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Renee PorneroRenee Unplugged 24. Das verlorene Tagebuch

Von Renee Pornero | 05.03.2010, 20:37 | Ein KommentarShare/Save

Renee by Doris Karlovits

Wie privat ist jemand wie ich? Meine Möse gibt es millionenfach im Web. Schnipsel aus meinem Leben gibt es per Suchbegriff, durchforsten kann es jeder, von Buxtehude bis Sydney. Wenn mir selbst nach Erinnerungen ist, stöbere ich in meinem Blog. Ich mag meinen Blog. Dort sind sie, die Erinnerungen. Und sie sind ziemlich kompakt und schlüssig, würde ich sagen.

Allerdings gibt es Erinnerungen – und dann gibt es Erinnerungen. Sie mögen dieselben Ereignisse beschreiben und sind dennoch ganz anders. Das dachte ich mir unlängst, als ich in einer verschwiegenen Ecke meines Eigenheims ein kleines Büchlein mit abgenützten, handbeschriebenen Seiten wiederfand. Ein Tagebuch mit neun Jahren Staub auf dem Umschlag. Mein Tagebuch, das ich verloren glaubte, was heißt, eigentlich hatte ich vergessen, dass ich es mal angelegt hatte, damals, als alles begann.

Wenn ich in meinem Blog bei den Anfängen stöbere (checkt doch mal HIER), liest sich alles recht zügig und Schritt für Schritt. Da wurde eine „Nachfolgerin für Gina Wild“ gesucht und das machte ich und dort bumste ich Chris Charming und der brachte mich nach L.A. und so war es auch, sagt meine Erinnerung. Nur liest sich dasselbe in den Notizen aus jener Zeit ganz anders. Viel spannender, jedenfalls für mich. Und abwegiger. Weil´s eh schon wurscht ist, möchte ich Euch einen Auszug bereitstellen. Rohes Material, zu ganzen Sätzen geformt. Im Übrigen bin ich selbst erstaunt über meine damalige Naivität. Aber wer’s nicht besser weiß, kann’s nicht besser machen. Die Szenen spielen im Oktober 01, als die Karriere von Renee Pornero abhob.

Unternehmen Ösimösi

Es ist angekommen! Pornolabel Videorama hat das Ticket geschickt. Nach Berlin, zur Venus. Als ich mich vor Monaten für das Casting beworben hatte, hätte ich nie gedacht, dass aus der Sache was wird. Ich erwartete lediglich ein Mail à la „Sorry, aber Gina Wilds Nachfolge kann keine Ösimösi sein“. Tatsächlich kam schon nach ein paar Tagen die Botschaft, ich wäre herzlich eingeladen, am Casting teilzunehmen. Na wer sagt’s denn? Kreischend lief ich die Stiegen hinab und überbrachte meinem LAP die tolle Neuigkeit. Er war begeistert und wir malten uns die tollsten Sachen aus. Ich war aufgeregt, aber mein LAP beruhigte mich und mahnte, locker zu bleiben. Ein angehender Pornostar kann sich ja nicht wie ein Kleinkind aufführen, meinte er. Da hat er wohl recht.

Venus, Tag 2. Lilo! Lilo Wanders!

Das Magazin Coupé bat um ein Interview. Jürgen (Casting-Direktor Videorama, Anm) führte mich zum verglasten Casting-Käfig und dort stand plötzlich SIE: riesengroß, blonde Perücke und fast zur Unkenntlichkeit geschminkt. Aber ich kannte sie, jeder kannte sie. Es war Lilo Wanders! (Wer jetzt behauptet, er hätte nie Wa(h)re Liebe gesehen, den nenne ich Lügner, sogar mein Schwiegeropa hat den Bericht gesehen, Anm). Sie bat mich, neben ihr Platz zu nehmen.  Puh, mir wurde heiß und kalt. Die Schamesröte stieg mir ins Gesicht, ich brachte kein Wort heraus. Ich habe wahrlich Respekt vor dieser, ähem, Frau. Es war ein irre Gefühl, daneben zu sitzen und mich eigenhändig zu überzeugen, dass es tatsächlich ein Mann war. Ausgestopftes Dekolleté, robuste Hände und irre lange Beine. Das war Lilo. Und ich war neben ihr eine kleine Maus.

In ein, zwei Sätzen sollte ich nun mitteilen, warum ich die Nachfolge von Gina Wild antreten wolle. Aber Lilo brachte mich völlig aus dem Konzept und ich quasselte planlos drauf los. Trotz des katastrophalen Ausgangs war es das Highlight meines Tages. (Das Interview erschien später als Coverstory unter dem Titel „Das Sexluder“, Anm).

Eine seltsame Party

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir noch in den Kitkatclub gehen. Conny Dachs (strikte Click-Empfehlung!!) hätte mich mitgenommen, aber nee, Jürgen meinte, ich solle mit ihm zur Videorama-Party. Weil ich mit vielen wichtigen Köpfen rechnete und es das Label war, dem ich mich quasi so gut wie verpflichtet hatte, musste ich wohl zusagen. (Auf den Kitkatclub zu verzichten, war eigentlich kein Drama. Der Besuch im verruchten Berliner Swingerclub war in den Jahren danach Pflichtkür für mich und meinen Chef, Anm).

Jürgen packte Kyra Shade (eine Anfängerin wie ich) und mich ins Auto und wir machten uns auf in‘s Esplanade. Er habe dort zwei Suiten gebucht, sagte er, und die hatten es in sich. Insgesamt 200qm2, ausgestattet mit weißem Leder, schwarzem Flügel und Whirlpool. Herrlich. Anzahl der wichtigen Leute: genau null. Dann kamen auch noch die Professionellen und es wurde kreuz und quer gebumst. Ich hatte Nullbock. Was tun? Anstatt abzuhauen, bestellte ich ein Wienerschnitzel, machte es mir am Tisch bequem und beobachtete das Treiben, verärgert, dass man mich da wohl mit einer Professionellen „verwechselt“ hatte. Drei geschaffte Mädels gesellten sich zu mir, die der Vögelei überdrüssig waren. Sie verwickelten mich in ein Gespräch, ich erzählte, dass ich Pornodarstellerin werden wollte, sie rieten mir ab und hielten mich wahrscheinlich für ein dummes Ding.

Einziger Lichtblick war eine süße Blondine, die in ein Handtuch gewickelt im Türrahmen stand und mich anblinzelte. Sie wollte gerade mit einem Mister No Name in die andere Suite gehen und fragte ihn, so dass ich es hören konnte, ob sie mich nicht mitnehmen könne, sie fände mich so niedlich. Ich verneinte entrüstet – und ging mit. Sie hieß Doreen, keine Ahnung, wie der Typ hieß, der da plötzlich auch im Separée saß. Aber es kam zu nichts. Ich vögle doch nicht mit irgendwem durch die Gegend und auch Doreen machte ihm schließlich vor, dass sie zu viel Weißes erwischt hätte (Das war übrigens meine einzige Erfahrung mit harten Drogen beim Porno, Anm) Stattdessen plauderten wir Mädels und der Typ, nun, keine Ahnung ehrlich gesagt …

Soweit ein paar Auszüge aus den Anfängen meiner Karriere, aus Sicht der naiven Anfängerin. Manchmal wünsche ich, ich wär mit meinen Tagebuchnotizen fleißiger gewesen, mit der Erinnerung nach Jahren ist es ja doch so eine Sache. Im übrigen war keiner meiner – aus heutiger Sicht – guten alten Videorama-Bekannten bei der Party damals anwesend, da hat mich Jürgen wohl etwas vordergründig abgezweigt. Aber gut, was wusste schon eine frischgefangene Fremde aus Ösiland?

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Ein Kommentar »

  • truetigger sagt:

    Conny Dachs als Schlagersänger – wahrlich eine Klickempfehlung. Angezogen schaut er sogar halbwegs seriös aus :)

    Erinnerungen sind ja deshalb so spannend, weil das Gehirn sich gern eigenes zusammenreimt – manchmal wünscht ich, ich hätt früher angefangen, Erlebtes niederzuschreiben. Nicht selten nutz ich mein Blog zum Nachblättern…

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