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Renee PorneroRenee Unplugged 13. Safer Sex am Badeteich oder: der LAP, die Sexpertin und das Pornomensch.

Von Renee Pornero | 03.09.2009, 8:00 | 2 KommentareShare/Save
Renee by Reismann

Renee by Reismann

Das war er also, der Sommer der Rezession. Und jetzt ist er meier und zurück bleiben ein paar simple Fakten.

Erstens: So ein Sommer spendiert dir verdammt viel Zeit. Zweitens: Mit Lover horizontal am Badeteich verbracht, vergeht sie trotzdem viel zu schnell. Drittens: Die Cosmo hat Antwort auf alle Fragen. Jedenfalls auf alle Fragen, die sich erwachsene Weibsbilder eben so stellen. So steht es am Cover.

Die mit Abstand meisten Fragen passieren in einer Kategorie, die „Liebe & Leben” heißt. Dort werden Themen behandelt wie „Warum ruft er nicht mehr an?”, „Warum sich Frauen immer öfter in beide Geschlechter verlieben” oder „Schatz, wir müssen NICHT reden”. Großartig. Ich lese sie gern, diese Frauenzeitschriften. Am liebsten horizontal am Badeteich, mit dem Bauch des Lovers als Kopfkissen.

Gestern lag ein Belegexemplar der aktuellen Cosmopolitan in meinem Briefkasten. Die Herren und Damen Redakteure fanden es nämlich witzig, dass es Pornomenschen wie mich jetzt als Comicfiguren gibt. Mit dem Untertitel „Die neuen Pornos im Internet und Kino sind jetzt freiwillig komisch” ziert meine süße Kollegin Jasmine Rouge als Kätzchen die Seite 52. Das Übliche. Journalisten belächeln uns gern, aber so what, wir sind das gewöhnt.

Da liege ich also, über mir die Sonne, unter mir der Bauch des Lovers und ich blättere im Cosmo und stoße auf ein Bild, das mir ein klein wenig Kribbeln in der Lendengegend beschert. Ansehnliche, schwitzende Körper, sie auf ihm, ein gar nicht inszeniert wirkender Kuss. Daneben – jetzt wird es fast spannend – die Zeilen: „Wie dirty MUSS Sex sein? 50 Fragen, die man weder dem Partner noch der besten Freundin zu stellen wagt“. – Wow. Und diese Fragen werden nicht nur gestellt sondern auch beantwortet. Von Sexperten selbstverständlich, das sind diese netten Theoretiker, die mangels Praxis alles psychologisch erklären. Und weil sie es Frauen erklären, wird alles noch dazu verniedlicht. Die Frau ist sowieso für nix verantwortlich und alles, was sie tut oder unterlässt, ist das Richtige. Sie entscheidet, was guter Sex ist. Und da hätten wir schon ein Problem: Woher soll sie wissen, was ihr gut tun könnte? Die schönen ekligen und verpönten Sachen, die uns so kribblig machen, kommen ja für sie von vornherein nicht in Frage.

Da liege ich mit meinem Lover, und der ist nicht nur mein Kissen sondern auch mein LAP. Wie es eben ist. Wenn du ein Leben hast, das sich in einem Abschnitt befindet, in welchem du einen Partner hast – dann hast du auch einen LebensAbschnittsPartner oder LAP. Nettes Wort, oder? Und ich liege am LAP und lese die Fragen laut,  wohl wissend, dass seine Antwort in aller Wahrscheinlichkeit nichts mit der meinen und schon gar nichts mit der Antwort der Sexpertin am Hut haben wird, und eine Frage lautet „sind Blowjobs okay, wenn ich nicht schlucken will?”.

Sagt der LAP: „Schlucken ist ein Liebesbeweis”.

Sage ich: „Richtig. Vor allem, wenn Du Bier trinkst. Wahr ist aber auch, dass ich mir mit Schlucken die Wischerei erspar”.

Schreibt die Sexpertin: „Dann nehmen Sie ihn kurz vor Ende in die Hand. Denn am Schlucken lieben Männer vor allem eins: die bis zuletzt anhaltende Reibung.”

Der LAP: „Schwachsinn”.

Darauf ich: „Und ich habe mich schon gefragt, wieso Du ihn vorher nie rausziehst und die ganze Ladung mittels heftigster Rubbelei auf mir verteilst”.

Der LAP: „Das machen die ja nur beim Porno, weil sie anders nicht kommen können”.

Ja, es gibt tatsächlich Sachen im Porno, die er zu wissen glaubt. Und in meiner Lage könnte man nun zu einer gröberen Erhellung seines Wissens antreten. Oder man könnte zur nächsten Frage schreiten. Also zur nächsten Frage: „Mein Freund mag es, wenn ich ihm `auf Missionar´ die Beine auf seine Schultern lege. Ich finde die Stellung einfach nur unbequem.”-

Die Sexpertin, no na: „Außer Pornodarstellerinnen und Zirkusakrobatinnen würde keine Frau von sich auf die Idee kommen, diese Position einzunehmen.” -

Sag ich: „Blöd, diese Frauen. Sie wissen nicht, was sie verpassen. Eine Frechheit obendrauf, alle Frauen als langweilige Fickmatratzen zu degradieren. Sex darf ruhig unbequem sein.” -

Erwidert der LAP beschwichtigend: „Ich mach’s sicher nicht deswegen, weil Du im Porno auch so gevögelt wurdest”.-

Sag ich: „Die Stellung ist auch nur für die Kamera gut, auf diese Art fickst du nämlich ins Leere. Ein Bein runter und ich hab auch was davon.”-

„Ach so?” Der LAP blickt mich verwundert an. Kein Zweifel, dieses Thema hat er  ab sofort unter „to be continued” vermerkt.

Jetzt wird es aber unbequem, hervorgehoben steht die Frage: „Beim Sex wird er weich. Was mache ich bloß falsch?” Herrje, die Frage stelle ich ihm gar nicht. Die klassische Antwort „Es liegt nicht an Dir” kenne ich und ich kann darauf verzichten. Tatsächlich sexen dieser Tage bedenklich viele Männer halbsteif durch die Gegend (erzählen mir Freundinnen). Aber bitte, auch die Sexpertin meint, die Girls zu den Halbsteifen machen „vermutlich nichts falsch”. Vermutlich also. Hier lässt sie wenigstens noch einen Spalt für Eventualitäten offen. Zum Beispiel dass die Frau wie versteinert im Bett liegt, gegen die Decke starrt und keinen Mucks von sich gibt. Das wäre doch ein plausibler Grund für verlorene Manneskraft, oder?

Aber halt! Gesetzt den Fall, ich bin unglaublich nass weil rattenscharf, wiege mein Becken rhythmisch in seinem Takt und schreie meinen Zustand raus, dass die Wände wackeln. Warum zur Hölle gibt es Männer, denen er trotzdem flöten geht? Da hilft nur Trick 17, sagt der Profi in mir: Nicht darüber nachdenken oder gar dadurch das Selbstbewusstsein ankratzen lassen. Lieber hinnehmen und das gute Stück mit ein paar gekonnten Auf-und-ab-Rochaden wieder in Form bringen. Merke: Es liegt auch an ihr, wenn sie ihm nach theatralischem Seufzer den Rücken zuwendet und die Teilnahme am Wiederaufbau verweigert. Deutlicher kann sie ihren mangelnden Enthusiasmus nicht demonstrieren. Fraglich, ob er dann überhaupt nochmal zur vollen Größe zurückfindet. Wahrscheinlich nicht bei ihr, möchte ich da gleich einwerfen. Aber bitte, möge sie doch die Sexpertin von Cosmo kontaktieren. Die hat Antworten auf alle Fragen, die erwachsene Frauen eben so stellen, an langen Altweibersommertagen, die dennoch viel zu schnell vergehen.

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2 Kommentare »

  • Liebster Tigger,

    ein solch ungezwungenes Quiz ist gerade das, was einander näher bringen kann. Stets im Dunkeln zu tappen, was im Kopf des begehrten LAP abgeht, macht selbigen vielleicht interessant, es ist aber bequemer zu wissen, was zu vermeiden wäre oder wo man weiterfühlen darf. Natürlich kann es dabei auch zu unerwarteten Erkenntnissen kommen, die einen kurzzeitig schockgefrieren. Mit Offenheit lebt es sich aber im Allgemeinen leichter und es kommen später keine Überraschungsmomenten à la “Was, Du stehst gar nicht darauf, geleckt zu werden? Wieso hast Du das nicht früher gesagt?” Was Anfangs noch aus Liebe geschieht mag am Ende zur Qual werden.
    Einfacher ist ein solches “Ich will rausfinden”-Gespräch, wenn man z.B. eine Frau Pornero hernimmt und sagt: “Du, die macht da voll die argen Sachen. Arg, oder?” Vielleicht sagt sie dann aber: “Naja, das und das hätt ich schon gern probiert.” Tataaaaa!

  • truetigger sagt:

    Welcome back nach der Sommerpause, Miss P. Und LAP: Herzlich willkommen in der ZIB21! :)

    Was Sexperten angeht, kann man abwechselnd grinsen und staunen. Grinsen, wenn man sich manche Rubriken anschaut, in denen eben solche klassisch-besserwisserischen Antworten wie die von Dir zitierten gegeben werden (“liegt VERMUTLICH nicht an Ihnen” ist so etwa wie “Regenwahrscheinlichkeit: 52%”), Staunen bei manchen Fragen, die heutzutage gestellt werden und die zeigen, wie schüchtern man selbst ja bei vielen Dingen noch ist.

    Falls es Deine Intention war, dass man jetzt das Bild von Dir am See nicht mehr aus dem Kopf bekommt – gratuliere, hat funktioniert. :) Wobei ich den Herrn(?) LAP nicht beneide, denn ICH könnt mit Deiner offenen, direkten Art sicher nicht umgehen, mein Kopf wird ja schon beim Lesen rot *zugeb*.

    Geniess die letzten Sommerausläufer. Und wenn die Zeit am See erst einmal vorbei ist, wartet nächstes Jahr der Sommer NACH der Rezession auf Dich, der Sommer der neuen, spannenden Projekte.

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