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U2: die Verlängerung

Von | 27.02.2009, 22:55 | 2 Kommentare

Beginnen wir mit einem Widerspruch. Eine neue Seite, die sich dem Banalen widersetzen möchte, ist vielleicht nicht die geeignete Plattform, um eine neue U2-Platte nicht einmal so schlecht zu finden. U2 sind ja so etwas wie der Inbegriff des Banalen. Stadiongroß. Um Konsens heischend. Tausend Tränen tief. Das sind U2, und dann spucken wir gleich […]

Quelle: www.u2.comBeginnen wir mit einem Widerspruch. Eine neue Seite, die sich dem Banalen widersetzen möchte, ist vielleicht nicht die geeignete Plattform, um eine neue U2-Platte nicht einmal so schlecht zu finden.
U2 sind ja so etwas wie der Inbegriff des Banalen. Stadiongroß. Um Konsens heischend. Tausend Tränen tief. Das sind U2, und dann spucken wir gleich aus vor lauter Ekel, weil wir tatsächlich einmal dazu gegrölt haben. I still haven’t found what I’m looking for – eigentlich ein Hohn, wo die Buben doch danach genau diesen Song wieder und wieder geschrieben haben.
Nun haben sie zuerst Rick Rubin als Produzenten rausgeschmissen (Wahrscheinlich musste Edge Akustikgitarre spielen), dann die alten Gefährten Daniel Lanois und Brian Eno geholt, und dann das Album „No Line On The Horizon“ veröffentlicht. Es ist okay. Wirklich.

Und es ist wirklich nicht okay, dass alle schon im Vorfeld darauf hingehaut haben, um sich für ihre Jugendsünden selbst die Absolution zu erteilen. Vor allem der am liebsten geäußerte Vorwurf war grotesk: Die Band, schrieben sie da aus ihren vorgefertigten Klischee-Notizheften ab, sei an ihren kreativen Ideen erstickt. Das schreiben Musikkritiker gerne, wenn etwas anders ist, als sie erwartet haben und ihnen trotzdem nicht gefällt. Ist ja auch wirklich verwerflich, viele Ideen zu haben. Ist ja auch wirklich eine Frechheit, aus den in den vergangenen Jahren zementierten Song-Mustern ausbrechen zu wollen. Ist ja auch wirklich eine Gemeinheit, doch nicht ganz so berechenbar zu sein, wie alle es geglaubt haben.

Vor allem: In seiner ökonomischen Dimension ist ein neues U2-Album schon lange nicht mehr das, was es einmal. Werden eh wieder weniger Leute kaufen als noch in den Jahren davor. Aber genau das hat U2 Freiheiten eröffnet, die sie vorher noch nie hatten: Sie können tun, was sie wollen und haben trotzdem einen Grund, um im Rahmen einer Tournee unzähligen Menschen überteuerte Tickets anzudrehen – als Rache dafür, dass sie ihnen vorher die Musik geklaut haben, die sie eh nicht interessiert.
Mehr tun sie ihnen dann aber nicht an, sondern hauen ihnen die alten Hits um die Ohren: Nehmt das, nehmt das, nehmt das, ihr Trottel! Und wenn ihr dieses Lied „Cedars Of Lebanon“ vom Schluss unserer neuen Platten nicht hören wollt, seid ihr selber schuld. Ja, das ist nämlich wirklich gut.

2 Kommentare »

  • Frater Gladius sagt:

    freut mich für die 4 iren, dass sie nach 30+ jahren im business ein album zu stande bringen, das ein geneigter kritiker als „okay“ erachtet. mister bono selbst wird das gegenwärtig am hintern vorbei gehen, in seinem online-diary geht es ihm derzeit eher darum, sich zu rechtfertigen, warum er seine einnahmen nun in holland, nicht in irland versteuert: „ihr normalverdiener versteht das nicht“, schreibt er, „weil wir prozentuell auch nur dasselbe berappen wie ihr. aber in zahlen ist das eben verdammt viel.“ ein wunder, dass er bei derlei problemen überhaupt noch an musik denken kann. so gesehen reicht tatsächlich allein die schiere präsenz eines neuen U2-albums, um es zu erwähnen, da haben Sie schon recht. Herzlichst, FG

    • Bono sagt:

      Danke. Aber, dass meine Band Holland Steuern zahlt, ist nun wirklich schon lange bekannt. Keine Ahnung, warum uns jetzt gerade alle damit kommen. Und was hat unser Finanzgebaren mit den Songs zu tun. Hey, wir haben ja angeblich Krise und da muss jeder schauen, wie er sein Geld zusammen hält.

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