Eine Abfuhr macht noch keinen Sommer Komma Teil 2
Was bisher geschah: Sie fuhren auf Urlaub und langweilten sich. Sie surften im Web und gerieten auf zib21 und auf meine Ergüsse in denen es um Anmache nach Plan ging was letztlich ebenfalls nichts bringt aber viele leere Kilometer erspart wenn man eine Antenne für Umfeld und Umstände hat. Darum geht es jetzt und hier. Und Sie fragen sich warum les ich das eigentlich? Beats me ehrlich gesagt aber scrollen Sie doch mal runter.
Nochmal von ganz vorne. Indizien legen nahe dass Mann und Frau für einander gemacht wurden so wie auch Muhammad Ali und Joe Frazier für einander gemacht waren. Sie hätten jederzeit ohne einander gekonnt aber es wäre weniger spektakulär gewesen. Als Sündenbock für die geschlechtlichen Differenzen hält das Y-Chromosom des Mannes her. Das Y ist schuld dass Mann ständig in Testosteron badet und ohne läuft beim Sex nichts. Das fehlende Y wiederum ist schuld dass Frau so vergleichsweise langsam auf Touren kommt.
Allerdings gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel vom Klima getriggerte. Die Sommersonne etwa kreiert so einen Ausnahmezustand. Unter der Sommersonne denkt auch das Weib öfter an Sex. Psychologen sagen dass uns starkes Sonnenlicht weniger misstrauisch macht. Auch kein Fehler. Mit anderen Worten: Witterungsmäßig gesehen ist der Sommer die ideale Minnezeit. Für einschlägige männliche Unsicherheit gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund.
Dann sind da die Breitengrade. Das Nord-Süd-Gefälle. Der Süden ist Nährboden für überschäumendes Temperament. Die kühle lichtarme Wetterlage im Norden begünstigt einen Menschenschlag mit Hang zur Untertreibung. Das verliebte „eigentlich finde ich dich nicht abstoßend“ der Schottin und das karge „du bist ein Geschenk des Himmels“ der Italienerin signalisieren einunddasselbe. Für Grimassen wiederum gilt das Gegenteil. Während das notorisch weibliche Ich-war-Vierte-bei-der-Misswahl-Lächeln bei der Nordischen eine Bereitschaft zum Pferdestehlen andeutet will die Spanierin damit flüstern dass sie gegen deine Spanierwitze (Warum tragen alle Spanier einen Schnurrbart? – Damit sie so aussehen wie ihre Mütter) allergisch ist. Vernünftige Minnesänger klären daher so früh wie möglich die Herkunft des Gegenübers ab. Das hilft bei der Interpretation ihrer Signale.
Dann ist da noch die schlechte Idee. Eine Sackgasse. Im Prinzip ist Minne der zivilisierte Weg des Singles im Bett hin und wieder nicht nur ins Kissen zu heulen. Allerdings ist nicht jeder Mann ein Single. Und weil die wenigsten gebundenen Männer ohne Partnerin in den Urlaub fahren wird in einer Sangriaschweren Nacht die Idee geboren: Let´s swing! Und keine zwei Tage später bumst deine Holde irgendeinem reichen Playboy die Dollarnoten aus den Augen und du sitzt mit Depressionen in der Taverne es sei denn ein Blick auf dein Lebensmensch verschafft dir die Erkenntnis dass es da mindestens zwanzig Kilo gibt die du nie geheiratet hast. In so einem Fall kann Swingen gelingen. Aber weiter mit Umfeld und Sackgassen und besonderen Umständen als da wären:
Die hormonelle Frau. Das wird sie nach zwei Achteln Wein. „nullkommavier bis einskommanull Promille Alkohol im Blut“ erkannte das schwedisch-japanische Forscherteam Erikson & Fukunaga (what a name!) „bewirken bei Frauen eine imposante Zufuhr von Testosteron“. In Verbindung mit der o.a. Wirkung der Sommersonne ist da nicht gänzlich auszuschließen dass das Objekt der Begierde auf ein harmloses „Hallo wie gehts“ unerwartet explosiv („Fuck me baby“) reagiert. Der Haken: Vor allem an ihren fruchtbaren Tagen ist die Hormonzufuhr enorm. Ihre Natur will es dass sie am liebsten ins Bett will wenn sie was davon hat nämlich eine Chance auf Schwangerschaft was sonst könnte sie davon haben. Selbstverständlich ist der strategische Einsatz von Alkohol bei der Minne moralisch verwerflich. Wenn schon saufen dann lieber planlos.
Der zwanghafte Schnellschuss. Klassische Sackgasse. Du weißt es bringt nichts und mit dem ersten Schnuppern von Meeresluft weicht dein Wissen dennoch der Unrast des Neuankömmlings. Du hast noch kein Girl gesehen aber du kannst sie riechen. Du stürzt dich ins Nachtleben und stößt auf Abfuhr. Du ersinnst Strategien dagegen („Willst du ein Kind mit mir zeugen?“ – „Nein.“ – „Auch nicht wenn wir aufpassen?“) und nach einer spesenschweren Nacht hast du neben dem Kater den Blues. Am liebsten würdest du eine Panflöte kaufen und die Einsamkeit suchen und mit Pflanzen sprechen. Keine schlechte Idee. Man nennt das Akklimatisation. Sinnvolle Minne basiert auf gleicher Wellenlänge der Beteiligten und so ein Level stellt sich frühestens nach drei Tagen vor Ort ein. Da hilft nur bewusste Prokrastination.
Der kompetentere Denker. Manch ein Mann laboriert nach Kontakt mit einer Frau an einem seltsamen Phänomen der Ebene „Catch 22“. Entweder er denkt „wär das schön wenn du geil wärst“ und die andere Variante – „wär das geil wenn du schön wärst“ – macht ihn auch nicht happy. Das Problem: Sein Gehirn glaubt zu wissen was ihm gefällt. Nur spricht sich beim Sex sein Geschmack selten bis unter den Nabel durch. Bei der Wahl der Gespielin ist der Denker im Unterleib der kompetentere Entscheidungsträger. NEHMEN SIE DAS ZUR KENNTNIS. Wenn der Unterleib entscheidet wird das Girl ohnehin mit jedem Glas Ouzo das Sie trinken wie von selbst schöner.
Nun aber Wachsamkeit; die sei immer und überall. Die Frau – weiß der Psychologe – entscheidet in den ersten drei Minuten ob du ihr gefällst oder … nun … meistens oder. Lass dir daher nie anmerken dass du es nötig hast. Auch der Heini von der Bank gibt dir keinen Kredit wenn er merkt wie sehr du ihn brauchst. Alte Börseweisheit.
Der erste Augenblick. Um den Eindruck des „Starrens“ zu vermeiden – sagt der Knigge – haben deine Augen knapp drei Sekunden um ihre Präsenz zu notieren. Oder: Der Verführer im Mann hält ihren Blick um die berühmte Sekunde „zu lang“. Das kreiert jenen entscheidenden „Moment der Intimität“ der ihr verdeutlicht dass sein Interesse nicht nur von Höflichkeit diktiert wird. Okay Komma vergessen Sie derlei Ratschläge. So bescheuert ist heute keine Frau dass sie nicht weiß worauf Sie aus sind. Dann lieber Zwinkern. Ein gut platziertes Zwinkern kann unvermutete Konsequenzen haben. Sie kann zum Beispiel zurückzwinkern. Vorsicht aber beim ersten Heucheln Kompliment. Sie hasst es wenn es zu platt ausfällt. Lieber gleich zu dick aufgetragener Schleim („Hast du dich verletzt als du vom Himmel fielst?“). Das führt bei einer vernünftigen Frau sofort zur unvermeidlichen Niederlage (und spart Zeit). Aber wer weiß – EUREKA! – vielleicht ist sie nicht vernünftig. Das könnte dann zur
Konversation führen und die ist simpel gemanagt. Je weniger er sagt umso besser. Man bringe sie auf ihr Lieblingsthema – also sie selbst – und höre gut zu. Das führt so gut wie zur ersten Berührung. Die weder ein Grapschen noch ein Streicheln ist sondern das universal verständliche zufällige Berühren ihres Arms. Geht sie nicht auf Distanz haben Sonne und Alkohol und Minne ihre Wirkung getan. Wie eingangs von Teil 1 dieser Sauregurkenzeitminiserie gesagt: Es kann passieren.
PS. Jeder Urlaubsminne widerfährt ihr natürliches Ende. Idealer Weise am Morgen danach. Möglich – wenn auch unwahrscheinlich – dass die Gespielin das anders sieht. Unter Beachtung von obigem Punkt „Nord-Süd-Gefälle“ ist aber ein sanfter Scheideweg machbar. Südländerinnen verstehen die Botschaft wenn seinen Lippen ein „Deine Liebe ist zu kostbar um sie täglich zu ertragen“ entfährt. Den Girls aus dem Norden können schon während der Nacht im Bett ein paar vorbeugende Lorbeeren gestreut werden: „Hab ich dir weh getan?“ – „Nein wieso?“ – „Weil du dich bewegt hast.“- Das mag rüde klingen aber bitte wir reden vom Girl aus dem Norden. Jener Rothaarigen mit den Sommersprossen die dich gestern kühl gemustert hat als du dich nackt vor sie hinstelltest ehe sie dann sagte: „Hm. Sieht aus wie ein Penis nur kleiner.“
Angenehmen Sommer.



Artikel oder Bilder zum Thema Sex verführen und gefallen zwar immer leichter, aber ich find es doch erwähnenswert, dass ich diesen Aufsatz für witzig und geistreich geschrieben halte. Ich fühlte mich jedenfalls bei einigen “Sprüchen” (wie jenem mit dem bleibenden Kater und Blues) ganz gut verstanden :)
Ein Mitdenker auf http://www.diedenker.org
Hallo Herr Sax,
durch Zufall bin ich auf die Seite gestoßen. Ich kenne Sie nur vom Foto, finde Sie aber auf dem Foto außerordentlich attraktiv, sie können gut mit Sprache umgehen, was bei Frauen auch gut ankommt. Also stelle ich mir vor, dass Sie pesönlich keine Probleme haben, interessante Frauen kennenzulernen. Für den Durchschnittsmann und die Durchschnittsfrau ist das schwieriger. Ich war selber vor einigen Jahren alleine in Griechenland und erinnere mich, dass auch viele Frauen auf der Suche nach einem erotischen Abenteuer waren. Das hört sich dann immer so gut an, doch in Wirklichkeit ist es meist weniger romantisch oder erotisch, wie sie auch im letzten Absatz anklingen lassen. Ein zwei Mal bin ich schon in Versuchung gekommen mit einem Unbekannten eine Nacht zu verbringen (ein Mal habe ich im Zug einen Mann kennengelernt und plötzlich haben wir uns wie wild zu küssen begonnen, doch dann hatte ich Angst). Für mich persönlich ist die Angst vor HIV das größte Hinderniss. Außerdem glaube ich, dass ein One Night Stand für eine Frau mit mehr Risiko verbunden ist. Man weiß letztendlich nie, ob der Mann gewaltätig wird (so ist es leider! wirklich). Es gibt auch Männer die versprechen ein Kondom zu verwenden, tun es dann aber nicht. Das Misstrauen, das Sie ansprechen, ist oft berechtigt.
Es grüßt Sie dennoch aus dem Urlaub in den Bergen
eine Tee-Liebhaberin bei einer Tasse chinesischem Grüntee.
liebe Tee-Liebhaberin
danke für die gedanken und auch für die blumen. wenn Sie mir eine anmerkung zu Ihrer angst erlauben: diese ist die weise des bauches dem kopf mitzuteilen dass es zu viele unbekannte gibt um auf ein riskantes spiel einzugehen. ob diese angst tatsächlich eine vor HIV ist kann Ihr kopf sehr wohl so interpretieren. aber sex generell und der one night stand im besonderen werden immer eine riskante sache sein.
obiges foto finde übrigens auch ich außerordentlich gelungen kein wunder es wurde von einem wahren meister gemacht (der im übrigen stets betont dass die kamera nicht lügt). leider braucht es von diesem foto nur einen kleinen gedankensprung um einen witz zu erinnern in welchem die frage gestellt wird wo männer am besten aussehen. die antwort: auf alten fotos. alles liebe Ihr sax
Hallo Herr Sax,
Ich dachte mir der junge Mann auf dem Foto wäre Ihr Sohn?
freundliche Grüße von der
Tee-Liebhaberin
liebe teeliebhaberin
ach Sie wollten einen meiner söhne sweettalken? und mich damit – wer weiß schon was die zukunft bringt – womöglich dem dasein des großvaters ein stück näher bringen? Sie sind ja eine ganz nette. Ihr sax
Lieber Herr Sax,
noch eine Frage zum Foto (ich bin sehr neugierig wie sie sehen), der Haarschnitt wirkt nämlich überhaupt nicht gestrig oder gar vorgestrig. Stammt das Foto etwa aus den früehen 80er Jahren? Würde mich wirklich interessieren, damals waren doch Gel-Frisuren sehr in Mode, die man auch heute manchmal sieht.
fg die
teetrinkerin
liebe teeliebhaberin
zunächst – verzeihen Sie die späte antwort. das ist nicht mein habitus. in der regel können Sie binnen 24 stunden mit meinem feedback rechnen. nur kam die kunde dazwischen dass bei uns an der westcoast (cornwall) die wellen unwiderstehlich heftig an die felsen prallen und das konnte ich meinen surfsüchtigen söhnen nicht vorenthalten. mir sowieso nicht …
zur frisur – erstens nein das waren die frühen neunziger jahre und zweitens hatte ich mit gel nie ein positives verhältnis. wenn sie den zustand als einen “look” bezeichnen wollen dann würde ich “just-out-of-bed”-look vorschlagen. das kommt den umständen ausgesprochen nahe und geschah außerdem – zugegeben – nicht ohne absicht. was tat unsereins damals nicht alles um an die wäsche des schönen geschlechts zu gelangen die es dann ebenso sanft wie zielbewusst zu entfernen galt damit sich der tempel des weiblichen leibs vor den ergriffenen augen öffne. und jetzt haben Sie es tatsächlich geschafft mich in den zustand der sehnsüchtigen nostalgie zu manövrieren. Ihr sax
Letzte Nacht träumte ich wieder von Manderly
manderly – you sure? ich nehme an we are talking manderley im land meiner geschätzten daphne (die eine sie die mich als leser nicht verliert) aus dem ich grad komme. was meine werte tee-liebhaberin nun zur ghostlady stempelt die im anwesen trotz abwesenheit ihr unwesen treibt … oh my where do we go from here? Ihr sax
ps: wussten Sie dass in lissabon die einbahnstraßen wimmeln und alle münden in sackgassen?
Werter Doktor Sax,
ein paar Fragen zu obigem:
1., ist das kroatische Dubrovnik etwa doch nicht nur zufällig auf geotechnischer Augenhöhe mit Madrid, was das Lächeln der Frauen betrifft?
2., wieviele der obengenannten Strategien – Sackgassen inklusive – haben Sie persönlich schon ausprobiert?
3., entwickeln Sie eine Technik, mit der man innerhalb der 3 Sekunden Nicht-Starrzeit seinem weiblichen Gegenüber das Kapitel “Der kompetente Denker” vollinhaltlich vermitteln kann und Sie bekommen den Nobelpreis …
beste Grüße,
sf.
lieber herr frauer
ein paar anmerkungen zu Ihrem obigen:
1. in diesem bereich halte ich nichts von zufällen.
2. worüber ich nichts weiß darüber fällt mir nichts ein. ich wurde zum beispiel wiederholt gebeten doch mal eine story über das “problem penis piccolo” zu verfassen aber in sowas kann ich mich einfach nicht hinein denken
3. das hat ein gentleman namens jason statham bereits erledigt. er demonstrierte im film “crank” wie man nach injektion eines adrenalinsubstituts seinem gegenüber mühelos und zweifelsfrei vermittelt wie sehr man sich über die begegnung freut. allerdings findet der kompetente denker in so einem fall sogar den dackel vom nachbarn unwiderstehlich. ihr sax
ad “dann ist da noch die schlechte idee”: fleetwood mac hilft …
albatross?
second hand dude …