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Beenden wir den Kärntner Alptraum jetzt

Von | 24.01.2010, 10:00 | Kein Kommentar

Den Kärntnern fehlt der Mut die blau-/orangen Faschingsprinzen zum Teufel zu jagen. Sie müssen es schaffen, das übrige Österreich kann davon lernen. Als Kärntner werde ich derzeit laufend auf die Ereignisse in meiner Heimat angesprochen. „Man kann die ­Herkunft leugnen oder hoffen, dass das Bundesland von Italien annektiert wird“, scherzt der IV-Ökonom Christian Helmenstein. Stimmt. […]

Credit:apaDen Kärntnern fehlt der Mut die blau-/orangen Faschingsprinzen zum Teufel zu jagen. Sie müssen es schaffen, das übrige Österreich kann davon lernen.

Als Kärntner werde ich derzeit laufend auf die Ereignisse in meiner Heimat angesprochen. „Man kann die ­Herkunft leugnen oder hoffen, dass das Bundesland von Italien annektiert wird“, scherzt der IV-Ökonom Christian Helmenstein. Stimmt. Doch ich denke gar nicht daran meine Herkunft zu leugnen, denn das hieße ja, dass ich sie jenen Idioten überlasse, die seit zehn Jahren das Land in den Niedergang führen.

Ökonomischer Ausnahmezustand

Kärnten droht der ökonomische Ausnahmezustand. Obwohl Kärnten seine Jugend besser ausbildet als andere Länder, obwohl der Strukturwandel – weg von der Grundstoffindustrie hin zu forschungslastigen Zukunftssektoren – früher als anderswo bewältigt wurde, zeigen aktuelle Statistiken, dass es in hohem Tempo abwärts geht. Der Schuldenstand, schon jetzt der höchste in ganz Österreich, verdoppelt sich in den kommenden vier Jahren, Konzerne wälzen Abwanderungspläne und Bundesförderstellen zögern mit der Freigabe von Mitteln. Unter dem Titel „Das andere Kärnten“ zeigte die Industriellenvereinigung auf, dass das südlichste Bundesland erstaunlich viele hochbegabte Menschen hervorbringt, die aber zu einem hohen Anteil abwandern. Klar ist auch, dass sich in Kärnten – etwa beim Rückgang der Bevölkerung – Trends zeigen, die später einmal ganz Österreich ereilen werden.

Aber auch die Tatsache, dass ein rechtspopulistischer Mob ein Land in Geiselhaft halten kann, ist ein Mahnsignal, das die Schadenfreude überstrahlt.

Wenn sich nichts ändert, werden die ökonomischen Probleme von heute zu sozialen Brandherden der Zukunft. Die Arbeitslosigkeit und Abwanderungsquoten werden noch steigen, damit wird die Pro-Kopf-Verschuldung sich weiter verschärfen und so wird der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum immer kleiner. Wenn ein Land kein Geld mehr hat, dann kann es keine Betriebe mehr anlocken, dann kann es keine Schulen, keine Seniorenheime und keine Krankenhäuser mehr finanzieren.

Hilfe zur Selbsthilfe

Nicht-Kärntner, die mit verdienter Lust den Niedergang der Haider-Erben beobachten, sollten sich aufgefordert fühlen, Lösungen zu erarbeiten, die als Modelle für das Österreich der Zukunft dienen werden.

Wie kann Kärnten die Faschingsprinzen Gerhard Dörfler und Uwe Scheuch loswerden und sie wieder dorthin schicken, wo sie hingehören? Auf den Traktor, in den Stall, an den Kopierer, an die Kaffeemaschine und an den Stammtisch.

Das wird nichts, denn viele Kärntner wollen das ja gar nicht. Wie ganz Österreich weiß, werden in Kärnten Euro-Tausender vom Landeshauptmann persönlich verteilt, werden Probleme hemdsärmelig gelöst. Weniger Leute wissen, dass auch rote Bürgermeister die blau/orange Führung nicht stürzen wollen, weil sie sich bestens arrangiert haben. Weil es auch für die Bürgermeister nie leichter war, Geld  und Geschenke zu verteilen. Wie noch weniger Leute wissen, trauen sich auch viele Unternehmer nicht Kritik zu üben. Diese genieren sich zwar für die politische Führung, treten aber nicht gegen sie auf, solange sie um deren Gunst und Förderungen zittern müssen.

Quid pro Quo – doch das Problem sitzt noch tiefer.
Auch jene, die nicht zur Lambichler Kultusgemeinde (Haiders blumengeschmückter Unfallort) pilgern, glauben nicht an die Erneuerung. Sie fürchten, dass eine Neuwahl eine Neuauflage des freiheitlichen  Chaos bringen wird. Sie fürchten also auch weiterhin, dass sich SPÖ und ÖVP zu Koalitionen mit den rechten Narren verführen lassen werden.

Es fehlt der Mut.

Mut kann nur dort entstehen, wo Demut Platz hat.

Wenn Kärntner über die Heimat sprechen, streichen sie die Vorzüge hervor, loben die warmen Seen, preisen die Berge, die Küche, die Nähe zu Italien. Seltener geht es um die Schriftsteller und Maler, die kulturelle Vielfalt und die Innovationskraft der Mitbürger.Kärnten ist nicht einzigartig, daher ist seine Schönheit unerheblich.Was zählt ist der Glaube an die innere Erneuerungskraft.

Was das Land daher dringend braucht, ist der Mut zu Neuwahlen und der feste Wille, die Fehler der vergangenen zehn Jahre wett zu machen.Keine Partei darf der heutigen politischen Führungselite in Zukunft ein Mandat geben. An die Spitze des Landes darf nur jemand kommen, der außerhalb der Landesgrenzen ausgiebig frische Luft geatmet hat.

Den Alptraum der Nullerjahre verarbeiten

Wahlen sind nur selten mit wirtschaftspolitischen Themen zu gewinnen, diesmal wäre es möglich. Die Parteien der Vernunft müssen sich auf einen Kandidaten, vorzugsweise eine/n ManagerIn mit internationalem Ruf. Man mag tausend Gründe vorbringen, die gegen die unternehmerischen Leistungen von Erwin Soravia, Peter Brabek (Nestle-AR-Chef aus Villach) oder Peter Löscher (Siemens-Manager aus Villach) sprechen. Was diese Menschen mit Sicherheit auszeichnet, ist ihre Tatkraft, mit der sie Kärnten vor dem ökonomischen Untergang bewahren können.

Nur so lässt sich der Alptraum der Nullerjahre in den kommenden zehn Jahren verarbeiten. Und wer weiß, vielleicht wird Wien in zehn Jahren vor ähnlichen Fragen stehen? Der wirtschaftliche Frieden strahlt am Ende auch auf die Menschen ab.

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