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Face Off. Leben im 1000-Freunde-Klub. Karl Kilian

Von | 26.05.2009, 10:42 | 2 Kommentare

Name: Karl Kilian Alter: unterschiedliche Angaben, je nach Quelle Familienstand: verlobt Beruf: Musiker, Künstler, Kurator, Organisator Wohnort: Wien Zeit bei Facebook: so 11?2 Jahre Freunde: 1940 Website: myspace.com/planetkosmoprolet (KOSMOPROLET Band-Seite) Zitat: „Ich bin ein  Mensch, der seine Partner nicht sucht sondern findet.“ ZiB21: Wie bist Du zu Facebook gekommen? Karl Killian: Ich hatte eine Anfrage […]

Karl KilianName: Karl Kilian
Alter: unterschiedliche Angaben, je nach Quelle
Familienstand: verlobt
Beruf: Musiker, Künstler, Kurator, Organisator
Wohnort: Wien
Zeit bei Facebook: so 11?2 Jahre
Freunde: 1940
Website: myspace.com/planetkosmoprolet (KOSMOPROLET Band-Seite)
Zitat: „Ich bin ein  Mensch, der seine Partner nicht sucht sondern findet.“

ZiB21: Wie bist Du zu Facebook gekommen?
Karl Killian: Ich hatte eine Anfrage von Freunden bekommen, wie auch zu Xing oder linkedIn oder StudiVZ. Ich habe dann mal ein halbes Jahr damit verbracht, nur Applications zu spielen. Erst dann habe ich es für mich zu nutzen begonnen.

ZiB21: Wie nutzt Du Facebook?
KK: Ich nutze Facebook für ein Kunstprojekt: Es gibt ja im Facebook das Statusfeld, das anzeigt, was man gerade so macht. Ich verbreite Fehlinformationen über Karl Kilian und was er tut und verzerre so die öffentliche Wahrnehmung. Für mich ist Facebook ein Spielplatz und eine Erweiterung der Ikonografierung der phänotypischen Kunstfigur Karl Kilian. Wie schon bei den Karl Kilian Festspielen 2006 begonnen, arbeite ich permanent an der Kunstfigur Karl Kilian und ihrer Wahrnehmung. Ich betreibe über 40 myspace-Seiten und benutze ca. 50 Pseudonyme. Ich glaube tatsächlich nur ich weiß, wer ich bin und was ich mache.
Aber zurück zu Facebook: Natürlich nutze ich Facebook auch wie jeder andere zum Netzwerken und Kontakte knüpfen, zum Ankündigen von Veranstaltungen, zum Verbreiten der KOSMOPROLET-Message, als Mail-Client und zum Chatten. Natürlich ist es auch fein, wenn man mit jemanden wieder in Kontakt kommen will, weil es eben sehr unverbindlich ist. Anrufen ist da schon was anderes…

ZiB21: Du hast momentan 1940 Freunde auf Facebook. Wie viele Postings bekommst du an einem Tag?
KK: Keine Ahnung. Ich lese mir die Statusmeldungen nur durch, wenn ich Zeit habe oder ich irgendeine anstehende Arbeit nicht machen will und so eine Rechtfertigung für mich brauche. Persönliche Posts variieren, aber 10-30 werden’s schon sein am Tag.

ZiB21: Nenne uns drei aktuelle Mitteilungen von Deiner Facebook-Seite.
KK: Einer findet das spring:break im SUB in Graz super, ein anderer war heut auf Asian Village und ich selber kündig unser Konzert nächsten Freitag in der fluc Wanne an.

ZiB21: Welcher Sager eines Facebookfreundes hat Dir bislang am besten gefallen oder blieb lange in Erinnerung?
KK: Facebook ist Fastfood und Trash. Da geht’s um keine großen Wahrheiten, drum merk ich mir nix. Nur wenn ich echt eine depperte Statusmeldung seh, dann hau ich denen aufs Maul. Das kann dann in der anschließenden Diskussion recht witzig werden. Lustig sind auch Krankheitswellen, wenn ich selber marode zu Hause rumvegetiere, weil ich dann ganz viele Meldungen bekomm, wie’s den andern von Bombay bis Neumexiko auch beschissen geht. Vereint im Leid sozusagen. Und spannend wird’s da auch mit Leuten, die ich nur über Facebook kenne und sonst noch nie ein Wort mit denen gewechselt habe

ZiB21: Welches Posting auf Deiner Seite hat die meisten Feedbacks erhalten?
KK: Keine Ahnung. Finde ich auch nicht wirklich wichtig. Worauf immer relativ viele reagieren ist, wenn man so Dinge wie „Karl Kilian had an oasch day!“ schreibt. Da können sich immer einige identifizieren.

ZiB21: Wie oft bist Du drinnen?
KK: Dauernd, weil ich immer online bin. Das heißt aber nicht, dass ich auch was mache oder das Fenster am Screen hab.

ZiB21: Wie viele E-Mails schreibst Du zurück?
KK: Alle.

ZiB21: Wie viele Stunden verbringst Du im Facebook an einem Tag?
KK: Aktiv 1?2 bis 1 Stunde.

ZiB21: Deine schrägste Facebook-Geschichte?
KK: Eine BBC-Interviewanfrage wegen meiner „I hate the EURO 2008“-Gruppe. Ein KOSMOPROLET-Konzert in Singapur aufgrund eines Facebook-Kontaktes, der mich zuerst für einen Stalker hielt. Und natürlich, das sich das KOSMOPROLET-Manifest mittlerweile von selber über den Erdball verbreitet und immer mehr Leute sich für dieses Projekt interessieren und mitmachen.

ZiB21: Triffst Du deine 1940++ Freunde auch einmal im richtigen Leben?
KK: Ich trinke mit jedem mindestens ein Bier in meinem Leben. Das ist das Ziel!

ZiB21: Nach welchen Kriterien suchst Du dir deine Freunde aus?
KK: Wie gesagt, ich sehe es als Kunstprojekt und auch als Marketingtool. Prinzipiell nehme ich jede Anfrage an, außer ich kenne diese Person aus dem „wirklichen Leben“ und halte von der Person nichts, aber das war erst zwei Mal der Fall. Und dann gibt’s noch Menschen, die mir mein Postfach mit 500 Einladungen zumüllen, die hau ich als Freunde wieder raus. Ich bin zum Glück noch nie auf faschistoide/xenophobe oder sexistische Trotteln gestoßen, die würd ich kicken, aber das ist eh klar.

ZiB21: Früher hatte man ein Büchlein mit den Telefonnummern seiner Freunde. Heute sind sie im Facebook. Was ist für Dich der Unterschied und was hat sich dadurch geändert?
KK: Nichts hat sich verändert, außer der Geschwindigkeit. Aber Freundschaft hat nichts mit Büchlein, Handy oder Facebook zu tun. Diese Dinge haben immer nur dienende Funktion, das sollten wir noch besser internalisieren. Oft scheint das schon umgekehrt! Aber im Zweifelsfall hab ich von jemanden sicher lieber die Telefonnummer als einen Facebook-Kontakt.

ZiB21: Hattest du schon einmal das Gefühl über Facebook gelinkt worden zu sein?
KK: Nein. Dafür ist mir Facebook auch zu egal.

ZiB21: Hast du in Facebook mehr Frauen oder Männer als Freunde?
KK: Keine Ahnung. Das ist auch belanglos.

ZiB21: Könntest du dir vorstellen, über Facebook einen Partner zu suchen?
KK: Ich bin ein Mensch, der seine Partner nicht sucht, sondern findet.

ZiB21: Gibt es etwas, das du dir von Facebook erhofftest, das aber nicht eingetreten ist?
KK: 500.000 € überwiesen auf mein Konto?

ZiB21: Du verbringst jeden Tag viel Zeit im Facebook. Diese Zeit fehlt dann natürlich für andere Dinge. Wie rechtfertigst du dich selbst für die „verlorene“ Zeit?
KK: Ich sag mir jede Sekunde: Dasisteinkunstprojekt-Dasisteinkunstprojekt-Dasisteinkunstprojekt-… Nein, es ist ganz einfach so: Jetzt mach ich das halt, weil ich’s gerade spannend finde und sich dadurch auch die Welt und die Kommunikationsform wirklich verändert. Außerdem will ich wissen, was Facebook wirklich kann und das Tool austesten und ausprobieren. Und daran anschließend: Wie wird das nächste Ding sein, das Facebook ablöst? Denn dass Facebook nur temporär funktioniert, ist klar, dann kommt der nächste Hype. Wie etwa bei myspace, auch wenn – wie schon in einigen Foren diskutiert, der Traffic auf meinen myspace-Seiten bestätigt diesen Trend – gerade ein zweiter myspace-Frühling heraufdräut, auch wenn so primitive Marketinggags wie zu Beginn sicher nicht mehr ziehen (von wegen – ‚WOW! Auf myspace von der Community entdeckt! Total grassroot ey! & jetzt halt auf nem Major…?’ Hahahaha!). – Darum: Genießen wir Facebook so lange es da ist, was mit den Nutzerdaten passiert, wird ja auch bereits heftigst diskutiert und das ist ja auch echt nicht cool. Aber wenn die Leute permanent die Wahrheit posten – selber schuld!

ZiB21: Was würdest du ohne Facebook machen?
KK: Bäume für den Frieden pflanzen.

2 Kommentare »

  • […] mit Essen und Ernährung beschäftigen. Am Samstg, 29. September ab 20 Uhr kredenzt der Künstler Karl Kilian aus Wien „Kebab-Kunst“. Die Besucherinnen und Besucher können sich aus mehreren […]

  • truetigger sagt:

    Ich weiss, bei Monika vor einem Monat (den ersten Eintrag Deiner Serie hatte ich erst später gesehen) hab ich noch gemeckert: Facebook, so ein Quatsch, alles nur Selbstdarsteller!

    Aber langsam find ich diese Reihe richtig amüsant, und mit KK hast einen urigen Typen ausgegraben, Hans! Bin gespannt, wie es weitergeht :)

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