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Koitalsubstitutum motoriensis. Der Panamera und das Porschloch

Von | 06.07.2009, 14:51 | 4 Kommentare

Der Panamera als jüngste Machtdemonstration des Hauses Porsche ist sicher ein sagenhaft gutes Automobil. Aber es zieht leider Käuferschichten an, die sich seiner kaum als würdig erweisen werden.

Das Auto: ein Hammer. Die Fahrer: ein Jammer.

Das Auto: ein Hammer. Die Fahrer: ein Jammer.

Nun hat Porsche also eine viersitzige Limousine herausgebracht. Und tut darob so, als hätte man das Rad neu erfunden. Boa, ein reinrassiger Sportwagen mit vier Türen und vier Sitzen. Boa, eine Limousine, die 300 geht. Boa, ein Porsche mit Kofferraum. Endlich, endlich da. Wie konnten wir nur bislang ohne überleben?

Derlei Ambitionen gab es ja schon einmal in Stuttgart. 928 hieß der Breitarsch-Frosch, der Ende der geschmacksverwirrten Siebziger antrat, um den Elfer zu schlucken. Ein hehres Ziel, allein: es war nicht zu derglengen. Als man nach zehn Jahren Produktionszeit, während der das Urmeter 911 munter weiterlebte und kaum Alterserscheinungen aufwies, endlich realisierte, dass der Neun-Zwo-Acht zwar eine solide Fangemeinde fand, aber den Elfer nie und nimmer ablösen würde, kam man schon damals auf die abstruse Idee, die dritte Serie zur Limousine umzustilisieren. Auch ein viertüriger Prototyp war schnell zur Hand, allein die Klientel ignorierte das Teil nicht mal. Niemand war böse, als der 928 1992 schließlich endgültig verschwand. Und sich der Elfer zur bislang kultigsten Baureihe 993 in Position brachte, um neue Verkaufsrekorde aufzustellen.

Dann kam der Boxster, die Frisetten-Prosch’. Schließlich wurde mit dem Cayenne aufgehaut. Und all jenen, die nun ob der Panamera-Geburt verzückt „Kofferraum!“ rufen, sei die Bauart des Porsche-SUV in Erinnerung gerufen. Der es nun ja wirklich an vielem mangelt, aber kaum an Platz.

Der Porsche, den man meint, ist heutzutage also viertürig, darf sich in punkto Fortbewegung aber genauso aufführen wie das Elfer-Coupé schon seit eh und je. Von mir aus, soll uns recht sein! Aber mir schaudert, wenn ich daran denke, wer dieser Porsche-Marketingidee mit Begeisterung folgen wird. Und darob das Fahrerprofil einer Automarke, die weiß Gott schon immer Leute machte, bis zur Unkenntlichkeit verwässern wird.

Da werden sie nun also auffahren, die schnell zu Geld gekommenen, in München, Salzburg und an der Cote d’Azur. Werden arrogant und goldbehangen aus ihren Panameras grinsen und dabei nichtmal wissen, ob ihr Auto front- oder heckgetrieben (oder gar beides?) fährt. Sie werden nur erzählen, dass „der Röhrl“ mit dem Ding schon über 300 gefahren ist, und dass „der Röhrl“ auf der Nordschleife damit fast so schnell wie mit dem Carrera war. Schon bei der Frage nach „des Röhrls“ Vornamen werden sie ganz schrecklich ins Schleudern kommen. Und dümmlich-verlegen Kicherlachen. So wie sie meinen, dass es sich für echte Porsche-Piloten halt gehört.

Gut nur, dass wir echten Porschlöcher dadurch sozusagen hervorgehoben werden. Während die dann zum VW-Konzern gehörenden Panamera-Fahrer sich die massenhaft zur Verfügung stehenden Türklinken in die Hand geben werden, vorm Bayrischen Hof, dem Gut Aiderbichl oder sonst irgendeinem Charity-Hotspot, treffen wir Carreristen uns am Cobenzl-Parkplatz, um unsere zweitürigen Boliden gen Stadt zu treiben. Schön quer übers Kopfsteinpflaster. Mit einem kurzen Stopp am Schottenhof, später dann zurück, über den Exelberg, nach Königstetten hinunter, nach Tulln hinein und via Kremser Schnellstraße zurück zur A1 um das letzte, holprige Stückerl Pressbaum-Auhof im richtigen Tiefflug zu nehmen. Das wird Freude bereiten. Uns jung bleiben lassen. Und an Zeiten erinnern, als ein Porsche seine Besitzer noch adelte. Und nicht umgekehrt.

4 Kommentare »

  • flitscherl sagt:

    werter herr sauer,

    muß vorab schon anmerken, dass ich auch den arsch vom 11er ganz ganz lieb hab, vor allem wenn er ein bisserl raushängt in der kurve, aber wenn ich so lenk und schau im großstadtdschungel – das 11er klientel trifft sich ja soundso nur mehr in den tiefgaragen der bürotürme und gassi gehn tut mit ihm nach wahl frau/assistentin/geliebte. und in der alternierenden besetzung geht´s am wochenende mit dem golfbag zum einlochen.

    und jetzt habens halt einen noch grööööööööööößeren zum bestellen bekommen, mit vier türen und in die garage geht er auch rein im gegensatz zu dem unsäglichen suv der firma.

    ich werd jetzt meinem schatzi raten sich um das geld des panamera einen 993 zu kaufen, einen anhänger mit schwarzen gold befüllt und den rest für streckenmiete in der grünen hölle anzulegen.

    so
    flitscherllong

    • franz j. sauer sagt:

      geschätztes flitscherl,

      schlimm genug! aber was soll man tun … 993 ist ein guter plan! aber bitte in 4s …

      beste grüße,
      fjs.

  • novis sagt:

    Tja – er hat schon recht, der herr sauer wenn er das schreibt!

    Panamera gefällt mir auch nicht wirklich – erinnert mich eher an eine schon oft probierte Kreuzung aus Sport und Limo – wären wir doch bei Bluna geblieben.

    Aber lieber Franz:

    Den 928 er lass ich mir nicht diskriminieren!
    Immerhin hätten wir jetzt doch alle gerne so einen letzten 94er gts in der garage stehen . und das um läppische 25.000 euronen – in perfektem zustand.

    Im Grunde sind die „breitärsche“ schon was geiles!

    Nun dann: Wer immer den Panamera jetzt kauft – ich hätte ihn gerne für 2029 schon vorreserviert. Bitte drauf aufpassen, nicht viel gas geben, keine depscher etc.

    Tja – vielleicht stimmts, daß uns halt nur die alten porsches gut gefallen.

    … aber alt ist ja auch nur relativ.

    Euer C.

    lg an den Franz – netter beitrag

    • franz j. sauer sagt:

      liebes novis,

      natürlich hast Du recht, wenn Dir der 928 taugt – mir gefällt er ja auch. aber er war eine jener ersten verirrungen, die dem neunelfer ans bein pinkeln wollten – und furchtbar daran scheiterten.

      Und damit keine missverständnisse aufkommen: klass is er sicher der panamera. aber die, die damit fahren werden machen Dir bis 2029 sicher ein paar depscher rein …

      best,
      franz.

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