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True Dirt! Herr Woods und die Schleimspur am 19. Loch

Von | 01.03.2010, 16:00 | 2 Kommentare

Tiger Woods wirbt für die Kastration von Haustieren. Das ist jene Art Meldung, die sogar Devil Dirt aus dem Winterschlaf reißt. Die Kinder von Andre Agassi sind nicht von Andre Agassi. Michael Schumacher ist homosexuell und kommt direkt aus einer Entzugsklinik. Hermann Maier war früher Pornostar, aber in diesem verschissenen Österreich hatte er natürlich keine […]

Foto: peta

Tiger Woods wirbt für die Kastration von Haustieren. Das ist jene Art Meldung, die sogar Devil Dirt aus dem Winterschlaf reißt.

Die Kinder von Andre Agassi sind nicht von Andre Agassi. Michael Schumacher ist homosexuell und kommt direkt aus einer Entzugsklinik. Hermann Maier war früher Pornostar, aber in diesem verschissenen Österreich hatte er natürlich keine Chance. Und Cristiano Ronaldo treibt es gern besoffen mit Schimpansen. Ist das die ganze Wahrheit über die Helden des Sports? Nein, einer geht noch, lobet den Herrn! Tiger Woods bekennt sich sexsüchtig und wirbt für Kastration …

Dirt, so kann es nicht weitergehen, meinte der weißbehaarte Alte und kaute nervös am Mundstück seiner stinkenden Pfeife. Sie versprechen Traktate über Frauentypologien und verschwinden von der Bildfläche. Sie werden beleidigend und lästern in einem fort. Jetzt höre ich, dass sie in den Städten herumzigeunern und gegen die Technikgläubigkeit der armen Lämmer in den U-Bahnen und Bürotürmen wettern.

Was soll ich davon halten? Unserer Sache dient das sicher nicht. Haben wir nicht lang und breit erörtert, dass es nur noch ein Thema gibt, dem wir uns künftig widmen wollen? Habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt, oder haben sie was an den Ohren? Ich verlange eine Erklärung, diese Insubordination muss aufhören! Sofort!

Als Netzbeauftragter eines Höllenfürsten hat man es nicht leicht. Es sei denn, man schmeißt den Job als Netzbeauftragter hin. Was ich eben erst getan habe. Und das ging so:

Sex sells, ich weiß, sagte ich zum Großen Übelriechenden Alten. Ich hab’s kapiert, wir müssen auf die Quote achten, schlüpfrige Sprüche absondern, den Hormonspiegel hochhalten, Psychoquatsch, Beziehungstipps, Trendthemen, Promis, es muss prickeln, es muss prickeln! Richtig?

Ganz richtig, ereiferte sich der stinkende, übellaunige Wichtigtuer, der noch nie zwischen den Zeilen lesen konnte, weil er dafür einfach zu überheblich ist und nie richtig hinhört, wenn er verarscht wird. Weil sich für ihn sein eigener besserwisserischer Text in die Pforten der Hölle eingebrannt hat und alles andere zur Bedeutunglosigkeit verkommt.

Wenn wir die breite Masse erreichen wollen, Dirt, wenn wir die breite Masse begeistern wollen, müssen sie anders ticken. Schauen sie, dieser Sax, der hat den Dreh raus. Sapiosexuelle, das Gehirn als Aphrodisiakum, iSex, Textsex , der Mann schreibt sich die Finger wund und wirkt wahre Wunder. Oder Gladius, der alte Lustmolch. Eine Schande, wie forsch der Ordensbruder auf die Sexschmalztube drückt und sich versündigt. Aber der traut sich wenigstens was: Onan, der Barbar, Sex mit dem Heiligen Geist, ich bitte sie, Dirt! Frau Pornero und ihre Erfahrungsberichte. Und diese weltumpannende Fangemeinde an Spannern und Spinnern! Dem muss ich hoffentlich nichts hinzufügen, oder?

Nein, das müssen Sie wirklich nicht. Ich gebe Ihnen recht: Mit diesen genialen Zeitgenossen kann ein Schmutzfink wie ich naturgemäß nicht mithalten. Wie es scheint, haben Sie auf das falsche Pferd gesetzt und einen Dilettanten engagiert. So ist das halt, wenn man einen schmutzigen kleinen Erdteufel ausgräbt und für hochtrabende Ziele missbraucht. Er fährt den Karren an die Wand und das gesamte Projekt versinkt in einem tiefen, uninspirierten Schlammloch.

Apropos Loch …

Habe ich richtig gehört, sie reden mich neuerdings wieder mit dem großen Sie an. So weit ist es mit uns gekommen…? Ich dachte, wir hätten uns endlich zusammengerauft und eine gemeinsame Linie gefunden. Was soll dieses frustrierte, distanzierte Getue, Dirt? Ist ihnen nicht wohl?

Mir ging es nie besser. Aber ich möchte jetzt einen Tiger-Woods-Witz zum Besten geben, weil der irgendwie ganz gut zum Thema passt. Also, der geht so:

Jesus schaut Tiger Woods beim Golfspielen zu und sagt zu seinem Freund Moses: „Was der kann, kann ich auch.“ Gesagt, getan. Jesus und Moses stehen am Abschlag. Jesus schlägt, und der Ball landet mitten im Wasser. Darauf Jesus: „Moses, könntest du den Ball mal holen?“ Moses stellt sich vor das Wasser und teilt es, läuft zum Ball und bringt ihn Jesus wieder. Jesus probiert es noch einmal, mit dem selben Ergebnis. Der Ball landet wieder im Wasser. Er schaut Moses an, aber der sagt: „Hol dir den Ball doch selber, du kannst doch übers Wasser gehen.“ Jesus sprintet los, und als er gerade mitten auf dem Wasser steht, kommt ein dritter Golfer zum Abschlag und spricht zu Moses: „Was ist das denn? Glaubt der, er wäre Jesus Christus?“ Darauf Moses: „Das IST Jesus Christus, aber er glaubt, er wäre Tiger Woods…“

Darüber kann ich nicht lachen, brummte der Mann, der bald mein Ex-Chef sein würde. Der Witz ist viel zu lang!

Sehen Sie, genau das ist der Punkt, und an diesem Punkt trennen sich unsere Wege. Der Witz über Woods, nun ja, der ist vielleicht ein Schlag ins Wasser, aber Woods und Jesus Christus, ist das nicht ein wunderbarer Vergleich? Sie müssen nur die Namen vertauschen und etwa so anfangen: Tiger Woods schaut Jesus Christus beim Brotbrechen zu und sagt zu seinem Freund Donald Trump …, und schon wird’s richtig lustig.

Übrigens: Ich kündige, habe ich das schon erwähnt ..?

Aber zurück zum Golfer Woods, den ich seit dem Auffliegen seines Sexskandals aus reiner Gefälligkeit nur noch Wutz nenne. Es ist so, als würde dieser Herr jetzt plötzlich mit Jesus Christus wetteifern, um Buße zu tun. Er opfert sich sozusagen für alle bemitleidenswerten Sexungeheuer seiner leidgeprüften Kaste (Sportheld, Multimillionär) und lässt sich medial ans Kreuz nageln. Er tut, was der psychisch labile US-Superstar in so einem Fall laut Hollywood-Verhaltenskodex, Paragraph 1, Abschnitt A tun muss und lässt sich in eine Entzugsklinik einweisen. Er tritt vor ausgesuchtes Publikum und entschuldigt sich für seine Verfehlungen. Er fleht um Gnade. Er wird zur Witzfigur, gewissermaßen zum Wutz-Witz. Andere Sportstars verspotten ihn. Sogar Lindsey Vonn, die mutmaßlich hochgradig nymphomane, ebenfalls verheiratete Skirennläuferin, ätzte über den salbungsvollen Presseauftritt des Ärmsten, bei dem er von Familienangehörigen getröstet und umarmt wurde (Wo war eigentlich David Duchovny, by the way?) Lindsey, das Strahlemädchen, sagte jedenfalls wortwörtlich: „Das sah aus wie: Yeah, du bist großartig! Geh hin – und habe Sex!“

Geh hin und habe Sex! Jesus Christ, ist das nicht alles tief religiös!? Diese Show ist der beste schlechte Witz seit langem, also ungefähr seit den großen Tagen des Wild Bill Clinton.

Und es kommt noch besser: Besorgte Medienmenschen raten Wutz, er solle doch bei „Saturday Night Live“ auftreten und witzig sein, auf dass er wieder menschlich wirke. Als ob die US-Comedians – wie in Dr. Drew’s Sex Rehab – nicht eh schon in Scharen über den armen Kerl herziehen würden. Und damit alles seine Ordnung hat, will die Tierschutzorganisation Peta jetzt mit Tiger Wutz für die Kastration von streundenden Katzen und Hunden werben.

Kastration! Damit nähert sich die Wutz-Farce einem neuen Höhepunkt. Unter dem Deckmantel „Too much sex can be a bad thing for little tigers too“ kokettieren jetzt auch die Tierschützer mit der Sexsucht. Oder sollte ich sozialpolitisch korrekt sagen: mit dem Krankheitsbild Sexsucht?

Was bleibt, ist die Einsicht: Sexsucht ist eine der besten Entschuldigungen, seit es außereheliche Affären gibt. Also quasi die Lizenz zum Fremdgehen.

Da vögelt ein Golfgenie so ziemlich alles, was potentiell Spuren auf seinem Handy hinterlassen könnte und wird dann von seiner wütenden Ehefrau mit dem Golfschläger aus der Luxusvilla gejagt. Fährt komplett aus der Spur seinen Wagen zu Schrott, und die böse, böse Skandalstory wird öffentlich. Verkriecht sich wie ein angeschossener Fuchs in einem Bau – im konkreten Fall: ein Therapietempel – und stellt sich vorsorglich einmal tot. Erklärt später, dass selbstverständlich alles nicht so war, wie es jetzt vielleicht aussieht – ganz großes Klischeekino: „Schatz, es ist nicht so wie es aussieht …“ – und begibt sich auf den langen Trail Richtung Märtyrertum, wissend, dass jetzt erstmal viel Wasser den Pecos runterfließen muss, kübelweise Häme über ihn ausgeschüttet wird und Moralapostel aus Löchern kriechen, die weit jenseits der Fairways und Grüns beheimatet sind. Wie Britt Hume, der erzkonservative Scharfmacher und ehemalige Anchorman des US-Senders Fox, der dem verirrten Schäfchen via TV-Botschaft nahe legt, zum Christentum zu konvertieren, damit alles wieder gut wird. Weil als Christ wäre ihm sowas garantiert nicht passiert. (Für alle, die es noch nicht geahnt haben: der von Sexspielchen gepeinigte, fehlgeleitete Kuscheltiger ist Buddhist.)

Gegen den Wutz und seinen gierigen Schniedel wäre ja nichts zu sagen. Hätte er sich als braver Buddhist bloß zu angeborener Geilheit und Promiskuität bekannt und mit einem milliardenschweren Dollarscheck von seinem ahnungslosen, angetrauten Schwedenmädel freigekauft. Meister Wutz hätte alternativ gleich auf Unzurechnungsfähigeit plädieren können. Ist ja eine schlüpfrige, verführerische Welt, da draußen. Eine Welt voller Fallen. Da kann man es als Golfheiliger schon einmal übertreiben mit dem Lochspiel. Oder zweimal. Oder huntertmal.

Nur dieses scheinheilige Simulantentum danach, das stößt sogar einem Drecksack wie mir übel auf. Den Teufel werde ich tun und dieses feige, niederträchtige Verhalten gutheißen. Ich sage: Sportheroen sind Sexbestien, vollgepumpt mit Testosteron, allzeit bereit und unbeschreiblich potent.

Sie sind nicht süchtig. Sie sind einfach so.

So, genug von diesem Schwachsinn, ich hab’ mich schon wieder verplappert. Es gibt noch genügend andere Idioten, über die ich herziehen muss.

Das soll die Herausforderung sein, die Sie suchen, zischte die Kreatur, der allmählich dämmerte, dass sie nun mein Ex-Chef war. Sie schwören der Scheinheiligkeit ab? Womöglich auch der Heuchelei? Und sie ziehen unsere besten Verbündeten in den Dreck?

Schon möglich.

Was haben sie vor? Wo soll das hinführen?

Zum Licht.

Sie wollen zum Licht? Zum weißen Licht?

Weiß nicht …

Das hab’ ich mir gedacht. Aber damit kommen sie nicht durch! Das kauft ihnen niemand ab!

Wen kümmert’s. Macht einfach zuviel Spaß, auf eigene Gefahr und nach eigenen Regeln zu predigen. Da können Sie jeden dahergelaufenen Web-Philosophen fragen. Sogar die Freuden des Höllenfeuers sind ein laues Lüfterl im Vergleich zu einer tief empfundenen Wutrede.

Das war’s dann mit meiner Karriere als Netzbeauftragter der Unterwelt. Fortan erhebe ich meine Stimme wieder als letzter Dreck der Unterwelt.

Denn der Große Weißbehaarte Übellaunige Alte nahm den Bumerang, den ich ihm zugeworfen hatte, und machte sich kommentarlos vom Acker.

Ich bin schon gespannt, wann und wo er mir das Ding höchstpersönlich wieder zurück in den Arsch schiebt …

True Dirt

Logbuch, Part I

Ende

2 Kommentare »

  • Devil Dirt sagt:

    Saxo!

    So viele engumschlungene Fragen und Mutmaßungen auf einmal! Mir schwindelt davon ein wenig, muss ich zugeben. Mein Befreiungsschlag, der auch den armen Wutz in seinem Schmollwinkel erwischte, wird dennoch Folgen haben. Für dieses Forum und für Ihre Zuneigung, so hoffe ich. Und das im besten Sinne.

    Nur leide ich nicht so sehr unter Schreibzwang, Verehrteste (wie Sie wissen, übe ich mich oft genug in Zurückhaltung), sondern vielmehr am profanen Dreck dieser Welt. Und am Lärm auch, mitunter.

    Doch Ihr mildes Lächeln und Ihre Winkehand bestärken mich in meinem Vorhaben, mit neu gewonnenem Elan dagegen anzuschreiben.

    MtG
    Dirt

  • saxo lady sagt:

    dirt, was für ein schlingel. da purzeln doch die gefühle einer lady ganz gewaltig durcheinander…
    1. mißtrauen:
    ist es reiner neid, selbst doch zuwenig mißgunst und scheinheiligkeit aufzubringen, um mit der sexsucht-nummer sein auskommen zu bekommen?
    2. zuneigung:
    die wahrhaftigkeitsnummer ist natürlich eine, mit der eine lady wie meinereiner leicht zu kriegen ist…also wenigstens wegzukriegen von no.
    3. hochnäsiges runterschauen auf kleingeistig-hochfliegende schmutzfinken, die grauen eminenzInnen analgam kommen wollen.

    aja,4. war eine wiederkehrende freude über diesen schreibzwang, ohne den ein text wie dieser wohl nicht entsteht…wohlwollen, wohlwollen..denk er sich ein mildes lächeln und eine winkehand…

    aber eins noch…weil feigling elender, sich einfach vertschüssen, in den weiten des cyberspace zu verschwinden…das kanns wohl nicht gewesen sein.
    aber so wie ich den tipser kenne, wird er an wohlgedüngter stelle sein unkraut sprießen lassen.

    in ergebenster freude auf ein lebenszeichen oder eher dahinvegitierzeichen harrend
    saxo

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