Sexklinik News. Sex von rechts
Bei all dem Getöse um das heimische rechte Lager lässt es sich nicht verhindern, dass die Betrachtungen auch mal unter deren Gürtellinie rutschen. Drei Beispiele.
Haidersex. Er ist noch immer eine „Person des öffentlichen Lebens“. Verlautete vergangene Woche das Grazer Oberlandesgericht – und befand daher, dass mediale Enthüllungen über das Privatleben des verblichenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider erlaubt sein müssen.
Als sein „Hinterbliebener“, Stefan Petzner, via „Bild“ den Politiker als „Lebensmenschen“ outete, wurde ihm das vom Landesgericht Graz per einstweiliger Verfügung sofort abgedreht. Und an sich ist mein Wissensdurst in Sachen „Sex aus der rechten Ecke“ extrem begrenzt. Aber ein detailliertes Dossier über Haider Privat wäre eine interessante Sache. Nicht, weil sich eine aktuelle Präsidentschaftskandidatin so vehement gegen jegliche „Einschränkung der Meinungsfreiheit“ ins Zeug legt. Sondern weil das Gros der Haiderfans oft so panisch hetero unterwegs ist, dass die Grenzen zur Homophobie nicht mehr nachvollziehbar sind. Da kann ein glaubwürdiges Outing von Haiders horizontalen Abenteuern eigentlich nur zu einer „Win-win-Situation“ führen: Entweder sie schminken sich die Schwulenangst ab. Oder die Haideranbetung kriegt Sprünge. Beides erfreulich.
Nazimuse. Nun zum Phänomen Rosenkranz. Kann man eine aktive Politikerin, die sich für das Aufheben des Verbots von nationalsozialistischer Wiederbetätigung stark macht, als Nazi bezeichnen? Nun, empört mich nicht sonderlich. Aber kann man sie auch Muse nennen? Wenn diese Frau andere Leute dazu inspiriert, sich die Zeit zu nehmen, um ihr Gedichte zu schreiben: warum nicht? Folgende Poesie findet sich dieser Tage auf Facebook (Auszüge):
Der eine: „Viel Feind viel Ehr, diese ich der Babs verwehr.“ -
Die andere: „Das findet sie nun gar nicht nett
wälzt weinend sich in ihrem Bett.“ -
Der nächste: „Da wacht sie auf und klammert sich
an Horstimannes Dingerich:
`Die Linken, diese Linken!
mir schon aus dem Nachttopf winken!´“ -
Undsoweiter: „Horst der Stramme macht sie darauf zur Amme.“ -
Worauf: „..und Babsi wankt ins Badezimmer,
der Würgereiz wird immer schlimmer.“ –
Fertig ist die Nazimuse. Mächtig viel linke Poesie für die intellektuell herausgeforderte Dame aus dem rechten Eck, no? Es gibt Leute, die haben verdammt viel Zeit.
Sexsklavin. Noch ein Gerichtsentscheid, diesmal vom Oberlandesgericht Wien. Demnach darf das deutsche Magazin Superillu wieder „Sex-Sklavin“ sagen, wenn sie beschreiben will, welche Funktion eine Elisabeth F. bei ihrem Vater Josef F. (auch „Inzestmonster“ oder „Kellernazi“ genannt) in einem notorischen Bunker in Niederösterreich erfüllte. Begründung: das Wort „Sexsklavin“ sei „objektiv“. Tut mir leid: finde ich nicht. Nicht heute. Die „Sexsklavin“ ist in Pornoland massiv im Einsatz, sie dortselbst eine freiwillig unterwürfige „Gespielin“ (Unfreiwilligkeit ist verboten). So eine Sexsklavin hat nichts Objektives, nicht für den User(voyeur), der nimmt sie subjektiv als freiwillig einschlägig im Einsatz wahr. Als Verbündete. Das trifft auf Elisabeth F. nicht zu. Sie wurde gekidnapt, geiselgenommen, missbraucht, vergewaltigt. Sie „Sexsklavin“ zu nennen, weckt bei zu vielen Menschen zu viele verniedlichende und jedenfalls falsche Assoziationen.




