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Ana TajderSpielen wir direkte Demokratie

Von Ana Tajder | 09.02.2010, 17:27 | 3 KommentareShare/Save
Rosa Legobrille by Phamous69

Rosa Legobrille by Phamous69

Am 11. Februar beginnt in Wien ein Spiel. Es heißt „Direkte Demokratie“. Es ist ein niedliches Spiel. Ehrlich! Es wurde für 6-10jährige entwickelt. Verwirrend ist nur, dass man mindestens 18 sein muss (oder wurde es auf 16 herab gesetzt?), um es spielen zu dürfen.

Das Spiel wurde in den vergangenen Wochen multimedial beworben, von Print bis Fernsehen, liebe Leute lächelten in die Kamera und sagten Sachen wie „Wir sollten alle ein Fahrrad haben“. Ja, und einen Lutscher! Die Absicht hinter dem Spiel ist sehr nett: Es ist ein „sofortiges Wohlfühlspiel“. Es sollte einem das Gefühl geben, dass man die Macht hat, seine Lebensumstände beeinflußen zu können.

Wie in Huxley´s Brave New World, wo Kinder konditioniert werden, indem man ihnen während des Schlafes Lektionen ins Ohr spielte, so weht uns in Wien seit Wochen die „Direkte Demokratie“ um die Ohren. Vor ein paar Wochen erhielten wir alle (nur die österreichischen Staatsbürger mit permanentem Wohnsitz in Wien) ein Bündel vorgedruckter Kuverts nebst Briefen und einem Stimmzettel. Ich liebe meinen Stimmzettel! Tatsächlich überlege ich, ihn mit der Inschrift „Direkte Demokratie“ zu versehen und einzurahmen und an die Wand zu hängen. Es hat einen Hauch von Warhol, mit seinem Pastellrosa und Babyblau und Vanillegelb und umgeben von all diesen runden JA-und-NEIN-Knöpfen.

Es sieht aus wie etwas, das man in einer Barbiepuppe-Verpackung finden würde. Und dann liest man den Text. Und fühlt sich tatsächlich wie sechsjährig. Die Fragen sind total suggestiv: „Wien wollte immer eine Metropole sein und leidet noch immer darunter, diesen Status nicht erreicht zu haben. London und New York haben U-Bahnen, welche die ganze Nacht in Betrieb sind (wir haben Nachtbusse, die tadellos funktionieren, aber wir wollen, was New York hat!!). Sollten wir das nicht auch haben?“

Oder Dinge, die zu allgemein sind, um Entscheidungen zu treffen: „Sind Sie dafür, dass es in Wien für sogenannte Kampfhunde einen verpflichtenden Hundeführschein geben soll?“ (Welche Art Hund ist ein Kampfhund? Und inwiefern hält so ein Hundeführschein den Hund davon ab, Babys zu töten?)

Dann wieder gibt es Fragen, die so klar sind, dass man sie gar nicht stellen muss: „Sind Sie für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen in Wien?“ (In Wien schließen die Schulen um 13 Uhr. Wenn beide Eltern arbeiten, ist das Kind … nun … auf der Straße? Zuhause bei „World of Warcraft“ oder bei Porno im Internet? Keine Ahnung). Schließlich auch noch Fragen, die uns nicht interessieren: „Sollten wir wieder Hausmeister einführen?“

Bitte keine Missverständnisse, das Spiel ist wirklich niedlich! Das sollte es auch sein, immerhin kostet es Sechskommasieben Millionen Euro. Aber es macht mich traurig. Ich würde dieses „Direkte Demokratie“-Spiel lieber mit Fragen spielen, die wichtig sind – wenn es darum geht, ob ein Land in meinem Namen bombardiert werden soll oder nicht; ob meine Milliarden dafür verwendet werden sollen, Banken zu retten, die das globale Finanzsystem in den Kollaps führten; ob Manager tatsächlich millionenhohe Boni bekommen sollen; ob finanzielle Transaktionen besteuert werden sollten oder nicht.

In solch einem Fall sollte das niedliche Design aber ein wenig geändert werden. Pastellrosa würde nicht wirklich passen …

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