Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild.

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz.

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins.

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags.

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber.

Home » Renee Unplugged, Sexklinik

Renee PorneroRenee Unplugged 15. Comeback der Libido

Von Renee Pornero | 03.10.2009, 10:54 | 6 KommentareShare/Save

Renee by Reismann

Renee by Reismann

Warum fühlt Renee den Frühling, wenn draußen Herbst ist? Eindeutig eine Frage der Libido …

Hier ein Geständnis: Meine Gegenwart ist seltsam. Nicht unangenehm, aber jedenfalls unzeitgemäß. Ich schau aus dem Fenster, und da ist ein Kastanienbaum und die Blätter sind gelb – eindeutig Herbst. Warum also tobt in mir grad der Frühling? Es ist alles so kribbelig, was ist da los?

Ich frage mich, warum ich momentan derart, hm, „bereit“ bin. Und ob ich jemals so bereit war. Ich kann so richtig gut verstehen, wie der Rehbock drauf ist, wenn drüben am Waldrand seine Geiß mit dem Spiegel wackelt. Ist das meine biologische Uhr? Oder ist das eine Phase, wenn der schmerzhafte Dreißiger naht und damit auch die Erkenntnis: Mädel, es nutzt nix, du wirst erwachsen …

Heißt das, ich bin jetzt reif für den echten, den guten, den erfüllenden Sex oder wie läuft das? Ich tu mir mit der Analyse schwer, aber irgendwas hat plötzlich „Schnipp“ gemacht und ich frage mich, ob da eine neue Ära für mich anbricht. Wenn ja: Jippie! Aber warum so spät? Und warum erst dann, wenn die jugendliche Sexiness langsam flöten geht und man beim Anblick des Spiegelbilds in Nostalgie verfällt: Du warst ja mal ein richtig geiles Küken. Jetzt wirkst du … reifer. Die Geilheit ist mehr … innerlich.

Derzeit reicht es mir nicht einmal pro Tag. Wenn mir ein Gute-Nacht-Akt widerfährt, bettel ich schon im Voraus um ein Dacapo am frühen Morgen. Und wenn du dann weg musst, komm doch bitte bald wieder vorbei, weil mir ist so irgendwie. Ach, diese Porno-Tussen, werdet Ihr jetzt wohl sagen. Können von Sex nicht genug bekommen. Rennen Mumu-gesteuert durch die Weltgeschichte, als gäbe es kein Morgen. Aber weit gefehlt, meine Damen und Herren. Steckt Eure Klischee-beladenen Hirngespinste in die untere Schublade.

Haltet Euch fest. Es gab sogar Zeiten, zu denen mein Begehr nach intimer Zweisamkeit so gut wie nicht vorhanden war. Ich gehe nicht davon aus, dass ALLE Porno-Aktricen einen „Overload“ erleben, aber bei mir war es so. Die Konsequenz daraus: Ich wurde Regisseur. Und ich hatte fast ein Jahr lang keinen Sex. Ja, der Porno hatte meine Libido zerstört.

Sicher hat der Porno aber auch mehr beigetragen. Nicht nur, dass ich lange keinen Sex brauchte sondern auch, dass ich jetzt nicht genug kriegen kann. Nicht als Konsument, sondern als aktiver Mitspieler habe ich gelernt zu erkennen, was mir Lust verschafft und was nicht. Es war ein experimenteller Trip durch eine Welt, in der es keine Tabus gibt. Ich habe von allem gekostet, alles gesehen und gespürt und (buchstäblich) in mich aufgenommen. Ich wurde knallhart durchgevögelt. Damn, das war geil, besonders wenn ich die Augen schloss und mich in eine bizarre, lustschwangere Welt fantasierte. Das musste gelegentlich sein, beim Porno wehte zusehends der Gonzo-Wind, da dominiert die Rein-Raus-Kultur. Traumhafte Kulissen, Mannsbilder zum schwindlig werden, dann die Kraft mit der Du hergenommen wirst. Erstklassig, aber Emotionen gleich null. Da hilft nur das Kopfkino.

Irgendwann war ich der Reizüberflutung überdrüssig, und ich ließ es sein. Radikal. Niemand kam an mich ran, ich mied jeden körperlichen Kontakt. Die Lust musste ich nicht extra vertreiben, die war ohnehin weit, weit weg. Dafür kamen die Identitätskrisen. Ein Pornogirl, dem der Appetit auf Sex vergangen ist? Das seufzend gähnt, wenn es pornografische Bilder sieht? Das hemmungsloses Fernweh kriegt, wenn alle Bekannten nur über das eine reden?  Ich hatte es schlichtweg satt, wollte kein Sexsymbol mehr sein, wollte mich einfach verstecken. Irgendwann hatte ich es aufgegeben und mein Schicksal akzeptiert. Der Porno hatte meine Libido zerstört. Her mit dem Pensionsalter! Oder doch nicht?

Nein, doch nicht. Es waren die Menschen. Menschen, die Erwartungen in mich steckten, mir einen Stempel aufdrückten; mich so zeichneten, wie sie mich sehen wollten. Ungeachtet der Renee, die ich war. Eine, die niemand sehen konnte oder gar sehen wollte. Also stellte ich die Pornero mal in die Ecke und machte es wie Eminem´s Slim Shady: Could the Real Renee come out, please?

Seltsam, was da raus kam: Ich bin eine durchgeknallte Romantikerin. Ich will Liebkosungen, während ich aufgespießt werde. Ich lass mich noch immer gern stundenlang nehmen, will dann aber auch selbst mal das Prachtstück in die Hand nehmen und checken, ob der noch immer nach meiner Pfeife tanzt. Und wenn du mir an den Hintern willst, dann können wir drüber reden, aber dann lass mich auch mal böse sein. Richtig rattig werde ich, wenn ich sehe, dass Dir das Spiel gefällt. Ja, die Real Renee ist eine andere als die Porno-Renee. Aber die Porno-Renee hatte was am Kasten, das die Real Renee heute gelegentlich ganz gut brauchen kann.

Okay, nun aber genug der Worte. Wo ist der Lover? Ich wäre jetzt soweit.

Aus dem Archiv »

Renee Unplugged 20. Einmal Milf retour oder: Stationen einer Pornolady von Renee Pornero
Renee Unplugged 17. Frauenporno oder: Chicks With Guts von Renee Pornero
Renee Unplugged 25. Ostern auf Abwegen von Renee Pornero
Renee Unplugged 21. Rollenspiele mit POV von Renee Pornero
Renee Unplugged 27. Dreier mit Skorpion von Renee Pornero

6 Kommentare »

Schreiben Sie einen Kommentar / Leave a comment

Sie können diese HTML-Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dieser Weblog unterstützt Gravatar.

 

ZiB21 sind: unsere Blogger