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Michel ReimonZwei Blogs und ein Krone-Leserbrief

Von Michel Reimon | 24.06.2009, 13:44 | 3 KommentareShare/Save

Beta Thoughts
fm4-Moderator Martin Blumenau hat vor einigen Tagen eine lesenswerte Prognose zu Österreichs näherer politischer Zukunft abgegeben, deren niederschmetternde Traurigkeit darin gründet, dass sie so realistisch ist: “Es ist vorbei. 2009 ist das Jahr, in dem Österreich kippt. Der Weg zur Security-Demokratie ist fix vorgezeichnet.”
derstandard.at-Redakteur Tom Schaffer hat darauf regiert, Blumenau elegant widersprochen ohne ihm zu widersprechen und all die guten Dinge aufgezählt, die sich in diesem Lande ja auch tun. Und für kurze Zeit hat mich das auch wieder zuversichtlich gestimmt.

Tja.

Aber heute Vormittag hat mich eine Verwandte kontaktiert, die in Pension ist, nicht in Boboville lebt, die Krone liest, grundsätzlich unpolitisch ist, aber vor einiger Zeit noch Grün gewählt hat und zuletzt HPM wählen wollte. Sie hat mir eine Email weitergeleitet, kommentarlos bis auf eine Frage: stimmt das wirklich?

stimmt das wirklich ?

Von: …..! (einem Mitarbeiter der PRESSE an einen Bekannten )

Betreff: Unglaublich

Die Volltrottel der Nation

Hier ist jeder Kommentar überflüssig. Man glaubt immer es gibt keine Steigerung in unserem schönen Land mehr.

Unseren, vor der EU kriechenden und scheinbar komplett verblödeten, Volksverrätern ist es offenbar noch nicht genug, dass sich ganze ausländische Familienclans mit einer E-Card auf unsere Kosten behandeln und operieren lassen, dass sich Horden von Verbrecher bei uns bedienen wie im Schlaraffenland und ungehindert über die Grenzen verabschieden, dass sich sogenannte Asylwerber aus aller Herren Länder bei uns einnisten (die brutalen Sikh – Attentäter haben bereits um Asyl angesucht und werden das Verfahren so lange verschleppen bis sie ein Bleiberecht ersessen haben) und leben wie die Maden im Speck, dass wir nicht mehr “Grüß Gott” sagen dürfen oder der Nikolaus abgeschafft wird und die Kreuze aus den Klassenzimmer entfernt werden um Menschen mit “Migrationshintergrund” nicht zu “beleidigen”. Auch soll die Türkenbelagerung von Wien nicht mehr in den Geschichtsunterricht gelehrt werden.

Ich könnte noch lange so weiterschreiben, aber jetzt kommt’s……und ich kann’s noch gar nicht glauben und hoffe dass es nicht wahr ist. Am 10.6.09 habe ich in der Kronenzeitung im “Freien Wort” folgendes gelesen:

EU-Rentner: Durch Zuzug Mindestpension…

Eine Lücke haben jetzt rumänische und bulgarische Rentner entdeckt. Wenn EU-Pensionisten in Österreich einen Wohnsitz nehmen, bekommen sie hier Ausgleichszahlungen bis zur Höhe der österreichischen Mindestpension. Ein Experte: “Die Zahl solcher Empfänger steigt explosionsartig. Oft sind es nur Scheinumzüge, in manchen Wohnungen sind bis zu 20 Rentner gemeldet

Josef Huemer, Linz

Offensichtlich ist das sowas wie ein digitaler Kettenbrief, der gerade die Runde macht außerhalb meines sozialen Netzwerkes von fm4-Hörern, Standard-Lesern, Blog-Kommentierern und Facebookfriends. Im ersten Frust habe ich spontan geantwortet:

“ein mitarbeiter der presse” schreibt an “einen bekannten”, dass “ein experte” etwas gesagt haben soll, es wird aber kein konkreter fall genannt. wie soll ich das jetzt überprüfen?

was ich weiß: der nikolaus wird nicht abgeschafft, grüß gott darf man weiterhin sagen, die kreuze werden nicht aus den klassenzimmern entfernt (und ich wäre übrigens dafür), die sikh-attentäter können kein bleiberecht ersitzen, weil das erstens juristisch nicht geht und sie zweitens vor gericht gestellt werden und die ausländischen familien, die sich angeblich mit einer e-card versorgen lassen, brauchen dazu ja korrupte österreichische ärzte.

das ist einfach eine beleidigung für jeden verstand.

Jetzt ist der erste Frust weg und ich hab den zweiten. Den tiefen, lange anhaltenden. Blumenau hat recht. Es ist aus. Und wer das hier liest, ist Teil einer in diesem Land schlecht integrierten Minderheit.

This is beta. (version 1.0)

Aus dem Archiv »

Weihnachten mit Tom Waits von Aktueller Dienst
Vertragslos, Tag 9 von Franz J. Sauer

3 Kommentare »

  • Robert sagt:

    Habe Anfang 2008 einen ähnlichen digitalen Kettenbrief erhalten:

    Heute hat mich(den vorversender dieser email) ein INFO (Wahlkampf) erreicht……
    Für die GRÜNEN macht Österreich zu wenig für die Fremden ?????
    Wer bekommt jetzt wie viel vom Staat ? Österreichische Familien oder Asylwerber ?

    BARGELDLEISTUNGEN AN ASYLWERBER IN ÖSTERREICH (Quelle:Arbeitersamariterbund, Arbeiterkammer für Österreich):

    Essensgeld pro Person (auch Kinder): € 150,00
    Taschengeld pro Person (auch Kinder): € 40,00
    Freizeitaktivitäten pro Person (auch Kinder): € 10,00
    Bekleidungshilfe pro Jahr: € 150,00
    Schulbedarf pro Kind und Jahr: € 200,00

    BEISPIEL: Asylwerberfamilie mit drei Kindern (zwei schulplichtige):
    Essensgeld x 5 € 750,00
    Taschengeld x 5 € 200,00
    Freizeitaktivitäten x 5 € 50,00
    pro Monat Bargeldleistung: € 1000,00

    dazu Bekleidungshilfe x 5 pro Jahr insg. € 750,00
    dazu Schulbedarf x 2 pro Jahr insg. € 400,00

    NICHT vom Asylwerber davon zu bezahlen sind: Miete, Strom, Gas,Heizung,Fernsehgebühren, Hygieneartikel (zB. Windeln, Seife, WC-Papier usw.)

    VERGLEICH !!!!
    Österr. Familie: Vater arbeitslos, Mutter Hausfrau, drei Kinder:
    durchschnittliche Arbeitsloser in Österreich: € 700,00
    Familienbeihilfe x 3 € 336,00
    pro Monat Bargeldleistung: € 1036,00

    Davon zu bezahlen sind: Miete, Strom, Gas, Heizung, Fernsehgebühren,
    Essen, Hygieneartikel, Kleidung, Schulbedarf etc.

    IST DAS NICHT DER WAHNSINN ????
    EIN ASYLWERBER BEKOMMT IM MONAT UM 36,00 EURO WENIGER UND MUSS ABER
    KEINE MIETE USW. BEZAHLEN !!!!
    IRRE ODER !!!!
    EIN GROSSES DANKE AN UNSERE POLITIKER !!!

    UND JETZT HALTE DICH FEST !!!
    In den USA kommt ein Asylsuchender auf 13.697 Einwohner !
    In Deutschland kommt ein Asylsuchender auf 1700 Einwohner !
    In Österreich kommt ein Asylsuchender auf 265 Einwohner !!

    Schick diese Mail an alle weiter.
    Und denk darüber mal nach! ;-)

    Hab daraufhin eine kurze Recherche im Netz gemacht und folgendes Ergebnis als Antwort retour geschickt:

    Welche Unterstützungen erhalten Asylwerber?
    Seit Wochen sind Mails unterwegs und auch in Schaukästen einer politischen Partei gibt es Darstellungen in denen angebliche Zahlungen an AsylwerberInnen und Leistungen an österreichische Familien gegenübergestellt werden – Unwahrheiten, die richtiggestellt werden müssen.

    Wahr ist, dass beide Gruppen, sowohl AsylwerberInnen als auch Familien mit 3 und mehr Kindern zu den armutsgefährdetsten Gruppen in Österreich zählen. Aufgrund der geringen Nettoersatzrate (= Berechnung des Arbeitslosengeldes) bei Arbeitslosigkeit sind Familien mit nur einem Berufstätigen besonders schlimm von Armut bei Arbeitslosigkeit betroffen. AsylwerberInnen haben wiederum beinahe keine Chance, an ihrer finanziellen Situation etwas zu verändern, da ihnen großteils der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt ist und Asylverfahren oft mehrere Jahre dauern.

    Es ist menschenverachtend, diese beiden Gruppen gegenüberzustellen und somit indirekt zu verlangen, die einen müssten weniger als die anderen bekommen und dabei beide in ihrer Armut alleine zu lassen. Vielmehr wäre es an der Zeit aufzuzeigen, dass in einem angeblich so familienfreundlichen Land wie Österreich, das übrigens das siebtreichste Land der Welt ist, Großfamilien ständig von Armut bedroht sind und existenzsichernde, armutsbekämpfende Maßnahmen dringendst notwendig sind. Forderungen wie massiver Ausbau von leistbaren Kinderbetreuungseinrichtungen, Anhebung der Frauenerwerbsquote und eine Wirtschaftspolitik, die wieder sichere Arbeitsplätze schafft werden noch viel zu wenig gehört. Aber auch Menschen, die bei uns Schutz suchen, müssen eine Recht auch ein menschenwürdiges Dasein haben und sich auf ein faires und rasches Asylverfahren verlassen können.Alles andere ist einem reichen, demokratischen und sozialen Österreich unwürdig.

    Um die Zahlen dieses Pamphlets noch in das richtige Licht zu rücken, hier noch einige detaillierte Angaben:
    Am Beispiel Oberösterreich:

    Möglichkeit 1: eine Asylwerberfamilie mit drei Kindern ist in einem Gasthaus oder Flüchtlingslager in Mehrpersonenzimmern untergebracht. (AsylwerberInnen haben keinen Einfluss darauf, in welchem Bundesland und in welchem Quartier sie untergebracht werden)

    Der Herbergsbetrieb erhält ein Taggeld für Unterbringung und Verpflegung der AsylwerberInnen. AsylwerberInnen erhalten pro Monat ein “Taschengeld” von 40 Euro. Davon zu bezahlen sind Hygieneartikel, Windeln, Seife, oftmals auch das WC-Papier oder bei Frauen Binden. Personen die zu spät zum Essen kommen, etwa weil der Arztbesuch länger dauerte, oder SchülerInnen, die Nachmittagsunterricht haben, bleiben manchmal hungrig.

    40 Euro pro Person mal 5 = 200 Euro monatlich für eine fünfköpfige Familie

    Möglichkeit 2: eine Asylwerberfamilie mit drei Kindern ist in einem sogenannten “Selbstversorgungsquartier” der Volkshilfe oder der Caritas untergebracht.

    Die AsylwerberInnen erhalten statt der Verköstigung “Essensgeld”. Dies beträgt bei Erwachsenen monatlich 150 Euro, bei Minderjährigen 110 Euro. Ebenfalls von diesem “Essensgeld” zu bezahlen sind teilweise die Hygieneartikel, da Taschengeld in dieser Unterbringungsform nicht ausbezahlt wird!

    2 mal 150 Euro + 3 mal 110 Euro sind insgesamt 630 Euro monatlich für eine fünfköpfige Familie

    Bei beiden Unterbringungsformen sieht das Gesetz noch folgende Unterstützungen vor:

    Bekleidungshilfe: max. 150 Euro pro Jahr als Höchstgrenze (es besteht kein Rechtsanspruch auf Auszahlung der Summe in dieser Höhe). In Oberösterreich erhalten AsylwerberInnen Gutscheine etwa von Second-Hand-Läden statt Bargeld.
    Schulbedarf: max. Höchstgrenze 200 Euro. Hier wird versucht die Abwicklung direkt über die Schule zu organisieren, d.h. die Schule verwaltet das Geld. Die AsylwerberInnen erhalten in diesem Fall kein Bargeld .
    Freizeitaktivitäten: die Höchstgrenze von 10 Euro monatlich wird bei weitem nicht ausgenützt. Es wird ebenfalls kein Bargeld ausbezahlt. Unterstützung gibt es z.B. wenn sich Jugendliche beim örtlichen Fußballclub anmelden oder zum Kauf eines gemeinsamen Tischtennistisches in der Unterbringung oder für Integrationsfeste zum gegenseitigen Kennenlernen der ortsansässigen Bevölkerung und den Flüchtlingen.

    Möglichkeit 3: die Asylwerberfamilie zieht in eine Privatwohnung.

    Die 5-köpfige Familie erhält einen maximalen Zuschuss pro Monat von 220 Euro für Miete und Betriebskosten. Erwachsene einen Essenszuschuss von 180 Euro, Minderjährige 80 Euro.

    Zu bezahlen ist die gesamte Miete, Betriebskosten, Essen und sonstige Lebenserhaltungskosten.

    Ergibt gesamt 820 Euro monatlich für eine fünfköpfige Familie

    Prinzipiell: Unterstützung erhalten nur Personen die hilfsbedürftig sind! Darf ein/e AsylwerberIn arbeiten und kann somit selber für die Familie aufkommen, verliert diese/r sofort den Zugang zur Grundversorgung und den entsprechenden Unterstützungen.

    Rezeptgebührenbefreiung und Rundfunkgebührenbefreiung erhalten sowohl AsylwerberInnen als auch Familien mit 3 Kindern, wenn die entsprechende Einkommensgrenze nicht überschritten wird.

    Einige Leistungen erhalten AsylwerberInnen nicht, sehr wohl aber eine österreichische Familie mit 3 Kindern – hier sind nur einige beispielhaft für Oberösterreich aufgezählt. Auch als Information für all jene, die diese Unterstützungen noch nicht kennen und diese aber vielleicht dringend benötigen:

    Familienbeihilfe inkl. Mehrkindzuschlag bei Familien mit mind. 3 Kindern (Zuschlag 36,40 Euro/Kind und Monat)
    Kinderbetreuungsgeld
    Heizkostenzuschuss
    Sozialhilfe und einmalige Unterstützung aus der Sozialhilfe (Unterstützungen für Kinder müssen nicht zurückgezahlt werden!)
    Schulbeginnhilfe beim Schuleinstieg iHv 80 Euro
    Schulveranstaltungshilfe iHv 80 Euro pro Kind
    Landeszuschuss zum Familienurlaub
    OÖ Kinderbetreuungsbonus 400 Euro pro Kind – max. 1200 Euro
    Mutter-Kind-Zuschuss des Landes OÖ iHv 370 Euro
    Wohnbeihilfe
    Lassen wir zu, dass zwei benachteiligte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden, so erreichen wir nur, dass beide verlieren!

    Fordern wir als reiches Land ein menschenwürdiges Dasein für alle in Österreich lebende Menschen, so gewinnen alle und wir können außerdem stolz auf dieses Land sein!

    Eine Darstellung der Arbeiterkammer OÖ und der Volkshilfe OÖ, Oktober 2005, Quelle: Grundversorgungsvereinbarung des Landes OÖ, Sozialratgeber 2005 des Landes OÖ, Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung OÖ

    Finds halt irgendwie bedenklich, wenn derartige Emails unreflektiert an x-Empfänger versendet werden – grade im Internet würde ein kurze Google-Recherche genügen, um Behauptungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen…

  • besserpisser sagt:

    bluemenau übertreibt (in seinem fall ein fein genutztes stilmittel), shaffer untertreibt und der kettenbrief stammt wohl aus der F-parteizentrale. schon die dramaturgie hinkt, weil: ich persönlich fände ja die “Horden von Verbrecher (die sich) bei uns bedienen wie im Schlaraffenland und ungehindert über die Grenzen verabschieden” schlimmer als die paar rumänischen pensionserschleicher, aber bitte …

    gegenmittel: ned amal ignorieren. wer das glaubt, wählt sowieso schon rechts …

    allerdings beruhigt es mich einigermaßen, dass unsere heimischen ausländerhasser noch keinen etappensieg feiern konnten wie deren gesinnungsgenossen im fernen nordirland (http://diepresse.com/home/panorama/welt/489851/index.do?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do). da sind wir, hoffe ich, doch noch ein paar schritt von entfernt …

  • Tom93 sagt:

    man kann entweder traurig unter seinem Hut hervorschauen oder etwas TUN !

    gesellschaftliche Situationen entstehen nicht, sie werden GESCHAFFEN

    also MOVE YOUR A;-)

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