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Koitalsubstitutum Motoriensis: Autos machen Leute.

Von | 12.06.2009, 15:31 | 2 Kommentare

Ich gebe zu, ich bin eitel. Ich mag es, wenn mir die Leute nachstarren. Klar, sie starren nicht mir, sondern dem jeweiligen Hobel nach, den ich fahre. Aber immerhin, sie starren. Und zwar in meine Richtung. Man muss ja schließlich schauen, wo man bleibt. Oder auch: nehmen, was man kriegt. Der neue Ford Focus RS […]

Foto: Conny De Beauclair

Beim neuen Ford Focus RS ist es egal, wer drin sitzt. Das hilft.

Ich gebe zu, ich bin eitel. Ich mag es, wenn mir die Leute nachstarren. Klar, sie starren nicht mir, sondern dem jeweiligen Hobel nach, den ich fahre. Aber immerhin, sie starren. Und zwar in meine Richtung. Man muss ja schließlich schauen, wo man bleibt. Oder auch: nehmen, was man kriegt.

Der neue Ford Focus RS ist ein gutes Beispiel für das, was ich meine. Schon rein optisch: Tiefe Schürzen, fette Felgen, dicker Auspuff, Extra-Spoiler am Heck, der wahlweise als Bügelbrett oder als Zusatzsitzbank verwendbar wäre. Prolo totalo, gewissermaßen. Und geil wie nur. Da gaffen Dir wirklich alle Pickelgesichter heimischer oder migrantischer Herkunft ziemlich nach, während sie ihre Zündapps antreten. Auch die älteren Buben am Steuer ihrer Polos, Civics oder 3er-Bayern – alle ebenfalls fleißig verspoilert, allerdings im Eigenbau – verrenken sich das Genick, während sie auf Grünlicht warten. 

Zur echten Sympathiebekundung per Daumenrauf oder sonstwie reichts allerdings seltenst, sowas kriegst Du nur im freundlichen Süden. In unseren Breitengraden herrscht gesunder Neid vor, was ja auch ziemlich gut tut. Bemerkenswert war die Reaktion jenes Münchner Porschefahrers am Lerchenfeldergürtel, der sich trotz massiven Leistungsüberschusses mir gegenüber (sein Turbo leistet 420 PS, mein RS bloß 300) dazu veranlaßt sah, zum Heizerl zu bitten. Freilich biss ich ab. Und sein freudiges Lächeln ist von einer zufällig am Wegesrand lungernden Radarbox gestochen scharf dokumentiert worden.

Bemerkenswerterweise schauen Dir im RS-Focus auch Girls nach. Hauptsächlich jene von der gemäschten und arschgeweihten Fraktion zwar, aber das stört ja wohl kaum. Sie wirken dabei allerdings meist nicht sehr fröhlich. Zwei Denkweisen unter der halbblonden Mähne wären demnach vorstellbar. Erstens: „Wenn ich meinem Freund nur eine solche Karre kaufen könnte. Dann hätte er öfters Zeit für mich.“ Oder zweitens: „Könnte ich mir nur selbst so eine Karre kaufen. Dann hätte ich den Mordsauftritt vor der Nachtschicht. Und müsste mir nicht immer die Mitfahrgelegenheit heimwärts erdienen, ja könnte sogar andersrum die Jungs mal richtig ausnützen.“ Ach ja, eine dritte wäre auch noch denkbar: „Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.“ Diesfalls wären der RS und ich aber bloß zufällig ins Blickfeld des Girls geraten. 

Man merkt schon, all jene netten Sympathiebekundungen haben wenig mit meiner unwiderstehlichen Person hinterm Steuer zu tun. Macht nix. Selbst ist der Mann. Und vor allem: Selbstverliebt. Autofreaks wie ich kennen in ihrer Stadt stets alle wunderbar reflektierenden Schaufensterscheiben, die idealerweise entlang der Stauzonen langrotphasiger Kreuzungen drapiert sind. Dort kann man dann sich in seinem Auto bewundern. Taxieren, wie gut es einem steht. Und so ganz nebenbei auch den Sitz der neuen Sonnenbrille korrigieren. Solange, bis es grün wird und der neidige Hintermann einen weiterhupt.

Für alle, die jetzt „Sonderling“ rufen: Ich habe mit dieser Angewohnheit eine Menge Brüder im Geiste, glauben Sie mir. Und wenn gewünscht, liefere ich demnächst an dieser Stelle eine Übersicht der am besten dafür geeigneten Stellen in Wien.

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Die Sonnenbrille sitzt, der Lack blitzt, der Mann ist glücklich. Foto: Conny De Beauclair

2 Kommentare »

  • leser sagt:

    na grundsätzlich eine nette geschichte, aber was kann das auto?
    solche tage erleben wir des öfteren, jedoch wären infos zum fahrbaren untersatz auch recht spannend!

    oder is dieses „teil“ unspannend und nur als „proll“ zu besitzen? ;-)

    • franz j. sauer sagt:

      werter leser,

      das auto ist ganz und gar nicht unspannend, im gegenteil! es ist eines der lustigsten der letzten jahre! Ich werde Ihren ordnungsruf beherzigen und beim nächsten mal wieder mehr aufs fahrzeug eingehen …

      beste grüße,
      fjs.

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