PLspezial. Wenger Knows My Arse 08. Das Dumme mit dem November
Das Dumme mit dem November ist, dass es regnet. Normaler Weise immer und diesmal ganz besonders. Oben im Nordwesten der Insel geht der District Cumbria in sintflutartigen Zuständen unter, nebenan in Sunderland ist es auch nicht trocken, aber das Wetter von heute ist nicht Arsene Wengers Problem. Seine Probleme begannen vor einer Woche, als zwar die Premier League wegen der Länderspiele Pause machte, nicht aber die Spieler. „Ich weiß nicht genau, woran es liegt“, meinte er davor noch prophetisch, „vielleicht ist es der tiefe Boden, vielleicht ist es der Zeitpunkt, mit dem die Spieler zuviele Matches in den Beinen haben, aber im November häufen sich die Verletzungen.“ Der Franzose gibt ein denkwürdiges Bild ab, wenn er sowas sagt. Wenger macht selbst in guten Momenten keine sonderlich behagliche Miene. Wenn ihn dann auch noch Unbehagen quält – insbesondere wenn die Boys auf Länderspiel fahren -, dann möchte man ihn am liebsten mit Ecstasy zwangsfüttern oder was. Dieses Gesicht ist ein Heartbreaker.
Tja, und wenig später ruinierte Robin van Persie in Hollands Friendly gegen Italien seinen Knöchel und damit Wengers letzten Hoffnungsschimmer auf seelisches Gleichgewicht. Der größte aller annehmbaren Unfälle. van Persie war Arsenals Mann des Moments (acht Tore in neun Spielen) und fällt nun für mindestens sechs Wochen aus – wenn es stimmt, was die serbische Hausfrau – zu der er gefahren ist, damit sie seine Verletzung mit der Placenta eines Jungtieres behandle – versprochen hat. Damit nicht genug, kam auch Außenverteidiger Gael Clichy ramponiert von seinem Einsatz für Frankreich zurück. Das ist das Dumme mit dem November.
Klarer Fall von Dejavu. Auch vergangenen November erlitten die Titelträume der Gunners einen heftigen Knacks, als Manu Adebayor eine mehrmonatige Pause einlegen musste. Und es war im Regen, als der in Hochform befindliche Eduardo unter die Schuhstoppeln des Birmingham-Kickers Martin Taylor geriet, um sowohl Schien – als auch Wadenbein zu brechen, und wenn Sie gute Nerven haben, dann sehen Sie sich doch jenes Mörderfoul HIER in Zeitlupe an. Es dauerte neun Monate, bis Eduardo wieder ausreichend erholt war, um Traumtore wie DIESES zu erzielen. Aber der Punkt war, dass das Gunners-Kollektiv sich vom Anblick des 90 Grad von seiner Normalposition wegragenden Fußes Monate lang nicht erholen konnte. Wenn der Mann des Moments so ein Drama hat, dann ist das wie ein Omen. Und das ist Wengers Problem von heute: Fußballer sind abergläubische Menschen. Sie tragen Talismane, sie bekreuzigen sich vor Betreten des Rasens, es gibt sogar Stürmer, die immer dieselbe ungewaschenen Unterhosen tragen, mit denen sie zuletzt einen Hattrick erzielt hatten. Aber manchmal hilft eben nicht einmal das. Es gibt Omen, gegen die bist du machtlos.
Und es gibt Widersacher, gegen die du nie auf Touren gerätst, weil eine Niederlage simply unvorstellbar ist. Willkommen in Sunderland. Vor dem heutigen Spiel gegen Sunderland waren die Londoner seit 14 Spielen ungeschlagen, man war Topscorer der League, man wurde Woche für Woche mit Lobtiraden überhäuft. Sunderland wiederum hatte vor fünf Wochen zuletzt gewonnen. Der Gegner damals hieß allerdings Liverpool. Überhaupt hat sich Sunderland-Boss Steve Bruce, nachdem seine Truppe auch auswärts gegen ManU remisieren konnte, einen recht brauchbaren Ruf als Riesentöter zugelegt. Und dennoch. Mit Nationalspieler Darren Bent featurete Sunderland genau einen Kicker mit veritablem Namen, um den sich eine Handvoll wackerer Nobodys und eine weitere Handvoll Ex-Stars mit fast schon abgelaufenem Verbrauchsdatum (Steed Malbranque, Bolo Zenden) scharten.
Sunderland 1-0 Arsenal. Die Details der Tücken waren schon in der Spielaufstellung ersichtlich. Es war ein Genuss, in den vergangenen Wochen mit zu erleben, wie die Young Guns sich immer besser mit System 4-3-3 zurecht gefunden hatten. Nur ist dieses System ein hochempfindliches, die Spieler unternehmen allerlei unkonventionelle „Runs“, die Teamkollegen müssen permanent mitdenken, kurz: Es hilft, wenn die Truppe eingespielt ist. Ominöser Weise verzichtete Wenger nach den Ausfällen von van Persie und Clichy (an ihrer statt rückte Eduardo von rechts in die Mitte, bzw kam der relative Neuling Traore zum Einsatz) auch auf die Teamstütze Andrey Arshavin, der war noch müde und satt von der Flaute mit Russland. Und für den ebenfalls angeschlagenen Abou Diaby rückte der vielversprechende Youngster Aaron Ramsey ins Mittelfeld. Die Crux war, dass nun vorne mit Eduardo und den soeben von mehrmonatigen Verletzungen genesenen Flügeln Tomas Rosicky und Sammy Nasri ein Trio werkte, das einander kaum kennt. Sträflicher Weise musste auch Emmanuel „my Bua“ Eboué auf der Ersatzbank Platz nehmen, immer ein Fehler. Omen! Eboué ist ein Talisman, sagt die Statistik, Eboué im Team, und der Sieg ist gewiss. Und so waren die Gunners zwar wie üblich zumeist im Ballbesitz. Ein mit fünf unzimperlichen Profis besetztes Sunderland-Mittelfeld sorgte aber dafür, dass weder Sunderland-Goalie Fulop noch Arsenal-Schlussmann Almunia vor der Pause einen ernst zu nehmenden Schuss zu stoppen hatten.
Die zweite Hälfte bot etwas mehr vom gleichen, und es spricht für die Arsenal-Fans, dass sie es spüren, wenn das Unheil naht. In der 65. Minute begannen die Sprechchöre für einen Arshavin-Einsatz, sieben Minuten später fiel das Siegestor für Sunderland. Ein ominöser Treffer. Ein unplatzierter Kopfball von Bent prallte auf seinen Teamkollegen Fraizer Campbell und wieder in den Torraum zurück und rollte dort wieder vor Bent´s Beine. Der zweite Versuch war unmöglich nicht im Gehäuse unter zu bringen. Arsenal blieben 18 Minuten, um wenigstens auszugleichen, das reichte dem hastig eingewechselten Arshavin nicht einmal, um halbwegs warm zu werden. Seine eine Chance zum Ausgleich endete im Aussennetz und damit auch der Nimbus Arsenals, als bislang einziges Team noch in jedem Spiel Tore erzielt zu haben.
Die Höhepunkte der Runde. Beim 4-0-Sieg Chelseas (dem tausendsten Liga-Heimsieg der Vereinsgeschichte) gegen Nachzügler Wolverhampton kam Stefan Maierhofer nicht zum Einsatz (sonst hätte er mir auffallen müssen), ManU stieß nach einem 3-0 gegen Everton wieder auf Platz zwei vor, wenn auch mit fünf Punkten Respektabstand. Nach einem 2-2 gegen Manchester City (ein Treffer Adebayors) wird die Lage für Liverpool-KellnerManager Rafa Benitez langsam brenzlig. Burnley trotzte den nunmehr viertplatzierten Rotjacken von Aston Villa einen Punkt ab (1-1, der letzte Villa-Sieg bei Burnley liegt 73 Jahre zurück), dasselbe gelang auch der Truppe von Hull gegen West Ham, wenn auch wesentlich unterhaltsamer (3-3). Fazit: Die auf den dritten Platz zurück gefallenen Gunners weisen nun bereits acht Punkte Rückstand auf Chelsea auf – die nächste Woche im Emirates Stadion zu Gast sind. So was nennt man in Kickerkreisen ein frühes Schicksalsspiel, und der Ausgang des Aufeinandertreffens wird jedenfalls ein Omen sein. Zeit für etwas Wenger´sche Magie. Zeit, die angeschlagenen Gemüter der Youngsters zu beruhigen, auch wenn das ein aussichtsloses Unterfangen sein wird, weil ja nächstes Weekend noch immer November ist. Aber versuchen kann man es und das gilt auch für Fans. Folgend also etwas Exorzismus in Form eines Songs. Und wenn Sie Arsenalfan sind, dann spielen Sie ihn gefälligst. Auf dass er die Wolken vertreibe.






das ist soooo fad!!!
die jungs in den komischen klamotten – was soll das?!! ballwerfen wen juckt`s,mr. sax??
schönen abend
Liebe Dani, das enttäuscht mich jetzt aber sehr!
Herr Sax kümmert sich in aufopfernder Weise um die Fußballreportage britischer Prägung. Manchmal prägt er auch very british eine neue Art von Fußballreportage. Egal. Wenn Ihnen dabei fad wird, müssen Sie halt zu Frau Pornero schalten und sich dort ein paar Ezzes zu Porno und Lustgewinn holen. Das hat schon einer gewissen Frau Sxwrka über ihre trostlosen Stunden hinweggeholfen – die Dame musste danach nie wieder einen Blog lesen und ist jetzt clean.
Wer Fußball nicht versteht, soll niemals über Fußball schimpfen. So steht es geschrieben. Ich weiß zwar nicht wo, aber es stimmt, hundert pro.
Der Herr Sax schreibt ja manchmal auch sehr packend mythologisch über diesen Sport. Und Fußball ist für viele Menschen eine Religion, das werden Ihnen Heerschaften von Soziologen frank und frei bestätigen. Die Kirche weniger, aber die wird zu diesem Thema auch nicht gefragt.
Herr Sax, nur eine Frage hätte ich zu Ihrem Arsenal-Report vom 21. 11. Sie nennen da da den Spieler Eboué für mich nicht ganz nachvollziehbar Emmanuel „my Bua“ Eboué. Wir hier im Alpenland sagen ja hin und wieder auch „mei Bua“ zu unseren jüngeren Lieblingskickern. Auch der alte Kühbauer-Vater hat von seinem Didi oft genug als „der Didi, mei Bua“ gesprochen. Aber welches spezielle Naheverhältnis gibt es zwischen Ihnen und dem Emmanuel? Handelt es sich hier um ein schnödes Wortspiel? Sind Sie gar der Erzeuger dieses Kickers oder hatten Sie damals als Zeugwart die Hände im Spiel?
Sie dürfen das ruhig unter Zuhilfenahme von Mythen erklären – ich bin für alles offen, solange der Fußball nicht verunglimpft wird.
Mit sportlichen Grüßen
Ihr Sportsfeund Ettmayer
willkommen, ettmayer.
ja, ich hege tatsächlich zu “meinem buam” eboué nahezu väterliche gefühle. er ist mir vor über drei jahren ans herz gewachsen, damals war er noch rechter außendecker, als er in einem auswärtsspiel zur champions league in der 90. minute – und nach kräfteraubendem spektakel – einen 60-meter-sprint hinlegte, um mit einem harten flachschuss am torpfosten zu scheitern und die kamera war nahe genug dran an ihm, um an seinem verzerrten gesicht ablesen zu können, dass er über die für diesen sprint erforderliche energie eigentlich nicht mehr verfügte. triumph des willen.
vergangenes jahr stempelte ihn das (nicht sonderlich sympathische) emirates-publikum anlässlich einer heimblamage gegen chelsea nach einem (zugegeben, verrückten) fehlpass so aufsehen erregend hässlich zum sündenbock, dass sein nerv brach und wenger ihn vorzeitig abzog und lange nicht einsetzte, wodurch dem team, da bin ich sicher, wichtiger stahl fehlte. das schöne an eboué ist seine solide kampfhaltung: er stemmt immer mit gleichem herz gegen den widersacher an, egal ob der jetzt messi oder maierhofer heißt. am spielfeld ist ihm kein gegner zu groß, und keiner zu gering.
zur mythologie: nicht auszuschließen, dass ihr ein comeback widererfährt. nächste woche ist derby gegen chelsea. die hufe des minotaurus malträtieren bereits den sand, und wenn jemand barcelona die rolle der ariadne streitig machen kann, dann doch sicher My Arse. herzlichst, Ihr sax