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Die Uni brennt noch nicht. Aber die Generation 20-29 zeigt endlich, was sie kann

Von | 27.10.2009, 17:29 | 14 Kommentare

Die tun was: Wie die Studentenproteste in Wien zu einer nationalen Bewegung wurden. Und warum das gut ist. Die Studentenproteste bleiben also vorerst. Im Wiener Audimax, das so gut als synbolischer Ort taugt. Oder in Graz. Oder in Linz, wo möglicherweise auch gerade die Übernahme eines Hörsaals bevorsteht, wie ich gerade den Twitterstreams zur Causa […]

audimax_besetzt

Foto: Daniel Weber, Lizenz: cc-nc-sa

Die tun was: Wie die Studentenproteste in Wien zu einer nationalen Bewegung wurden. Und warum das gut ist.

Die Studentenproteste bleiben also vorerst. Im Wiener Audimax, das so gut als synbolischer Ort taugt. Oder in Graz. Oder in Linz, wo möglicherweise auch gerade die Übernahme eines Hörsaals bevorsteht, wie ich gerade den Twitterstreams zur Causa entnehme.

Das freut mich nicht nur, weil ein Protest mehr erfrischt als die alltägliche Langeweile, sondern weil hinter diesem Protest mehr steht als eine bloße Unmutsäußerung über den Zustand der Bildung in Österreich. Er ist – so wie eben von Robert Misik im Livestream geäußert  – eine klare Ansage, so nicht mehr regiert werden zu wollen. Eine klare Ansage, die sich den definitionsmächtigen Älteren in Österreich widersetzt, die ihr Altern mit Vernunft und Akzeptieren des Status Quo gleichsetzen. So wie es der scheidende Wissenschaftsminister Johannes Hahn tat, der in großväterlicher Art formulierte: „Diese Verhaltensmuster gehören zu einer Studentenkarriere.“

Es ist leicht, so einen Satz zu erklären. Diese Verhaltensmuster gäben sich schon mit dem Älter- und Vernünftigerwerden, kann er weitergedacht lauten. Wie perfide es ist, dass sich eines der Ziele des Unmuts – Hahn eben – sich zuerst der Debatte nicht stellt und erst dann Stellung nimmt, als die für ihn persönlich weitaus wichtigere Personalentscheidung durch ist, lasse ich hier einmal außen vor.

Verdächtig und unvernünftig zu sein – das ist es, was Studenten gerne vorgeworfen wird, wenn sie nicht brav studieren. Selbstorganisation von Protest mit den Mitteln des Digital Natives ist da gleich noch verdächtiger und unvernünftiger. Er stellt alte Reviere in Frage: die der klassischen Medien, die in der Berichterstattung hinterher hinken (der Standard.at darf hier als Ausnahme nicht unerwähnt bleiben). Und er braucht keine Parteien, egal ob nationale oder deren studentische Entsprechungen. Da tun sich viele schwer, das zu akzeptieren und brandmarken die Studenten im Audimax kollektiv als „Partysanen“ (Kurier), die vor lauter Bier zu keiner inhaltlichen Forderung kommen.

Blöd nur, dass die Partysanen, denen kaum einer mehr als eine Nacht im Audimax zugetraut hat, mittlerweile kollektiv und mit den Mitteln des Web 2.0 diverse virtuelle Sprachrohe geschaffen haben, die einen schlichtweg nur beeindrucken müssen. Egal ob die Website unsereuni.at oder die Reden aus dem dem Livestream aus dem Audimax – das ist schon nicht schlecht für eine Ansammlung besoffener Partysanen, die brave Studenten mit ihrem subversiven Tun beim Einhalten der Regelstudienzeit stören.

Und weil manche Kommentatoren noch immer nicht verstanden haben, worum es hier geht, habe ich noch folgendes Video eingebettet. Das sollte helfen.

Im Übrigen noch eine Bitte: Wer Blogbeiträge und Videos zum Thema hat und auch auf ZiB21 veröffentlichen möchte, möge sich bitte bei uns melden. Wir verbreiten sie gerne.

14 Kommentare »

  • sandman sagt:

    Sonnenaufgang einer europäischen Studentenbewegung? Kommentar auf Glocalist > http://bit.ly/AIsSC

  • […] Zeit im Blog nennt die Proteste erfrischender als die alltägliche Langeweile und spricht von klaren Ansagen, mit denen sich die Studierenden den Älteren widersetzten. Zugetraut hätte man den  Partysanen nur eine Nacht, mittlerweile beeindruckten sie mit ihren virtuellen Sprachrohren. […]

  • truetigger sagt:

    Ich hab noch immer nicht ganz verstanden, worauf die Studenten hinsteuern.

    * gegen Verschulung der Ausbildung

    Grundlage für die europaweite Vergleichbarkeit von Bachelor- und Master-Abschlüssen ist ein bestimmter Ausbildungsgrad. Sicher, dazu muss man Pflichtveranstaltungen besuchen, die einem vielleicht nicht passen. Und man kann sich nicht erst am Prüfungstag entscheiden, ob man Lust zur Prüfung hat. Das sehe ich bei dem Teil der Studenten, die planlos zur Uni kommen, eher als Vorteil – hilft es doch, dass man nicht ewig sinnlos vor sich hinstudiert.

    * keinerlei Zugangsbeschränkung

    Im Moment zerreisst das Uni-System, in den Erstsemester-Studiengängen herrscht totales Chaos. Zum einen strömen Deutsche (die weniger begabten, die in Deutschland den Numerus Clausus nicht schafften) die Studiengänge, zum anderen die vielen Maturanten, die keine Lehrstelle fanden. Eine Zugangsbeschränkung in Form von Aufnahmetests finde ich da eher sinnvoll. Natürlich könnte man auch einfach die Uni-Mittel drastisch steigern – nur wird der Uni-Betrieb schon seit JAHREN von der Politik vernachlässigt, eine grundlegende Reform, die unbegrenzten Zugang zusammen mit vertretbaren Studienbedingungen erlauben würd, ist IMHO nicht in Sicht. Daher lieber Zugangsbeschränkung als durchgehend unzureichende Ausbildung für alle incl. der aktuellen Ellenbogenkämpfe für jeden Scheiss.

    Ja, die Uni-Politik ist im Argen. Und der Bachelor/Master-Prozess ist sicher nicht perfekt. Aber die aktuellen Proteste verwechseln in meinen Augen Ursache und Wirkung, zumal nicht alle der Party-Protester (heut morgen acht Uhr biertrinkend in der Grazer Uni) in der Masse eben NICHT selbstbestimmt, reif und ernsthaft wirken, sondern schlichtweg FAUL.

  • saxolady sagt:

    zeit für eine selbstreflexion:

    es scheint mir wie gestern, und ich schwöre, der schein trügt, als unsereiner studenten in der „moderne musik“-vorlesung ein oder zwei stunden tatsächlich darüber ratschlagten, ob wir nicht darüber abstimmen sollten, eine versammlung zwecks meinungsfindung, oder etwa doch nicht…???
    die entscheidung musste vertagt werden, da der professor für saxophon ein ungeduldiger mensch war und zu spät kommen einfach nicht duldete….

    hurra, kaum 10 jahre später…ha, ich freu mich, bin bei euch, also in gedanken halt, weil der tagesablauf meiner kinder und meines jobs,,,,eh schon wissen…

    die eselin sagt: gäähn, das karotterl: hehe, endlich…
    die saxolady fragt: was kann ich tun?
    die antwort: vorbei, süsse. kümmer dich um die brut. die welt verändern die jungen. es reicht, wennst keine steine in den weg legst, und bitte, net anbiedern….gell???

    das leben ist schön:D

    • einspruch, lady. you’re never too old to rock’n’roll when you’re too young to die.
      wieso gibst du dir die antwort auf die frage, was du tun kannst, selbst ?
      und wieso lautet die frage eigentlich nicht, was kann ich tun, sondern, was muss ich tun?
      zb endlich das versprechen einlösen, das ich mir mit 16 selbst gegeben habe, so wie die werd ich nie ? und bin es doch geworden, weil die brut braucht ja ein haus mit garten und zwei autos und drei urlaube im jahr und geburtstage, die eine woche dauern.
      und jetzt kommt diese nichstnutzige undankbare brut und sagt, stick all that stuff up your ass.
      jede generation hat das selbe problem, singen fanta4. nämlich dass du dich totläufst gegen gummmiwände und irgendwann resignierst, weil die, die wirklich etwas verändern könnten, ihre trockenen schäfchen nicht wieder nass machen wollen.
      es reicht eben nicht, da nur keine steine in den weg zu legen, denn da liegen felsen. there are mountains in our way. und das schwere gerät um die wegzuräumen haben wir in der hand. unsere generation sitzt an den vielzitierten schalthebeln der macht bzw stützt diese ochlokraten, die da schalten und walten als wäre es ihre welt.
      ja, es ist auch ihre welt, aber es ist unsere welt, unser aller welt. wird werden noch da sein, wenn die jetzige „gen 20-29“ das zipperlein zu plagen beginnt, also hoppauf. das ist rückendwind, aber die segel setzen und endlich den kurs korrigieren müssen wir.
      das ist ein weckruf, würde jamie sagen. die haben den glockenturm erstürmt und zerren mit vereinten kräften an den seilen. es ist an der zeit, die glocken zu hören, bevor es hell’s bells sind.

      • karotterl sagt:

        jo sir! volle zustimmung. die lady is eine verzogene 13.bez.göre und darf aber a bisserl rumjammern. glaube, sie wollte dasselbe ausdrücken nur halt aus der ich-perspektive. jo schatzi, asche auf dein haupt, aber jetzt gehts los:D

  • @nic_ko sagt:

    „Die Spontanität von Spontis ist immer recht endenwollend“ hat (Noch-)Minister Hahn mit einer gewissen Herablassung am Freitag gesagt.
    Tja, Irrtum. Die „Spontis“ sind – wie auch in ihrer Presseaussendung steht – gekommen, um zu bleiben.
    Endlich.

  • Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by zeitimblog21: Frisch gebloggt: Die Uni brennt noch nicht. Aber die Generation 20-29 zeigt endlich, was sie kann http://bit.ly/3NSgAc #unsereuni…

  • Hannah sagt:

    Ich habe zwei mal darüber gebloggt, darf ich die Links einfach hier in die Kommentare packen oder wertet ihr das als Spam? :D

    http://aheadwork.de/2009/10/22/uni-besetzt/
    http://aheadwork.de/2009/10/24/die-uni-brennt/

    Wenns nicht ok ist, löscht meinen Kommentar einfach : )

  • „Die Generation 20-29 zeigt endlich, was sie kann“ ist schon wieder so ein Zeichen des Leistungsdruck den man uns immer auferlegt.

    Es geht nicht drum was wir können sondern was wir wollen. Und mehr Druck gehört nicht dazu. Wenn mir meine Mutter mit sowas (Enkelkinder, das Haus übernehmen) immer kommt erinner ich sie immer gern dran dass sie das erst nach 30 gemacht hat.

    • Oh je, wenn ich meinen Titel erklären muss, bedeutet das meistens, dass er schlecht formuliert ist: Ich würde daraus keinen Leistungsdruck ablesen. Vielmehr, dass die angesprochene Generation zeigt, wie wenig die Debatte zu ihrer Lethargie eigentlich mit ihr zu tun hat – allerdings nicht wegen Drucks von außen, sondern aus sich heraus.

    • Manfred Sax sagt:

      Lieber Herr Koll,
      danke für die offenheit. erlauben Sie mir ein paar ansätze zur (unnötigen) „verteidigung“ von obigem titel.
      erstens wagen wir (das team zib21) seit wenigen wochen zu glauben, dass wir für „gen 20-29“ nicht bloß verständnis haben, sondern auch, dass wir sie immer besser verstehen. das hat mit dem aufbau dieses portals zu tun. anfangs dachte vor allem ich, der weg zum leser müsse via print geebnet werden (indem der print uns, z.b., zitiert), und natürlich herrscht dortselbst zur „gen 20-29“ eine haltung, die ein „untertauchen“ und „bedecken“ derselben geradezu als akt der vernunft erscheinen lässt.
      im lauf der monate ließ es sich nicht verhindern, dass unsere nasen die infrastrukturen des cyberspace rammten, wir viele „neue“ leute (darunter viele gen20-29er) und ihre ideen und ihr schaffen kennen und mögen lernten, so sehr, dass jedenfalls ich den print eigentlich kaum mehr wahrnehme. ich fühle mich hier wohler, es ist ein ganz anderes, positiveres, menschlicheres klima. wenn also oben im titel „zeigt, was sie kann“ steht, dann erfolgt das auch aus der position des wissens. wir wissen, was sie kann. sie hat uns zum beispiel dinge gezeigt, die uns „print“ nie zeigen hätte können. ich bin beeindruckt und angetörnt. aber ich werde „gen 20-29“ sicher nie vorschlagen, was sie wann und wie und wo tun oder gar lassen soll. das wissen diese leute nämlich besser. allein deswegen sollte obiger titel nie so verstanden werden, dass er das gefühl des leistungsdrucks provoziert. herzlichst, Ihr sax

  • […] This post was mentioned on Twitter by Eberhard Lauth, Petra Köstinger. Petra Köstinger said: schöner ansatz: videobeitrag "die besetzung hat viele gesichter" http://is.gd/4EqP3 (via @zeitimblog21) #unsereuni #unibrennt […]

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