Gladius32. Klimagipfel: Ein Grad Celsius A Tergo
Beim Klimagipfel in Kopenhagen wurde aufopfernd daran gearbeitet, dass uns das Wasser nur bis zum Hals reicht. Doch dann schlich ein Grad sich von hinten an.
Ehe ich beginne, ein paar Sätze zum Abhaken einer Unvermeidlichkeit. Liebe Leute, es stimmt, dass dieser Sermon wieder einmal spät online geriet. Mea Culpa, aber es war scheißkalt diesen Morgen. Wo ich schlafe, wird über Nacht nicht geheizt und Tatsache ist nun mal, dass man mit eingefrorenen Synapsen nur schwerfällig denken kann. Zwei bis drei Grad Celsius mehr wären da hochwillkommen, um den Mens Sana in Schwung zu bringen, und das sollte doch bei Gott nicht zuviel verlangt sein.
Leider wird heutzutage die ganze Welt beim Thema „zwei oder drei Grad mehr“ ein wenig happig.
Womit ich gedanklich nach Kopenhagen schalte. Methodischer Wahnsinn, nicht wahr? Da treffen sich hohe Repräsentanten aller Staaten des Planeten auf einen Streit zum Thema „Globale Erwärmung“, und wo tun sie das? An einem Ort, wo gerade der arktische Eiswind bläst und dir den Arsch abfriert, kaum steigst du aus dem Flugzeug. Genial, eigentlich.
Dass sich die Debatten dennoch das „Prädikat Hitzig“ verdienten, zeigt nur, wie brisant die Lage ist. Tatsächlich entzündeten sich die Gemüter im Kern am Unterschied zwischen „Zwei Grad Celsius mehr“ und „Drei Grad Celsius mehr“. Den Berichten zu Folge sollen sich die führenden Industrienationen bemüht haben, einen Plan zu schmieden, der die Welt „nur“ um durchschnittliche Zwei Grad erwärmt. Dann fanden Wissenschaftler kurz vor Tagungsende heraus, dass dieser Plan tatsächlich für eine globale Erwärmung von Drei Grad sorgen würde. Dieser Unterschied von Einem Grad Celsius sorgte für Zoff. Und ich will hoffen, dass ich heute nicht der Einzige bin, den nicht nur das Gefühl beschleicht, dass hier ein paar Hunde mit Inbrunst den falschen Baum verbellten, sondern dass sie das auch mit Absicht machten.
Wie manifestiert sich der Unterschied von einem Grad Celsius? Laut Übereinstimmung der involvierten Wissenschaftler in ein paar Details: Bei einer Globalen Erwärmung von Drei Grad Celsius stünde die halbe Welt unter Wasser, Länder wie Holland und Bangladesh wären kaum noch Festland. Bei einer Erwärmung von Zwei Grad dagegen stünde das Wasser uns allen lediglich bis zum Hals. Und das ist der Punkt, bei dem mir die Sache ziemlich a tergo zu riechen beginnt: Wie kann sich ein globaler Krisengipfel allen Ernstes einen Zustand zum ZIEL setzen, bei dem uns das Wasser bis zum Hals steht – und das auch noch als „Erfolg“ verkaufen? Was ist da los? Sind diese Politiker vollkommen hinüber, oder sind sie lediglich ruchlos? Zweiteres, fürchte ich.
Zurück zu Hund und Baum. Der Name des „richtigen“ Baumes ist ja kein Geheimnis. Der nennt sich Kapitalismus und funktioniert durch die Ausbeutung des Planeten. Es wird auf Teufel komm raus produziert, das Produzierte wird verschachert und mit dem Geld, das wir durch das Produzieren verdienen, kaufen wir zurück, was wir produzierten. Ist ein Markt erschöpft, wird der nächste gefunden, wo dann wiederum dasselbe passiert. Gegenwärtig passiert es in den sogenannten Entwicklungsländern. In Indien, Afrika, Südamerika und so weiter.
Die Umstände wollen es auch, dass es die Großmacht China ist, die in diesen Ländern investiert hat und dortselbst (und zuhause sowieso) fürs Gros des Drecks sorgt, dem wir die Globale Erwärmung zuschreiben. Allerdings bin ich jetzt nicht geneigt, die Chinesen deswegen zu verdammen. Die machen ja nur, was die alten Industrienationen seit Jahrzehnten machen. Sie backen ihren Kuchen und verzehren ihn Stück für Stück, sie werden dann vermutlich ebenso an Überfressenheit leiden wie die Amerikaner heute – und sie haben das historische Recht dazu. Ein Recht, das ihnen der Vertrag von Kyoto (1997) im übrigen zugebilligt hat. Länder, die ihren „Kuchen“ noch nicht konsumiert hatten, waren im Kyoto-Vertrag von der Verpflichtung der Schadstoffbegrenzung enthoben. Das ist humane Gerechtigkeit. Satte Menschen können hungrigen Menschen nicht verbieten, einen Kuchen zu backen. (Man möge mir die Einfachheit dieses Beispiels verzeihen. Wie gesagt, es ist kalt. Da denkt es sich nicht so zügig. Bin ja kein Eisbär. Möcht auch keiner sein. Nicht heute).
Leider ist Gerechtigkeit nicht immer gleichbedeutend mit Vernunft. Es ist gerecht, dass die „Entwicklungsländer“ – dank China – auch einmal ihren Platz am Futtertrog erhalten. Es ist nicht vernünftig, dass dies mittels der etablierten kapitalistischen Methoden passiert. Allerdings bin ich zu alt, um an die menschliche Vernunft allzu viel Hoffnung zu verschwenden. Ich glaube, der Kapitalismus ist deswegen so erfolgreich, weil er wie maßgeschneidert für das menschliche Gemüt ist. Der Mensch ist wie die Heuschrecke, und wenn viele Menschen innerhalb eines – den Planeten ausbeutenden – Systems operieren, dann wird er zur Heuschreckenplage, die bekanntlich schon anno Bibel für so manche Katastrophen sorgte. Und wie anno Altes Testament winkt so einem zur Einsicht unwilligen Menschenschlag nur eine Läuterung: die Sintflut. Die ist dann zwar von Menschenhand inszeniert und hat mit dem Zorn Gottes nichts zu tun. Aber bitte, alles eine Frage des Spins. Den kriegt die Kirche schon hin, pure Vernunft hat Männer des Allmächtigen noch nie gebremst. Und wer weiß, vielleicht wird die Sache noch unterhaltsam.
PS. Womit ich mich für drei Wochen verabschiede. Selbst ein Frater braucht mal Wärme, und dieser hier beabsichtigt, ihrer auf einem paradiesischem Flecken unweit von Mumbai habhaft zu werden. Das bedeutet zwar den Umstieg von der graubraunen Kutte auf die königsgelbe. Aber man muss den Paradiesen huldigen, solange sie noch über Wasser sind. Ich heiß ja nicht Hass. Angenehmen Jahreswechsel, liebe Leute.



Ein besinnliches 2010 der zib21-community generell und meinen Lesern insbesondere entbietet Frater Gladius. Ich will nicht unbedingt unterstreichen, gegenwärtig etwas „loved-up“ zu sein, allerdings offeriert das ehemals verschlafene Fischerdorf Candolim auf Goa heute kaum Alternativen.
Wahrlich, ich sage Euch: Vor 25 Jahren war ich zuletzt hier und da gab es nur die Witwe Ayasha mit ihrer Tochter nebst einem Brunnen, den sie mit vier anderen Gehöften teilten und es war Fastenzeit und das eine Brot des Tages wurde nach Sonnenuntergang geteilt und vom Westen her kam das träge Rauschen der Wellen, die sich gewaltfrei am Strand erbrachen.
Das alles geht heute in einem Gewoge unter, das sich „Sunburn“ nennt und akustisch mit geschätzten 120 Schlägen pro Minute vermittelt wird und nicht zur Ruhe kommt und wozu auch, in zehn Jahren sei das alles ohnehin unter Wasser, sagen die sich hinter Mischpulten abwechselnden Zeremonienmeister.
Im Namen des Generators (Brahma), des Operators (Wishnu) & des Destroyers, deren drei Initialen sinnlicher Weise das Kürzel GOD ergeben und wollen wir hoffen, dass der Destroyer (Shiva) uns letztlich jene paar Samen übrig lässt, aus denen wir neues Leben schaffen. Euer FG
apokalypse wow ?
frater lieber frater
grünzeugs ist für hierige temperaturen nicht geschaffen und die innere überredungskunst, ein sonniges gemüt zu sein, verlangt einiges ab. dabei god-berichte aus meinerseits fantasierten tropischen gefilden zu ertragen…nun, ich weiß mal wieder nicht, ob die zyynische abwehr oder die kindliche freude überwiegen soll.
aber weil weihnachten ist
und bald neu jahr
friedliche ich mich ein
und sende sehnsuchtsvolle wünsche in den sonnigen sitz…
grünzeugs
Im Grunde wurde eine richtige Entscheidung mal wieder aufgeschoben.
Die Politiker werden erst handeln, wenn es wirklich akut wird bzw. wenn es zu spät ist und die Hälfte der Erde schon unter Wasser steht.
Alle beruhen auf Ihrem Standpunkt. Das kann nichts geben.
Besonders gelungen ist der Abschnitt über den einen Grad unterschied. Einfach nur lächerlich. Sie spielen jetzt genauso mit dem Feuer, wie die Banken mit ihren Finanzen kurz vor der Wirtschaftskrise…
@Die Politiker werden erst handeln ..
Wehe denen, Billigflüge, die sich auf Politiker verlassen, denn sie werden verlassen sein. Klimagipfel haben einen Designfehler: Politgehirne sollten dort nicht zu finden sein. Wer die Rezession bekämpft, der kann nicht glaubhaft Global Warming bekämpfen, das ist ja wie Feuer mit Benzin löschen. Ihr FG
häh?
ich hab ehrlich gesagt an meinem neuen domicil die recyclingcontainer noch ned gesichtet.
oder redest du eh ned mit mir ? *g*
hach. da is natürlich ne antwort an das grünzeug. diesen depressiven monolog des schwertbruders werd ich heut ned kommentieren, dazu is der tag viel zu schön ;-)
und außerdem harre ich der näxten todsünde der gnädixten. hehe.
Auch nicht gerade die feine Art, oder, Frank? Nur weil da jetzt eine – zugegeben, exquisite – Rose im kargen Sonntagsgarten neben meinem Lighthouse am Meer erblüht, mich ganz einfach zu dissen. Was sag ich denn dazu? Nun, am besten wohl nichts. Herzlichst, Ihr FG
verehrtester bruder,
ich darf sie meiner ungebrochenen wertschätzung versichern und glaubte ich an den grantigen alten mann mit dem langen bart, würde ich ihn anjammern respektive zu ihm beten in dieser causa aktiv zu werden, aber wir beide wissen, dass das nix nutzt und bestenfalls überflüssig ist, der alte weiß ja, wessen ihr bedürft. aso na, euer vater hat er ja wohl gesagt, und blut schwitzend dann erkannt, dass er/sie/es/du/ich das selbst sind, zu dem wir beten.
daher nur mut, sie werden ihre winterdepression schon überwinden und sol wird da drüben schon das seine tun.
und was diese in der tat exquisite rose betrifft, konkurrenz belebt das geschäft und that’s the game in this best of all possible worlds. macht doch spaß, oder ? *g*
apropos konkurrenz, bei der gelegenheit fällt mir ein, wo ist der möchtegerndrecksteufel abgeblieben ? wollte der nicht den zweiten teil seines tractatus interruptus vorlegen, den er da vollmundig als den 1000. angepriesen hat? findet wohl unter dem schlapfen seiner domina ned hervor. hehe.
ach, was bin ich heute wieder für ein schelm ;-)
Ich will nur hoffen, Frank, dass Sie nie etwas vor Augen kriegen, das ich tatsächlich in depressivem Zustand verfasste. Aber wie Sie richtig anmerken: in den kommenden Wochen geht es in der Tat vor allem um Sol, nämlich den Invictus, dem die frühchristlichen Eiferer die Gloriole gestohlen haben, um sie – nebst Ehrentag – dem armen Jesus aufs Haupt zu drücken, ehe nun das Kapital jenen Tag an sich gerissen, damit er die marode Wirtschaft alljährlich aus dem Feuer reißt. Es geht um Sol, und unweit von Mumbai spielt er die Hauptrolle, und sonst nichts.
Im übrigen ist es mir noch nicht gelungen, das Gnädigste Geschöpf als Konkurrenz zu betrachten, bislang ist Wärme das eine offenbare Gefühl, das sie mir vermittelt. Ich hab den Allmächtigen bereits gebeten, mir ein paar neue Todsünden zu flüstern, so sehr graut mir vor der Kälte jenes Sonntag, an dem die (inexistente) Nummer Acht fällig wäre.
Zum Dirt jedoch weiß ich nichts zu berichten. Aber haben Sie tatsächlich erwartet, dass einer wie er zu seinen Worten steht? Dann wäre er doch nicht dort, wo er nun mal ist! Ihr FG
in der tat, ein paar neue todsünden müssen her, was dieser gregor konnte, können wir auch. und konkurrenz kann man ja auch im usprünglichen sinne betrachten, gemeinsam laufen.
schönen urlaub.
frater lieber frater,
an einem sonnentag wie diesem sei ihnen das langsame rauswühlen aus dem kuschelbettchen liebevollst nachgesehen.
ich frag mich ja nur, ob der blanke zynismus oder begeisterte kindliche neugier an dem, was da auf uns zukommen mag der bessere weg ist. ich fall zwischen beiden hin und her, bemerk oft selbst nicht, ob grad nackerte wut oder schadenfreudige selbstverleugnung die oberhand behält. aber was solls.
dinge die wir nicht ändern können…eh scho wissen. das glück is a vogerl und an manchen tagen fliegt es, mit kufen versehen, in die untergehende sonne und denkt sich nix weiter.
vielleicht sind das die momente, die uns die begründung dafür liefern, dass dieser beschissenen ort in dieser verfluchten zeit mit den herumtaumelnden geschöpfen darin trotz alledem wert sind, gerettet zu werden.
also, sarge sir, ärmel hochkrempeln und müll raustragen. aber getrennt
:D
ich liebevollster verehrung
rotbackiges grünzeugs
Willkommen, karotterl. Nun, wenn die Alternativen nur blanker Zynismus oder kindliche Neugier sind, dann würde ich doch für zweiteres votieren. Kindlichen Gemütern fällt es leichter, sich auf neue Umstände einzustellen. Und dass unsere globalen Umstände sehr schnell sehr andere sein werden, davon sollten wir ausgehen. Inzwischen legen Sie doch noch die eine oder andere Kufenfahrt Richtung Sonne hin, werte Erdfrucht, das trainiert die kindliche Seele. Herzlichst, Ihr FG