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Frater GladiusGladius28. Sankt Mittelfinger

Von Frater Gladius | 22.11.2009, 16:15 | 3 KommentareShare/Save

Ehre wem Ehre gebührt. Foto: piedeoplastic

Hat die Ehre. Foto: piedeoplastic

Per einstweiliger Verfügung eines Grazer Gerichts erreichte die Witwe einer Kärntner Kultfigur ein Fingerzeig aus dem Jenseits.

Es wird ja mittler Weile jeder Österreicher wissen, aber bitte, hier noch einmal: Laut Verfügung eines Richters darf ein verblichener österreichischer Politiker namens nicht mehr „homosexuell“ genannt werden. Damit kann ich leben, warum sollte ich  jemanden „homosexuell“ nennen, muss mich das was angehen? In dieser Verfügung wird nun aber eine „homosexuelle Affäre“ auch als „unehrenhaft und gegen die Sitten verstoßend“ dargestellt. Auch diesbezüglich muss ein bewusster Christ nicht gleich einen Zaun von der Latte brechen. Kirchlich gesehen wird über beides die Nase gerümpft, aber was ist nun eigentlich Sache: die Homosexualität oder der Ehebruch? Warum wird um Homosexualität soviel Wind gemacht, das Thema Fremdgang nicht einmal erwähnt?

Geht es um gesellschaftliche Akzeptanz, ist eines transparent: Der moderne Österreicher hat ganz offenbar kaum Probleme mit homosexuellen Partnerschaften. Bekanntlich werden derlei „Bünde fürs Leben“ demnächst amtlich erfasst, und laut einer Umfrage ( Karmasin Motivforschung) läuft dem Alpenländler deswegen nicht die Birne rot an. Er ist sich nur uneins, ob diese Eintragung nun vom Standesamt oder doch eher vom Magistrat erledigt werden soll. Nur 16 Prozent der Österreicher lehnen homosexuelle Ehen ab. Das ist die krasse Minderheit. Und wenn die Homosexualität – nicht der Seitensprung – nun per Richterspruch als „unehrenhaft“ und „unsittlich“ betrachtet wird, dann stehen 84% unserer Landsleute jedenfalls als potentiell anrüchige GesellInnen da, die sich gleich einmal das Alte Testament schnappen sollten, um die einschlägigen Passagen von Sodom und Gomorrha als vorbeugende Buße zehnmal zu lesen.

Und dann her zu mir, meine Schäfchen, der Beichtstuhl wartet, ohne Polster für die Knie!

Wenn dem also so ist, dass hier der Richter eher der kirchlichen Sicht der Dinge das Wort spricht, dann hat aber die Witwe jenes Politikers alles Recht darauf zu pochen, dass mit dem „Vorwurf der Homosexualität“ des verblichenen Ehemanns auch die Persönlichkeit der Gattin betroffen war. Und wenn nun offizielle Wahrheit ist, dass dieser Politiker kein Homosexueller war, dann ist auch anzunehmen, dass er sich keine homosexuelle Affäre geleistet hat, denn sonst wäre der Hetero kein Hetero und ein Heterosexueller ist nun einmal haargenau „kein Homosexueller“ – und von anderen Affären war nie die Rede, oder? Das heißt, diese Ehe ist offiziell sauber wie die Hände des Pilatus nach der berühmten Waschung, und wenn da irgendwelche Schwulitäten in den medialen Raum gestellt werden, dann hat die Witwe alles Recht, sich darüber zu entrüsten. Wie steht sie denn in so einem Fall als Weib da? Würde das der Umwelt nicht signalisieren, dass ihr Streben, den ehelichen Pflichten gerecht zu werden, den Mann nicht ausreichend gesättigt habe? Wie ich das sehe, freuen sich über die Anrede „Ihr Gatte ist ein Schwuler“ eigentlich nur Männer. Welche Frau geht bei einer so offenbarten Abwertung ihrer Gattinnenschaft noch gern außer Haus, geschweige denn in die Kirche?

Dabei hat gerade die Kirche wenigstens beim Thema Homosexualität eine gewisse Konsistenz (ich rede hier von der Theorie. Mir ist schon bewusst, dass gerade Männer Gottes beim praktischen Versuch, dieser Versuchung zu widerstehen, immer wieder gescheitert sind). Die Vereinigung von Mann und Frau – wie in der Genesis eingeführt – ist das einzige Modell sexuellen Verhaltens, das sich sowohl im Alten als auch im Neuen Testament hoher Wertschätzung erfreut. Deswegen soll ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich ein Weib erobern und sie sollen ein Fleisch sein. Tatsächlich erschöpft sich ja laut Bibel (Genesis 2:18-20) der Sinn des weiblichen Lebens darin, ihrem Manne zu dienen und Kinder zu schenken. Dass sie ihn auch noch erotisch vom Hocker zu fegen habe, hat niemand verlangt, aber Kinder sind Kinder,  deren zwei hat die Witwe des Verblichenen geboren. Job done, Weibesehre etabliert. Und genau aus dieser Beschränkung ihrer Würde auf das historisch Vorsintflutliche ergibt sich auch ihr Recht, dass wenigstens diese Ehrenhaftigkeit unangetastet bleibt. Wenn das Gericht auf vorsintflutliche Rechtsanschauung zurück greift, dann sollte die Gattin auch vorsintflutlichen Rechtsschutz genießen. Und der Gatte ist angewiesen, zeitlebens das seine bei zu tragen, dass über ihren Leumund kein Schatten fällt.

Aber bitte, die Welt in der wir leben ist eine moderne, da passieren allerhand Dinge, die kirchentheoretisch nicht passieren dürfen, obwohl es sogar im Alten Testament Referenzen gibt, die darauf hinweisen, wie sehr es unter Menschen menschelt. Ja, ich spreche hier von der Affäre Davids mit Jonathan, dem Sohn von Saul, dessen Tod den David so rührte, dass er sich zu dieser berühmten Poesie hinreißen ließ: „Es tut mir leid um dich, mein Bruder Jonathan / ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt / deine Liebe ist mir wundersamer gewesen / als Frauenliebe ist.“ (2. Samuel 1.26 ff, leider kein Link, da müssen Sie selber nachschlagen, die online-Kirchendienste lassen diese Passage gern links liegen).

Und so fällt es mir denn nicht schwer, auch mit jenem Mann zu fühlen, der den Gatten der Witwe als seinen „Lebensmensch“ bezeichnete und das nun nicht mehr darf. Was ist denn so schlimm an einem Lebensmenschen? Ich meine, auch ich habe so einen und er ist ein Mann und ich verbringe mit ihm so manche besinnliche Stunde. Das heißt noch lange nicht, dass ich der Madonna damit untreu wurde (und ich kenne Fälle, da scheiterte die gelobte Abstinenz am winzigen Detail, ein kleines unzeitgemäßes Zögern kann reichen und der Kelch geht schneller nicht an dir vorüber als du „empfangen“ sagen kannst, zum Ganymedes aber auch).

Dennoch finde ich es in Ordnung, dass jener Mann zum Lebensmenschen diese seine persönliche Beziehungsgeschichte keiner Zeitung mehr verkaufen darf, was hat privates Leben in einem Massenmedium zu suchen, da fehlte mir doch das „zivilis“ in der Zivilisation. Und so eine persönliche Story auch noch gegen schnöden Mammon unter die Leute zu bringen, ist ohnehin das letzte.

Ich muss zugeben, dass mir jener verblichene Politiker zeit seines Lebens trotz seiner angeblichen Popularität immer am Hintern vorbei ging. Das ist jetzt Gott behüt nicht sexuell gemeint sondern hat damit zu tun, dass mein Vater mir einmal riet, den Politikern fern zu bleiben, denn „wer sich unter Politiker mischt, der mischt sich unter Säue zwielichtige Gestalten“, und ich hab mich immer an diese Weisheit meines Zeugers gehalten. Dennoch blieb mir nicht verborgen, dass jenem in Goisern geborene Mann heute seltsamer Weise in Kärnten geradezu religiös gehuldigt wird. Nur sollten wir uns deswegen nicht die Mühe machen, uns darob debattierend zu entzweien. Denn auch Verblichenen vor der Gloriolenüberreichung bleibt im Jenseits der göttliche Prüfstand nicht erspart: Er wird vor den obersten Richter treten müssen und der ist der Allmächtige und der kennt die ganze Wahrheit, egal, wie die irdischen Richter darüber befunden haben. Und insofern leiste ich mir ob der erwarteten Segnung kleine Zweifel. Ich habe noch nie von einem Heiligen gehört, der besoffen im Auto das Zeitliche segnete. Sehr wohl aber kann ich mir vorstellen, dass der Allmächtige den Homosexuellen weit gnädiger gesinnt ist, als es die verkrampfte Kirche je vermochte. Was 84% der Österreicher schaffen, das sollte auch dem Herrgott gelingen.

Man mag nun einwenden, dass diese letzte Gerichtssitzung da oben im Himmel bereits passiert sei, schließlich ist der Mann schon seit einer kleinen Ewigkeit tot. Ich aber glaube, dass ein Mann, der seiner Gattin so einen Wust von Unaufgeräumtheiten hinterließ, nicht gleich in die erste Reihe fußfrei gebeten wird. Er wird immer noch auf Wolke „Ich-muss-leider-warten“ schmoren und des Prozesses harren. Man weiß ja, wie lange gerichtliche Dinge dauern. Und soll mir niemand sagen, dass da oben weniger einschlägiger Betrieb herrscht als hier auf Erden. Angenehmen Sonntag, liebe Lesergemeinde.

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3 Kommentare »

  • Devil Dirt sagt:

    Ja, der Jahrestag und seine leicht vorhersehbaren Folgen.
    Es überrascht mich, Frater, dass auch Sie in dieser trüben Suppe fischen. Der HJ – ein teuflisch guter Unruhestifter, wie wir alle wissen – war ja vermutlich auch ein multipler Sodomit im althergebrachten Sinn. Was glauben Sie, warum sich diese arme Stadtkrämerseele ausgerechnet im Bärental niedergelassen hat…? Also wenn ich jetzt nach der guten alten Systematik von Thomas von Aquin gehe, hat der HJ wohl so ziemlich alle „Sünden wider die Natur“ ausprobiert, darunter eben auch den Beischlaf mit einer Person gleichen Geschlechts. Es würde mich nicht wundern, wenn es der harte Hund unter Zuhilfenahme obskurer Instrumente auf „monströse und bestialische Weise“ sogar mit einem Werwolf getrieben hätte.
    Die ganze Wahrheit wird natürlich Stück für Stück ans Licht kommen, dafür werden die Mächte der Finsternis schon sorgen. Die Legendenbildung schreitet dieser Tage zügig voran. HJ, der untote, sexsüchtige Märtyrer nimmt bereits Gestalt an. R.I.P. können Sie in dieser Saga getrost vergessen, und Sie selbst stehen jetzt mit offenem Arsch am (schon wieder) offenen Grab.
    Ich neige mein Haupt in tief empfundener Ehrfurcht.
    Hätten Sie doch besser den Rat Ihres Vaters befolgt, Frater, und wären Sie nicht nur den lebenden, sondern auch den untoten Politikern fern geblieben.

    MtG
    Dirt

    • Frater Gladius sagt:

      Hm, an Tagen so trüb wie diesem ist man ja sogar für Zuwendungen von Leuten wie Ihnen fast schon dankbar, unwerter Dirt. Auch würde ich zum Wort „Jahrestag“ umgehend um Aufklärung bitten. Da stehe ich leider auf der Seife. An Jahrestagen ist bei mir gegenwärtig nur der 8. Dezember vorgemerkt, Sie wissen schon, da hat uns der saubere Papst Alexander VII die Enzyklika Sollicitudo omnium ecclesiarum eingebrockt, seither nagen wir ja an der schwer verdaulichen Kost von Mariä sogenannter Unbefleckter.
      Tatsächlich ging mich aber jener Politiker ohnehin rein gar nichts an, wie Sie Hämemeister sehr wohl wissen, Sie können ja lesen. Die Seele seiner Gattin ist es, die mich zu kümmern hat, egal wie bekömmlich sie mir nun erscheint. Nur kapiere ich in diesem Zusammenhang Ihre Logik nicht ganz. Ihr Spott klingt ja, als hättet Ihr dort Unten nichts dagegen, die durch einen vermeintlich bürgerlichen Richterspruch tatsächlich kirchlich als entehrt in Verdacht geratene Frau CH. als Gast in Eurer Schwefelhütte zu begrüßen. Diese Witwe Euch überlassen? Sowas käme mir wirklich nur in den Sinn, wenn ich Euch was z´Fleiß tun wollte. Aber vor dem Allmächtigen sind bekanntlich alle Menschen gleich. (Gar nicht) Euer FG

      • Devil Dirt sagt:

        Nun ja, mit dem Jahrestag war einfach nur der erste Todestag unseres viel zu früh verblichenen Kärntner Agitators gemeint. Wie Sie doch hoffentlich wissen, wurde just zu dieser Zeit in einem deutschen Massenblatt wieder ein bisschen Dreck hochgewirbelt und Zwietracht gesät. Wobei ich persönlich mit Outings und Dreck gut leben kann, und mit Zwietracht sowieso. Aber die Getreuen des HJ im Land der Angstbeißertrolle sehen das anders. Und die Witwe wohl auch. Deshalb also die Folgen. Per Gerichtsurteil. Und nun ist er wieder ganz ordentlich im Gespräch, der Untote. Vor Gericht und im Verlagswesen macht er immer noch Beschäftigungspolitik. Köstlich.

        Aber Sie haben es richtig erkannt: Auf reiche Witwen, egal ob entehrt oder nicht, haben wir sinistren Gesellen es natürlich immer abgesehen. Eine verletzte, rachsüchtige Seele kann für unsere Zwecke nur von Vorteil sein.
        Wollen wir mal sehen, wohin diese Reise noch führt.

        MtG
        Dirt

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