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Renee PorneroRenee Unplugged 14. Auf der Pornomesse

Von Renee Pornero | 17.09.2009, 11:04 | 5 KommentareShare/Save

Renee by Reismann

Renee by Reismann

Wenn andere die Oktoberfeste feiern, macht unsereins auf Erotikmessen eine super Figur.

Ich nehm mein Abendmahl zu mir, da hüstelt mein Couch-Genosse und murmelt: „Hey, das bist doch Du!“ Ich schaue hoch und tatsächlich – das bin doch wieder mal ich im TV-Kastl. Adrett gekleidet, mit brav hochgestecktem Haar und einem überzeugenden, bemüht lasziven Grinser über’s Gesicht überreiche ich dem Dolly Buster-Produkt „Sachsen Paule“ seinen Porno Award.

Einen „Blast from the Past“ nennen die Amis sowas. Venusmesse Berlin im Jahre 2001. Nun grinse ich in Echtzeit. Der Auftakt meiner Pornolaufbahn läuft soeben live über den Bildschirm. Die Melancholie überkommt mich wie ein Tsunami und ich denke gerührt zurück. Gute alte Zeiten. Damals war es für mich ein High, mit Harry S. Morgan gemeinsam shoppen zu gehen und ein professionelles MakeUp zu bekommen, um am Abend auf der Bühne der Venus Awards zu glänzen. Ich hatte keinen Tau, wie das Business läuft, wer hier was zu sagen hat und was ich hier mache. Videorama hatte mich zur Messe eingeladen. Ich sollte mich als Newcomerin dem Publikum zeigen, in einem Glaskäfig mit Conny Dachs rummachen und brav Interviews geben. Dabei hatte ich noch keinen Film gedreht und niemand konnte wirklich sagen, ob ich es jemals tun würde. Damals verstanden es Pornolabels noch, die Werbetrommel zu rühren. Sie scheuten nicht einmal davor zurück, das Budget extra zu strapazieren, um einen No Name wie mich einzufliegen und zu verköstigen – und letztlich natürlich auch zu vernaschen.

Die Branchensitten bei derlei Events waren etwas gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Manieren der Hengste. Die sind in der Regel schwanzgesteuerte Deppen. Gerade auf Messen kommen sie auf einen zu, als wär man mit einander aufgewachsen und greifen einem an Mumu und Möpse, als wären sie alte Bekannte. Heute weiß ich, dass sie das nur machen, um der Umwelt zu signalisieren, dass sie Superhengste sind und daher im Besitz eines einschlägigen „Boarding Passes“. Aber damals war ich zunächst, nun, ein wenig übermannt.

Ja, ich war fürchterlich naiv. TV-Reportagen und Berichte in Tageszeitungen, in denen mein echter Name zur Schlagzeile wurde, zeugen davon. Meine Einstellung zum Porno wurde als Skandal gehandelt, die Lieben zuhause erlitten einen Schock. Verständlicherweise. Das Fettnäpfchen, in welches ich mit meinen unüberlegten Aussagen getreten war, war zeitgleich auch eine Schocktherapie für mich selbst. Plötzlich spielte es bei mir Red Light Hamlet. Porno oder nicht Porno, das war die Frage. Immerhin war ich klug genug, um zu erkennen, dass mich diese Entscheidung mein Leben als normaler Mensch kosten würde. Angesichts der vergangenen Nine-to-Five-Jobs überlegte ich nicht lange, packte die Gelegenheit beim Schopf und sah zu, dass die Skandal-PR nicht vergeblich war.

Memory Berlin 2001. Schnuckelig, nicht? Und ich seh auch ganz gut aus, oder?

Memory Berlin 2001. Schnuckelig, nicht? Und ich seh auch ganz gut aus, oder?

Renee Pornero war geboren. Zwar nicht von heute auf morgen, doch schon ein Jahr später unterschrieb ich Poster und Autogrammkarten mit diesem anfangs von Brancheninternen belächelten Namen. Abends präsentierte ich Awards („And the winner is …“) und feierte mit den anderen Partys und war mit den anderen gerührt, wenn da ein Larry Flynt im Rollstuhl auf die Bühne kam und seine Standing Ovation genoss. Hat er sich verdient, der Alte, immerhin hat er auf Teufel-komm-raus für die Pornografie gekämpft, soll heißen gegen die Doppelmoral unserer Welt. Als mich sein „Hustler“ später mal für eine Fotostrecke kontaktierte,  war es mir eine Ehre.

Drei Jahre lang war ich auf den Messen neben Stars wie Tyra Misoux eines der Zugpferde von Magmafilm, ohne je exklusiv an das deutsche Label gebunden zu sein. Und das war auch gut so. Ich hatte die deutschlandweite Promotion, konnte aber auch die Porno-Welt abseits der deutschen Grenzen ins Visier nehmen.

Öffentlichkeitsarbeit war absolut mein Ding. Fotos mit den Fans, Karten, Shirts und Ärsche signieren und last but not least, Shows zum Besten geben. Auf der Bühne war ich stets in meinem Element und Manson und Prodigy meine ständigen Begleiter, wenn ich die Menge durch den Einsatz von Spielzeug und Wasserflaschen zum Toben brachte. Apathisch standen sie vor mir mit ihren Knips-Apparaten und fokussierten auf meine Mumu, als ob es nichts Spannenderes gäbe. Ich genoss die Blicke und erfreute mich daran, ihre Einhändervorlage zu sein. Ich fand es auch nicht schlimm, wenn jemand mal nicht wusste, wer ich war und schlichtweg meinen Arsch bewunderte. Das konnte ich verstehen, ist ja ein toller Arsch. Ich machte die Männerwelt verrückt, das reichte mir zum glücklichen Sein.

Die vergangenen beiden Jahre war ich nur noch als Regisseurin auf den Messen. Enttäuscht verließen die Fans das Autogrammpult, nachdem ich ihnen mitteilte, dass ich keine Shows machen würde. Mit Dackelblick zogen sie von dannen und trösteten sich alsogleich mit einer anderen Grazie, die gerade gekonnt ihre Hüften zu einer fetzigen R’n’B Scheibe schwang. Ich fühlte mich zu alt für dieses Spektakel, so leid es mir tat.

Dieses Jahr halte ich mich das erste Mal nach 8-jähriger Präsenz unter dem Berliner Funkturm von der Venus Messe fern. Es lohnt sich einfach nicht, wie schon in den vergangenen Jahren. Geschäftlich ist nichts zu holen, was in mein Interessens-Spektrum fällt, einzig die Parties – (die ein Kapitel für sich sind) – werden mir ganz schön abgehen.

Stattdessen nutze ich die Gelegenheit, dem Pornfilmfestival einen Besuch abzustatten. Nicht ganz ohne Grund, denn die Organisatoren haben sich dazu entschlossen, mein Baby „Little Josefine“ ins Programm zu nehmen. Das PFF Berlin widmet sich der Thematik von einer ganz anderen Seite. Hier wird der Porno endlich wieder als erotisches Artefakt gewertet. Damit liegen sie hundertprozentig auf meiner Wellenlänge. Ästhetik, Emotionen und experimentelles Schaffen. Kann gut sein, dass ich nach diesem Berlin-Trip motiviert bin, die Zügel wieder in die Hand zu nehmen. Frei nach dem Motto: Kommerz ade, es lebe die Kunst. Und vielleicht bin ich dann auch wieder als adrette Erscheinung im Fernsehen zu bewundern. Als aufgeklärte Frau, die nach einer Porno-Odyssee endlich DEN Film unters Volk bringt, auf den die Menschheit gewartet hat.

PS: Nicht weniger empfehlenswert das 1. Pornfilmfestival in Zürich, welches 36 Klassiker des Pornofilmes auf die Leinwand bringt.

http://www.pornfilmfestival.ch/

http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pff/

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5 Kommentare »

  • Astrid sagt:

    Hi, Liebe!!
    Es ist wie immer, echt spannend, in Deinen Artikeln zu stöbern, und ich hab mich diesmal echt besonders gefreut, da ich durchaus gerne mal PORNO zum Anschauen mag, und nicht immer nur (ausschließlich) zum anheizen. Bussi für Dich

  • TrueTigger sagt:

    Einmal vor Jahren – war noch vor Deinem ersten Auftritt dort – hab ich mal eine solche Messe in Berlin besucht. Vor jedem Messestand, der mehr nackte Haut als die üblichen lecker-knapp bekleideten Mädels bot, klumpten sich die Trenchcoat-Hobbyfotographen, um möglichst alle Details einzufangen.

    Wer als Besucher auf eine Sex-Messe geht hat eh nur eines im Kopf, da will ich mich nicht ausnehmen. Aber was bringt es, als Teil einer anonymen Masse auf all die Körperteile zu starren, die normalerweise den Blicken verborgen sind? Jedenfalls hatte die Messe den Charakter eines schmuddligen Sexshops. Ich fühlte mich dort sehr unwohl, und mir ist ein Rätsel, wie Du es dort all die Jahre ausgehalten hast. Aber Menschen sind nun mal verschieden :)

    Klar, am Ende geht es nur um das Geld mit der Befriedigung tiefer, eher primitiver Gelüste. Deshalb glaub ich auch nicht, dass ein Kunst-Porno je Gonzo-Streifen den Rang abnehmen wird, denn Kunst ist zum Geniessen, da muss man sich drauf einlassen, da kann man nicht einfach den Player an einer Zufallsstelle anwerfen und sich anregen lassen.

  • AnjinSan sagt:

    mmmhmm, man(n) sollte ein Strike-Tag nicht mit schliessen.
    so sorry.

  • AnjinSan sagt:

    Liebste Rennee,es war sehr erfrischend Ihren Beitrag zu lesen und Ihre ” neue ” Sicht der Dinge zu lesen. Erfreulich auch, dass Sie nun wieder die Dinge im Namen der Kunst in die Hand nehmen, also die Zügel. Mit den offentsichlichen Umschwung in der Produktion von Kommerz zu Kunst werden hoffetlich endlich Filme mit mehr Nivea Niveau ins Programmkino und in die üblichen, weil einschlägigen Verkaufsstätten landen.
    mit Blick auf eine “rosigere” Zukunft
    AnjinSan

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