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Frater GladiusGladius23. Peace! (Im Krieg vergeht die Zeit zu schnell)

Von Frater Gladius | 18.10.2009, 13:38 | 7 KommentareShare/Save

Peace Soldier by jayel aheram

Peace Soldier by jayel aheram

Sind die Nullerjahre tatsächlich schon wieder vorbei? Tja, wenn Amis den Planeten panieren, vergeht die Zeit wie im Fluge …

Schuld, sag ich mal, ist dieser absurde Tag, den jeder erinnert, der alt genug ist. Wirklich jeder. Nicht einmal die Weltfremde, die im September 01 mein Zuhause war, blieb vom Ereignis verschont. Ich saß bei einer Schale Reis und war mit den Gedanken dort, wo die Halme zum Reis ins Wasser gesetzt werden, als ein Kollege „He, Frater“ rief und „Es ist ein Flugzeug ins Welthandelszentrum gedonnert!“ -

„Welches Welthandelszentrum?“ Hätte er „Twin Towers“ gesagt, hätte ich natürlich gewusst, dass er die „Teufelshörner“ meinte, jenes Doppelgebäude, deren Insassen von früh bis spät Gott Mammon anbeteten. Twin Towers, das war sowas wie der Turm von Babylon, sogar der Gott dazu klang ähnlich: Marduk.

Liebe Lesergemeinde, keine Sorge. Dies wird jetzt keine fundamentalfanatikerfreundliche Hetze. Ich sage nicht, dass den Profitanbetern recht geschieht, die (offiziell) 2993 Todesopfer dieses hässlichen Anschlags sind in meinen Gebeten, kein Mensch hat so einen Tod durch Rachefeuer verdient, militant werde ich nur, wenn ich mich zur angewandten Gewaltlosigkeit bekenne. Ich bin ein Mann des Friedens. Nicht unbedingt einer, der sofort die rechte Backe hinhält, wenn die linke eine Faust gerammt hat. Vielmehr einer, der sein Recht auf Langeweile ernst nimmt. Auf Muße. Ist noch niemandem aufgefallen, wie rasend schnell im Krieg die Zeit vergeht? In Zeiten wie diesen will man gar nicht mehr wissen, wie spät es ist, weil deine innere Uhr immer hinterher hinkt. Man kommt zu rein gar nichts mehr. Das allein ist schon ein guter Grund für Frieden. Und wenn du für Frieden bist, kannst du nicht Krieg machen. Daraus folgt selbstverständlich zwingend, dass keiner, der auf andere schießt oder schießen lässt, das moralische Recht hat, sich mit Friedenslorbeeren zu schmücken oder schmücken zu lassen.

Ja, auch ich finde dass Präsident Barack Obama nicht sonderlich weise war, diese ausgerechnet vom Erfinder des Dynamits gestiftete und „Friedensnobelpreis“ genannte Auszeichnung zu akzeptieren. Das geht nur bei sofortigem Abzug aller Soldaten aus Afghanistan. Und Pakistan. Und Irak. Und … Es gibt keine Friedensstrategie mit Waffe in der Hand. Wie soll denn das aussehen? Auge um Auge „sorgt nur für eine blinde Welt“. Das sagte der große Mohandas Karamchand Gandhi, aber bitte, der konnte sich das leisten, er war ja frei von Angst.

Im übrigen glaube ich, dass in den Reihen der für die Verleihung des Friedenspreises zuständigen Wichtigmacher ein paar begabte Zyniker am Werk waren, die sich ins Fäustchen lachten, angesichts des ob der Auszeichnung peinlich berührten Präsidenten, der ein paar Tage später gleich wieder ein paar tausend Waffenträger mehr nach Afghanistan verladen ließ.

Tatsächlich macht ein Blick auf die Liste der Friedenspreisträger eine makabre Riege transparent, (in der „true people“ wie Martin Luther King oder Aung San Suu Kyi die schillernden Ausnahmen sind): Henry Kissinger, Shimon Peres, Yasser Arafat, Yitzhak Rabin und Konsorten. Bei solchen Friedensleuchten, wer braucht da noch Krieger?

Wer was für den Frieden unternehmen will, muss nicht überlegen, welchem Land er als nächstes die Knarre anlegt. Ein Blick nach Jerusalem genügt. Während sich „post-9/11“ die Politiker Bush und Blair die Köpfe zerbrachen, ob sie zuerst den Iran oder doch eher den Irak umackern sollen, bauten die Israelis eine vier Milliarden Dollar teure (!) Mauer quer durch die Infrastruktur von Palästina, um die Bevölkerung buchstäblich auszuhungern. Dass ein Bruchteil dieser Summe gereicht hätte, den Bewohnern des Landes ein menschenwürdigeres Dasein zu bescheren – und damit friedfertiger zu stimmen – hat weder Bush noch Blair interessiert, die Israelis sowieso nicht. Und dann hat dieser Blair auch noch die Stirn, Katholik zu werden, weil man sich unter Protestanten nicht den Dreck von der Seele beichten kann!

Beginnen kann jede Zuwendung zum Frieden nur bei einem selbst und für jeden anders. Bei einem professionellen Meinungsmacher kann es die sture Suche nach Wahrhaftigkeit sein, die dann zu eindringlichen Geschichten wie dieser HIER führen. Bei jungen Kreativen mag eine Bewusstwerdung am Anfang stehen. Ich finde es höchst berührend, dass ausgerechnet eine Handvoll junger Österreicher mit dem diskreten Bandnamen „Ja, Panik“ vor ein paar Wochen DIESES beeindruckende Manifest über den Zusammenhang von Angst und Geld auf den Markt warfen.

So simpel, wie es diese Musiker darstellen, lässt sich auch ein Friedensgedanke spinnen: Wer schießt mit Waffen durch die Gegend? Nur Leute, die erstens Angst haben und zweitens Geld – das sie in Waffen investieren, aus Angst um ihr Geld.

Der Umkehrschluss – ohne Geld keine Angst – ist jedenfalls einen Versuch wert. Die Logik passt, das hat auch Gandhi erkannt, und sein angstfreier gewaltloser Widerstand wurde den Briten am Ende so unheimlich, dass sie Leine zogen. Die Inder brauchten dafür nicht einmal Schießprügel. Es war der ultimative friedliche Triumph des Zwanzigsten Jahrhunderts. Klar daher, dass Gandhi den Friedensnobelpreis nie erhielt. Dieser schrullige Alte mit dem Webstuhl war den Schweden einfach nicht geheuer genug. Peace, liebe Leute!

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7 Kommentare »

  • “Es gibt keine veritable Friedensstrategie mit der Waffe in der Hand.”
    bemerkenswerte aussage vom bruder, der ein als jausenmesser einfach nicht mehr durchgehendes gerät im namen trägt und in der hand hält, wenngleich auch hinter dem wertesten von allen zu verbergen suchend, aussichtslos, weil eben zu eindrucksvoll.
    die leere hand ist eine viel fürchterlichere waffe als ein knüppel, wenn man sie zu führen weiß, und ein wort kann schärfer schneiden als ein schwert. kiai.
    darauf kommts also möglicherweise gar nicht an.
    si vis pacem para bellum, hieß es da ja mal, muss ja nicht gleich eine parabellum sein. in der idealen welt natürlich obsolet, nur so weit sind wir halt noch nicht.
    die frage scheint mir viel mehr im verständnis des satzes “siegen kann nur, wer nicht kämpft” zu liegen, und ich bin sicher, dass die jungs und mädels in westpoint das wissen, wer sich zuerst bewegt, hat verloren, weiß beginnt, schwarz gewinnt.
    warum tun die das also ?
    was uns zum introteil der predigt führt: marduk. es ist wohl müßig auf die angeblich abstrusen verschwörungstheorien einzugehen, obwohl, hätte man nicht von einem in ein fünfeckiges gebäude gekrachten mehr als nur papierflieger zumindest ein fetzelchen auf den fotos sehen sollen, ein triebwerk vielleicht oder zumindest einen teil davon ? dass maryork nichts gegen menschenopfer hat, darf als bekannt vorausgesetzt werden.
    und es nützt halt nix, permanente produktion und steigerungsraten erfordern verbrauch, also muss das zeug ja mal verballert werden. und am wachstum der etwa 60 % rüstungs- oder nahen betriebe an der enweiesih und dem mehr als feuchten dackel hängen kranken- und altervorsorge in god’s own country.
    bellum pater omnium, ned wahr, vor fast 3000 jahren schon auf neutrum gegenderter vater ? es geht ja immer um die sache, res, nicht publica, nein impudica.
    ergo: ceterum censeo viam muri delendam esse.

    • Frater Gladius sagt:

      Gott zum Gruß, Frank`n`Furter, ich muss gestehen, ich habe Ihre geschätzten Beiträge bereits vermisst. Und Ihre Erinnerung an meine Äußerung “Es gibt keine veritable Friedensstrategie mit der Waffe in der Hand” ist in diesem Zusammenhang in der Tat eine delikate. Aber ich glaube mich erinnern zu können, dass auch Ihnen fernöstliche Klöster nicht ganz fremd sind, also auch nicht der Umstand, dass dort in vielen Seminaren der „Weg des (Holz)Schwerts“ gern eingeschlagen wird – als Übung zum Zwecke der Meisterung des Zustands perfekter Momentanität (wofür wir dem Einfluss der Shaolin-Mönche zu mehr Dank verpflichtet sind als wir ihnen ausdrücken).
      Wenn es aber um das aktive Verfolgen von „Friedensstrategie“ geht, bleibt mein schneidendes Souvenir selbstverständlich im Schrank, da bleibe ich beim Wort (und bin somit ganz bei Ihnen). Welchen Unfug ein Schwert in dafür unbefugter Hand anrichten kann, wissen wir ja von der Szene mit Petrus nach dem letzten Abendmahl. Ergebenst, Ihr FG

      • oh, bitte um verzeihung, ich gelobe besserung, war eben auch mit schwestern und dem gewächs des gartens beschäftigt, aber nunmehr gehen wir ja auf eine zeit der stille und besinnung zu, das wird schon, die pressestunde bringts eh ned und die messe schwänze ich seit 35 jahren, and now for something completely different.
        ach, wer ist schon befugt, und wer von euch frei hat, trinke zuerst vom wein, na, ganz so war das glaub ich nicht. der 271. fuchtelt zwar nur mit dem krummstab, würde er doch ohren nur abschlagen, die restitutivmedizin könnte es wieder gut machen wie weiland der gute josh, sie zu verschließen ebenso wie die herzen erscheint mir viel schlimmer.
        hier und da eine enzyklika, die außer idioten wie mir niemand liest, zu recht, wie ich sagen muss: “Das Teilen der Güter und der Ressourcen, aus dem die echte Entwicklung hervorgeht, wird nicht allein durch technischen Fortschritt und durch bloß vom Kalkül bestimmte Beziehungen gewährleistet, sondern durch das Potential der Liebe, die das Böse durch das Gute besiegt (vgl. Röm 12, 21) und die Menschen dafür öffnet, in ihrem Gewissen und mit ihrer Freiheit aufeinander einzugehen.”
        wossis ?
        “Der Papst hat US-Präsident George W. Bush empfangen. Abweichend vom üblichen Protokoll traf sich der Pontifex mit Bush nicht im Apostolischen Palast, sondern in den Vatikanischen Gärten. Nach der Begrüßung vor dem mittelalterlichen Johannesturm, der höchsten Stelle des Vatikan-Staates, fuhren Benedikt XVI. und Bush im Aufzug in das Obergeschoß des Gebäudes und zogen sich in einem Konferenzzimmer zum Gespräch unter vier Augen zurück, das rund 30 Minuten dauerte.” schöne bildchen hat er auch bekommen, der schurli, und vielleicht hat er ihm ja doch die leviten bissel gelesen für die 11 pakistani, die grad von us-bombern der last dieses irdischen jammertals entledigt worden waren, wer weiß das schon.
        so schauts aus.
        “Die Kurienbanker halten sich am liebsten sehr konservativ an Schuldscheine und Aktien von überwiegend amerikanischen Weltfirmen wie IBM oder General Motors. Trotz aller päpstlichen Vorbehalte gegen die amerikanische Konsumwelt und Unterhaltungsindustrie ruhen im Depot zudem Aktien des Disney-Konzerns.”
        aja. non olet und so.

        ich glaub, unterm strich wär die welt mit dem cholerischen fischer besser dran.

  • karotterl sagt:

    aja, nur eine kleine meckerei am rande:
    dass ich am sonntag vormittag mitten im seengebiet zwar einen internetzugang hab, aber keine sonntagspredigt, ist ….schmoll…
    lieber frater, wenns net zviel verlangt ist, könntens net die predigt vor dem schlafen gehen abliefern???
    so ab 5 uhr früh wärs schon fein:D
    demütigst ;)

    • Frater Gladius sagt:

      Grüß Gott, karotterl, Sie sprechen da einen wunden Punkt an, und auch die freundlichen Herren von zib21 haben bereits wiederholt Andeutungen in diese Richtung gemacht. Ich kann nur versichern, dass ich sehr wohl jeden Samstag zwischen den Fraterpflichten in Sachen „Wort zum Sonntag“ vor dem Computer sitze. Wahr ist aber auch, dass da rein gar nichts zwischen meine Ohren gelangen will, weder Thema noch Worte. Die überkommen mich immer erst Sonntagmorgen nach dem Gebet, es fühlt sich tatsächlich wie ein Überkommen an. Es tut mir Leid, karotterl, ich bemühe mich, aber wie in der Welt so ist es auch hier nicht mein Wille, der da geschieht. Ihr FG

  • karotterl sagt:

    frater, mien bruder…ich umarm dich, love peace and power, leckt mich doch am arsch mit : mach dich doch nicht lächerlich …mit : ich bin halt realist….mit: naja, es geht halt net anders….dont panic vor ja panic…
    geil!
    is wie gedüngt werden und sonnenschein mitte november!
    herzlichst
    das karotterl

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