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„Ja, Panik“, oder: die neue beste Platte zur Welt

Von | 25.09.2009, 7:12 | 7 Kommentare

Zuerst Angst. Dann Panik. Und dann geht’s los mit „The Angst And The Money“, dem musikalischen Manifest zur Gegenwart.

ja_panik_vorschau

ja_panik_2

Eigentlich reicht ja ein Satz: Diese Platte ist saugut. Oder ein zweiter: Sie stimmt von vorne bis hinten. Oder ein dritter: Sie muss sein. Aber weil die fünf Herren von Ja, Panik mit „The Angst And The Money“ ein so ein vielschichtiges Kunstwerk geschaffen haben, gehören die ersten Ideen dazu doch ein bisschen genauer geordnet.

Immerhin wird im Zusammenhang mit dieser Platte und dieser Band schon seit geraumer Zeit sehr viel „Hurra“ geschrien. Spex-Cover, Dylan-Erörterungen im Falter, Querverweis zu einer aktuelle Debatte, die Martin Blumenau losgetreten hat und auch auf ZiB21 reflektiert wird (hier und hier).

Und perfiderweise lösen diese Platte und diese Band all das ein, was geschrieben und erzählt wird. Ach was: Sie sind sogar noch viel origineller in ihrem Lifestream aus Assoziationen und Zitat-Fetzen, aus dem sich dann die elf Songs von „The Angst And The Money“ schälen.

Es klingt alles sehr großspurig hingeschissen, folgt aber wohl einem Masterplan. Denn immerhin steckt hinter „The Angst And The Money“ eine große Idee, die Thomas Schleicher im Video zu „Alles hin, hin, hin“ vor Beginn des eigentlichen Songs verliest.

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Auch hier könnte man diesen blassen Kerlen vorschnell Großkotzigkeit unterstellen, weil ihr verschwurbeltes Manifest weh tut und hart an der Grenze zur Persiflage entlang schrammt. Aber da täte man ihnen unrecht, denn sie lösen ein, was sie sagen: Sie wollen die Welt nicht mehr so wie sie ist. Sie scheißen auf sie, auf ihre Langeweile und ihr absurdes, dem Geldverdienen und Geldausgeben gründendes Regelwerk. Sie bringen das Unbehagen auf den Punkt, das einen hier (also in Österreich) und da (also im Rest der Welt) dieser Tage immer wieder befällt. Das österreichische Idiom, das der Sänger Andreas Spechtl auch bei den vielen englischen Songzeilen nicht verbirgt, kommt ihnen dabei sogar noch entgegen. Es bringt nämlich den Grant über die Verhältnisse und das Leben noch viel schöner auf den Punkt als das polierte Hochdeutsch von Jochen Distelmeyer, der auch gerade eine neue Platte veröffentlicht hat, und in dessen Nähe die Rezensenten die Mashup-Poesie von Ja, Panik daher gerne rücken.

Kann schon stimmen, aber diese Band ist besser und näher dran. Diese Band verkörpert all das, was der angeblich so verödeten Generation 20-29 fehlt – und das nicht nur wegen des gerade so passenden Alters ihrer Mitglieder: die Wut über bestehende Verhältnisse, das Fordern neuer, das schillernde Scheitern an den eigenen Ansprüchen.

Dem kann man sich nur mit hemmungslosem Glück anschließen. Wer das nicht spürt, ist hoffnungslos verloren.

Und damit Ende der Euphorie. Ich muss jetzt arbeiten gehen und Geld verdienen.

7 Kommentare »

  • shiraz sagt:

    angst bekämpfen. und kämpfen! das bleibt für mich.

    ps an den autor: blumfeld war auch mal so gut, aber das war in den frühen 90ern die „diktatur der angepassten“ oder „mein vorgehen in 4,5 sätzen“, auch bekannt unter „support your local schmerz“ (gekürzte fassung):

    I killed nature with a groove
    als ich mich gestern aus ihr sprengte
    mit einem grellen blinden Fleck
    den Blick an den für ihn bestimmte Stelle lenkte
    die ihm als wasserstoffgebleichtes Haar
    als lichter Punkt entgegensieht
    und wie ein Star aus dem Rahmen fällt
    ein Blitz der sich entzieht nach vorn raus
    und von der Bildfläche verschwindet.
    Nur ein Bruchteil aus Aktion
    bin ich ein Bild, auf das ich blicke
    mir von mir mache, und in das ich mich selbst schicke
    in die Versenkung und erhebe mich durch sie
    meine Welt aus ihren Angeln
    so gärt alles aus den Fugen in Bewegung

    Rock’n’Roll hat meinem Leben
    einen neuen Sinn gegeben
    den Faden wieder aufzunehmen
    drehte ich mich nach allen Seiten
    wie auf’s äußerste gedichtet, etwas herauszukriegen wäre
    diesseits beschriebener Kreise; Reifen, Schleifen, Ringe
    die sich zu Klängen aus dem Walkman, den Signalen
    von Himmelskörper hin zu Muttermal bewegten
    sich so zur Windung zur Spirale verdrehten
    zum Gesichtspunkt der Geschichte
    an dem ich twiste, wo ich swinge
    den Punkt nicht knacke, wie eine Feder von ihm springe.

    In der Tat, too sexy for the Führerbunker
    ich hab‘ da gestern wieder ein Problem gehabt
    sich selbst im Schönen im Unendlichen heilen
    das ist der wahnsinnige Akt meiner Revolte
    wer jetzt allein ist, wird es bleiben
    schießt’s mir wie eine Kugel durch den Kopf
    traurig genug (?), das war ihr Leben
    ring ich nach Worten, als wär’s Luft

    Superstarfighter Schmetterling
    ohne Angst, nichts zu verschleiern
    was Liebe nicht zustande bringt
    das schafft die Dummheit
    das ist der Satz, bei dem ich bleibe
    wie ein Zuhause werde ich damit nicht fertig
    (ein abschreckendes Beispiel der Beschwörung folgt der Trauer)
    als wär‘ ich darauf eingestellt
    kreise ich weiter unter Lichtzwang um den Tower
    and if my thought dreams could be seen
    they probably put my head into an Ich-machine

    • eselin sagt:

      einfach nur geil!!!
      die frage ist nur:
      ichmaschine
      oder
      ICHmaschine…

  • Mondial sagt:

    Dem kann man sich nur mit hemmungslosem Glück anschließen. Wer das nicht spürt, ist hoffnungslos verloren.

    Bin ich nun hoffnungslos verloren? Müsste ich sein! Bin ich aber, denk ich, nicht!

  • @nic_ko sagt:

    Grad vorhin in der Musikabteilung vom Müller (ja, ich weiß, Fachhandel ist gscheiter, ich sollte die CDs nicht dort kaufen, wo ich das Katzenfutter kauf – aber grad deshalb wär’s ja so praktisch…)

    ich: „Wo finde ich Ja, Panik?“
    er: „Was ist das?“
    ich: „Eine österreichische Band“
    er: „Wir werden aus Deutschlans beliefert. Sowas hamma nicht.“
    ich: „Ihr habt keine österreichische Musik?????“
    er: „Nur bei Spezialbestellungen“
    ich: „Na dann empfehle ich ein paar spezial-zu-bestellen. Da fragen sicher noch mehr Kunden danach. Waren immerhin grad am Falter-Cover.“
    er: „Das sagt mir nix“
    ich: „Falter? Wiener Stadtzeitung, wöchentlich?“
    er: „Kenn ich nicht“

    ich hab dann halt mein Katzenfutter genommen und bin gegangen…

    • eselin sagt:

      iaaaaaaaaahhh! you made my day..
      diese umwerfende alltags (alt-tags?)komik…

  • […] This post was mentioned on Twitter by zeitimblog21 and Michel Reimon. Michel Reimon said: RT @Groebchen @zeitimblog21 „Ja, Panik“ oder: die neue beste Platte zur Welt (oder: her mit mehr heiligem Kritikerfeuer) http://bit.ly/LCcR3 […]

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