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Die New York Times, Apples Tablet und ein wenig Angst um die Link-Ökonomie

Von | 26.01.2010, 14:02 | Ein Kommentar

Im Netz zählt die Link-Ökonomie. Können Paid Content und neue Gadgets dieses Paradigma brechen? Natürlich begrüße ich es, wenn Verlage darüber nachdenken, wie sie Geld für ihren Content lukrieren können. Ich bin Content-Produzent, und möchte gerne dafür entlohnt werden, weil es Mühe macht, Energien raubt und meine Wohnung ist auch nicht gratis. So gesehen fand […]

Ausschnitt aus der Einladung zur Apple-Präsentation am 27. Jänner 2010

Im Netz zählt die Link-Ökonomie. Können Paid Content und neue Gadgets dieses Paradigma brechen?

Natürlich begrüße ich es, wenn Verlage darüber nachdenken, wie sie Geld für ihren Content lukrieren können. Ich bin Content-Produzent, und möchte gerne dafür entlohnt werden, weil es Mühe macht, Energien raubt und meine Wohnung ist auch nicht gratis.

So gesehen fand ich schon vorige Woche die Meldung spannend, dass die New York Times per Jänner 2011 eine Paywall rund um ihren Online-Auftritt errichten möchte. Schließlich ist das ein Paradigmenwechsel, weil gerade die NYT bereits wilde Experimente mit Paid Content und danach völliger Öffnung inklusive gut 150 Jahren Archiv hinter sich hat.

Was mich stutzig gemacht hat, ist folgende Frage: Wie machen die das dann mit ihren eingehenden Links? Was nutzt eine Verlinkung zur NYT, wenn jeder, der dem Link folgt, bloß um seine Kreditkartendaten gebeten wird? Das bringt, so bloggte auch Jeff Jarvis, die Link-Ökonomie aus dem Gleichgewicht. Und das muss doch die Relevanz der NYT zerstören, weil ihr Content weniger verlinkt wird.

Nur verschweigt Jarvis in seinem Blog ein Detail, das hier bei der NYT und hier in diesem Blog näher erklärt wird: Der Gelegenheitsbesucher, der via Link auf die Seiten von NYT.com surft, darf den dortigen Content ohne Hindernisse konsumieren. Nicht einmal das monatliche Limit, nach dessen Verbrauch die Paywall erscheint, wird davon berührt. Bloß jene, die zielgerichtet zur NYT surfen, um sich dort zu informieren, werden zur Kasse gebeten.

Das öffnet zwar eine Hintertür, die es theoretisch möglich machen könnte, NYT.com anzusurfen, eine Artikelheadline zu kopieren, sie zu googeln und dann via Link die Paywall zu umgehen. Nur wage ich zu behaupten, dass das niemand tut, der die NYT wegen ihres Content schätzt. Es ist unbequem. Und auch wenn das keine allgemeine Relevanz hat: Mir wär’s zu blöd. So wie es mir zu blöd ist, meine Zeit in Filesharing-Netzwerken zu vergeuden, um Musik runterzuladen. Das macht mich einfach müde, und seit Amazon MP3s in vernünftiger Datenrate verkauft, bin ich restlos glücklich.

Die Lösung für NYT.com klingt jedenfalls auf den zweiten Blick vernünftig: Echte Fans zahlen ihre monatliche und jährliche Gebühr (und erhalten dafür wohl auch diverse zusätzliche Features, die ihnen das Gefühl geben, einer besonderen Community anzugehören), die anderen sorgen dafür, dass die Link-Economy trotz Paywall weiter funktioniert.

So weit, so Status der Überlegungen vor morgen Abend. Dann wird Apple nämlich sein schon jetzt gefeiertes Wunderding (Ob es das nur aushält, das Wunderding? Egal.) in Form eines Tablet präsentieren. Weil es sehr schwer ist, sich dem Hype um das Ding zu entziehen, nur so viel: Sein Erfolg hängt davon ab, dass es abseits von Apps oder Spielen auch journalistischen Content gibt, der sich seine Vorteile zunutze macht und neue Erzählformen entwickelt. Und davon, dass sich Verlage auf einen technologischen Standard einigen, auf den Apples Tablet und ähnliche eReader zugreifen können – und auf dem dann wohl eine Art iTunes-Store für Magazine, Bücher und Artverwandtes entstehen kann.

Fest steht, dass sich die amerikanischen Verlage Condé Nast, Hearst, Meredith, News Corporation und Time Inc. bereits im Dezember des Vorjahres auf die Definition eines solchen Standards geeinigt haben:

The goal of this digital initiative is fourfold, to create: a highly featured common reading application capable of rendering the distinctive look and feel of each publication; a robust publishing platform optimized for multiple devices, operating systems and screen sizes; a consumer storefront offering an extensive selection of reading options; and a rich array of innovative advertising opportunities.

Was das bedeutet? Mittelfristig vielleicht tatsächlich das Ende von bedrucktem Papier, weil es für Verleger einfach verdammt sexy klingen muss, sich die Kosten für Druck und Vertrieb zu sparen. Bloß eines will mir dabei nicht einleuchten: Wie ein Online-Store für digitale Publikationen aller Art mit der Link-Ökonomie zusammen gehen soll.

So wie ich die oben genannten Verlage einschätze (News Corporation steht immerhin im Besitz von Rupert Murdoch, einem bekennenden Feind von Links ganz allgemein und Google im Speziellen), werden sie wohl versuchen, ihren für Tablets aufbereiteten Content vor den begehrlichen Fingern der Digital Natives zu schützen. Also rückwärts gewandte Kleinlichkeiten in einem Projekt, das in die Zukunft weisen soll.

Aber ehe ich mich in weiteren Spekulationen verliere, warte ich lieber bis morgen Abend und rechne zur Sicherheit schon jetzt damit, dass ich das Ding haben will.

UPDATE:

Das Wunderding heißt also iPad. Hier der offizielle Film dazu. Was ich davon halte, weiß ich noch immmer nicht. Bloß, dass ich es wohl haben will.

Ein Kommentar »

  • snob sagt:

    ja die link-economy ist dead. creating buzz is not enough. das ist der punkt. aufmerksamkeit ist kein qualitaetskritierium, das ist die gesunde erkenntnis.

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