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Michael Jackson: Und plötzlich ist er weg

Von | 26.06.2009, 9:35 | Ein Kommentar

Ein komisches Gefühl, wenn man kurz nach Mitternacht einen Text online gestellt hat, der die Pop-Fähigkeiten der Band Gossip verhandelt, danach der Ordnung halber noch die News-Lage checkt, und dann lesen muss: Michael Jackson ist tot. Da stehen Leute wie Gossip plötzlich wie ganz arme Würschtln da. Wer sind die schon? Und vor allem: Was […]

Foto: Eberhard Lauth

Na warte: Wenn ich wieder daheim bin, singst du das ganze Wochenende für mich.

Ein komisches Gefühl, wenn man kurz nach Mitternacht einen Text online gestellt hat, der die Pop-Fähigkeiten der Band Gossip verhandelt, danach der Ordnung halber noch die News-Lage checkt, und dann lesen muss: Michael Jackson ist tot.
Da stehen Leute wie Gossip plötzlich wie ganz arme Würschtln da. Wer sind die schon? Und vor allem: Was können sie mir je bedeuten? Im Vergleich mit Jackson in Wahrheit nichts. Das hat jetzt nicht nur mit meinem Alter zu tun – als angehender Jugendlicher ist man für Popmusik generell bedingungsloser zu begeistern – sondern auch mit ihm selbst. Mit seiner großen, großen Kunst. Seinen genialischen Songs. Seinem tatsächlich zeitlosen Pop-Appeal … aber fangen wir von vorne an.

Michael Jackson bescherte mir das erste Stadionkonzert meines Lebens. Es war im Sommer 1988 in Linz. Ich war 13 und der einzige in meiner Klasse, dem es Dank eines großen Bruders gelungen war, dort hin zu dürfen. Ich kann mich noch heute an viele Details davon erinnern. Und es gab mir ein sicheres Gefühl, als ich ein paar Tage später wieder die Schule betrat. Das hatte auch mit einem meiner Mitschüler zu tun. Er kam aus dem Kinderheim im Nachbarort, war zwar in ein ziemlicher Depp, aber er hatte schon im Jahr davor den Moonwalk beherrscht. 13jährigen Mädchen gefiel das in den 80er-Jahren. Und leider gefiel es ihnen immer noch besser als die Erzählungen von meinem Konzertbesuch. Sagen wir’s so: Ohne einer Brille der Marke Franz Fuchs vorgetragen hätte meine Geschichte vielleicht eine aphrodisierende Wirkung entfalten können, aber bitte. Ich sah aus, wie ich aussah und bin natürlich längst darüber hinweg.
Ein paar Monate später war ich wegen Projekttagen in London – immer noch mit Franz Fuchs-Brille, aber immerhin mit einem schnittigen Sakko ausgestattet. Dort hätte ich zu HMV gehen können, um mir die coolsten Schallplatten der Stadt zu kaufen. Doch die interessierten mich damals noch nicht. Ich stellte lieber endlich mein Jackson-Fantum auf solide Beine. Die Kassetten waren ja schon in sehr desolatem Zustand. Ein Mal „Thriller“, ein Mal „Bad“, ein Mal „Off The Wall“, und Princes vernachlässigbaren „Batman“-Pseudo-Soundtrack nahm ich auch mit. Damit war das Geld aus, aber es war gut angelegt.
Vor allem „Thriller“ gehört zu den Platten, die ich auch heute noch gerne auf den Plattenspieler lege. Wegen „Beat It“, einem Jahrhundert-Song, der sich nie abnützt. Zuerst das Riff von Steve Lukather, dann das Tapping-Solo von Eddie Van Halen – nach beiden Gitarristen kräht heute kein Hahn mehr. Aber Jackson hat ihnen eine tragende Rolle in einem der besten Songs der Welt verschafft, der bis in alle Ewigkeit jede Party retten kann.

Über die Jahre ist mir Michael Jackson dann ein bisschen verloren gegangen. Er war ja nur mehr ein armer Freak. Und als solcher hat er gestern bewiesen, wie es um die Idee der ewigen Kindheit im Sinne Peter Pans bestellt ist. Sicher, wer sich auf Youtube Jacksons Live-Videos aus jüngerer Zeit ansieht, wird im Publikum zwischen Bukarest und Dubai sehr viele Kinder bemerken. Die verstanden ihn wohl auch jenseits seines biologischen Vierzigers am besten. Aber während Peter Pan unermüdlich aus Neverland wiederkehrt, um Kinder und Kindeskinder von Wendy und Peter Darling für sich zu begeistern, ging Jackson irgendwann die Luft für diese Spielchen aus. Und gestern hörte dann auch sein Herz auf zu schlagen. Außer ihm hat es wohl alle Welt schon geahnt: Die ewige Jugend mag es vielleicht zu kaufen geben – aber eine ewige Kindheit hält keiner durch. So gesehen wurde Jackson mit seinen 50 Jahren eh steinalt. Don’t Stop ’Til You Get Enough.

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