Premier League Spezial. Wenger Knows My Arse 05. Westham 2-2 Arsenal. Torres 2-0 ManU
Diesmal lehnte er sich raus. Es war die Jahresversammlung der Arsenal-Aktionäre. Und es war Arsene Wengers sechzigster Geburtstag – wofür sich der „Professor“ selbst ein vorbeugendes Geschenk spendierte: „Heuer holen wir einen Titel.“ Welcher Titel das nun sei, das verriet er nicht.
Tatsächlich galt das Versprechen weniger sich selbst, mehr jener kleinen Gruppe von Aktionären, die alle Jahre wieder von ihm fordern, doch endlich „fertige“ Spieler sündteuer einzukaufen anstatt junge Talente im „System Wenger“ ins Team wachsen zu lassen. Der Nebeneffekt dieses Systems sorgt allerdings dafür, dass die hausinterne Wengerkritik nie sonderlich laut wird: Während in der Transferzeit sich alle anderen PL-Teams in Schulden stürzen, macht Wenger Jahr für Jahr beachtlichen Profit (heuer £ 30 Mio) und sichert dennoch seinem Klub stets die Teilnahme an der Champions League – heuer das zwölfte Jahr in Folge. Das schafften in Europa sonst nur ManU und Real Madrid, wenn auch mit unvergleichbar höheren Spesen.
Das Problem mit versprochenen Erfolgen ist halt, dass es sein Team ist, das dieses unerschütterliche Vertrauen des Franzosen in seine Truppe rechtfertigen muss. Und die Körper der Gunners sind auch stets willig, allein, ihr Geist erweist sich allzu häufig als allzu fragil, insbesondere gegen sogenannte „kleine“ Teams. In der vergangenen Runde der Champions League spielten die Londoner Alkmaars bemühte Truppe derart in Grund und Boden, dass sie in den letzten zehn Minuten der Halbschlaf überfiel. Und die Holländer erzielten prompt in der Schlussminute den Ausgleich. Leider ist es mit solchen Malheurs ein wenig wie mit den Londoner Doppeldeckerbussen. Zuerst kommt ewig keiner daher, dann plötzlich mehrere auf einmal.
Westham 2-2 Arsenal. Die Umarmung von Westham-Manager Gianfranco Zola und Wenger vor Spielanpfiff war ungekünstelt und herzlich. Der Franzose ist ein langjähriger Fan der Fußballkünste des bei Chelsea zur Legende gewordenen Italieners, und Zola lobt Wenger´s System, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Dieser Respekt geht so weit, dass er sein Team stets mit der Order aufs Feld schickt, den Gunners ein offenes Spiel zu liefern und im Normalfall geht das denn auch ordentlich in die Hose. Heute allerdings nahm mit England-Boss Fabio Capello ein Motivator der besonderen Art auf der Ehrentribüne Platz, um den Kandidaten für ein Teamleiberl auf die Beine zu sehen. Nachdem Arsenal-Flitzer Theo Walcott nach wie vor verletzt ist, konnten sich nur Westham-Stürmer Carlton Cole, sein Verteidiger-Kollege Matthew Upson und Goalie Rob Green von CapellosPräsenz angesprochen fühlen. Soviel zu Englands Chancen bei der kommenden WM: Drei heiße Teamanwärter Capellos spielen für den Tabellenvorletzten der Liga.
Das Wenger´sche 4-3-3 featurete die üblichen Verdächtigen, die Wandlung des Emmanuel Eboue vom Außenverteidiger mit Offensivdrang zum defensiv kompetenten rechten Flügel sieht von Spiel zu Spiel kompakter aus. Das Spiel war eine Viertelstunde alt, als ein cooler Pass von Außenverteidiger Bacary Sagna zu Eboue und gedoppelt retour den Raum für eine Maßflanke Sagnas frei machte, die vom extrem in Spiellaune befindlichen Robin van Persie nach Green-Patzer fast schamhaft endverwertet wurde. Eine weitere Viertelstunde später fiel nach Corner das Zwei zu Null durch Kopftor von William Gallas, es folgte eine dreißigminütige Exhibition von totalem Fußball Marke Arsene, weitere Tore schienen nur eine Frage der Zeit. Aber wer konnte erwarten, dass sie Westham erzielen werde? Nun, eigentlich jeder Fußballfreund mit langjähriger Erfahrung als Arsenal-Fan konnte das erwarten, und das Szenario dieser Selbstfaller folgt seit der haarsträubenden Eins-zu-Zwei-Niederlage bei ManU immer einem Muster. Wäre es nicht so ekelhaft, einen einzelnen Spieler permanent zum Sündenbock zu stempeln, müsste man Richtung Abou „Paparazzo“ Diaby blinzeln. Nach seinem Eigentor gegen ManU und dem Fasteigentor gegen Alkmaar bewies der Mittelfeldmann erneut, dass er in der Defensive ein „accident waiting to happen“ ist. Ein Diamanti-Freistoß nach Diaby-Foul brachte dank miserabler Abwehrhandlung von Goalie Mannone den Anschlusstreffer durch Carlton Cole, wenig später war es erneut Cole, der gefoult wurde, diesmal im Strafraum. Eine Chance zum Zwei zu Zwei, die sich der vielversprechende Newcomer Diamanti nicht nehmen ließ. Mit Cole konnte Capello zufrieden sein.
Die Highlights der Runde. Dass die Gunners dennoch auf den dritten Rang vorrückten, lag an den vielen überraschenden Resultaten dieses Wochenendes. Schon am Samstag verlor der bisherige Tabellendritte Tottenham zu Hause gegen Stoke (0-1), war Chelsea nach Kantersieg gegen Blackburn (5-0) an die Spitze geklettert. Es oblag Liverpool, im Schlager der Runde gegen ManU zu beweisen, dass sich die ManU-Abgänge von Ronaldo und Tevez weniger gut kaschieren lassen, als es bisher den Anschein hatte. Dennoch Optimismus auf den Rängen von Anfield, Manager Rafa Benitez hatte in den vergangenen Jahren durchwegs bessere taktische Karten aus dem Ärmel gezogen als sein Widerpart Sir Alex Ferguson. Ein Bonus auch, dass in Abwesenheit von Steven Gerrard sich wenigstens Fernando Torres fit spritzen ließ, und der Spanier war es Mitte der zweiten Spielhälfte, der nach Muskelduell (mir fällt kein besseres Wort ein) mit ManU-Verteidiger Rio Ferdinand den Oberfuß behielt und den Ball aus spitzem Winkel in die kurze obere Ecke, nun, donnerte. Endstand Zwei zu Null, die Prognosen vom Niedergang Liverpools (insbesondere nach der herrlichen „Ballontor“-Niederlage gegen Sunderland) erscheinen etwas voreilig. Bliebe die Frage: Wer ist der kompletteste Stürmer der Insel – Didier Drogba (Chelsea) oder Fernando Torres? Nach der dieswöchigen Gala der beiden kann man nur mit „ja“ antworten.





