Gladius20. Braucht die Jugend alte Tugend? Wie ein Loch im Kopf
Könnten Sie nicht über Jugend & Tugend schreiben, Sie wissen schon, Glaube, Hoffnung, Aristoteles und so, das wär doch ideal für einen Frater, ist ja wie vorgestanzt für eine Sonntagsrede, oder?
Es musste ja einmal kommen. Halten Sie sich kein Blatt vor den Mund, hieß es. Sie können schreiben, was Sie wollen, hieß es. Und jetzt wird mir also vorgeschlagen, was ich schreiben will. Also bitte, möge mir niemand in den Mund legen, was ideal für mich sei und was nicht.
Warum ausgerechnet Aristoteles, was hat der im Jetzt zu suchen? Nun, es wird Ihnen sicher aufgefallen sein, dass derzeit eine Unmenge Quatsch über „die Jugend“ – nämlich die Twens, die laut Gesetz keine Jugend mehr sind – den Medienbach runter fließt. Irgendjemand hat gemotzt, wie zimperlich und ängstlich und brav sie sind, seither kommen sie nicht mehr aus dem Gerede und irgendwann hat also ein Journalist namens Blumenau den alten Aristoteles in die Blogwelt gebracht. Der hat einer TV-Diskussion über Tugend gelauscht und dort meinte ein Jesuitenpater – mein berühmter deutscher Kollege Klaus Mertes -, dass Tugend am stärksten, am konkretesten und am sichtbarsten wäre, wenn es sich um Widerstand, also um eine Gegenwehr Einzelner handelt. Eigentlich logisch, nicht wahr? Allerdings fand oben erwähnter Journalist das erstens verblüffend. Zweitens schloss er ebendort, dass „das Brave und schnell Verstummende, also die Untugend der 20-29jährigen, (die eine gewisse Ingrid Brodnig angeblich verteidigt, fragen Sie mich nicht), keine Qualität außer der des Selbstmitleids (hat)“. Und so glaubte sich Herr Blumenau im Besitz eines verbalen Rüstzeugs zu einer Kritik an bzw Anregung für jene Altersgruppe: Widerstand ist tugendhaft, die 20-29jährigen sind „brav“ und „schnell Verstummende“ – ergo befleißigen sie sich einer Untugend.
Liebe Lesergemeinde, bitte nicht böse sein, aber ich habe grad keinen Bock, an diesem „Altersgruppen-Bashing“ mitzumachen. Das habe ich vergangenen Sonntag mit den rückgratlosen Rennfahrern Nelson Piquet und Lewis Hamilton betrieben, das reicht für eine Weile, außerdem haben sie öffentlich und tränenreich bereut und man kann ja von zwei privilegierten Schnöseln nicht gleich auf eine ganze Altersgruppe schließen, im Gegenteil. Außerdem glaube ich, dass es sich bei diesem „Braven und schnell Verstummenden“ genau um jenen Widerstand handelt, den Blumenau vermisst. Als ich jung war, hat uns die Elterngeneration ständig zum ordentlichen und anständigen und fleißigen Sein vergattern wollen, also haben wir uns dagegen gestemmt und umso mehr, je mehr die Transparentmachung der Nazi History unsere Verachtung den „Alten Autoritäten“ gegenüber schürte. Wir wollten unsere Ruhe von den Alten und pochten auf das Recht, unser eigenes Leben zu leben und uns in der Reflexion einen Reim auf unser Tun zu machen.
Nichts anderes geschieht meiner Meinung nach seitens der „Gen 20-29“. Die Elterngeneration hätte sie gern laut und kritisch und proteststark – also geben sie sich brav und angepasst und konfliktfrei. Das ist meines Erachtens Widerstand. Sie weigern sich, die Alten in ihre Karten blicken zu lassen. Sie pochen auf ihr Recht, ihr eigenes Leben zu leben und vermutlich ist ihr Respekt ob der „Errungenschaften der Elterngeneration“ geringer als den Alten angenehm wäre, wenn auch total verständlich. Ist ja ziemlich verfahren, diese vom ekligem Profitgedanken der Zivilisation gezogene Karre, nicht wahr?
Es gibt nun in Blumenaus Geschreibe mannigfache Gründe zur Annahme, dass seine Gedanken ohnehin in diese Richtung unterwegs sind. Trotzdem fühlte er sich bemüßigt, den Twens sozusagen noch ein paar Ratschläge „mit auf den Weg“ zu geben. Etwa die Aristotelischen Ansätze von Klugheit und Gerechtigkeit und Maß. Letzteres versteht er als Mäßigung, als Abwägen. Das ist mir zuwenig, diese Mäßigung kommt erst am Ende des Reifens. Wie ich es erinnere, ging Aristoteles beim „Maß“ von einer „goldenen Mitte“ aus, und das ist eine Floskel, mit der ein Alter einen Jungen nicht konfrontieren kann. Dieses Maß muss der Heranwachsende selbst finden und dazu gehört zunächst auch eine gediegene Unmäßigkeit, ein „über die Stränge schlagen“ ein „die eigenen Grenzen finden“, sonst steht der Suchende im leeren Raum. Es ist das Bier des Suchenden, nicht jenes wohlmeinender alter/älterer Denker.
Vor allem aber bin ich dagegen, den Gedankenschatz des alten Philosophen zu plündern und ihn aus seiner Historizität zu reißen. Seine Welt war eine für die Meisterrasse geschnitzte, das waren die Griechen, und die anderen waren die Sklaven und sie waren knapp über den Tieren angesiedelt und laut Aristoteles waren sie deswegen Sklaven, weil es entweder „ihre Natur“ war, oder weil sie in Kriegsgefangenschaft gerieten. Einem Sklaven sollte ein kräftiger Körper antrainiert werden, damit er den Dreck, mit denen sich der Grieche nicht die Hände schmutzig machen wollte, aus dem Weg räume. Solche „Nichtgriechen“ waren zu seinen „Tugenden“ ohnehin nicht fähig, diese Tugenden sind es auch, die noch heute den Aristokraten und „Das Gute Bürgertum“ vom „Pöbel“ unterscheiden.
Bekanntlich war Aristoteles auch der Lehrer von Alexander dem Großen, jenem Visionär, der auszog, die Welt zu erobern und somit endlich zu befrieden, denn wenn mal einer die Macht hat, brauchen sich die anderen nicht mehr um diese Macht zu streiten (ein Gedanke, der auch Hitler nicht fremd war, Nietzsche sowieso nicht). Im übrigen aber zog Alexander mit einer von Aristoteles recherchierten „Weltkarte“ Richtung Osten und holte sich dortselbst einen horrenden Kilometerstand, kein Wunder, die Welt war noch nicht rund, das war für Aristoteles nicht vorstellbar, im Unterschied zu indischen Astronomen, die schon 600 Jahre vor Aristoteles von einer Welt ausgingen, die sich um die Sonne drehte, dann aber in ihrer Forschung empfindlich gestört wurden, weil Alexander ihren Kontinent umackerte, wie es eben ist, wenn der geistig Beschränktere auch der Stärkere ist.
Womit ich nur eines sagen will: Lasst die jüngeren Generationen in Ruhe, bemüht Euch um die Behebung Eurer eigenen Mängel, lasst den alten Ari im Grab und gehet hin in Frieden. The Kids Are Alright.



troll: hurra, wiki hats mir gesagt!!!
aber frater, ich bin ratlos wie zuvor…warum war mein post n trollpost? ich hab mich ehrlich bemüht, meiner begeisterung ausdruck zu verleihen, bin dem kirschmenschen nicht deppert gekommen und überhaupt fühl ich mich recht zuständig, wenns ums jugendbashng geht…
naja, die wege des herrn sind unergründlich und die lust am tippseln ungebrochen. vergelt dings;)
:D karotterl wuchern, da schaut die eselin nur so, hehe
und das mit zerstörten dingen und wiedergefundenen…
da fasziniert mich grad eine frau namens jamie sams…das wiederfinden findet sowas von aber auch statt…
und danke, dass nach so langen monaten endlich wieder das wort troll in zusammenhang mit dem karotterl auftaucht…
habs zwar noch immer net begriffen, was das ist, der sax oder der frater oder wer auch immer wirds mir schon zu gegebener zeit erklären….
herzlichst
;)
Sehr geehrter Frater,
kluger Kommentar, klar und präzise formuliert. Ihre Einschätzung antiker Philosophie teile ich. Blumenau kenne ich nur den Wikipedia-Eintrag (ich höre kein FM4, sondern meinem Alter gemäß Ö1). Generell möchte ich sagen, ich verstehe das Bestreben der Betreiber dieser Seite junge Menschen anzusprechen. Ich halte es aber für problematisch, wenn Leute wie Herr Sax, die offenbar der Generation meiner Eltern angehören, vorgeben den Zeitgeist zu verstehen und dennoch nur schnuppern. Auch behagt mir der Ton mancher Kommentatoren nicht (meinem Empfinden nach zu viele halbstarke Sprüche, auch die aggressive Wortwahl stört mich, ich bin überrascht, dass in Männerzeitschriften offenbar so unreflektiert mit gewalttätiger Sprache umgegangen wird. Ihre Kommentare finde ich in sofern interessant, als dass sie etwas sensibler sind und nicht mit der üblichen Überheblichkeit auf Menschen herunterschauen, die zu ihren spirituellen Bedürfnissen stehen. Außerdem gefällt mir, dass sie dann und wann auch auf die zum Teil verheerende Situation von Frauen in vielen Gegenden dieser Welt aufmerksam machen. Nur verstehe ich nicht, warum hier viele Kommentatoren mit einem Pseudonym schreiben. Mich würde schon interessieren, ob man den einen oder anderen Namen auch in einer österreichischen Printzeitung wiederfindet. Ich lese nämlich nach wie vor gern Printzeitungen. Ich finde das Lesen am Bildschirm beschwerlich.
Guten Abend
Sehr geehrte(r) Kirsch,
vielen Dank für die Zuwendung. Was Herrn Blumenau anbelangt, kann ich seinen Blog auch Ö1-Hörern sehr wohl empfehlen. Seine Sprache ist ohne Anzüglichkeiten, da ist ein puritanischer Geist am Werk, den einer wie ich immens erfrischend findet. Was Herrn Sax anbelangt, würde ich vorschlagen, ihm Ihre Gedanken doch direkt vorzubringen. Mir hat er beim Zustandekommen des Sonntagswortes auf zib21 jedenfalls immens geholfen. Man möchte fast behaupten, dass es ohne Sax hier auch keinen Frater gäbe. Beim Rest Ihrer werten Ausführungen, fürchte ich, stehe ich thematisch ein wenig im Abstellgleis. Ich weiß weder, warum Sie „Männerzeitschriften“ erwähnen, noch ist bei meinen (leider allzu seltenen) Unterhaltungen mit den zib21-Betreibern das Wort „Zeitgeist“ je gefallen. Guten Morgen, Ihr FG
Sehr geehrter Herr Frater Gladius,
mich hätte doch interessiert, ob man Kommentare von ihnen auch in österreichischen oder deutschen Printzeitungen findet (ohne Pseudonym). Mich interessiert das insofern, als ihr Sonntagswort mit viel Arbeit verbunden ist. Ich frage mich also: Warum tut sich das Herr Gladius an? Ohne Honorar wie ich glaube. Zu Herrn Sax und den übrigen Schreibern, fällt mir einfach auf: Es sind alles Männer und die Artikel wenden sich vor allem an Männer. Darüber hinaus wurde erwähnt, dass einige der Autoren derzeitige oder ehemalige Autoren eines österreichischen Männermagazines sind. Vielen der Artikel merkt man das auch an.
Schöne Woche wünscht
Kirsch
sehr geehrter herr kirsch,
ich finde es empörend zu behaupten, dass die themen hier auf zib 21 vorwiegend männliche leser ansprechen. soll das heißen, eine frau interessiert sich nicht für politik, gesellschaftliche veränderungen, sexualität, musik, medien…?
na, mahlzeit
haben Sie Dank, liebe dani, ich muss zugeben, ich habe buchstäblich gefühlt, wie der Sessel unter meinem Hintern ob der Wende vom Thematischen zum Persönlichen zusehends zu brennen begann. Und von der Warte des Hirten – der zu sein mir nun mal Pflicht ist – aus ist es eine Wohltat, ein unmissverständliches Zeichen zu empfangen, dass nicht nur Hammel in meine Nähe geraten. Ihr FG
Nicht die Auswahl der Themen spricht Männer an (Fussball, Autos, Porno, Pop, Sex und ein wenig Politik), sondern die Art und die Sprache in der sie abgehandelt werden. Ich wollte übrigens niemanden beleidigen, ich habe nur meinen Eindruck beschrieben.
Schönen Tag wünscht
Kirsch
ich verstehe, möchte aber doch noch einwenden, dass Miss Renee, deren Blog ich mit besorgtem – und zugegeben, von gruseligen Schauern begleitetem – Interesse lese, mir als 100%ige Frau erscheint. Ihr FG
Sie wissen aber schon, dass für die Dame Porno ein geschäft ist und sie dafür bezahlt wird zu sagen, was Männer sich in gewissen Stunden wünschen.
Sehr geehrte(r) Kirsch,
vielen Dank für Ihre Kritik(en). Ich nehme sie an Bord. Gestatten Sie mir aber eine kleine Anmerkung. Renee wird hier nicht bezahlt, sie ist auch nicht da, um zu sagen, was Männer gerne hören. Sie schreibt, sie hat Auseinandersetzung mit Sprache, sie thematisiert Sexualität aus einem hochinteressanten Blickwinkel, sie reflektiert – ihr Genre, ihre Befindlichkeit, ihr Sein. Sie investiert viel Zeit und Energie, sie ist großartige Gesellschaft, sie ist simply fabulous. Womit ich nur sagen wollte: Seien Sie doch so großzügig und reduzieren Sie Renee nicht ohne Schnuppern auf „Pornodame“.
Das ist alles. Und nichts für ungut. Herzlichst, Ihr Sax
Liebe(r) Kirsch,
Sie haben wohl Recht, wenn Sie sagen, dass Porno meine finanzielle Grundlage (gewesen!) ist. Würde ich für’s Bloggen bezahlt werden, wäre es auch gerechtfertigt, wenn man mir gewisse Themen vorgibt. Den Inhalt lasse ich mir aber keineswegs verbieten oder gar schönschreiben, weil die werte Leserschaft dieses oder jenes so nicht hören will. Ich schreibe hier, weil ich darf und schätze mich glücklich, keinen Maulkorb aufgesetzt zu bekommen. Glauben Sie was Sie wollen, aber behaupten Sie bitte nicht, zu wissen.
Danke.
Ergebenst,
Ihre Pornero
lieber frater!
kaum steck ich meinen grünschopf in die sonne, erfreut mich auch schon wieder ihre sonntagspredigt. wunderbar.
der zwang zum füllen diverser werbeträgerzwischenräume verführt offensichtlich zu allerlei unsinn. widersprach sich vor einigen jahren der schreiberling selbst noch höchstens im jahresabstand, hat sich auch dieses intervall verdichtet. was aber völlig wurscht ist. weil, ob der vergnügungssüchtige jungmensch sich zudröhnt und besäufnissen hingibt, oder – tage später – fad und gelangweilt der reality unserer “geizistgeil-community” hingibt und seiner bestimmung als konsumvieh nachkommt – der vorgeborene hat was zu meckern. fein.
ich freu mich hingerissen über ihre schlußfolgerung der negativ-verweigerung. so machts wohl die eselin, wenn sie dann doch ein klosterleben führt…hihihi.
aja. zum thema kugel oder nicht: der esel namens prediger hat dazu nettes von sich gegeben:
http://www.agenda2020.at/a20_phpbb/viewtopic.php?f=76&t=208
verbindlichst
Ihr
karotterl
da sind Sie ja wieder, karotterl, hat die eselin nach Verzehr nun doch einen Weg gefunden, Sie wieder auszuscheiden, auf dass der Blogwelt die süßen Trolle erhalten bleiben. So sei es denn. Immerhin, Ihr Link hat periphär mit dem Thema hier zu tun, zu Galileo wäre anzumerken, dass er zum Teil nur wiederfand, was weit über tausend Jahre zuvor anlässlich Konstantins radikalfundamentalen Christentums sinnlos zerstört wurde, weil wahr nur mehr sein durfte, was in der Bibel steht.
Und über diese, zugegeben nicht sonderlich windgeschützte Brücke – Galileo/Alexander (Kugel)/Aristoteles – finden wir wieder zu den Gedanken über Tugend & Jugend zurück. Ihr FG