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Warum ich Feminismus schwierig finde

Von | 01.02.2010, 7:06 | 14 Kommentare

Feminismus ist toll. Und Feminismus ist kompliziert. Eine Selbstreflexion mit Erinnerungen an den Audimaxismus. „Wenn es Feministinnen um Gleichberechtigung ginge, würden sie für Männerrechte kämpfen. #lmao #megafail ^^“ – twitterte porrporr So lustig fände ich das gar nicht, hatte ich quasi gesagt. Eigentlich finde ich das Wort „Gleichberechtigung“ (das FeministInnen ja auch gerne benutzen) deutet […]

Foto: flickr.com/rrho, Lizenz: cc-by-nc-sa 2.0

Feminismus ist toll. Und Feminismus ist kompliziert. Eine Selbstreflexion mit Erinnerungen an den Audimaxismus.

„Wenn es Feministinnen um Gleichberechtigung ginge, würden sie für Männerrechte kämpfen. #lmao #megafail ^^“ – twitterte porrporr

So lustig fände ich das gar nicht, hatte ich quasi gesagt. Eigentlich finde ich das Wort „Gleichberechtigung“ (das FeministInnen ja auch gerne benutzen) deutet ja ziemlich genau das an. Ganz geschockt reagierte die Twitterantin „porrporr“ auf diese meine Reaktion.

Mit dem Feminismus und mir ist das so eine Sache. Ich bin da an sich recht sensibilisiert und aufgeschlossen. Es fiele mir sowieso im Traum nicht ein, Frauen in irgendeiner Form selbst zu benachteiligen. Doch es ist sehr unangenehm Feminismus dort zu kritisieren, wo das nötig erschiene.

Im Plenum des besetzten Audimax stürmte die „AG Frauen, Lesben, Transgender“ in den ersten Wochen nahezu allabendlich die Bühne, hielt einen Vortrag über die Notwendigkeit von Antisexismus und erzählte uns, wie schlimm auch diese Bewegung sei. Mehrmals wurde dem Plenum der Besetzung mitgeteilt, dass die AG wegen des „antifeministischen Hasses der Besetzer _innen“ nicht mehr Teil der Besetzung sein könne. Nur um dann Minuten später beim (gefühlt 200 Mal abgestimmten) Antrag einstimmige Zustimmung zu erhalten, Antisexismus als Grundsatz der Bewegung zu manifestieren.

Ich bezweifle nicht, dass es sexistische Vorfälle und Übergriffe gegeben hat. Immerhin waren tausende Menschen anwesend, die klarerweise niemand einer Gesinnungsprüfung unterzog – es muss fast zwingend IdiotInnen darunter gegeben haben. Aber ich hatte täglich über viele Wochen viele Stunde dort verbracht und schlichtweg nichts miterlebt. Sexismus konnte also nicht gerade ein Massenphänomen sein und war definitiv kein in der Bewegung geduldetes Verhalten. Aber in diesen Plenarsitzungen stand niemand auf, um zu widersprechen.

An Höhepunkten wurde das zur Farce: Als eine Abordnung der TU Wien mit Transparenten und Fahnen jubelnd den Saal stürmte, um uns AudimaxistInnen mit einer Solidaritätserklärung zu überraschen, wurde sie von derartig gesinnten FeministInnen wieder runtergejagt. „Hier redet gerade eine Frau, und dann stürmen da ein paar Typen die Bühne – geht nicht. Buh!“, wurde gejammert.

Dass die Bühne gestürmt wurde, hatte da natürlich mit dem Geschlecht der aktuellen Rednerin nichts zu tun. Das Timing hätte genausogut einen „Macker“ oder „Typen“ treffen können (wie die Mitglieder der AG Frauen gerne Männer nannten). Welch Ironie, dass gerade diese Zwischenrufe ausblendeten, dass die TU-„Typen“ auch Frauen unter sich hatten. Eine davon schrie etwas unbedacht später von der Bühne, wir seien super, aber sollten doch bitte mit dieser „Scheiß Sexismus-Scheiße“-aufhören. Sie meinte damit die angesprochenen penetranten Feminismen und wurde zum Teil ausgebuht, zum Teil beklatscht, großteils aber einfach ungläubig angestaunt.

Wenn einer Denkrichtung überhaupt nicht mehr widersprochen werden kann, bekommt sie Keulencharakter, nimmt sich damit nach und nach aus dem ernstzunehmenden Diskurs und schadet im Endeffekt der Sache. So sagte zwar niemand etwas, aber das Ansehen der AG Frauen litt, weil die Leute diesen zeitweise radikalen Eifer und diese pauschalisierenden, zeitweise Verfolgsungswahn-artigen Attacken natürlich bald satt hatten (wer erinnert sich noch an den angedachten offenen Brief an Menasse, er solle doch bitte verdammt nochmal gendern?). Bald hörte der Großteil nicht mehr zu und der Rest (der Männer und Frauen) überdrehte die Augen. Auch die berechtigten Anliegen gingen in der Folge unter.

Aus demselben Grund, wie die meisten AudimaxistInnen schwiegen, spreche ich mit FeministInnen nicht gerne über „ihr“ Thema (das ich genauso als meines betrachte). Ein ungeschicktes, ein unbedachtes, oder einfach nur ein unliebsames Wort und schon hat man den Salat, wird angefeindet oder verspottet – und fast nie sachlich über mögliche Fehler aufgeklärt. (Darum erscheint dieser Artikel erst jetzt und wanderte in ähnlicher Form schon zig Mal wieder in den Papierkorb.)

„Gefördert wird der unverblümte Sexismus durch neue Kommunikationsformen wie Facebook und Twitter – nun können endlich alle mitmachen“ – Unique

Nehmen wir an, ein Gesetz benachteiligt Frauen und eine aufgebrachte Dame beklagt dies auf Twitter. Ich würde antworten: „Wir Männer sind bei Sorgerechtsstreitigkeiten und Scheidungen auch scheiße dran. Die armen Frauen sind immer soo empfindlich.“ Man stelle sich das (gerechtfertigte) Tara vor, nach so einer Respektlosigkeit. Was ich noch nicht verraten habe ist, dass diese Twitterantin aus dem Eingangsbeispiel mir (nach tagelanger, empörter Verschnaufpause) mit genau so einem „#armemaenner„-Hashtag antwortete. Männer die ab und zu bei FeministInnen über Benachteiligungen des eigenen Geschlechts klagen kennen diesen Spott, dass sie überempfindlich und „ach so arm“ seien.

Für manche feministische Grüne ist es zum Beispiel „sexistisch“ von einem Mann zu sagen, es genüge nicht Brüste zu haben, um in der Partei was zu werden (sondern dass die Frauen da was drauf haben). Es ist aber „überempfindlich“, wenn sich Männer an Begriffen wie „alter Silberrücken“ stören oder daran, dass die grünen Wahllisten zwar 50% Frauen, aber nicht 50% Männer beinhalten müssen. Es sind solche Dinge, die das Gefühl auslösen, dass derartige FeministInnen es mit der „Gleichberechtigung“ nicht ehrlich meinen und die (natürlich selteneren) Diskriminierungen von Männern nicht besonders ernst nehmen. Und dieses Gefühl erstickt die Lust auf eine Diskussion recht schnell.

Es ist falsch, dann aus der Diskussion auszusteigen. Damit überlässt man das wichtige Feld der Gleichberechtigungspolitik immer ein Stück weit den Extremen (die aber nie etwas erreichen werden). Aber ich höre zunehmend damit auf, die Schuld für das Debattenende nach solchen Attacken bei mir zu suchen. Wenn das Feminismus ist, und mein ganz einfach zutiefst egalitäres Menschenbild nicht, dann ist mir Feminismus zu blöd.

Dieser Text erscheint neben vielen anderen auch in auch in Toms Blog ZurPolitik.com

14 Kommentare »

  • Bea sagt:

    Männer sind nicht stubenrein

  • lusciniola sagt:

    Wie bei jeder Bewegung ist es ein Problem, wenn diese von Fundamentalisten ge-hijacked wird. Feminismus ist gut und wichtig. War es früher und ist es immer noch. Allerdings hat es nichts mehr mit Feminismus zu tun, wenn es nicht mehr darum geht, Chancengleichheit zu schaffen, sondern Frauenförderung zum Selbtzweck mutiert. Der teilweise in regelrechten Männerhaß übersteigert wird und einigen Leuten nur mehr als Egotrip und Selbstdarstellung dient. Sich Gleichberechtigung nur mehr an Symbolen aufhängt, die dafür umso verbissener verteidigt werden und im Klima einer übersteigerten pc keine kritische Auseinandersetzung mehr möglich ist.

    Aber solche Egotrip-Leute sind vielleicht lauter, haben aber nicht den Feminismus gepachtet. Bei dem geht es immer noch darum, Gleichberechtigung zu schaffen, Chancengleichheit. Und hat auch immer wieder was mit Identitätsfindung, Befreiung aus Rollenbildern und Klischees zu tun. Aber das wichtigste ist, dass man die Ziele nicht ohne die Männer erreichen kann und nichts daraus wird, wenn man gegeneinander arbeitet. Oder sich gar als Feindbilder wahrnimmt. Und eine echte Feministin setzt sich auch für Männer ein, wenn die unzulässigerweise diskriminiert werden (unzulässig deshalb, weil es da immer auch um die unten diskutierten strukturellen Benachteiligungen geht, die man beseitigen muß), weil der geht es nicht darum, dass Frauen die Männer vom Platz an der Sonne verdrängen, sondern dass sich alle gemeinsam die Sonnenstrahlen teilen. ;-)

  • Was haben Feminismus und Rassismus gemeinsam: „Differenz wird hier mit Hass und Feindseligkeit aufgeladen.“ (Zitat aus einem aktuellen Atikel der TAZ)

  • Ivy sagt:

    Genau diese radikalen Frauen sind es, die die ganze Frauenbewegung, die vor Generationen ins Leben gerufen wurde, zerstören. Das hat nichts mehr mit Gleichberechtigung zu tun, sondern ist reiner Männerhass. Ich selber hab auch am Anfang viel mitgearbeitet in einigen AGs bei der Besetzung, bin dann aber genau deswegen ausgestiegen. Ich lass mich von denen doch nicht als „Sexistin“ (!!) bezeichnen, nur weil ich einfach nicht gendere. Denn gendern ist für mich Vergewaltigung der deutschen Sprache. Aber das ist ein anderes Thema…

    • Tom Schaffer sagt:

      es hat schon damit zu tun. ;)

      ich für meinen teil seh das gendern schon als sinnvoll an – und tu es für gewöhnlich auch. meistens lässt sich das hervorragend in texte integrieren. aber es gibt situationen, wo die sprache dadurch wirklich schrecklich wird – und es ist dann nicht sexismus sondern interesse an verständlichkeit, dass ich es dann mal nicht mache. man kann das ja einfach pragmatisch sehen.

  • Was lange währt…

    Irgendwie hätte Tom ja schon ein paar Monate zu diesem Schluss kommen können, aber bei der Debatte zu den Frauenabteilen dachte er offenbar noch, er muss zwischen „guten“ und „bösen“ Männern unterscheiden (die einen darf man diskriminieren, die anderen nicht…). Insofern hatte ich es natürlich leichter, mein Unbehagen an der Männerfeindlichkeit der Audimaxisten gleich zu veröffentlichen ;)

    Ich gebe Michel Reimon bei (1.) recht (nicht Feminismus ist das Problem, sondern Fundamentalismus), aber bei (2.) unrecht: Der Glaubenssatz, dass Frauen keine eigene Verantwortung für ihre Situation haben, entspricht eben genau jenem Fundamentalismus, den man verurteilen muss.

    • Michel Reimon sagt:

      äh… und wo habe ich frauen die eigenverantwortung abgesprochen?

      • „männer sind strukturell im vorteil“ ist ein Dogma. Die „Struktur“ der angeblichen „Benachteiligung“ der Frauen hat ziemlich genau die gleichen Eigenschaften wie das fliegende Spaghettimonster: Eine allgegenwärtige, unsichtbare, nicht falsifizierbare Kraft, die man für alles verantwortlich macht, was einem nicht in den Kram passt. Wer so etwas sagt, will die Eigenverantwortung der Frauen gleich von vorherein ausschliessen.

        • Tom Schaffer sagt:

          ich bezweifle massiv, dass du und ich da wirklich allzu übereinstimmende positionen haben. die diskriminierung der frau in der gesellschaft ist für mich im großen und ganzen nach wie vor nicht zu leugnen. es geht hier ja eher darum, wie dagegen von manchen vorgegangen wird.

          • Im Gegensatz zu so manchem anderen Zeitgenossen liegt es mir fern, jemanden zu seinem Glück zu zwingen. Insofern stelle ich Dir frei, selbst darüber zu entscheiden, ob Du mit mir in irgendetwas übereinstimmen willst. Aber ich für meinen Teil stelle eigentlich nur zwei Unterschiede zwischen unseren Sichtweisen fest und jede Menge Übereinstimmung. Zuerst die Unterschiede: Du glaubst daran, dass Frauen „im großen und ganzen“ diskriminiert werden. Ich teile diesen Glaubensinhalt nicht, sondern halte mich an eindeutig nachprüfbare Fakten (Gesetzeslage, objektive Daten wie zum Beispiel Lebenserwartung). Zweitens denkst Du, dass eine offene Diskriminierung dann in Ordnung ist, wenn sie „die richtigen“ trifft. Frauenabteile findest Du zum Beispiel in Ordnung, wenn dort keine Machos hineindürfen, politisch korrekte Blogger aber schon. Ich hingegen denke, dass es keine „richtige“ Diskriminierung gibt, sondern dass ein Staat und eine Gesellschaft nur dann gerecht ist, wenn wirklich das gleiche Recht für Alle gilt. Abgesehen davon beschreibst Du die Probleme des Gender-Feminismus sehr gut. Was ist also der Grund für unsere Differenzen? Du denkst, dass nur die Methoden der Gender-Feministinnen falsch sind. Nur, dass sich die Methoden des Gender-Feminismus direkt aus der Ideologie ergeben. Wenn Du das verleugnest, machst Du reine Symptombekämpfung.

            • Tom Schaffer sagt:

              du kannst eine gesellschaft nicht nur auf ihre gesetzeslage reduzieren. es gibt ganz andere zwänge und normen, und viele davon sind immer noch frauen gegenüber diskriminierend. indem du sagst „der staat sagt eh, dass alle gleich sind“, machst du es dir viel zu einfach. weil dadurch ist eben noch keine gesellschaftliche diskriminierungsfreiheit gegeben, sondern eine rein juristische. frauen bekommen also erst dann recht, wenn sie dinge überzeugend vor einen richter bringen. vorher oder wenn sie das nicht tun, werden sie häufig diskriminiert.

              frauenabteile sind so ein grenzthema, weil der langfristige sinn von sowas zweifelhaft ist (es führt eher zu einer isolation und einem verstecken von frauen die angst haben). außerdem ist das eher ein thema, wo es schon um angstbewältigung geht, und nicht mehr wirklich um gleichberechtigung. aber als prinzip ist es für mich ok, dass es maßnahmen gegen sexismus gibt – die dann aber nicht gegen nicht-sexistInnen gerichtet werden sollten.

              • Eigentlich hast Du mir wieder einmal recht gegeben. Erstens, indem Du bestätigst, dass Du Diskriminierung in Ordnung findest, wenn sie „die richtigen“ trifft. Und zweitens, indem Du bestätigst, dass es bei dem Dogma mit der Spaghettimonster-Frauen-Diskriminierung vor allem darum geht, den Frauen jegliche Verantwortung für ihr eigenes Leben abzunehmen („frauen bekommen also erst dann recht, wenn sie dinge überzeugend vor einen richter bringen“). Ein Mann muss sich ohne Richter um sein Leben kümmern, eine Frau braucht aber immer jemand anderen, der sie beschützt? Da geht es wieder einmal nur darum, die Eigenverantwortung der Frauen zu blockieren.

                Wer will die Gesellschaft auf ihre Gesetze reduzieren? Ich nicht. Aber man sollte sich darüber im klaren sein, was die Aufgabe und die Grenzen staatlicher Willkür sein sollen, was die Aufgabe der Gesellschaft ist und was in der Verantwortung des einzelnen Menschen liegt.

                Klar ist staatliche Diskriminierung „effizient“. Sie ist aber auch ungerecht und zerstört die Grundlagen unserer demokratischen Ordnung. Ausserdem sind die Begründungen für diese Diskriminierungen sehr mangelhaft. Die Zwänge und Konventionen der Gesellschaft sind manchmal für Frauen unvorteilhaft, manchmal sind sie für Männer unvorteilhaft.

                Die Benachteiligung der Frauen “im großen und ganzen” ist ein Dogma, und sonst nichts. Unabhängig davon, was „gesellschaftliche diskriminierungsfreiheit“ eigentlich genau sein soll, müsste es ja sonst nach Deiner eigenen Logik auch jede Menge „positive“ Diskriminierung für Männer geben, um die Zwänge und Konventionen der Gesellschaft auszugleichen.

                Sollen also Männer immer in der Warteliste im Krankenhaus vorgezogen werden, um die Lebenserwartung anzugleichen (Männer gehen statistisch gesehen später zum Arzt als Frauen)? Sollen Frauen ein verpflichtendes Jahr Gemeinschaftsdienst machen, in dem sie gefährliche Reparaturarbeiten an öffentlichen Gebäuden erledigen (Männer erleiden 90% der tödlichen Arbeitsunfälle)? Soll die Erbschaftssteuer für Frauen höher sein als für Männer (Männer verdienen selbst mehr Geld, erben aber weniger)?

                Du bist doch ein analytisch denkender Mensch, Tom. Da sollte Dir eigentlich aufgefallen sein, dass die Argumentation bei den Frauenprivilegien immer vollkommen einseitig ist. Wenn man einfach nur die gleiche Logik bei den Männern anwendet, müssten die Männer heute hunderte rechtliche Bevorzugungen haben. Damit zeigt sich, wie absurd es ist, Gleichberechtigung mit „positiver“ Diskriminierung erreichen zu wollen.

                So lange Du solche Dogmen wie die die Spaghettimonster-Frauen-Diskriminierung standhaft verteidigst, gibt Du den Gender-Feministinnen Unterstützung, die Dich nachher von der Bühne jagen, wenn ihnen gerade danach ist. Insofern trifft es dann aber eh den richtigen ;)

                • Tom Schaffer sagt:

                  Erstens, indem Du bestätigst, dass Du Diskriminierung in Ordnung findest, wenn sie “die richtigen” trifft.

                  Antisexistische Maßnahmen gegen Sexisten finde ich in Ordnung. Diskriminierung finde ich nicht in Ordnung.

                  Und zweitens, indem Du bestätigst, dass es bei dem Dogma mit der Spaghettimonster-Frauen-Diskriminierung vor allem darum geht, den Frauen jegliche Verantwortung für ihr eigenes Leben abzunehmen (“frauen bekommen also erst dann recht, wenn sie dinge überzeugend vor einen richter bringen”). Ein Mann muss sich ohne Richter um sein Leben kümmern, eine Frau braucht aber immer jemand anderen, der sie beschützt? Da geht es wieder einmal nur darum, die Eigenverantwortung der Frauen zu blockieren.

                  Nein, da geht es darum, dass Frauen und Männer dasselbe Maß an Eigenverantworutung zeigen müssen. Wenn es Bereiche gibt wo Männer ihr Recht bekommen und Frauen ihr Recht erst einklagen müssen, dann ist das nicht der Fall. Umgekehrt wird auch ein Schuh draus.

                  Deiner eigenen Logik auch jede Menge “positive” Diskriminierung für Männer geben, um die Zwänge und Konventionen der Gesellschaft auszugleichen.

                  Wer lesen kann, wird sehen, dass ich dagegen nichts hätte, wenn es sich sinnvoll einsetzen lässt.

                  Sollen also Männer immer in der Warteliste im Krankenhaus vorgezogen werden, um die Lebenserwartung anzugleichen (Männer gehen statistisch gesehen später zum Arzt als Frauen)?

                  Da zB liegt das Problem wohl ganz woanders als an der Wartezeit beim Doktor.

                  So lange Du solche Dogmen wie die die Spaghettimonster-Frauen-Diskriminierung standhaft verteidigst, gibt Du den Gender-Feministinnen Unterstützung, die Dich nachher von der Bühne jagen, wenn ihnen gerade danach ist.

                  Ich gebe ihnen so weit Unterstützung, wie ich denke dass sie richtig liegen. Und darüber hinaus stelle ich mich dann gegen sie – so wie hier. Nur weil FeministInnen in eingen Dingen übers Ziel hinaus schießen, haben sie nicht bei gar nichts recht.

                  Genauso wie dein Auftreten für Männerrechte oft problematisch ist, du aber mit der grundsätzlichen Intention auch auf Ungerechtigkeiten gegen Männer hinzuweisen absolut recht hast.

                  Genau darum gehts in meinem Beitrag eigentlich.

  • Michel Reimon sagt:

    lieber tom, interessanter debattenanstoß wieder einmal. ich verstehe, was du meinst, weil ich das natürlich auch schon viel zu oft erlebt habe. aber ich sehe inzwischen zwei dinge anders:

    1. ich finde nicht feminismus schwierig, sondern fundamentalismus. wenn sich beide kreuzen, tritt die regel mit dem kind und dem bade in kraft.

    2. die vorstellung, dass derzeit gerechte machtverhältnisse zwischen beiden geschlechtern entstehen würden, wenn man beide exakt gleich behandeln würde, ist mMn falsch. männer sind strukturell im vorteil. es ist der ganz grosse (achtung, kampfbegriff) neoliberale irrtum, dass die gleiche behandlung aller menschen selbst bei unfairen rahmenbedingungen faire ergebnisse bringen würde. schau dir die abgeordneten-ränge aller parteien ohne quotenregelung an: 80, 90 prozent männer. und als grüner mann, der es gerade in eine spitzenposition geschafft hat, kann ich dir sagen: unsere regelung schafft halbwegs die balance. wenn wir uns davon jetzt ersatzlos verabschieden würden, wären wir in 10 jahren wieder dort, wo die anderen sind. (dass reformen mal möglich sind, versteht sich natürlich auch von selbst.)

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