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Tackling my Cornflakes

Von | 12.02.2010, 7:00 | Kein Kommentar

Nicht schreiben oder doch nicht Nicht-Schreiben? Mit Paul Watzlawick in interessante Zeiten. Oh, die edlen Vorsätze. Man will ja eine Regelmäßigkeit etablieren, will sich selber an die kurze Leine nehmen, richtig schön in den Rythmus reinkommen, damit es dann irgendwann von selber läuft. Als fixer Bestandteil des Lebens, als Selbstverständlichkeit, an die man keine „soll ich […]

"Reflection 1" by Visual Age

"Reflection 1" by Visual Age

Nicht schreiben oder doch nicht Nicht-Schreiben? Mit Paul Watzlawick in interessante Zeiten.

Oh, die edlen Vorsätze. Man will ja eine Regelmäßigkeit etablieren, will sich selber an die kurze Leine nehmen, richtig schön in den Rythmus reinkommen, damit es dann irgendwann von selber läuft. Als fixer Bestandteil des Lebens, als Selbstverständlichkeit, an die man keine „soll ich oder soll ich heute nicht?“ Gedanken verschwenden muss, da es eben einfach so ist.

Tägliches Lauftraining? Mitnichten.
Wöchentliches Bloggen. Darum geht’s.

Ich meine, lasst Euch das mal auf der Zunge und in den Gehirnwindungen zergehen: wöch-ent-lich.
Also das kann doch echt kein Problem sein. Unter der Woche wird was erlebt, Freitag oder Samstag notiert man’s rasch. Sonntag stellt es der liebe Kollege Lauth ins Netz. Und pünktlich Montag in der Früh wird den geschätzten LeserInnen zum Marmelade-Semmerl noch eine Alltagsgeschichte serviert.

Tja, schneckn. So funktioniert das irgendwie nicht.
Denn erstens ist das Leben oft einfach fad und nicht berichtenswert, vergleiche @ruthakers:

„“MOM! Mikey said when you get married and have kids, you die!“
„Only on the inside, honey. Only on the inside.“

…oder es kommt dicke – dann ist es zwar nicht fad (no, sir!), aber zum Berichten bleibt keine Zeit.
Die Twitteranten-KollegInnen haben – vermutlich aus ganz ähnlichen Überlegungen heraus – deshalb neulich die Selbsthilfegruppe für Wenig- und Seltenblogger ins Leben gerufen. That’s a whole new level of desperate… :)

„Ach, wir sind ja nicht bei der Zeitung hier!“, sagt Meister Lauth immer. Dafür – ich schreibe dies vor Zeugen – zahl ich ihm beim nächsten Blogtail ein Achtel. Das erleichtert nämlich ungemein und hindert mich (vorerst) am Aufsuchen der Wenigbloggerselbsthilfegruppe.

Vor allem: Mein Leben war nicht fad, sondern sehr interessant. Und zwar gemäß dem klassischen chinesischen Fluch: „Mögest du in interessanten Zeiten leben!“ Das wiederum erschien mir dann zu privat für den hiesigen Rahmen.
Au ja, das Zeitalter der Privatsphäre ist vorbei, da sind sich Eric Schmidt und Mark Zuckerberg wunderbar einig, aber ich nehme mir dann doch die Freiheit, ihnen zu widersprechen und zu sagen: „Geht euch gar nix an, Jungs!“ :-p

Was ich auf ZiB21 tue, sehe ich als Experiment. Es ist ein Experiment für ZiB1, weil sie mir den Raum geben, in ihrem schwerpunktmäßig doch so anders gelagerten Ambiente mein kleines Privatreservat zu kultivieren. Und es ist ein Experiment für mich, weil es mich ständig zwingt, die Grenzen zu überprüfen:

Was ist noch Doris Knecht, was ist bereits Truman Show? Worüber können sich #Kind1 und #Kind2 dereinst mal als Erinnerungsalbum freuen – und was werden sie mir in der pubertären Rotzlöffelphase empört um die Ohren knallen? Okay, vermutlich alles. Falsche Fragestellung.

Aber es gibt noch viele andere …

Ich habe im letzten Monat den Punkt erreicht, an dem ich einige dieser Fragen nicht mehr beantworten konnte. Und die wesentlichste davon war: Wie gehe ich mit einer Veränderung meines Beziehungsstatuses um? Und zwar nicht auf Facebook – dort ist er ohnedies auf „nicht sichtbar“ gestellt. Sondern hier. Instrumentalisiere ich diese sehr private Entscheidung, wenn ich darüber schreibe? Mach ich aus einem Scheideweg ein fahles Stückerl Entertainment 2.0?

Ist es gerechtfertigt, 17 erstaunliche Jahre auf einen anekdotischen Blogpost zu reduzieren? Niemals.
Aber machen wir die Gegenprobe: Sind mir 17 erstaunliche Jahre denn nicht einmal einen anekdotischen Blogpost wert?

Eben.

Ich kann das heute genauso wenig beantworten wie in den letzten Wochen. Aber wenn ich diese Hürde nicht in irgendeiner Form für mich nehme, wird sie – ähnlich den Watzlawick’schen Cornflakes – immer unbezwingbarer.
Und ich habe deshalb den vielleicht feigen Weg gewählt, den mittleren Weg der Nicht-Entscheidung. Ich schmettere der Welt mein (t)rotziges „Geht Euch nix an“ entgegen und habe es trotzdem gesagt. Ich habe nicht darüber geschrieben, aber auch nicht nicht-geschrieben. Ein bisschen, wie Cyndi Lauper damals mit ihrem Sophomore Album, aber das hatten wir ja bereits…

Wie es jetzt weitergeht nachdem die Cornflakes-Hürde (sort of) genommen ist? Mit edlen Vorsätzen selbstverständlich!

Man will ja eine Regelmäßigkeit etablieren, will sich selber an die kurze Leine nehmen, richtig schön in den Rythmus reinkommen, damit es dann irgendwann von selber läuft … blablabla.
Aber rechnen Sie bloß nicht damit, dass das funktioniert!
Die „interessanten Zeiten“ sind gerade dabei interessanter zu werden.
Nur gut, dass wir hier nicht bei der Zeitung sind.

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