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Manfred SaxChampions League Spezial. Ist Wayne Rooney der aufregendste Kicker der Gegenwart? Wahrscheinlich …

Von Manfred Sax | 16.02.2010, 17:54 | 3 KommentareShare/Save

Wayne Rooney by dullhunk

Heute Abend in Milan sollte der ManU-Star der Fußballwelt zeigen, warum ihm das Inselvolk zu Füßen liegt: Keiner spielt derzeit feiner.

Niederlagen deines Teams nerven. Immer. Sie saugen dir das Mark aus den Beinen, sie senken deinen Testosteronspiegel, sie machen die Welt zu einem schlechteren Ort, und mildernde Umstände gibt es nicht. Es sei denn es war Wayne Rooney, der dein Team abservierte. Rooney ist ja nicht nur ManU-Kicker. Er ist auch ein „National Treasure“. Alle lieben Wayne.

Vor ein paar Wochen spielte mein Team Arsenal in London gegen den FC Rooney. Das Spiel war gerade 37 Minuten alt, da war es als Bewerb auch schon vorbei. Immerhin war die Hinrichtung eine relativ humane Angelegenheit. Der Todesstoß war klinisch eingeleitet und binnen neun Sekunden Geschichte. Besondere Note: Eingeleitet hat Rooney, tief in der eigenen Hälfte. Vollstreckt hat – auch Rooney, kraft eines 70-Metersprints, den du gesehen haben musst, um es zu glauben. (Wer sehen will, bitte HIER klicken. Die beschriebene Szene beginnt bei Sekunde 50).

Das Unfassbare: Wayne Rooney ist ein 100-Kilo-Mann. Okay, das mag nicht ganz stimmen. Aber er sieht aus wie ein 100-Kilo-Mann. Wie einer, der eigentlich kein Recht hat, so schnell unterwegs zu sein. Wenn du ein Verteidiger der Premier League bist, hast du so manche Fantasie, nur nicht jene, dass Wayne Rooney auf dich zustürmt.

Bei ManU macht er das seit Monaten als Speerspitze innerhalb eines (gegenwärtig Richtung weisenden) 4-3-3-Systems. So ein System bedarf dreier ballsicherer und flexibler Angreifer, deren Bewegung den Spielmachern im Mittelfeld Alternativen zur Ballfütterung offerieren. Und hier definiert Rooney gegenwärtig die Rolle der Nummer 9-Position neu. Er ist nicht nur die abschließende Speerspitze im Angriff. Er ist auch der – den Angriff einleitenden – Spielmacher. Einer der taktischen Punkte dabei: Der Mittelstürmer wird traditioneller Weise von einem der gegnerischen Innenverteidiger bewacht. Aber kein Innenverteidiger lässt sich vom gegnerischen Mittelstürmer so tief in die Hälfte des Widersachers locken, wie Rooney steht. Das heißt auch: Rooney ist immer anspielbar, es ist ein wenig wie der berühmte zwölfte Mann. Daher nennt man ihn derzeit „the two Rooneys“. Mal sehen, wie Gattuso & Co heute abend mit den beiden Waynes zurecht kommen.

Gegner im heutigen Schlager der Champions League ist der AC Milan. Die Pressevorschau wurde von David Beckham dominiert, in dessen Blut Manu pocht, der aber für Milan den Ball bearbeitet. Aber hier geht es um Rooney im Kontext zu ManU. Einem Team, dem Anfang der Saison ein Absturz prophezeit wurde (zugegeben, auch von mir). Die Frage war: Wie kann so ein Team nach Abgang zweier Größen wie Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez (die gemeinsam 50 Tore pro Saison beisteuerten) seine englische Vormachtstellung behaupten und international reüssieren – zumal die beiden 100jährigen (Ryan Giggs und Paul Scholes) auch schon ein wenig über den Berg sind?

Anstelle einer Antwort verwies Manager Sir Alex Ferguson immer auf „the Boy Wayne“. Der Bulle mit dem Tattoo „Just Enough Education To Perform“ (gerade genug Hirn zum Wuchteldreschen) am Arm sei jetzt soweit. 24 Jahre alt, seit der Vaterschaft (Son Kai) immer mit einem Lächeln unterwegs, habe er nun am Feld den Platz, den seine Art Fußball zu spielen braucht. Und wie so oft hatte Sir Alex recht.

Vor kurzem schoss Rooney sein Premier League-Tor Nummer 100 (gegenwärtig: 101), für die letzten zehn benötigte er vier Wochen, für die laufende Saison steht er bei 23 Toren, das ist Platz 1  der Score-Charts. Das ist beeindruckend, wenn auch nicht überraschend.

Dass in ihm ein Großer steckt, war immer klar. In Liverpool geboren, seit dem zehnten Jahr für Everton kickend, sorgte er immer für Aufsehen. Sein erstes PL-Spiel hatte er mit 16. Ich erinnere es wie heute, leider hieß der Gegner auch damals Arsenal. Die Gunners waren seit 37 Spielen ungeschlagen, das Match stand 1-1, als Rooney in der 81. Minute eingewechselt wurde, es endete 2-1 für Everton, nach Traumtor von „the Boy Wayne“, eine Fußballsensation war geboren.

Highlights folgten: Bei der Euro04 wurde er zum jüngsten Euro-Goalscorer aller Zeiten, der Transfer zu ManU im Sommer darauf machte ihn zum teuersten Teenager aller Zeiten (Ronaldo hatte nicht halb so viel gekostet), bei seinem ersten CL-Einsatz erzielte er einen Hattrick. Heute ist er auch der Nation beliebtester „Scouser“ (=geborener Liverpudlian), weit vor John Lennon und George Harrison (Paul McCartney & Ringo Starr rangieren unter ferner liefen, die Bealtes liebt man nur tot).

In wenigen Stunden läuft er in Mailands San Siro Stadion ein. Die ManU-Kicker haben sich von Rooney zu passabler Form inspirieren lassen, für die alternden Stars von Milan spricht eigentlich nur, dass man gegen ManU in der Champions League noch nie auf der Strecke blieb. Aber bitte, es gibt immer ein erstes Mal. Hier noch ein Appetit-Anreger zum Schlager: Wayne´s Top 5 Tore. Enjoy.

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3 Kommentare »

  • Dyrnberg sagt:

    sehr schön. allerdings hat rooney – wie man utd allgemein – auf italienischem boden immer probleme. gegen ac milan hat united beispielsweise auswärts überhaupt noch nie getroffen.

    I met my mate the other day,
    He said he has seen the white Pele,
    So I asked, who is he?
    He goes by the name of Wayne Rooney,
    Wayne Rooney, Wayne Rooney,
    He goes by the name of Wayne Rooney.

    • Manfred Sax sagt:

      Ich weiß. was Sie meinen. Aber wie gesagt: Es gibt immer ein erstes Mal. Und jetzt, eine halbe Stunde nach diesem wunderbaren Spiel, gilt es nur, Ihren im Kommentar zitierten Song zu unterstreichen (und glauben Sie mir, es tut auch weh, wenn man ein Gunner ist).
      Es war ein wenig wie Wachablöse, nicht wahr? Zuerst zeigten die Stars von gestern noch einmal, warum sie mal wesentlich waren, Beckham mit dem Freistoß zum Eins zu Null für Milan (über Umwege, zugegeben), Ronaldino mit ein paar Tricks, dann Paul Scholes mit einem Ausgleich, der für ihn persönlich so peinlich sein musste, wie ein erzielter wichtiger Treffer nur sein kann.
      Aber dann, nach der Pause, erlebten wir die neue Kraft. Aufgrund des Auswärtstores von ManU war Milan zur Offensive gezwungen. Und Lauern, Parieren & Kontern, das ist Wayne´s World. Er stemmte sich entgegen, er baute auf – und vollstreckte.
      Verzeihen Sie den Pathos. Aber Wayne regierte. Und belohnte Sir Alex, der ihm nach Abgang von Ronaldo und Tevez vertraute und einfach sagte: „Okay, Wayne, jetzt bist Du dran. King Ronnie ist tot. Rooney Rules.“
      Du Frage (für mich persönlich) ist: Warum eigentlich finde ich Rooney aufregender als Fabregas, Messi und Ronaldo? Er hat ja nicht wirklich Messis Tricks und Ronaldo´s Virtuosität auf der Reihe, oder? Nein, hat er nicht. Aber wenn ich Rooney sehe, fällt mir auch immer Einstein ein, von wegen E=mc2. Und wenn man Rooney´s Daten mit dieser Formel vereint, dann kommt man auf ein Phänomen. das es (im Fußball) in dieser Form noch nicht gegeben hat. Ihr sax
      ps: für etwaige, mit den heutigen Ereignissen noch nicht vertrauten Leser:
      AC Milan 2-3 ManU (Ronaldino, Scholes, Rooney2, Seedorf)

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