Face off, oder: Nur mit Arthur

So, jetzt bin ich auch in Facebook drin. Es hilft ja nix. Man kann sich ja nicht dem Vorwurf aussetzen, ewiggestrig zu sein.
Facebook hat mich, oder genauer gesagt, so etwas Ähnliches wie mich. Arthur Schnitzler leiht mir sein jugendliches Konterfei, ein Wortspiel mit einem ebenso toten Rennfahrer hat mir zu einem Pseudonym verholfen. Es ist ein Testballon. Mit verschleierter Identität wird ein Netzwerk gebaut, das in erster Linie beruflichen Zwecken dienen soll. Keine Ahnung, wo das hinführt. Ich nehme an, dass mein Freundeskreis früher oder später zur Visitenkarte wird, und dass es dann egal sein wird, ob ich der auf dem Foto bin oder nicht. Oder ich lass – nolens volens – erst recht die Hose runter.
Facebook macht mich schämen. Wenn ich die Freunde eines neu Gewonnenen durchklicke, komme ich mir vor, als ob ich des Nächtens in sein Wohnzimmer luge. Jetzt weiß ich schon, der Mensch 2.0 ist ein öffentlicher Mensch, er steht zu seiner Meinung mit Konterfei und Persönlichkeitsprofil, und er streut das breit.
Der Mensch 2.0 ist aber auch ein Depp, weil er seine Freiheiten leichtfertig aufs Spiel setzt, weil er in einer datenbasierten Gesellschaft mit den seinen nur so um sich wirft, und weil er seine Privatsphäre bereitwillig aufgibt. Stasi auf freiwilliger Basis, das ist – auch – Facebook. Im besetzten Audimax hängen Plakate, die davor warnen, leichtfertig Fotos von Demos etc. online zu stellen. Andere Plakate sagen, wurscht, is eh alles öffentlich. Da ist etwas Hypertrophes in Gang geraten, das sich nicht mehr aufhalten lässt.
Ich hab schon ein krummes Kreuz. Ich schieße aus allen Rohren, maile, chatte, smse, befreunde mich, blogge sogar endlich wieder, nur twittern tu ich noch nicht. Ich häng im Job schon fast nur vor dem Kastl, und jetzt tue ich zuhause kaum anderes. Das ist doch krank.
Ich werde ja sehen, wie viel Zeit das frisst. Aber irgendwann will man ja auch leben. Wie hieß das, real life?

