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Weil es wichtig ist: Wir unterstützen die Plattform für Offene Kultur

Von | 21.07.2009, 21:14 | 3 Kommentare

Die soeben gegründete Plattform für Offene Kultur will kollektiv ein Urheberrecht erarbeiten, das dem Web-Zeitalter gerecht wird. Eine verdammt gute Idee. Es begann gestern und mit einem Tweet von Helge Fahrnberger. „Gegenplattform gegen „Plattform Geistiges Eigentum“? Wer macht mit? http://tr.im/ta7u #GGGE – please RT“ schrieb er. Den Grund für diese Zeilen erläuterte er wenig später in […]

Walter Krivanek, VividVisions.com, cc-by-nc-sa Die soeben gegründete Plattform für Offene Kultur will kollektiv ein Urheberrecht erarbeiten, das dem Web-Zeitalter gerecht wird. Eine verdammt gute Idee.

Es begann gestern und mit einem Tweet von Helge Fahrnberger. „Gegenplattform gegen „Plattform Geistiges Eigentum“? Wer macht mit? http://tr.im/ta7u #GGGE – please RT“ schrieb er. Den Grund für diese Zeilen erläuterte er wenig später in seinem Blog.

Er stößt sich darin am Begriff „Geistiges Eigentum“, der dieser Tag von der Verwertungsindustrie gerne für Lobbying in eigener Sache missbraucht wird, um auch im Zeitalter veränderter Mediennutzungsgewohnheiten und veränderter Medienproduktion so zu tun, als befänden wir uns noch in einer Zeit vor ungefähr 20 Jahren: kein Netz, keine Blogs, keine Creative Commons, keine Probleme.

Es ist eine unangenehme Mischung, die derzeit das Lobbying in dieser Causa bestimmt. Verwertungsindustrien, die sich als Anwälte der Produzenten gerieren, aber in Wahrheit nur um ihre Existenz fürchten. Ein Urheberrecht, das tatsächlich davon ausgeht, dass es so etwas wie geistiges Eigentum gibt, das bis in alle Ewigkeit geschützt gehört. Und ein immer tieferer Graben zwischen den Digital Natives und jener Generation, die noch nicht mit dem Netz sozialisiert wurde. Leider sitzt letztere allerdings am längeren Ast, wenn Teenager wegen ein paar herunter geladener Songs auf Millionen verklagt werden. Oder wenn Google verteufelt wird, weil das Unternehmen das tut, was sich sonst niemand leisten kann: vergriffene Bücher digital verfügbar zu machen, anstatt sie in Vergessenheit geraten zu lassen.

Das – und damit nenne ich nur eine Absurdität der Diskussion – wird dann von den Bewahrern veralteter Urheberrechtsdefinition als Diebstahl hingestellt. Lieber vergessen als gelesen, eine von vielen tollen Ideen fürwahr.

Aber ehe ich zu sehr abschweife: Fahrnberger ärgert das alles wohl noch mehr wie mich, denn er hat nun die Plattform für Offene Kultur gegründet – als notwendigen Gegenpol zu „Plattform Geistiges Eigentum“. Jeder, dem etwas an einem vernünftigen und heutigen Urheberrecht liegt, sollte mitmachen.  Warum? Das steht auf der Website.

Wir sind nicht gegen Urheberrecht, sondern für ein Urheberrecht 2.0. Welche Alternativen zu geltendem Recht bestehen, wird derzeit in diesem Wiki kollaborativ erarbeitet.

Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich hier zu diesem Thema gebloggt habe.

3 Kommentare »

  • truetigger sagt:

    Eine Bitte an Dich, Eberhard:

    Bleib bitte mit dem Fokus „wie sehe ich als Content-Anbieter das Urheberrecht 2.0?“ am Thema dran!

    In der heutigen Zeit wird ja viel über das Urheberrecht philosophiert. Ich sehe an mir, dass ich Printmedien (ja, ich bekenne: den Standard) halbwegs regelmässig kauf, obwohl ich die Zeitungen recht früh entsorg – mich anderseit aber über Online-Medien aufreg, auf die man nicht verlinken kann und die ein „Verfallsdatum“ eingebaut haben. Ich störe mich an CDs mit Kopierschutz, da ich von gekauften CDs natürlich MP3 brauche: für den Rechner, für das Autoradio und besonders für den MP3-Stick. Ich störe mich an unfreien E-Books so sehr, dass ich ein Fan von librivox.org geworden bin, die Klassiker von Amateuren gelesen als Hörbücher haben. Im Endeffekt habe ich, ohne Rechte zu verletzen, in den letzten Jahren weniger Geld für CONTENT ausgegeben.

    Als Nicht-Profi bin ich nicht direkt am Sterben der Verlage, an den krassen Verteilungskämpfen im Journalismus-Bereich (die Printmedien sterben ja massiv weg zur Zeit), an der Diskussion, wie teuer und zeitgemäss Fernsehen noch ist usw. beteiligt – selbst die Kollegin Renee Pornero spürt ja mittlerweile sicher massiv den Rückgang, für Erotik-Content bezahlen zu wollen, an ihrer Auftragslage.

    Keine Frage, ein VERNÜNFTIGES Modell zur Entlohnung der Kreativen muss her. Es darf kein Null-Euro-Job sein, es sollte aber auch nicht ein Durchfüttern der Medien-Industrie mit den Traumgewinnen der letzten 10 Jahre sein.

    Und da hilft eine Insider-Sicht sehr.

    Merci fürs Thematisieren!

  • Helge sagt:

    Eine Sache will ich korrigieren:

    Ich glaube, dass „kollektiv ein Urheberrecht erarbeiten, das dem Web-Zeitalter
    gerecht wird“ ein bisschen zu ambitioniert ist. Ich will mit der Plattform nicht DIE Antwort geben, sondern Positionen aufzeigen, Fragen aufwerfen. Durchaus in einigen Punkten auch mit dem Hinweis, dass es hier noch Lösungen zu finden gilt. Ich denke, wir befinden uns in Zeiten des Umbruchs, da gilt es erst, Antworten zu finden.

    Die Plattform soll vielmehr die Sackgasse aufzeigen, in die der Status Quo und die von den Rechtevertretern geforderten Verschärfungen desselben führen, sowie auf Alternativkonzepte hinweisen – ohne notwendigerweise selbst ein allumfassendes Alternativkonzept aufweisen zu müssen.

    Aber wer weiß, was beim kollaborativen Prozess rauskommt :-)

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