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Der falsche Prophet. Oder: Obama schätzen lernen

Von | 18.06.2009, 7:00 | Kein Kommentar

Jon Voight muss man nicht kennen. Als Vater von Angelina Jolie, mit der er im Zwist leben soll, schafft er es in die Gazetten. 1979 bekam er einen Oscar für seine Rolle als Vietnamveteran im Film „Coming Home“. In aktuellen Hollywood-Produktionen spielt er zumeist den Bösewicht, etwa in der neuen Staffel von 24. Nun hat […]

Jon Voight ist Republikaner. Und daher mag er Barack Obama nicht.Jon Voight muss man nicht kennen. Als Vater von Angelina Jolie, mit der er im Zwist leben soll, schafft er es in die Gazetten. 1979 bekam er einen Oscar für seine Rolle als Vietnamveteran im Film „Coming Home“. In aktuellen Hollywood-Produktionen spielt er zumeist den Bösewicht, etwa in der neuen Staffel von 24. Nun hat Voight dem Bösewicht auf politischem Terrain ein Gesicht gegeben.

Seine Rede bei einem Fundraising Dinner der Republikaner in Washington DC war zwei Tage auf der Startseite von youtube (zumindest auf meiner, vielleicht entspreche ich ja dem Nutzerprofil eines Republikaners):

Fünf Monate nach der Amtseinführung von Barack Obama zeigt diese Rede exemplarisch und besser als jede Rede eines politischen Profis, wohin die republikanische Reise geht: Zurück in die Zukunft nämlich. Auf folgenden Säulen fußt Voights Manuskript:

  1. Andeuten eines Wahlbetrugs: „Wir wissen, wie sie (die Demokraten, Anm.) gewonnen haben (…). All ihre Strategien müssen genau untersucht werden, um zu schauen, ob wir sie nachahmen können in einer positiven (Pause), legalen Art und Weise.“ Näher erklärt das Voight nicht. Er weist nur darauf hin, dass Obama die Jugend, die Medien und sogar Hollywood auf seiner Seite hatte („I’m ashamed!“). Was für ein kolossaler Schwindel!
  2. Obama für die Wirtschaftsmisere verantwortlich machen: „Er bringt den Niedergang unseres Landes (…). Alles, was er entschieden hat, hat sich als katastrophal herausgestellt (…)“ So schnell will das politische Establishment vergessen machen, dass die Bush-Administration für dieses historische Desaster namens Weltwirtschaftskrise verantwortlich ist. „Amerikas Abstieg in den Marxismus passiert mit atemberaubender Schnelligkeit“, zitiert Voight die russische Pravda und auch hier nicht einmal die halbe Wahrheit.
  3. Festhalten am Unilateralismus: „Wir werden eine schwache Nation“, beklagt Voight, „Obama glaubt, er kann die Welt erobern mit seinem lieblichen Gerede (im Original: softspoken sweettalk). Meine größte Sorge: Die Sicherheit Israels und die Möglichkeit eines neuen Holocaust.“

Voights Conclusio: „Wir müssen die Nation von dieser Obama-Unterdrückung befreien.“ Er schließt mit einer Zielsetzung, die ich nicht übersetzen kann/will, weil ich die unterschwellige Aufforderung an Waffennarren und Rassisten selbst Jon Voight nicht unterstellen will: „To bring an End to this False Prophet Obama!“

Nun, was ficht das uns Europäer an?

Einsicht ist keine politische Kategorie, die Chuzpe hingegen beliebtes Mittel, das gilt weltweit und für die Republikaner ganz speziell. Für uns europäische Zuschauer, Bewunderer und Kritiker, gilt es, das Obama-Zeitalter schätzen zu lernen, bevor es wieder vorbei ist. Die in Europa anschwellende, berechtigte Obama-Kritik – was hat er denn schon groß umgesetzt? – ist in Relation zur Alternative zu setzen. Und die ist, egal ob die Proponenten Reagan, Bush oder sonst wie heißen, keine gute. Weil es, siehe Jon Voight, more of the same ist.

Hier noch seine Rede in voller Länge:

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