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Null Bock auf Gärtner: Feedback aus der Unterwelt.

Von | 27.05.2009, 7:00 | 4 Kommentare

Seit Tagen hocke ich jetzt in meiner stinkenden Grabkammer und starre auf den Monitor – ein Haufen Knochen neben mir, Bob Marley in der Ecke hinter mir, ein Marienbild zu seinen Füßen, die rote Gibson an der Wand. Alles flackert. So soll es sein. „Soziale Folgen der Krise zeigen sich“; „EU: Maßnahmenpaket gegen Arbeitslosigkeit“; „Schweinegrippe: […]

Devil Dirt by Tim Möller-Kaya

Devil Dirt by Tim Möller-Kaya

Seit Tagen hocke ich jetzt in meiner stinkenden Grabkammer und starre auf den Monitor – ein Haufen Knochen neben mir, Bob Marley in der Ecke hinter mir, ein Marienbild zu seinen Füßen, die rote Gibson an der Wand.
Alles flackert. So soll es sein.
„Soziale Folgen der Krise zeigen sich“; „EU: Maßnahmenpaket gegen Arbeitslosigkeit“; „Schweinegrippe: Forscher befürchten zehnmal höhere Zahl von Infektionen “; „Delogierungswelle in den USA“; „Gewerkschaft plant Großstreiks“; „Wieder Atomtests in Nordkorea“.
Entzückend, herzerweichend, einfach wunderbar.
Vielleicht wird es ja doch noch was mit der irreversiblen, weltumspannenden Untergangsstimmung. Hübsch anzusehen, wie die Lügengebäude der Finanz- und Politwelt nach und nach erbeben, wie sich Risse zeigen, wie Löcher gestopft werden müssen und postwendend gigantische Krater entstehen.
Ja, unsere Freunde da oben geben sich reichlich Mühe. General Obama zum Beispiel, ein ausgezeichneter Systemerhalter für die nächsten Jahre, macht sich gerade für die Rettung des Systems stark. Und für den eigenen Ruhm, wenn wir schon dabei sind. Und für die liebe Familie. Nehmen Sie ein Bild von Michelle Obama und schauen Sie der Dame tief in die Augen. Augen, aus denen jetzt schon der krankhafte, von Ehrgeiz zerfressene Irrsinn der weniger glamourösen Spätphase strahlt.
Yes, she can.
Aber General Obama ist ein ehrenwerter Mann. In einer Zeit nach dieser Zeit wird er als einer der großen Köpfe seiner Epoche verehrt werden. Als ein Staatsmann, der die Erfindung des Geldes vorangetrieben hat. Das ist sein Auftrag, soweit es uns betrifft: Schwinge dich zum politisch korrekten Popstar empor, verzücke die Massen als Erlöser, zaubere noch mehr Geld, das es eigentlich nicht gibt, aus dem großen schwarzen Zylinderhut, der jedem und keinem gehört, und gib es erneut denen, die es mit Zinseszinsen in den Sand setzen. Verwandle den Turbokapitalismus in den Hyperschallkapitalismus und sorge dafür, dass der gesamte Markt der beknackten Barbaren da oben – also jeder Markt und jeder Staat, ausnahmslos – nur noch auf Pump lebt. Ja, anpacken und kurbeln! Öl ins Feuer! 787 Milliarden Dollar, ab damit ins Fegefeuer der Eitelkeiten und der toxischen Wertpapiere. Woooshhhh!
Yes, he can.
Chapeau, Mr. President ! „Major League Asshole“ Bush war gut. Sie machen es sicher besser…

*

Schau, Bob, sage ich zu Marley. Marx steht auf dich! Ist das nicht cool? Marley grinst schon wieder wie ein Hohlkopf und versteht nach einiger Zeit tatsächlich „Marx“, was ihn sichtlich zu beunruhigen scheint. Seit er in der Vorhölle herumspukt, spricht er nicht viel. Musiziert auch nicht gern, der alte Pothead-Zombie. Ein bisschen Singsang, hin und wieder, während er in seiner Bibel blättert. Wenn er richtig in Fahrt kommt, geht’s um Fußball und zusammenhangloses, visionäres Zeug, das hier kein Schwein versteht.
War nur ein Scherz, Marley, sage ich, dein neuer Getreuer ist der Pfaffe Marx aus München, der jetzt von der Bruderschaft des Schwertes als Reggae-Fan geoutet wurde. Und wo steht’s geschrieben? Im World Wide Web natürlich, wo es heute zu den haarsträubendsten Zwischenfällen kommt. Da gibt aber auch wirklich jeder seinen Senf dazu, sogar die Kirchenheiligen und ihre Statthalter, die jetzt offenbar schon damit hausieren gehen, dass sie irgendeinen Draht zur vorsintflutlichen Populärmusik gefunden haben.
Als ob die Welt da oben sowas nötig hätte! Glorifiziert der Bischof doch glatt dein Dreadlock-Geschunkel, obwohl du wie ein Weltmeister gekifft hast und vom Christentum zum Rasta-Kult konvertiert bist. Gut möglich, dass dein hypnotisches Gesülze heute bei Kindermessen dafür missbraucht wird, die Lämmer Gottes einzulullen, auf dass sie nicht rebellisch werden und bösen Gedanken nachhängen. Kirchengesänge, verstehst du? Du bist Seite 14 im Gesangsbuch eines Chorknaben, und ein notgeiler Religionslehrer mit Halbglatze haut dazu inbrünstig in die Saiten!
Lobe den Herrn, Bob, mehr ist nicht zu sagen.

*

Marley hat keine Ahnung vom Internet. Weg da!, herrsche ich ihn immer an, wenn er nach vor zum Monitor drängt. Das musst du nicht sehen, das ist Teufelszeug, und damit ohne weitere Begründung alles meins! Jaja, alles Babylon, Sodom und Gomorrah. Guter Nährboden für eine Ausgeburt des menschlichen Chaos, einen stillen Teilhaber der Verelendung der Massen.
Nicht auszudenken, würde ich dem Rastaman, der ja zu Lebzeiten zirka drei Millionen Kinder in die Welt gesetzt hat, des Fraters neueste Epistel zumuten. Dass sich das katholische Gewürm seit Anbeginn seines heuchlerischen Treibens an seiner eigenen Schülerschaft vergeht und die Spielregeln bricht und sich fortwährend in unsere Angelegenheiten einmischt – furchtbar!
Die Böcke von Dublin sind ja nur die Spitze dieses erzkatholischen Rattenschwanzes an Entgleisungen, der bis heute zum Himmel stinkt. Gedenken wir auch der Legionen von Pfarrersköchinnen, die von aalglatten Kaplänen geschändet und geschwängert wurden. Auf die salbungsvolle Art natürlich. Schon beim Gedanken daran zieht ein unerquicklicher Eishauch durch meinen Unterleib.

Marley und ich, wir werden diesen vergnüglichen Tag in der Grabkammer mit einem Lied von John Lennon ausklingen lassen: „If you had the luck of the Irish, you’d be sorry and wish you were dead…“
Also ich für meinen Teil werde aus vollen Lungen singen.
Und Bob wird sich alle Mühe geben, dazu zu grinsen.

Ergebenst,
Ihr Devil Dirt

4 Kommentare »

  • saxolady sagt:

    Sehr geehrter Mr. Dirt!

    Sie und Ihresgleichen
    ich verweise da auf folgenden stinkigen Auswurf
    http://www.hec.co.at/phpbb3/viewtopic.php?f=76&p=1344#p1344

    Eine Lady wird sich dazu nicht weiter äußern.
    Noch dazu wo sie eine first Lady so erbärmlich beschmutzen.
    Da lass ich das Gemüse tirarden und entferne mich.
    mit leicht schaudernden Grüssen
    Saxo

  • karotterl sagt:

    Soso. Mr. Dirt also.
    Die sache ist ja die, Sie möchtegern-horntragend-gehörnter oder was auch immer, der verblichene 1313er hatte ein einem pflänzchen wie mich so wunderbare töne und farben in seinen stinkenden ausdünstungen, dass es eine reine freude war. die klanggewalt der wortmalereien war niederstreckend besinnlich. eine wohltat für ein jungzeugs, dass in ärgerlichkeiten doch die schönste ablenkung von banalitäten fand.

    aber hier.der mr. dirt also, der malt mir nicht, der grafikt. was soll den das? da soll sich ein wachsendes streckendes karotterl auskennen?
    schäm er sich, aber wirklich.

    und zu den lämmern ist schon noch was zu sagen, knecht der lüste.
    der petrus der depp sagt: herr, du weißt, dass ich dich liebe. und jesus sagt dann weide meine lämmer. meine brüder und schwestern reiten mit mir. hehe.
    oida. dem bob ist des völlig wurscht, könnt er auch sagen, wenn sein gekifftes genuschel einverleibt werderd anstatt hingebungsvoll verpsalmt von der einen oder anderen seite. der reitet längst mit. und ob der mr. dirt da ein pferd ergattert – oder wenigstens einen esel – na schau ma mal. das stramme wurzelwerk wird gnädig ein wort einlegen, alleine des spass wegens, aber sicher sei er sich nicht, der grafiker.

    oiso
    halt er die ohren steif
    sonst fällt der zylinder runter

  • karotterl sagt:

    weide meine lämmer! zu mehr ist der petrusnachfolger auch nicht da. aber ich reg mich jetzt trotzdem über was ganz anderes auf. du erdwurm, elendiger.
    nur weil bob in seiner gutheit und bekifftheit da ein paar kleine ewigkeiten bei dir rumhängt, bild dir ja nicht ein, du seist ein besonders böser! also wirklich. ich entsetz mich grandios, grad das mir das grün nicht eingeht.
    ich bin ja ein besonderes geschöpf, hab meine wurzeln tief im boden und hör das dreckswürmergesülz ja besonders gerne, wenngleich mein grün der sonne und dem regen geweiht ist. aber dieses plagiatsgesülze wurmt mich. wo ist mein dirtdevil, der in wortgewaltiger staubsaugermentalität, wenn auch im rückwärtsgang, mit zwischen grusel und begeisterung schwankender hingabe mir die wurzeln kitzelt.
    bob, schau, ich bin a kollege, ich sag dir nur eins, wer anderer hat auch guten stoff, also schnapp dir die guitar und tausche platz mit tom jones. soll der devil dirt mit ihm sein auslangen finden.
    der ist noch überirdisch?
    ojegal
    naja, irgend einen toten schnulzenheini werd ma scho finden
    8-)
    kaROTterl

    • Devil Dirt sagt:

      Nun denn, strenge Hüterin des Diminutivs, rot gefärbte Stimme aus dem seichten Humus!

      An anderer Stelle wünschen Sie mich im Original herbei und bezeichnen mich als Ihren Lieblingsfeind. Hier konfrontieren Sie mich mit Plagiatsvorwürfen und lechzen nach einem Stadium meiner teuflischen Metamorphose, an das ich mich nur noch schemenhaft erinnern kann. Was sind Sie doch für ein zeterndes Miststück! Mir ist natürlich bewusst, dass ein niederes Gewächs meinen Aufstieg in der Hierarchie der Unterwelt niemals nachvollziehen kann. Deshalb noch einmal, für alle Armen im Geiste, und sogar zum Mitschreiben, wenn’s beliebt: Der Staubfresser dirtdevil 1313 ist nicht mehr, er hat sich aus einer Laune heraus selbst zum Drecksack Devil Dirt befördert. Devil Dirt, der Erste, um genau zu sein. Bei uns im Untergrund nennt man das Karriere – und Ihre Wurzeln, Teuerste, werde ich auch als Großgeschriebener noch öfter kitzeln (auch wenn Sie das vielleicht nicht zugeben werden), darauf können Sie ihren giftgrünen Haarschopf verwetten!

      Ihr verehrter Lieblingsfeind,
      DD

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