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Pearl Jam: Späte Leidenschaft ist auch eine Lösung

Von | 22.10.2009, 23:35 | Ein Kommentar

Was ich eigentlich von der neuen Pearl Jam-Platte halte, wurde ich gefragt. Hm, eh okay, sagte ich, und log dabei ein ein wenig.Ich kannte sie nämlich noch gar nicht richtig. Sie lagerte zwar schon seit ihrem Erscheinen vor ein paar Wochen auf meiner Festplatte und auf meinem iPod, aber bewusst gehört hatte ich sie noch […]

Foto: Screenshot aus dem Video „The Fixer“

Was ich eigentlich von der neuen Pearl Jam-Platte halte, wurde ich gefragt. Hm, eh okay, sagte ich, und log dabei ein ein wenig.Ich kannte sie nämlich noch gar nicht richtig. Sie lagerte zwar schon seit ihrem Erscheinen vor ein paar Wochen auf meiner Festplatte und auf meinem iPod, aber bewusst gehört hatte ich sie noch nicht. Die ist sehr gut, erfuhr ich dann. Hör sie dir an.

Pearl Jam also. Ich muss zugeben, die habe ich über die Jahre aus den Augen verloren. Bei Bands, an denen mir was liegt, tue ich das selten, aber so sehr ich ihre ersten Alben gemocht habe – irgendwann wurden sie mir dann doch zu Lagerfeuer, zu Arbeitsethos, zu gute Taten, zu Vorzugsschüler, zu alles. Sie waren eine Art Bruce Springsteen im Band-Format. Sie mühten sich redlich mit ihrer Heimat und der Ära Bush ab. Sie fochten Kämpfe gegen geldgierige Konzertveranstalter. Sie begannen, ihre Konzerte allesamt mitzuschneiden und als Bootlegs unters Volk zu bringen. Sie veröffentlichten nach langjähriger Verweigerung des Formats das erste Musikvideo unter Creative Commons-Lizenz. Sie taten irgendwie immer das Richtige und wurden daher irgendwie langweilig.

All das habe ich natürlich nur aus der Ferne und mit den gebotenen Vorurteilen wahrgenommen. Und weil das nicht fair ist, habe ich mir nun mehrmals „Backspacer“ angehört. So heißt das neue Album. Die Kritiker drüben in Amerika finden es wie immer großartig (Ich behaupte: Das ist der oben schon angedeutete Springsteen-Effekt), die aus der näheren Umgebung sind verhalten euphorisch (so wie etwa hier in der Zeit). Und ich muss sagen: Super Platte. Vielen Dank an jenen Menschen, der mich unabsichtlich doch noch dazu gedrängt hat. Elf Songs in 37 Minuten. Immer schon rauf aufs Gas und dann wieder auf die Bremse. Drängelnde Lyrik gegen das Schlechte in der Welt, Sänger Eddie Vedders Spezialgebiet. Irgendwann dürfen sogar Streicher ran.

Das ist Rockmusik, die sich einen Dreck um Moden schert, dafür aber ohne Umschweife in genau derselben Reihenfolge als Konzert gespielt werden könnte, egal ob im Stadion oder im Kellerclub. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Freude so eine simple Sache manchmal tut.

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