Eine Abfuhr macht noch keinen Sommer, Teil 1
Es passiert nicht oft, aber es kommt vor. Es kommt vor, dass du unter der Urlaubssonne unweit der dritten Palme links den Meereswellen lauscht, ohne Erwartungen und zu allem bereit.
Du gibst dir das Panorama von der Insel mit den weißen Häusern und den Eseln und den kleinen Teerpatzen im Sand … und plötzlich steht da diese nette Brünette vor dir mit Augen so blank wie die Donauinsel im Februar und Titten fester als der Händedruck des Wiener Bürgermeisters und einem Mini am Leib zu dem man bei etwas mehr Stoff fast schon Rock sagen könnte. Dann quatscht sie dich auch noch an: „Bist du nicht der jüngere Bruder von Leo diCaprio?“
Sowas nennt man einen Gag. GAG wie Größter Annehmbarer Glücksfall – und klar, in der Folge kommt, was kommen muss, nämlich Leo´s neuer Bruder. Der Rest steht ein paar Tage später im Facebook, neben einem Foto mit Nivea-Smiley auf nacktem Weichteil: „Hallo Friends! Blauer Himmel, weißer Strand, bin vom Nixtun überfordert und geh jetzt ins Wasser, zwinker!“
Soll vorkommen. Und hier sind wir beim Problem: Es passiert immer nur den anderen. Die anderen spulen ihre OneNightStands oder wenigstens ihre OneNightHalbsteifen ab. Du aber bleibst am Sand und stehst im Abseits trotz all deiner Gadgets und Jeep for rent. Natürlich, ab und zu kommt eine Local Miss in Reichweite und du hast sogar einen halbvifen Sager auf Lager. Nur fällt er dir erst ein, wenn sie vorbei ist, ja, auch ein Urlaub kann stressig sein. Du frohlockst, hach, endlich Pause vom Alltag, endlich relaxen und in einem anderen Land auf andere Gedanken kommen. Dann stellst du im Hotel die Koffer ab und dein Blick huscht unabsichtlich über den Arsch der Rezeptionistin und schon sind deine Gedanken überhaupt nicht woanders. Sie kommen immer noch eindimensional daher. Ohne Bandbreite, vom Arsch abgesehen.
Mit Plan hat das nichts zu tun, paradox, im Urlaub ist ja sonst alles Monate im voraus gebongt, vom Reiseland über den Flug bis zum Bett. Sogar die Nummer vom Restaurant Durchfall mit Aussicht steht im Blackberry, inklusive SatnavRoute. Aber beim Thema Minne hält das Prinzip Hoffnung her. Ausgerechnet. Wo doch die paar Wochen im Süden schneller vergehen als erlaubt. Dann sind sie Geschichte und nix ist passiert und du hast die alte Bubenwahrheit zwischen den Schläfen nämlich wenn es im Urlaub nicht passiert wird es nie passieren.
Alte Genusstramper reservieren sich daher lieber in Hotels wie dem „Malaysia“ in Bangkok ein, wo der Hotelboy mit den zwei notorischen Hedonisten-Menus wartet, das eine für die verbotenen Genüsse, das andere für die nicht erlaubten. Der Rest ist eine Frage des Preises. Von Minne keine Spur.
Aber zurück zum Lifestyle Europas. Leider kann man gute Urlaubsminne (=nicht notwendiger Weise peinliche Anmache) noch immer nicht kaufen. So eine Minne ist wie ein „Job-Interview das eine ganze Nacht dauert“ und man kann verstehen, was der alte Ami von dem das ist damit meinte. Es hat entfernt mit Sex zu tun, und da sind die Geschlechter anfangs doch recht unterschiedlich drauf, vor allem die Frauen. Frauen denken ja beim Sex immer gleich ans Küssen, und ehe es zum Schmusen kommt, muss noch eine ganze Menge Süßholz den Redefluss hinunter. Jedenfalls glaubst du das.
Wie wäre es also mit Anmache nach Plan? Das wird zwar letztlich auch nichts bringen, aber ein gut geplantes Anmachscheitern erspart dir verdammt viele leere Kilometer. Eine halbwegs sensible Antenne für das humane Umfeld, ein Auge für besondere Umstände, der bewusste Verzicht auf das Befahren von Sackgassen und ein Minimum an täglicher Trainingsroutine können so manchen Redeschwall ersetzen. Mit etwas Glück steht sogar ein „Score“ im Raum. Wie das geht? Das erfahren Sie morgen, sollte Ihnen tatsächlich nichts Besseres einfallen als im Net herum zu surfen und auf zib21 zu geraten. Dann haben Sie auch nichts Besseres verdient als meine Ergüsse.




