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Sex für Fortgeschrittene 04. Girl, geröstet.

Von | 10.09.2009, 14:27 | Kein Kommentar

Sexualbräuche der Naturvölker des 21. Jahrhunderts oder: Wenn dem ProloKicker zu heiß wird, geht er grillen.

Roasting by Tim Möller-Kaya

Roasting by Tim Möller-Kaya

Zunächst die Zutaten: Man nehme einen redegewandten Mann fürs Grobe, zumindest zwei junge Celebrities der Kategorie C oder drunter, das wären also solche mit einer gewichtigeren Kreditkarte in der Tasche als aktiven Zellen zwischen den Schläfen. Haupt-Ingredienz ist ein vollmundiges Girl aus der intellektuellen Vorstadt, mit saftigen Lenden und hausbackenen Träumen von der glitzernden Welt. Die geraten alle in die Pfanne, sprich: in das Doppelbett der Einsersuite eines Nobelhotels in der City oder der Absteige eines der Celebs, so derjenige Single ist und in der Nähe haust.

Das Rezept dazu ist simpel, wenn auch nur trottelsicher. Der Mann fürs Grobe, ein sogenannter „Fixer“, selektiert in einer Promi-Disco das „richtige“ Girl (wenig Fett, viel Holz vor der Hütte, Bambiaugen, Mini, High-heels, Billigschminke, das Übliche) und brät sie dezent an. Dann wird ihr die „einmalige Chance“ offeriert, zu einer tollen Promiparty zu gehen, wozu sie nicht nein sagen kann, wie auch, passiert ja nicht alle Tage und ist eh sonst so fad. Also gehen der Fixer, die mindestens zwei C-Celebs und das Girl Richtung Location, wo sie auch gleich mit allerlei Substanzen (Alkohol, Kolumbianischer Zucker, Jamaikanische Kräuter) mariniert und daraufhin am Bett angerichtet wird. Worauf der Fixer verschwindet und die mindestens zwei (und nach bisheriger Legende maximal sieben) Celebs sich an den verschiedenen Öffnungen des mittler Weile nackten Girls platzieren. Der Rest passiert selbstverständlich alles andere als reibungslos.

Und fertig ist das geröstete Girl.

Tatsächlich hat dieser bizarre Leckerbissen in der englischen Billigprominische als „roasting“ einen passend unsinnlichen und solide in den Sexualgebräuchen des 21. Jahrhunderts verankerten Namen. Und man kann über das Niveau der Nummer streiten, aber wenn diese Variante eines Gangbangs unter Zustimmung aller Beteiligten läuft, erübrigen sich die Debatten. Allerdings passierte vergangene Woche im spätsommerlichen London erneut eines jener „Malheurs“, die im Dunstkreis des „Roastings“ zwangsweise vorkommen: Das „geröstete“ 19jährige Girl lief zur Polizei und schrie „Vergewaltigung“. Und die Polizei klopfte vergangenen Samstag um sieben Uhr früh an die Tür des Hauses von C-Promi Jack Tweed und verhaftete ihn sowie den ebenfalls noch dort rumtorkelnden ehemaligen Boybandsänger Ashley Rubin (5Boyz). Der Fixer, ein 25jähriger Grundstückspekulant, wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Jack Tweed. Fans von Realityshows könnte der Name auch hier zu Lande bekannt sein. Tweed ist der Witwer des im März verschiedenen Big Brother-Stars Jade Goody, jener tragischen Figur, deren Celebrity-BB-Eklat mit der indischen Schauspielerin Shilpa Shetty um die Welt ging (ZiB21 berichtete hier und auch hier). Als Boyfriend von Goody war Tweed (heute 22) bei jener BB-Ausgabe mit von der Partie und hatte damals den Shetty-Skandal angezettelt, indem er anlässlich eines „Master & Servant“-Spieles von der aparten Inderin verlangte, mit den Zähnen Objekte aus einer Klomuschel zu ziehen. Ein rundum appetitlicher Kerl also, dem seither der Ruf des Dumpfgummis treu blieb wie die Motten dem Licht, der aber auch kraft der von Goody geerbten Millionen mit beträchtlicher Aufriss-Power gesegnet ist. Sein Prozess soll am 21. September beginnen.

Aber zurück zum Roasting. Es ist symptomatisch, dass es bei derlei sexuellen Ausritten immer Männer in den frühen Zwanzigern sind, die letztlich beim Kadi landen. Männer ohne Eigenschaften wie Tweed, der dafür berühmt ist, berühmt zu sein. Notorische Anwärter auch frühreife Fußballprofis der Insel, deren Talent einem hochkarätigen Verein zwar fünfstellige Eurosummen pro Woche wert sind, nicht aber die Vermittlung eines Minimums an Erziehung, wie ein Athlet mit der körpereigenen Überdosis Testosteron – Treibstoff im Sex wie im Sport – fertig wird, wenn das Abenteuer Fußball Pause macht. Von sexueller Erziehung – dem Schaffen des notwendigen Respekts sowohl vor dem anderen Geschlecht als auch vor dem Tun – kann ohnehin keine Rede sein. Wer flüstert solchen hormongepeitschten sexuellen Analphabeten, wo der Sex aufhört und die pure Demütigung beginnt?

Tatsächlich waren es sieben Jungprofis des Fußballklubs Newcastle United, die den Begriff „Roasting“ im September 03 anlässlich eines handfesten Skandals solide als Phänomen dieses jungen Jahrhunderts verankerten. Der Fall Tweed belegt, dass der einschlägige Markt dafür expandiert. Freakshows machen Freaks zu Promis. Zum Freaksex braucht es da nur noch ein Bett.

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