roybatty sagt:

      Das amüsante daran ist, dass Sie der “ungustiösen Figur” und ihren Vorbildern geistig verdammt nahe stehen. Die selben Strategien:

      1. Hübsch mit desavouierenden Begriffen (“Rechtsverdreher”) ein Feindbild aufbauen,
      2. Das System – in diesem Fall den Rechtsstaat – als unbrauchbar erklären (“Richter miteingeschlossen “)
      3. Dann auf beide losdreschen (“Sagen wir mal, ich bestrafe den Angreifer”), und zwar
      4. sicherheitshalber ohne ordentlichen Prozess gleich in Selbstjustiz (“Die Hoffnung auf Gerechtigkeit nämlich, bleibt häufig eine solche.”)

      Mir graut.

      • Ettmayer sagt:

        Ihnen graut zurecht, Roybatty. Populistische Bestien wie ich könnten glatt Ihre Gesundheit gefährden. Und in der Tat überkam auch mich ein Anflug von Amüsement, als ich in meinem Kommentar geradezu leichtfertig die supersozialen Schubladisierer schubladisierte.
        Aber jetzt im Ernst: Als Fußballer kenn ich mich mit Strafen wirklich aus. Und diese Schiedsrichter – das sind übrigens die Richter, die ich in meinem Kommentar meinte, im ganzen zweiten Absatz ging’s eigentlich nur um Fußball – die Schiedsrichter sind alle schwul und jeder zweite ist blind, das kann ich Ihnen sagen. Ich fordere seit Jahren rote Karten für Schiedsrichter (also im Sinne von Sperren, lebenslang am besten), aber was passiert? Natürlich nichts. Und wie geht’s uns Kickern? Dreckig, denn am Platz wird jeder Fehler gnadenlos bestraft.
        Ohne Strafen gehts halt nicht.
        So jetzt aber genug davon, Sie guter Mensch. Sie haben sicher besseres zu tun. Vermutlich nehmen Sie täglich einen resozialisierten Kindervergewaltiger bei sich zu Hause auf oder spenden Unsummen für verarmte Wirtschaftsverbrecher.
        Bringen sie Licht ins Dunkel, Roybatty!

        Mit sportlchen Grüßen
        Turnvater Ettmayer

        • Roybatty sagt:

          Ach, um meine Gesundheit müssen Sie sich nicht sorgen, lieber Blutgrätscher. Wie hübsch, dass sie lusciniola noch den “guten Mensch” zu den Rechtsverdrehern dazu gegeben haben. Noch so ein Desavouieren. In einem Punkt darf ich dem Fußballer aber recht geben: Am und um den Fußballplatz verrohen die Sitten zunehmend.

          Und den Turnvater betrachte ich jetzt einmal als Satireversuch, oder?

          • Ettmayer sagt:

            Satirisch bin ich von Natur aus, Roybatty, und ich führe mich ständig selbst in Versuchung. Aber als Blutgrätscher würde ich mich nicht bezeichnen. Ich bin eher der Typ filigraner Mittelfeldstratege, etwas beleibt, zugegeben, und ein Hitzkopf obendrein, aber nur wenn ich provoziert werde. Ich bin außerdem strenggläubig (in meinem Glauben an die immerwährende Relativität allen Seins) und unerbittlich, wenn es um mein Wertesystem geht. Das steht es zum Beispiel um so Sachen wie Zivilcourage. Ich handle mir im fortgeschrittenen Alter immer öfter Ärger ein, weil ich nicht tatenlos zusehen kann, wenn Unrecht geschieht. Ich fürchte, ich werde dafür einmal schlimm bestraft werden, von jugendlichen Vandalen und häuslichen Gewalttätern wurde mir so ein Schicksal in der Vergangenheit schon prophezeiht.
            Sind sie auch zivil couragiert, Roybatty? Oder einfach nur ein guter Mensch?
            Würde mich interessieren. Ganz aufrichtig und satirefrei.
            Na ja, fast jedenfalls.

            Gruß
            Ettmayer

    • lusciniola sagt:

      Mir fehlen die Gutmenschen in Ihrer Aufzählung, vielleicht noch garniert mit dem Adjektiv linkslinks?

      Eine Politik, die auf dem Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn basiert, führt letztlich nur zu einer Gesellschaft ohne Augen und ohne Zähne.

      • Ettmayer sagt:

        Singvögelchen, eines muss ich klarstellen, obwohl ich gar keine Lust dazu verspüre: Ich kenne kaum ein blöderes Wort als Gutmensch. Sind die alle auf einem Landgut aufgewachsen, oder was? Es gibt Klischees, die sind sowas von ausgelutscht.
        Aber linkslinks, das könnte schon wieder in meiner Nähe sein. Also so unbegreiflich weit links, dass es irgendwie echt link ist und an jeder ideologischen Zuordenbarkeit vorbeischrammt.
        Da fällt mir auf, ich hatte in meiner ultralinken Phase sehr unterhaltsame Diskussionen mit linken Wirtshausphilosophen. Bis ich denen zu freigeistig wurde. Schade eigentlich, aber was soll’s. Mir bleibt ja immer noch der Sport, sage ich immer.
        Und schön, dass du das mit den Augen und den Zähnen erwähnst. Beim Talionsprinzip habe ich das Problem, dass es so verdammt nahe an der Vergeltung und an der Rache liegt. Und ich war z.B. schon immer ein Gegner der Todesstrafe, weil …, na ja, schau dir den Film „Das Leben des David Gale“ an, Kevin Spacey bringt das auf den Punkt.
        Ich bin kein Anhänger des Talionsprinzips, das ist mir eindeutig zu simpel gestrickt. Den Notwehrparagraphen und die Lynchjustiz (ein bisschen Spaß muss sein, du verstehst) lasse ich mir nicht nehmen, aber Gleiches muss man nicht unbedingt mit Gleichem vergelten. Es gibt da andere Möglichkeiten. Das Gottesurteil zum Beispiel, speziell das blutige Gottesurteil in Verbindung mit einem Reinigungseid, hat doch auch seinen Reiz. Sozialarbeit und Bewährungsstrafen wirken dagegen erschreckend unspektakulär.
        (Das Profil Ettmayer bitte an dieser Stelle sofort aktualisieren: rechtsrechts, barb(arisch), beschwört das finstere Mittelalter herauf.)

        Strafen sind ja auch nur eine Modeerscheinung. Das mit dem Wegsperren und Bußgeldzahlen wird sich irgendwann aufhören und generell durch sanftes Ruhigstellen ersetzt. Bedeutet viel chemischen Einsatz, salbungsvolle Worte, ein weiches Lager und eine weiche Birne.
        Ruhe sanft, Sträfling.
        Und einen schönen Tag noch, Lusciniola.

        Mit sportlichen Grüßen
        Ettmayer

        • lusciniola sagt:

          Zu welchen Höhenflügen Sie sich wohl erst anspornen können, wenn Sie zu etwas Lust verspüren? *grübelgrübel*.
          Auf Ihre Ausschweifungen bezüglich Ihrer ideologischen Ausrichtung möchte ich jetzt gar nicht eingehen, nur leise amüsiert lächeln, weil so mancher sich gerne als den Freigeist schlechthin wahrnimmt. :)
          Ja, das mit dem Talionsprinzip ist so eine Sache. Ich gestehe freimütig ein, dass auch ich nicht davor gefeit bin, meinen privaten Gedanken von Lynchjustiz nachzuhängen. Ach wäre das nett, wenn man das eine oder andere Mal die Bestrafung eines Übeltäters selbst in die Hand nehmen könnte. Und da wäre ich sehr kreativ. Aber dann da´fang ich mich wieder und bin froh, dass der Staat mir diese Bürde abnimmt. Dafür dass ich dem Staat aber meine Blutrache überlasse, erwarte ich mir von ihm Überparteilichkeit und ein Strafensystem, das sich erheblich von meinem privaten unterscheidet. Sonst könnte ich es ja gleich selbst tun. Und weil der Staat halt ein bisschen mehr Macht hat als ich, sollte die Strafe objektiven Grundsätzen der Humanität genügen.
          Bei dem Profilwechsel muss ich Sie enttäuschen, ich denke gar nicht daran, Sie in ein Schublädchen zu stecken. Ich find nämlich, dass es in solchen Schubladen ziemlich unbequem ist. Man sieht nichts und wenn man rauskraxln will, ist die Gefahr groß, eingezwickt zu werden, weil einen der Schubladisierer nicht mehr rauslässt. Also beim Schubladisieren werde ich Ihnen keine Gesellschaft leisten.
          Ja, den David Gale kenne ich natürlich. Ein großartiger Film. Dass ich gegen die Todesstrafe bin, brauche ich wohl nicht gesondert zu erwähnen.
          Das mit dem zu wenig spektakulär sein ist natürlich schon ein Dilemma. Wie soll man die Stammtischphilosophen dazu bringen, unser Wertesystem mitzutragen, wenn es zu wenig Funfaktor verspricht? Brot und Spiele, kennen wir ja schon. Vielleicht darf ich da Ihr geschätztes Augenmerk auf einen Trend aus dem amerikanischen Raum lenken, der sich Schamstrafen nennt? Bringt vielleicht ein bisserl mehr Reiz in die Sache, funktionieren solche Strafe doch am besten, wenn man die niederen Instinkte der Rezipienten anspricht und damit gleichsam das Volk zum Vollstrecker macht. Eine feine Sache.
          Wie ich schon an anderer Stelle sagte, bin ich – neben der Anerkennung der Notwendigkeit eines Strafensystems – für ein Verantwortungsprinzip. Das muss nicht notwendigerweise etwas mit Strafe zu tun haben.
          Ihr vorgezeichneter Weg für die Zukunft erinnert mich frappant an die gute alte Lobotomie, die wir zB in Einer flog über das Kuckucksnest beim guten alten Jackie bewundern konnten. Der Menschen Wege sind seltsam und oft verirrt und prinzipiell gar nichts auszuschließen. Aber wieso immer von einem Weg ins schlimmere ausgehen?
          Ein Singvögelchen hat ja ein wenn auch ziemlich unsportliches so doch sonniges Gemüt, das sorglos in die Zukunft schaut. In diesem Sinne einen schönen Abend.

  • saxo lady sagt:

    :D da gehts zu. verehrteste, kann es sein, dass die werten vorposter den beitrag nicht ganz und gar inhaliert haben? von einer prügelorgiensehnsucht kann ich da nämlich nichts rauslesen. höchstens von einer immensen…außerordentlich teilenswerten…wut gegen herrschende verhältnisse.

    zugegeben, dass bild da oben macht mir angst.igitt. wer will den sowas außer in samt und seide gehüllt und mit einem zarten lederpeitscherl….ähm räusper…bin abgeglitten…

    also die sache mit der strafe…das ist halt so ein böses wort…eigentlich nix wie in der geiselhaft einer seltsamen vision von gegenwart. weil..ob man verantwortung übernehmen oder konsequenzen ertragen oder strafen dazu sagt, seits mir nicht bös, liebe vorposter,,,das ist völlig nebensächliche nebensache? pleonasmus? ist mir wurscht.

    es geht darum, dass tatsächlich in den gedanken unserer realität manche doch a bisserl gleicher sind als andere. in der unantastbarkeit genauso wie in der abschöpferei.

    drum nichts als ein herzliches dankeschön für diesen zugegebenermaßen sehr emotionaler ausbruch…schön!
    saxo

    • lusciniola sagt:

      Dass unsere Strafen viel zu milde sind, kommt hier aber schon heraus ;).

      Was ich mit Verantwortung gemeint habe: man hat in verschiedensten Versuchen die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die alkoholisiert Auto fahren, nicht so sehr durch Strafen abgeschreckt werden, sondern eher dadurch, wenn man ihnen Videos zeigt, über Unfälle, die solche Alkofahrten auslösen. Wenn man ihnen dsa Schicksal der Opfer vor Augen führt. Wenn man ihnen schonungslos und drastisch vo Augen führt, was sie angerichtet haben und wofür sie Verantwortung tragen. Wesentlich wirksamer auf Wiederholungsfälle als eine Geldstrafe oder 6 Monate Gefängnis.

      Das kann man auch auf andere Bereiche umlegen- indem man die Menschen einfach mal eine Weile in den Schuhen der Menschen gehen läßt, denen man was angetan hat. Das meinte ich mit mehr Verantwortung tragen anstatt härteren Strafen. Sozusagen an das Gewissen im Menschen appellieren. Könnte uU auch bei Managern wirken, die Hoffnung stirbt zuletzt :).

      Dass auch in unserem Rechtssystem eine verurteilenswerte Ungleichheit vorherrscht und dat veniam corvis, vexat censura columbas gilt stimmt. Aber um das anzuprangern, muss ich nicht die mangelnde Härte unseres Strafensystems beklagen.

      • saxo lady sagt:

        dear lusciniola
        also ehrlich…clockwork orange…brrrrrrrrrr
        das wär für mich folter! strafe, wies ärger net geht. wird nur anders benamst.
        ;)

        • lusciniola sagt:

          Selbstverständlich darf das nicht so ablaufen wie in clockwork orange, ich rede hier dem Humanismus das Wort, bitte schön :).

          Menschen die Folgen und Konsequenzen ihrer Taten vor Augen zu führen, kann keine Folter sein. Viele wissen nicht mal was sie anrichten und handeln gedankenlos. Und wiederholen das immer wieder. Ihnen zu zeigen, was sie getan haben – ohne dabei ihr Gehirn zu waschen und sie zu konditionieren – kann ein heilsamer Schock sein, der mehr bewirken kann, als vor Gericht gestellt zu werden.

          • saxo lady sagt:

            humanismus?
            wenn der humanismus dazu dienen muss, den schwachsinn, der jetztgrad läuft in unserer gesellschaft zu legitimieren…nö da bin i für was anderes.
            aber nein, auch ein blödsinn. warum sollte ich mir den humanismus wegnehmen lassen, das lass ich nicht mit dem begriff heimat und nicht mit dem begriff jazz. also was solls.

            hier wird grad verschleiert, dass leute, die ihr geld höchst anständig damit verdienen, einer großen masse die schwer verdiente kohle aus der tasche zu ziehen, —also früher hieß sowas pirat, schwindler, betrüger und hatte entsprechende “strafen”=konsequenzen zur folge.
            heute heißt so einer anlageberater, finanzbetreuer oder sonst wie.
            und warum wir alle die pappm halten?
            weil wir alle dran glauben wollten, dass das geld eier legt und er kredit sich selbst finanzieren kann.
            und wissen, dass uns die “strafe” letztendlich eh zusteht. komme was da kommen soll.

            ich will jetzt nicht fatalistisch klingen, aber im grund ist es reine physik. dieses wärmedingsda. rauskommt immer, was ich reinstecke. wenn ich fest zudecke, weil mir das nicht gefällt, was rauskommen könnte, kommts halt später und gewaltiger mit umwegen.

            strafe ist nichts anderes, als eine systemkorrektur. ein ausgleich, für die “straftäter” gleich wichtig wie für die gesellschaft. jemand der bestraft wurde, der gesühnt hat, hat die berechtigung und die sicherheit, teil der gesellschaft zu sein. fehlt die strafe, fehlt auch dem nicht-bestraften etwas. wie gestraft wird, wie konsequenzen auszusehen haben, definiert jede gesellschaft. (und ja ich bin sehr froh, dass die prügelstrafe nicht mehr opportun ist)

            • lusciniola sagt:

              Das Problem ist, dass hier zwei Dinge vermischt werden.
              1. Die Tatsache, dass zu wenig gestraft wird, weil einige es sich immer richten können.
              2. Die Art wie gestraft wird. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun, muss hier aber sozusagen als Rutsche herhalten.

              zu 1:
              was hier gerne übersehen wird: viele dieser Finanzberater haben nichts illegales gemacht. Die haben sich – bis auf einige wenige – an die bestehenden Gesetze gehalten. Und diese Gesetze hat eben auch unsere Gesellschaft gemacht. Ohne Gesetz keine Strafe – da muss unsere Gesellschaft eben neue Wertigkeiten implementieren, anstatt jetzt lautstark nach Strafen für Menschen zu schreien, deren wir uns bedient haben, um selber den einen oder anderen Profit einzufahren. Nicht alles, was moralisch verwerflich ist, ist strafrechtlich relevant.

              Und zu den katholischen Priestern: die Sauerei ist, dass die Kirche diese Leute deckt und nicht anzeigt. Dass die meisten von ihnen nicht bestraft werden, liegt daran, dass die Taten bereits verjährt sind und nicht, weil die Täter sakrosankt wären. Wenn die Justiz zu spät davon erfährt, dann ist da nichts zu machen, außer politisch jetzt eben über eine Verlängerung oder Aufhebung der Verjährungsfristen zu diskutieren/das umzusetzen.

              Insofern ist die pauschale Aufregung darüber, dass die Täter bei uns nicht bestraft würden, weil sie sakrosankt wären, mit Sicherheit in einzelnen Fällen berechtigt (warum fallen mir hier bloß “schöne” Männer ein? :) ), in dieser Allgemeinheit mit diesen Beispielen aber einfach falsch.

              Zu 2:
              Humanismus bedeutet im übrigen nicht “keine Strafe” sondern eine humane Strafe. Eine menschenwürdige Strafe. Weil wir nun mal alle Menschen sind und selbst das größte Schwein (bildlich gesprochen) Menschenrechte besitzt. Subjektive Gerechtigkeitsempfinden und verständliche Rachegefühle hintanzustellen und trotzdem humane Strafen zu verhängen, war eine der Leistungen des humanen Rechtsstaates. Und eine Finanzkrise und all die Wut, die auch ich diesbezüglich empfinde, können mich nicht dazu bringen, diese Grundwerte aufzugeben. Genausowenig wie Sie sich die Begriffe Heimat und Jazz nehmen lassen. ;)

              Natürlich muss es Strafe geben, schon allein aus generalpräventiven Gründen. Die Frage ist aber, welcher Art diese Strafen zu sein haben. Frau Tadjer hat sich darüber beschwert, dass die Täter bei uns heute “nur” eingesperrt werden und dort doch auch tatsächlich warme Duschen und genug zu essen bekommen. Teilen Sie dieses Missfallen?

              • saxo lady sagt:

                mll (meine liebe lusciniola;)
                ich hab mir den absatz nochmal durchgelesen, den über die warmen duschen. man könnte natürlich draus rauslesen, dass die frau tajder sich härtere strafen wünscht…ich lese meinerseits aber eher drauß, dass sie hinterfragt, ob die art der bestrafung ihren ursprünglichen sinn erfüllt.
                wobei es mir natürlich fern liegt, den text aus ihrer sicht zu interpretieren. das kann ich nur aus meiner sicht. und ich sehe es so: humanismus bedeutet auch ein auftrag an den menschen (möglicherweise auch im nietzschen sinn den übermenschen) sich zu ziehen, zu wachsen und seine fähigkeiten zu verbreitern. dass seinerzeit eine tracht prügel für nicht gewaschene hände am esstisch als adequat galt, hat sich zu glück geändert. aber nur aus unserer heutigen sichtweise. heute einen täter auch als opfer zu begreifen ist mit dem heutigen wissen eine höchst angemessene reaktion. das opfer aber dabei nicht zu vergessen…da wirds schon schwieriger. und wirklich intressant wirds, wenn opfer und täter/altopfer erkennen, wer der andere ist…dann wird strafe tatsächlich hinfällig, weil der mensch sich öffnen kann und den anderen als menschen wahrnehmen kann. aber dann wird ja auch die straftat nicht mehr passieren…
                das wäre die umgekehrte systematik der vergeltungsschleife aug-um-aug.

                ;) man wird doch noch träumen dürfen…

                • saxo lady sagt:

                  aja und hab ich schon mal erwähnt, dass mir die orthographie wurscht ist?
                  :D

                • lusciniola sagt:

                  Wo besteht jetzt der qualitative Unterschied zwischen “dass die frau tajder sich härtere strafen wünscht” und “dass sie hinterfragt, ob die art der bestrafung ihren ursprünglichen sinn erfüllt”?

                  Offensichtlich machen warme Duschen und genug zu essen unsere Strafen untauglich, ihren ursprünglichen Sinn zu erfüllen. Das waren noch gute Zeiten als die Gefangenen bei Wasser und Brot auf harten Pritschen in schimmeligen Räumen ihr Dasein fristen mussten…

                  Ernst beseite. Wer glaubt eine Gefängnisstrafe sei ein Vergnügen, der möge sich einmal zu Testzwecken in ein solches begeben. Vergewaltigungen in der Dusche, Gefühl des Eingesperrtseins und Freiheitsverlustes und dann, wenn er rauskommt, eine lebenslange Stigmatisierung, weil wer gibt einem Ex-Knacki schon einen Job. Gleichzeitig keine soziale Absicherung, weil im Gefängnis werden keine Beitragszeiten erworben.

                  In unserem Strafrecht gibt es gewiss eine Menge zu diskutieren, neben dem Umstand, dass es sich manche richten können, der hier ja schon aufgeworfen wurde. Die Relation zwischen Strafen für Vermögensdelikte und Gewaltdelikte zB. Die Relationen bei Bagatelldelikten, der mangelnde Opferschutz. Die rechtsphilosophische Diskussion, ob Strafen vergelten sollen (wer hat das Recht an einem anderen Vergeltung zu üben?) oder nur die Gesellschaft vor dem Verbrecher geschützt werden soll. Da kann man endlose Diskurse führen.

                  Hier eine Diskussion und Kritik auf warmen Duschen und Essen und damit zu weichen Strafen aufzuhängen, halte ich für verfehlt.

              • saxo lady sagt:

                ..jetzt wirds mit beantworten bissi kryptisch, weil ichkeinen kommentar-beantworten-button mehr hab, aber wird schon gehen…

                “”Wo besteht jetzt der qualitative Unterschied zwischen “dass die frau tajder sich härtere strafen wünscht” und “dass sie hinterfragt, ob die art der bestrafung ihren ursprünglichen sinn erfüllt”?”"/

                der unterschied besteht mE darin, dass das hinterfragen nicht unbedingt impliziert, dass man/die frau tajder/ich/sportskanone sich wieder altertümliche strafen wünscht. das ist eine interpretation.
                ich halte es für äußerst bedenklich, kinderschänder in gefängnissen mit warmen duschen unterzubringen. nicht wegen der warmen duschen :D sondern, weil heute (was ja grad offenkundlich wird im aufbrechen der missbrauchsgeschichten in der kath ki) der zusammenhang von täter=selbst opfer und psychisch krank immer offensichtlicher wird. so wie ich es für bedenklich halte, asylanten in möglicherweise traumatisiertem zustand auf engstem raum wochenlang hinzuhalten. so wie ich es für bedenklich halte, dass eigentumsdelikte wesentlich höhere strafen haben als delikte zb an kindern oder menschen generell.

                so weit sind unsere standpunkte nicht voneinander entfernt.
                herzlichst

                • Roybatty sagt:

                  Ahem…

                  Ana Tajder hinterfragt, ob die m i l d e Strafe ihren ursprünglichen Zweck erfüllt.

                  “Mörder und Kindervergewaltiger verschwinden einfach aus unserem Blickfeld und werden in Institutionen gesteckt, mit warmen Duschen und mehreren Mahlzeiten täglich, mit Besuchsrechten und Spaziergängen im Hof, mit Arbeitsplätzen und Turnhallen. Bestrafung? Eine Lektion, es nie wieder zu machen? Und, vor allem, eine Warnung an andere mit ähnlichen Neigungen? Bin mir nicht so sicher.”

                  Die Strafe selbst hinterfragt sie nicht. Im Gegenteil. Sie beklagt, dass wir die “Idee der Strafe verloren” haben.

                  Was Sie hingegen mit Ihrem letzten Kommentar sehr wohl tun. Darin liegt ein gewaltiger Unterschied.

                • lusciniola sagt:

                  Ich glaub ja auch, dass wir nicht so weit entfernt stehen. :) Nur kann man bitte die Asylanten in der Aufzählung weglassen? Die passen mir in dieses ganze Strafen und Verbrecherzeugs nicht so recht hinein.

                  Sehen Sie, da bin ich viel radikaler als Sie – ich bin schon der Meinung, dass man Kinderschänder einsperren soll – mit warmen Duschen versteht sich (wobei eine kalte da vielleicht manchmal wirksamer wäre). Nicht aus Gründen der Vergeltung, sondern einfach deswegen, damit die für eine lange Zeit nichts mehr anstellen können. In der Zeit therapiert/geheilt werden können und während dessen keinem Kind zu nahe kommen. Da denke ich ganz egoistisch praktisch. Die Gesellschaft muss vor manchen Leuten geschützt werden und Kinder sind da eine besonders heikle Gruppe.

    • Roybatty sagt:

      “emotionaler Ausbruch” redet diesen Artikel jetzt unbewusst (oder absichtlich?) schön.

      Formulierungen wie “…Kindervergewaltiger verschwinden einfach aus unserem Blickfeld und werden in Institutionen gesteckt, mit warmen Duschen und mehreren Mahlzeiten täglich, mit Besuchsrechten und Spaziergängen im Hof, mit Arbeitsplätzen und Turnhallen.” sind rhetorische Methoden, deren sich üblicherweise andere Leute bedienen.

      Ohne es explizit zu fordern, suggeriert diese Formulierung “eigentlich hätten sie was Schlimmeres verdient”. Kastration zum Beispiel, wie sie der Herr Strache fordert?

      Tut mir leid, für mich klingt das nach mehr als einem emotionalen Ausbruch.

      Und zur Schlussfrage des Artikels: Ich höre die ganze Zeit Menschen, die sich darüber aufregen, sei es im Taxi, an Stammtischen, in der Straßenbahn. Sorge bereitet mir nicht ein Schweigen (das es nicht gibt) sondern der Ton dessen was ich höre (und hier lese).

      • saxo lady sagt:

        mir bereitet sorge, dass wir linkslinken naiven gutmenscherl (das bin ich bitte schön!!!) diese begriffe und inhalte genau den stammtischen, taxifahrern und folltrottelparteianhängern überlassen.

        • Roybatty sagt:

          Tun wir ja nicht. Es gibt auch vernünftige Köpfe, die die Probleme sehen und mit der notwendigen Differenzierung betrachten statt sie in verkürzende, populistische Parolen zu gießen. Und genau das hätte ich mir auf dieser Plattform erwartet.

          • saxo lady sagt:

            =…und genau das hätte ich mir von dieser plattform erwartet=
            ist das nicht auch so eine formulierung, die man von gewissen anderen erwarten würde?

            ich erwarte mir von dieser wunderbaren plattform, dass verschiedene ansichten mit verschiedenen zugängen miteinander reden. auch zuhören und ev durchdenken, wie man das auch hören könnte…

            und trotzdem aus dem bauch heraus losschreiben…hmmm schön!

            • Roybatty sagt:

              Sie dürfen natürlich Formulierungen erwarten, von wem sie wollen.

              Verschiedene Ansichten mit verschiedenen Zugängen plaudern hier doch ohnehin gerade munter drauflos.

              Und einfach aus dem Bauch rausschreiben finde ich super … weil es die verschiedenen Ansichten und Zugänge so schön vom Geist ungefiltert offenbart.

              • saxo lady sagt:

                …heut hab ich irgendwie keine lust, jemand anderen das letzte wort zu überlassen….
                also
                wess geistes kind ich bin…
                lässt sich manchmal auch daraus erkennen und erlesen, was ich aus etwa erlese..interpretiere….

                herzlichst,
                Ihr linkslinkes Gutmenscherl
                aka
                saxo

  • lusciniola sagt:

    Was wollen Sie für Strafen? Für Manager, für Priester. Ja, unsere Häftlinge haben warme Duschen und ein Bett mit Decke. Und auch genug Essen am Tag. Aber das liegt nicht am sozialen Wandel, sondern schlicht und einfach daran, dass bei uns der Humanismus Einzug gehalten hat. Und die Erkenntnis, dass auch ein Verbrecher ein Mensch ist und eine menschenwürdige Behandlung verdient. Dass Menschenrechte unteilbar sind und auch in den Gefängnissen gelten. Und vor dem Richter. Und vor dem Recht. Natürlich würde es einen so manches Mal mehr befriedigen, wenn ein Sexualstraftäter kastriert wird, wenn es Prügelstrafen für Manager gibt. Mit einem humanistischen Weltbild ist das aber nicht zu vereinbaren.

    Im übrigen glaube ich, dass es nicht so sehr um Strafe geht, sondern um Verantwortung. Die Menschen haben verlernt, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Ihnen diese Verantwortung zurückzugeben und sie die Konsequenzen selbst spüren zu lassen, hat vielleicht bessere Prognosen als eine Verhärtung der Strafen , was – das zeigen viele Studien – nur zu einer Verrohung der Gesellschaft führt.

  • Roybatty sagt:

    Autsch! Bin ich hier an die Redenschreiberin von H.C. Strache geraten? Das klingt verdammt nach einem Rückfall ins Mittelalter. Lynchjustiz, Pranger & Co?

    Menschen, die

    (Zitat)
    * einen größeren finanziellen Betrug durchziehen, der ein paar wenige (und nicht Milliarden) Menschen ruiniert
    * Kinder schlagen, foltern und vergewaltigen
    * jemandem beim Fälschen des Kontobuches helfen, mit dem Resultat, dass ein paar wenige (und nicht Millionen) Menschen in Schulden enden, die sie nie wieder zurück zahlen können
    * ins Haus eines Anderen einbrechen, sein Besitz zerstören und seine Familie töten (insbesondere, wenn wir das völlig ohne Grund machen)
    (Zitat Ende)

    werden in einem Rechtsstaat, wenn ihnen die Taten nachgewiesen werden können, bestraft. Ob ausreichend, sei dahingestellt. Ob schnell genug ebenfalls. Aber für die genannten Verbrechen wandert man üblicherweise ins Gefängnis. Und ich schätze, das ist – trotz regelmäßigen Essens, warmen Duschen etc. – eine Strafe. Ich zumindest möchte nicht hin müssen.

    Diese Menschen werden auch nicht als unberührbar angesehen. Aber gerade das sehr populäre (und populistische) Thema Banker & Co zeigt: Das meiste, was in den letzten Jahren veranstaltet wurde und die heutige Situation herbeigeführt hat, war im Rahmen der Gesetze legal. Profit zu machen ist per se nicht verboten. Auch nicht, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten (und zB Ausnützung derer nationaler Unterschiede) den höchstmöglichen Profit zu machen.

    Eine Autorin möchte auch möglichst viel für ihren Artikel bezahlt bekommen, oder?

    Und zu den amerikanischen/britischen Entscheidungsträgern (warum eigentlich nur die?): Wenn ihnen jemand tatsächlich Rechtsverletzungen nachweisen kann (Beweise!) und sie nicht durch diverse Immunitätsgesetze (die im Prinzip ja sinnvoll sind, wenn vielleicht auch nicht mehr in der heutigen Form) geschützt sind, dann wird man sie irgendwann auch anklagen. Vor dreißig Jahren hätte niemand Hr. Pinochet angeklagt. Aber zugegeben, die Mühlen mahlen (manchmal zu) langsam. Und den einen oder anderen verschonen sie sogar. Aber das sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

    Das ist im übrigen auch keine Frage der Demokratie sondern des Rechtsstaates (Auch wenn viele argumentieren, dass eine sei ohne das andere nicht möglich. Jedoch durchaus nicht alle, so gibt es namhafte Theoretiker, die für die Zukunft das Funktionieren des Rechtsstaates für wichtiger halten als das der Demokratie. Wenn denn das eine ohne das andere überhaupt funktioniert. Aber das ist eine andere Diskussion…).

    Ich hoffe, dass dieser Text nur ein (missglückter) Versuch der Provokation ist und nicht die tatsächliche Meinung der Autorin zwischen den Zeilen hervorlugt.

  • truetigger sagt:

    Das System “Strafe” mag nicht sonderlich gut funktionieren, aber so, wie Du es Dir vorstellst (und da passt das China-Bild ja ganz gut) wird Strafe nicht (mehr) verstanden. “Auge um Auge” ist eher Rache und Sühne, das europäische Rechtssystem basiert eher auf Erziehung und Wiedergutmachung.

    Missbrauchsfälle der Kirche und skrupellose Banker kommen vielen als “Klar, die da oben!” bevorzugt vor – doch kaum denkt den Gedanken mal weiter. Banken sind ein Spiegelbild unserer profitgeilen Gesellschaft: 20% Wertzuwachs pro Jahr funktioniert schlichtweg nur, wenn man andere prellt, egal wie legal dies geht. Und Kinder werden nicht nur im katholischem Umfeld missbraucht, noch immer passieren die mit Abstand meisten Vorfälle im Familienumfeld, wo dies in traurigen Fällen jahrelang von allen schamvoll unter dem Teppich gehalten wird.

    Banker gehören vor Gericht, da landen sie auch – aber VERURTEILT werden sie nur, wenn man ihnen Fehlverhalten nachweisen kann. Jahrelang von der Gier profitieren (damit mein ich mal den Staat an sich), um dann in der Krise mit dem Finger auf vermeintliche Verursacher zeigen, gleichzeitig aber NICHTS an den Faktoren ändern, die zu der Krise führten, wie soll man das ausgerechnet einem kleinen Banker in die Schuhe schieben? Und ja, man mag sich von kalt rechnenden Naturen persönlich abgestossen führen, aber lehrt uns nicht die Gesellschaft, dass die Ehrlichen + Offenherzigen die Dummen und diejenigen, die sich skrupellos an Geld, Ideen und Leistungen anderer durch List & Tücke bereichern, die Erfolgreichen sind?

    Es steht allgemein sehr schlecht um unseren moralischen Kompass. Die Steuer wird beschissen, beim Klamottenkauf wird das Thema Kinderarbeit aus dem Schädel gekickt, das Haushaltsrettungspaket des Pröll erntet “Warum wieder WIR???”-Reaktionen statt der Einsicht, dass es von Raunzen allein nicht besser wird, wir geben den Kindern die Überzeugung mit, dass alle Lehrer dämlich sind, wälzen uns in unseren Stammtisch-Runden in unseren Vorurteilen und jammern über Energiepreise, statt das eigene Verhalten kritisch zu kontrollieren. Es macht einfach Spass, mit dem Finger auf andere zu zeigen, auf “die da oben”.

    Ich les Deine Kolumne gern, Ana. Bei dieser hier hab ich aber eine deutlich andere Meinung. Auf mich wirkt Dein Text bewusst polemisch, wirft zuviele aktuelle Themen arg vereinfachend in einen Topf und bietet mit dem Konzept Strafe eine Lösung an, die für mich keine ist. Ich off, Du nimmst diese abweichende Meinung nicht als Kritik an Dir selbst auf, sondern als gelebten Pluralismus.

    • Manfred Sax sagt:

      Werter Truetigger,

      das begleitende Foto kam nicht von Autorin Tajder. Das zib21 zur Verfügung stehende Arsenal ist äußerst begrenzt, ich wurde nur auf dem Sektor „Strafen, historisch“ fündig. Dorthin gelangte ich, weil man etwas heute Verlorenes nun mal am ehesten in der Vergangenheit wiederfindet. Ihr sax

      • truetigger sagt:

        Das Foto passt ja auch gut zum Tenor des Artikels. Falls ich das missverständlich ausgedrückt hab: Foto super, Artikel interessant und gut geschrieben, aber kollodiert eben mit meiner Sicht der Welt, ich kann mich der Meinung des Artikels nicht anschliessen.

        _Dass_ ein Magazin auch Beiträge bringt, die nicht meiner Meinung entsprechen, find ich übrigens gut. Wie fad wär das Leben, wenn man nur überall Bestätigung für das eigene Weltbild finden würd, wie wenig würd man die eigene Haltung hinterfragen? An Sie beide: Munter weiter mit Schreiben + Bebildern!

  • mare sagt:

    strafe… mit worten tadeln, ist eine verpflichtung um (ver)änderungen einzuläuten. strafen sollen aufzeigen, dass das verhalten verbesserungswürdig ist, dass im gemeinschaftlichen kontext gesehen noch vieles zu verbessern ist. strafe muss aufzeigen das es einen besseren und anderen weg/sicht gibt, schließt allerdings ein, dass man selbst danach tätig ist.
    nicht wasser predigen und wein trinken….
    wir können nicht alles verändern, aber in unserem kleinen “biotop” vorbildlich sein. wenn wir unsere einstellungen und überzeugungen täglich leben, werden wir erfolgreich weitergeben. tätiges handeln sorgt für reiche ernte. menschen die furchtbares, abstoßendes und vernichtendes vollbringen ernten was sie gesät haben. im außen sieht vieles glanzvoll aus, gott sei dank, sehen wir nicht das innen.
    jeder einzelne hat die unwiderstehliche kraft der positiven energie, dieser soll er folgen;-))

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