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Was soll das?

Von | 19.01.2007, 14:28 | 5 Kommentare

Herbert Grönemeyer hat wieder einen Hit im Radio. Das ist gut für ihn. Und schlecht für mich. Denn in diesem „Lied eins – Stück vom Himmel“ treibt er es endgültig zu weit. So was von einer Metaphernsackgasse, so was von Bedeutungsschwulst hinter jeder Platitüde – und so was von Kartenhaus, wenn man folgende Zeilen (gefunden […]

Herbert Grönemeyer hat wieder einen Hit im Radio. Das ist gut für ihn. Und schlecht für mich. Denn in diesem „Lied eins – Stück vom Himmel“ treibt er es endgültig zu weit. So was von einer Metaphernsackgasse, so was von Bedeutungsschwulst hinter jeder Platitüde – und so was von Kartenhaus, wenn man folgende Zeilen (gefunden hier) einmal nicht nur hört, um sich zu ärgern, sondern liest, um sie auch glauben zu können:

„Warum in seinem Namen?
Wir heißen selber auch.
Wann stehen wir für unsre Dramen?
Er wird viel zu oft gebraucht.
Alles unendlich, unendlich.

Welche Armee ist heilig?
Du glaubst nicht besser als ich!
Bibel ist nicht zum einigeln,
die Erde ist unsere Pflicht!
Sie ist freundlich, freundlich –
wir eher nicht.

Ein Stück vom Himmel,
ein Platz von Gott,
ein Stuhl im Orbit,
wir sitzen alle in einem Boot!
Hier ist dein Haus,
hier ist was zählt.
Du bist überdacht
von einer grandiosen Welt.

Religionen sind zu schonen,
sie sind für Moral gemacht.
Da ist nicht eine hehre Lehre,
kein Gott hat klüger gedacht,
ist im Vorteil, im Vorteil.

Welches Ideal heiligt die Mittel?
Wer löscht jetzt den Brand?
Legionen von Kreuzrittern
haben sich blindwütig verrannt.
Alles unendlich, warum unendlich?
Krude Zeit.

Ein Stück vom Himmel
ein Platz von Gott,
ein Stuhl im Orbit.
Wir sitzen alle in einem Boot.
Hier ist dein Heim,
dies ist dein Ziel.
Du bist ein Unikat,
das sein eigenes Orakel spielt.
Es wird zu viel geglaubt,
zu wenig erzählt.

Es sind Geschichten,
sie einen diese Welt.
Nöte, Legenden, Schicksale, Leben und Tod,
glückliche Enden, Lust und Trost.

Ein Stück vom Himmel
der Platz von Gott.
Es gibt Milliarden Farben,
und jede ist ein eigenes Rot.
Hier ist dein Heim,
dies unsere Zeit.
Wir machen vieles richtig,
doch wir machen’s uns nicht leicht
Dies ist mein Haus,
dies ist mein Ziel.

Wer nichts beweist,
der beweist schon verdammt viel.

Es gibt keinen Feind, es gibt keinen Sieg.
Nichts kann niemand alleine,
keiner hat sein Leben verdient.
Es gibt genug für alle,
es gibt viel schnelles Geld,
wir haben raue Mengen,
und wir teilen diese Welt,
und wir stehen in der Pflicht.

Die Erde ist freundlich,
warum wir eigentlich nicht?
Sie ist freundlich,
warum wir eigentlich nicht?“

Was das soll? Ich will es gar nicht mehr wissen, so brummt mir jetzt der Kopf davon. Erfreulich nur, dass es mir nicht alleine so geht, sondern einem tapferen Feuilletonisten der FAZ ganz ähnlich.

5 Kommentare »

  • anh sagt:

    Grönemeyer ist toll. Und echte Männer – ich meine: ganz echte Männer, solche, die noch Mammuts töten können – geben das auch freimütig zu.

    Denn wer sagt denn bitte, dass Metaphernsackgassen böseböse sind? Muss eine Metapher immer eine Durchzugsstraße sein. Rein ins Ohr – am Hirn vorbeiziehen – raus aus dem Ohr. Da bin ich dagegen.

    Und Platitüden. Sind das nicht Bilder, die einmal gut waren und einfach zu oft gebraucht wurden? An denen man sich aber anhalten kann, gerade deswegen.

    Und dann Bedeutungsschwulst. Jaja, Weinen bei Filmen, Lachen, wenn es nicht passt. Bedrückt sein und Bewunderung ausdrücken… Ich sage ja: Echte Männer leiden da mit.

  • Max sagt:

    „So was von einer Metaphernsackgasse, so was von Bedeutungsschwulst hinter jeder Platitüde – und so was von Kartenhaus“

    Also ich finde diesen Song gar nicht so schlecht. Eher gehaltvoll. Er thematisiert Gott und die gelegentlich auch schlechten Konsequenzen eines falsch verstandenen Gottesglaubens. Damit spielt er zwar verschiedene Karten aus; – behandelt verschiedenste Aspekte dichtgedrängt. Aber mit gefällt das (auch mal alternierend zu Xavier Naidoo) sehr. Aber: de gustibus non est disputandum.

  • Eberhard Lauth sagt:

    Das stimmt nur bedingt: Denn erstens legt Grönemeyer besonderen Wert auf die Poesie und Bedeutung seiner Texte. Und zweitens gelten für deutsch gesungene Popsongs seit jeher andere inhaltliche und formale Messlatten als für englische. Hat wohl damit zu tun, dass im angloamerikanischen Raum die Trennung Pop/Schlager nicht in dieser strikten Form existiert, was vieles erleichtert – und hier vieles erschwert. Denn wer trotzdem wagt, deutsche Songtexte so simpel zu halten wie es englische erlauben, landet bei der Blümchen-Heidegrün-Lyrik von Blumfeld. Und darüber sag ich jetzt nichts. Ich meine: nichts mehr.

  • shiraz sagt:

    zur verteidigung des honorigen alten herrn, der sich mit seiner hymne zur fußball-weltmeisterschaft („celebrate the day“ ) schon ausreichend blamiert hat, sei gesagt:
    auf englisch würde einem das kaum auffallen.

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