Gladius26. Tag der Mohnblume

Corporal Katrina Hodge at work, Foto: MoD
Heute trägt jeder Brite eine Mohnblume im Knopfloch für die toten Soldaten. Inzwischen, in Afghanistan, lachen die Politiker in ihren Mohnblumenpalästen.
Remembrance Sunday oder „Poppy Day“ wird alljährlich am zweiten Sonntag im November Inselgeschichte. Gedacht wird dabei der elften Stunde des elften Tages des elften Monats des Jahres 1918, als eine deutsche Unterschrift das formelle Ende des Ersten Weltkriegs signalisierte. Die Mohnblume wurde zum Symbol der Veteranen, weil sie damals in Belgiens und Frankreichs offenbar häufig in Mohnfeldern unterwegs waren.
Seit nunmehr neunzig Jahren genießen WW1-Veteranen das Privileg, den Bürgern im November (künstliche) Mohnblumen zu verkaufen und so ihre magere Pension ein wenig aufzufetten. Es liegt in der Natur des Menschen, dass 90 Jahre später kaum ein WW1-Veteran mehr am Leben ist, tatsächlich ist heute nur mehr der 108jährige und in Australien lebende Ex-Matrose Claude Stanley Choules namentlich bekannt. Allerdings liegt es auch in der Natur des Menschen, ständig Kriege anzuzetteln, also ging der Poppy-Bonus nahtlos auf die WW2-Veteranen über und später auf die Soldaten des Falklandkrieges (1982). Heuer allerdings erlebte der Tag der Mohnblume einen massiven Spin. Es geht nicht mehr um den Ausdruck von Dank an jene, die „for the Kingdom“ ihre Haut zu Markte trugen. Heuer wird mit der Poppy Solidarität und Mitgefühl bekundet – für jene Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind und immer weniger wissen, was sie dort eigentlich zu suchen haben.
Das Jahr 2009 hat sich für die Britische Armee zum blutigsten Disaster seit dem Falkland-Krieg entwickelt, vergangene Woche starben sechs weitere Soldaten, für nächste Woche wird Opfer Nummer 100 erwartet, die öffentliche Unterstützung für den Krieg in Afghanistan ist dahin. Laut einer neuen Umfrage der BBC wünschen zwei von drei Briten den Auszug ihrer Armee aus Afghanistan, 40% der Bevölkerung wissen nicht, was die Soldaten dort eigentlich zu suchen haben. Aber jeder weiß was läuft: Tag für Tag spucken im Flugfeld von Wootton Bassett landende Transportflugzeuge frische Särge aus. Und irgendwann hat auch die kriegerischste Seele die Nase von diesem Anblick voll.
Liebe Lesergemeinde, nur noch abgebrühte Jetzt-erst-recht-Typen können heute noch glauben, dass mit der amerikanisch-britischen Präsenz in Afghanistan etwas zu vollbringen ist. Leider sind es gerade Generäle, die immer wieder deponieren, dass mit ein paar tausend Soldaten mehr so ein Krieg zu gewinnen ist. Und so kommt es, dass ein Barack Obama mit der linken Hand den Friedensnobelpreis empfängt, um dann alsogleich mit der rechten die Order zur Afghanistan-Invasion von weiteren zehntausend Soldaten zu unterzeichnen. Und so kommt es auch, dass Premierminister Gordon Brown vorgestern in bizarrer Rhetorik polterte, „nicht mehr bereit (zu sein), das Leben britischer Soldaten zu riskieren, um ein korruptes Regime zu unterstützen“ – um dann genau das zu tun, wofür er sich nicht mehr bereit zu sein erklärte.
Als Gründe für die kriegerische Präsenz des Westens in Afghanistan müssen noch immer folgende paar herhalten: Laut Secretary of State Hillary Clinton sei man dort, um die „Nester der al-Qa’ida auszuräuchern“, damit sich 9/11 nicht mehr wiederholen kann. Das ist Blödsinn. Die „Nester der al-Qa’ida“ sind in Pakistan, nicht in Afghanistan.
Gordon Brown meinte wiederholt, man sei dort, weil „das afghanische Volk“ es so wolle. Das ist falsch. Laut einer Umfrage von BBC und ARD schätzen nur 18% der Afghanis die US-britische Präsenz. 44% aber wollen, dass sie verschwinden.
Bliebe noch das Argument, dass man dort sei, um die Bildung einer properen Demokratie zu gewährleisten. Dieses Argument hat sich nun mit der alternativlosen Wahl von Präsident Hamid Karzai ad absurdum geführt. Karzai´s Kabinett ist voll mit Regierungsbeamten, die mehr Geld aus dem Heroinhandel schlugen, als es dem Taliban je gelang. Und was heißt Demokratie? Schon im September hatte Karzai das „Tamkeen“-Gesetz abgesegnet, das die afghanische Gattin ihrem Gatten sexuell bedingungslos unterwirft, wie immer dessen Fantasie auch drauf ist. Und ist sie nicht willig, darf er ihr Nahrung verweigern. Tamkeen ist eine jener Regelungen, die man mit der Entmachtung des Taliban (2001) eigentlich als Vergangenheit erachtete. Jetzt feiert sie wieder Urstände. Der Taliban im übrigen auch. Warum? Gerade WEGEN der Präsenz des US-britischen Militärs – dem aber die Heimreise nicht gestattet wird, weil der Krieg sonst außer blutigen Nasen nichts gebracht hätte. Das ist die bizarre Logik des Krieges.

Corporal Katrina Hodge im Nebenjob. Foto: La Senza
Und so kam es, dass die Inselschlagzeilen zum heutigen Tag der Mohnblume so ganz anders als gewohnt daher kamen. Der Independent titelte „Afghanistan: Time To Leave“. Und die an sich rechtsmilitante Mail On Sunday schickte einen bildhübschen Korporal namens Katrina Hodge ins Rennen, siehe Foto links (das man sich nicht genierte, hier zu verwenden), die als „Combat Barbie“ eine Inselberühmtheit ist. Korporal Hodge ist nicht nur eine Soldatin, die schon 2005 als 18jährige in einer Battle von Basra ihren Mann stand. Sie ist auch die regierende „Miss England“. Und als solche bekam sie nun Urlaub vom Abenteuer Afghanistan, um in Südafrika bei den Wahlen zur „Miss World“ teil zu nehmen. Und wer weiß, meinte sie, vielleicht kann sie dort im diplomatischen Gespräch mit der „Miss Afghanistan“ und der „Miss Irak“ etwas für den Friedensprozess tun. Einen beschaulichen Sonntag wünscht Euer Frater.



najo, das nenn ich synergie ;-) (das erste vid).
und vielleicht erinnern sich die girlies ja der bewährten methode der athenerinnen und spartanerinnen…
Da fielen mir spontan gleich einmal etliche Methoden ein. Und die, an welche ich gerade denke, will mir nicht von den Lippen – weil ich nämlich glaube, dass auch Sie “300″ gesehen haben, Frank`n´Furter.
nun ja, das war sehr löblich von den knaben, und damals war das wohl die einzige möglichkeit, aber geschichte ist ja dazu da um daraus zu lernen.
wenn auch geschrieben steht, wer durch das schwert umkommen muss, muss das schwert umkommen, so werden die verluste doch im submikroskopischen bereich sein im vergleich zu denen des leonidas.
der wanderer muss ja nur deshalb berichten, er habe sie dort liegen gesehen, weil die anderen hellenen mit dem diskutieren nicht fertig wurden, so wie halt heut im audimax.
und wir wissen auch wer heutzutage der bucklige ist, der seine brüder für mammon an xerxes verkauft, also, ollas rodscha in kambodscha.