Kunst ist tot. Und wir mit ihr.
Wenn ich sage „Kunst ist tot“, dann sagt Ihr „nichts Neues“. Ich weiß, ich weiß. Aber ich kann mich noch immer darüber erregen.
Es macht mich traurig. Unsere Werte stehen vor der Ausrottung, direkt vor unseren Augen. Die Familie ist tot, Mitgefühl ist tot, Natur ist tot.
Kunst ist tot …
Vergangene Woche hatte ich die Ehre und das Privileg, die Ausstellung meiner besten Freundin zu eröffnen. Sie ist Malerin. Eine echte Malerin. Sie malt Bilder, die man an die Wand hängen kann. Schöne Bilder, voll Struktur, Mustern, Farben. Bilder, die zur Fertigstellung Wochen brauchen. Mit ihren eigenen Händen. In meiner Rede sprach ich darüber, wie unsere Gesellschaft die Geduld verlor, um etwas mit eigenen Händen zu erschaffen (Kunst und Produkte; sogar Beziehungen) und durch diesen Prozess unsere Energie in das Erschaffene zu transferieren.
Ich verglich das mit den japanischen Meistern der Schwertschmiedekunst. Sie erschaffen ihre Schwerter – Katanas – im Alleingang, ein Prozess, der Monate dauert. Als Tänzerin fasziniert es mich, dass sie ihren ganzen Körper in den Prozess einbringen. Solcherart hergestellt hat ein Katana tausende Schichten, jede einzelne birst mit der Energie seines Schöpfers.
Diese Zen-artige, konzentrierte Projektion von Energie war auch mal Teil unserer westlichen Kultur. Aber wir haben sie verloren. Unsere Leben werden virtualisiert, unsere Energie verschwendet. Unsere Arbeit ist virtualisiert (wir produzieren nicht, wir sitzen in Meetings, sprechen ins Telefon, schreiben eMails), unsere Musik, Filme und Zeitungen sind virtuell. Unsere Fotos sind virtuell, unsere Erinnerungen sind virtuell, unsere Freundschaften sind virtuell. Wir verwenden Produkte, die Andere anderswo gemacht haben. Und sie bedeuten uns nichts. Wir kaufen sie, benützen sie, schmeißen sie weg. Sie sind nicht gemacht, um lange zu währen. Wie alles andere in unserem Leben auch.
Das Gleiche widerfuhr der Kunst. Kunst wurde Betrügerei, eine Ansammlung von schnell entwickelten Ideen oder Konstrukten. Videos, Aufführungen, Installationen. Sind sie gut, kitzeln sie ein paar Sekunden lang unser Gehirn – und werden vergessen. Und wenn sie nicht gut sind …
Hier das neueste Beispiel, der aktuellste Beweis, dass Kunst tot ist. Ein Riesenskandal in Wien. Der schweizer Künstler Christoph Büchel verwandelte den Keller der Secession (Wiens legendärer Kunstraum mit Klimts Frescos) in einen Swinger-Klub.
Das ist Büchels Kunst. In Kassel „schuf“ er ein Solarium und stellte einen Supermarkt und ein Wettbüro ins Fridericianum. Wie bitte? Ich komme aus einer Künstlerfamilie und bin für alles offen. Aber warum sollte man das Re-kreieren von Alltagsräumen außerhalb ihrer normalen Zusammenhänge Kunst nennen? Es ist billig (und auch nicht, das Secessionsprojekt kostete neunzigtausend Euro), es ist nicht kreativ, es hat keine Botschaft, es bedarf keiner Kunstfertigkeit. Es ist lediglich … eine Beleidigung. Kunst ist nicht tot. Sie ist toter als tot.
Vielleicht wäre das ganze Projekt etwas weniger skandalös, würde es nicht tatsächlich wie ein Sexklub betrieben. Ja, jemand hat eine Lizenz dafür bekommen. Damit Leute kommen und es bei Tag als Kunst betrachten (warum?), um dann nachts welchen Eintritt auch immer zu bezahlen und angesichts der Klimt-Gemälde promisken Sex zu haben. Kunst?
Nachdem wir alle Grenzen durchbrochen und allen Respekt verloren haben; nachdem wir vor der Mittelmäßigkeit in die Knie gegangen sind: Was bleibt von unserer Kultur noch übrig?



Naechste verhandlung
Gegen strassen-poet
helmut seethaler:
Di. 16.3. 9 uhr-
saal 206 /2.st.
Landesgericht wien
8.Wickenburggasse 22
Berufungsverhandlung wegen verurteilung von 2009.
(Sachbeschaedigungen)
Damals gings um beklebung+beschreibung des abrissbahnhofs WIEN-MITTE!
Vorallem am desolaten gruenen plastikboden im durchgang zur flughafenbahn waren ueber 50 seethaler-gedichte zu lesen.
Die aber durch zehntausende darueber gehende leute in wenigen tagen stets verblassten:
Jeden 3. Tag schrieb daher helmut seethaler neue worte auf den boden….
http://www.hoffnung.at
0043 1 330 37 01
hseethaler@gmx.at
..Aktuelles ueber ihn auf facebook+twitter
.
.
From: @Zetteldichter
Sent: 7. März. 2010 18:34
Wenn man mich (nur) durch twitter+google kennt:das bleibt nur kleiner teil meines tuns: IN GANZ WIEN kleben und stehen die ergaenzungen:
sent via UberTwitter
On Twitter: http://twitter.com/Zetteldichter/status/10128494303
From: @Zetteldichter
Sent: 7. März. 2010 18:47
Amtlicher wiener dauer-vandalismus zerstoerte bereits 2 millionen meiner gedichte. Helmut seethaler. http://www.hoffnung.at +mich googlen
sent via UberTwitter
On Twitter: http://twitter.com/Zetteldichter/status/10128970016
Anscheinend hat Christoph Büchel ja genau das erreicht, was er wollte. Abgesehen von der Qualität, die durchaus diskutabel wäre, ist der Diskurs aus dem Ruder gelaufen. Und sabbernd tobt der Boulevard.
Kunst bzw. Teilbereiche der Kunst wurden schon so oft für tot erklärt, dass diese Aussage, mit Verlaub, ziemlich abgedroschen klingt. Ebenso die Frage, was von “unserer Kultur” noch übrig bleibt. Und plötzlich wissen alle, wie Kunst auszusehen hat, was echte Malerei ist und was auf keinen Fall Kunst sein darf. Die ganze Skandalisierung ist so peinlich wie provinziell und dabei verlogen bis in die letzte Silbe.
MfG
hmmmmmm
ist die kunst wirklich dann am todesten, wenn sie ihren auftrag zur darstellung ins absurde nachkommt?
ich bewundere maler..als saxophonistin kann ich nachvollziehen, wieviel “fertigkeit” benötigt wird, um sein handwerk so gut zu beherrschen,damit es kunstvoll wird. aber…wo fängt da die kunst wirklich an? das handwerk kann sich jeder draufschaffen…kann jeder damit kunstvoll umgehen?
ist kunst wirklich etwas, das nur mit hochkomplexen fertigkeiten in verbindung gebracht werden kann? wieviel bedeutet die intention hinter einer handlung für die kunstausübung? ist es möglich, diese intention alleine als kunst gelten zu lassen…oder drängt sie sich womöglich selbst in den vordergrund und wird ihr die “künstlichkeit” abgesprochen, weil dafür keine fertigkeit notwendig ist???
viele frage, ich hab keine antworten darauf.
ein beispiel:_
der zetteldichter seethaler
ist es sachbeschädigung, wenn er seine gedichte in den öffentlichen bereich transportiert? ist es gerechtfertigt, diesen menschen mit anklagen solange zuzubetonieren, bis er menschlich unter der last zerbricht?
ist es notwendig, verblassende schriften am gehsteig mit handwerkern und baggern zu leibe zurücken?
ok das hat jetzt nix mit kunstverständniss direkt zu tun?
aber frage fragen sich halt manchmal von selber…
und als gelerntes wurzelzeugs kann ich behaupten:
je toter und stinkiger um so besser der humus
:D
Nach 37 jahren verbreitung
meiner gedichte
(Und 3 500 anzeigen) muss ich ins gefaengnis:
Fuer beschreiben
des gehsteigs
vorm wiener museumsquartier
wurde ich
vom museumsquartier
mehrmals wegen schweren sachbeschaedigungen angezeigt:
Sie wollen gehsteig auswechseln!
Es ist aber ein leicht
Abwaschbarer stift.
Ich bekam 2 monate bedingt auf 3 jahre.
Am ende der
verhandlung verlas
Richterin den bereits vorher verfassten
Schuldspruch:
Jede veraenderung des oeffentlichen raums ist strafbar!
Wozu verhandeln,
Wenn urteil feststeht.
Da ich wegen gleicher delikte
(Vorallem vorm MQ)
heuer noch mehrmals vor gericht stehe und weitere schuldsprueche erwarten muss,
bedeutet dies,
dass ich bald
lange zeit vom leben
und ankleben
meiner gedichte
weggesperrt werde.
Das schaff ich nicht. Das ueberlebe ich nicht.
helmut seethaler
A 1200 wien Wasnergasse 43/8
http://www.hoffnung.at
0043 1 330 37 01
hseethaler@gmx.at
….Bitte mich googeln,facebookn, twittern…….
Solang ich noch
da bin:
Weitere gedichte auch per post fuer eine kleine anerkennung:
PSK 7 975 059
.
Danke denen,
Die mich bisher
Ermoeglichten.
.
Lieber Herr Seethaler, geben Sie nicht auf, noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Alles Gute und Kraft für Ihr Weiterwirken.
[...] Abseits gespielter oder echter Erregung in der und um die Secession, ist mir Ana Tajders Kommentar (hier auf deutsch) in dieser Sache [...]