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Kiddie Generated Content: Invasion der Kikis

Von | 30.11.2009, 13:27 | Kein Kommentar

Weihnachten rückt bedrohlich näher und mit einer Invasion der Kikis ist jeden Moment zu rechnen. Spätestens, wenn es um die Adventkalenderschokolade geht. Dass Kinder in einem gewissen Alter imaginäre Freunde haben, ist hinlänglich bekannt. Ist ja was Nettes. Zugegeben, so einen Karlsson hätte man nicht gerne am eigenen Dach, geschweige denn im Wohnzimmer, aber wenn […]

Foto: ©Universal

Harvey war nur ein Hase. Mit Betonung auf "ein", nicht auf Hase. Foto: © Universal

Weihnachten rückt bedrohlich näher und mit einer Invasion der Kikis ist jeden Moment zu rechnen. Spätestens, wenn es um die Adventkalenderschokolade geht.

Dass Kinder in einem gewissen Alter imaginäre Freunde haben, ist hinlänglich bekannt. Ist ja was Nettes.
Zugegeben, so einen Karlsson hätte man nicht gerne am eigenen Dach, geschweige denn im Wohnzimmer, aber wenn der Nachwuchs in den Apfelbaum klettert, um dort mit der imaginären Omama nicht minder imaginäre Zuckerwatte zu futtern, ist das sinnstiftend und kariesfrei.

Zudem eine gute Vorbereitung auf spätere Szenarios. Mich trägt schließlich auch noch mein imaginärer Vorgesetzer durch die grauen Montage, um mir mit seinen schier unfassbaren Gehaltserhöhungen und Boni-Zahlungen das freiberufliche Leben zu versüßen …

Aber #Kind1  wäre nicht #Kind1, wenn bei ihr nicht alles ein bißchen anders gelagert wäre.

Sie hat keine imaginäre Freundin. Sie hat die Kikis. Wieviele Kikis es gibt, schwankt. Mindestens eine Handvoll. Meistens jedoch – nach eigenen Angaben – irgendwas zwischen „Hunderte“ und „Millionen“. Es gibt Kikis in vielen Altersstufen und Größen. Bei den ganz kleinen, muss man aufpassen, dass man nicht drauftritt, denn das wäre fatal.

Es gibt Schulkind-Kikis und Kindergarten-Kikis. Ob es auch Vorgesetze-Kikis gibt, hab ich noch nicht herausgefunden.

Als wir in Giechenland auf Urlaub waren, sind die Kikis dort geblieben, weil es ihnen so gut gefallen hat. Monatelang war Ruhe. Unsere Wohnung war Kiki-freie Zone, nicht mal eine Postkarte haben sie geschickt, was ich verstehen kann, denn wie sollen Millionen Unterschriften auf ein 90-mal-140mm-Bilderl der Ägäis passen?
Dann irgendwann die Ankündigung aus heiterem Himmel: „Die Kikis kommen jetzt bald zurück“. Für die Ankunft der Kikis wurden im Kinderzimmer geheime Vorbereitungen getroffen. Auf meine diversen Fragen, wann denn mit den Kikis zu rechnen wäre, gab es kryptische Antworten. „Nicht bald, aber gleich“, hieß es. Und am nächsten Tag „Nicht gleich, aber bald!“.

Es lag ein gewisses Surren in der Luft. Soviel war klar.

Die tatsächliche Ankunft der Kikis hab ich dann glatt verpennt. Aber wenn sie da sind, kann man sie schlicht nicht – äh, fast hätt ich geschrieben: „übersehen“. Naja, Sie wissen schon.

Zu massiven Einbußen an Nervenfasern und Lebenszeit führen sie etwa, wenn man es eilig hat. Sprich: immer.
„Niiiiicht die Aufzugstür zumachen“, schreit #Kind1 entsetzt, „Es sind noch nicht alle Kikis draußen!“
Wir wollen ja keinen einklemmen, also warten wir gefühlte 20 Minuten, bis sich auch der/die/das letzte Kiki bequemt, den Aufzug zu verlassen. (Nö, wir sind nicht rasend beliebt bei anderen Aufzugnutzern …)

Seit #Kind1 älter ist, hat sich die Kikirei etwas gelegt und #Kind2 ist bislang noch nicht auf die Idee gekommen. *auf Holz klopf*
Wie das Amen im Weihnachtsgebet ist aber davon auszugehen, dass die Kikis in der Adventszeit zur Tür hereinspazieren und es dann sehr ungerecht wäre, wenn nicht jedes Kiki einen eigenen Adventkalender hätte. Und natürlich wollen sie alle ihre imaginären Kikischuhe zum Fenster stellen, um eine sowas von überhaupt nicht imaginäre Nikoloschokolade hineinzubekommen.

Ich mag sie, die Kikis. Sie sind gewitzt und nicht ohne eine gewisse Raffinesse. Aber ich werde dieses Jahr nicht einen Sicherheitsvorrat an Vanillekipferln für etwaige Kikibesuche anlegen. Ich habe ungeahnt fiese Verbündete: Die H1N1-Fantasien, die #Kind1 aus der Schule mitgebracht hat. Ich will gar nicht erst anfangen, mich über diese unverschämte Panikmache und über das Instrumentalisieren von Kindern für die Pharmaindustrie etc. auszulassen. Ich lasse diesmal den gerechten Mutterzorn außen vor, denn ich weiß insgeheim, dass die Kikis zur Weihnachtszeit alle nur Kamillentee trinken werden. „Hunderte oder wenigstens Millionen“ Liter davon. Ist ja so ansteckend, dieses Schweinezeugs und Kamillentee ist das Tamiflu aus Omamas Apfelbaum. Natürlich darf man auch nicht zu laut Detlev Jöcker CDs hören. Das könnte den Genesungsprozess der Kikis empfindlich stören.

Oh, das werden geruhsame Weihnachten …

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