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Die Uni brennt: Nur ja keine Panik vor dem großen Moment

Von | 29.10.2009, 1:24 | 8 Kommentare

Die erste große Studentendemo in Wien ist vorbei. Und mit Ja, Panik bekam sie auch ihren Pop-Moment. Natürlich ist es eine clevere Entscheidung. Da baut die dieser Tage sehr angesagte Band Ja, Panik ihr Equipment auf der Rampe der Hauptuni in Wien auf und spielt ein paar Songs in die Demonstranten, die nach ihrem Marsch […]

Foto: Eberhard Lauth

Das da oben auf der Stiege sind Ja, Panik. Handykameras machen aber keine guten Bilder davon.

Die erste große Studentendemo in Wien ist vorbei. Und mit Ja, Panik bekam sie auch ihren Pop-Moment.

Natürlich ist es eine clevere Entscheidung. Da baut die dieser Tage sehr angesagte Band Ja, Panik ihr Equipment auf der Rampe der Hauptuni in Wien auf und spielt ein paar Songs in die Demonstranten, die nach ihrem Marsch durch Wien noch geblieben sind (und auch vorhaben, noch länger zu bleiben als die Band spielt). Das bringt Authentizität und maximalen Schulterschluss mit der Zielgruppe.

Und natürlich ist es eine Frechheit, der Band hier bloßes Kalkül zu unterstellen. Schließlich ist der Auftritt Teil einer neuartigen Protestbewegung, die sich – getragen von Schwarmintelligenz – aus einer simplen Unmutsäußerung heraus (der Besetzung des Wiener Audimax) formiert hat. Diese Protestbewegung 2.0 hätte so eine analoge Anschuldigung bereits im Ansatz auf basisdemokratischem Wege hinterfragt und diskutiert. Sie bespielt ihre Kanäle in bewundernswerter Perfektion und stellt dabei viel auf die Beine – oder eben Ja, Panik vor die Uni, um all denen, die es hören wollen, die perfekte Begleitmusik für ihr Leben in prekären Verhältnissen zu spielen.

Gerade das kann diese Band so gut: die Stimmung spiegeln, die einen erfasst, wenn einem alles auf die Nerven geht. Die Ignoranz der Definitionsmächtigen im Land. Oder die Arroganz der Bildungspolitik, die immer noch nicht erkennen will, dass die Studenten und ihre Sympathisanten gerne eine ganz simple Frage beantwortet hätten: Darf es sein, dass ein Staat seine Bildung kaputt macht?

Darf es natürlich nicht, und alle Beteiligten auf der Straße und die Sympathisanten wissen das. Sie wissen es schon lange, aber es hat einen Anstoß gebraucht, damit sie es auch sagen. Jetzt sind sie durchgelüftet und ersinnen eine kluge Aktion nach der anderen – frei von Parteipolitik, frei von analogem Schwarzweiß- oder Rechtslinks-Denken.

Das wird bald alles uns gehören, singen Ja, Panik. Das soll wieder unsere Uni werden, fordern die Demonstranten. Wenn allein das zumindest teilweise gelingt, war diese Nacht nicht umsonst. Aber das war sie so oder so nicht. Dafür haben wir schließlich Popmusik, die oft dann zu besonders großen Gesten fähig ist, wenn sie den öffentlichen Raum erobert.

Nachtrag: Im Flickr-Fotostream von Daniel Weber gibt’s übrigens weitaus bessere Fotos des Ja, Panik-Gigs.

8 Kommentare »

  • helmut sagt:

    Repräsentative Demokratie; Ade?
    Habe soeben ein neues Schmankerl aus dem Bereich „Repräsentative Demokratie“ entdeckt. Laut einem Artikel des Standard-Online soll durch die Realisierung des Lissabon-Vertrags dem BZÖ jetzt Wahlkampfkostenrückerstattung für die Europawahlen in Höhe von 600 Millionen Euro zustehen. Nachdem die Wahlkampfkosten den anderen Parteien vor Inkrafttreten dieses Vertrags bereits ausbezahlt wurden, muss jetzt aus einem Sonderbudget dieser Betrag finanziert werden, weil es keine gesetzliche Grundlage dafür gibt, dass die übrigen Parteien den zu viel erhaltenen Betrag zurück erstatten müssen.

    Dürfen unsere Volksvertreter wirklich alles machen?

    Zusammen mit dem Zuschuss an die Lufthansa für die marode AUA von 500 Millionen und den Spekulationsverlusten der Bundesfinanzierungsagentur von 400 Mill. ergäbe das ein ordentliches Zusatzbudget für die Universitäten. Zu allen diesen Verfehlungen gibt es natürlich weder eine politische noch persönliche Verantwortung.

    • helmut sagt:

      Korrektur: Es sind statt 600 Millionen, doch „nur“ 600 tausend Euro. Der Betrag ist ein anderer, die Geisteshaltung dieselbe.

  • @nic_ko sagt:

    ah, da hab ich doch glatt vergessen, zu ergänzen, was mir gestern abend noch die ganze zeit vor der uni durch den kopf gegeistert ist. weil ich ja eine schreckliche kitschtante bin und auch ziemlich emotionalisiert…

    „Take me to the magic of the moment
    On a glory night
    Where the children of tomorrow share their dreams
    With you and me

    Take me to the magic of the moment
    On a glory night
    Where the children of tomorrow dream away
    In the wind of change“

    :)

  • majella reismann sagt:

    alle Zuversicht an unsere Jugend, es ist das Beste von uns…..
    habe von der Musik nichts mitbekommen, hoffe aber das sie ihren weg gefunden hat;-)

  • […] This post was mentioned on Twitter by Eberhard Lauth and Dominik Gubi, Schio. Schio said: Blogeintrag zu Demo und Ja, Panik auf zib21 http://bit.ly/4jpz6X #unibrennt #tubrennt #c1brennt #unsereuni […]

  • karotterl sagt:

    :) da erwacht man doch zum leben. danke danke danke…

  • Bernhard APL sagt:

    die band ja!panik hab ich nicht gesehen, wollte ich auch nicht… WAS ich gesehen habe, waren nach den geschätzten 47 203 freundlichen Demonstranten etwa 6 ehrwürdige Mitarbeiter der MA-??? Straßenkehrer halt (SOLIDARITÄÄÄT!), die nichts zum zusammenräumen hatten, und deswegen gewisser maßen auch ihren unmut äußerten :)

    was im audimax geschieht ist die politik des 21. jahrhunderts, und als solche nicht mehr wegdenkbar. wenn wir wieder zurück verfallen auf die öh-wahlen enden wir als neanderthaler in einem mondkrater (siehe ARES-MARSrakete; siehe AG-Auftritt bei der zib24 im örf).

    Der Spass hat kein Ende, und ich freue mich schon sehr wieder dem Studium Hegels, Kants, Aristoteles, Sokrates, Levinas, Husserls, auch des Heideggers (mit Vorbehalt), Augustinus, Anselms, Platon, Thales, Arendt, Parmenides, Precht, Gotz, Heinrich, und wie sie alles heissen die ich im Eifer der Vorfreude auf den morgigen Tag zu nennen vergessen wagte :) nachgehen zu dürfen.
    Reichstag brenn!

  • @nic_ko sagt:

    *schön*
    Danke :)

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