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Renee PorneroRenee Unplugged 09. Liebesgrüße aus Zürich.

Von Renee Pornero | 10.05.2009, 21:53 | 6 KommentareShare/Save

Renee by ReismannEs war Donnerstag, also musste es Zürich sein. Wir kamen denn auch am Stüssihof-Kino vorbei, und dort hing dann das „Little Jo“-Plakat im Fenster, mit meinem Namen fett drauf. „Das ist der Film“, sag ich zu Oma.
„Aber nicht der Film, wo ich mit spiele, oder?“ –
„Hey, Moment! Du weisst aber schon, dass du in meinem Porno mit gespielt hast!“ –
„Ja, ja doch“, sagte sie kleinlaut und war dann eine Ewigkeit still. Einen Moment lang fürchtete ich, dass ich da was nicht deutlich genug gesagt hatte.
Filmpremieren passieren an sich nur im Mainstream. In Hollywood gibt es das natürlich auch beim Porno. Kapitale Labels wie Wicked oder Digital Playground geben gern pompöse Parties, um dem Fußvolk das neue horizontale Highlight des Jahres zu präsentieren. Kann ich mich da lumpen lassen, wenn „Little Jo“ ihre Schweizer Premiere hat? Kann ich nicht. Irgendwie hat es sich eingebürgert, dass es zu allen Neuerscheinungen aus dem Haus Six Inch Snails passende Feten gibt. Zwar war unser roter Teppich etwa so kurz wie die Liste der prominenten Gäste, aber immerhin, die gesamte Schweizer Pornoszene gab sich anlässlich der Premiere ein Stelldichein.
Mit anderen Worten: Der Schweizer Oberboss war da, ein cooler Mann, fesch, gut gekleidet, autoritär, enorm interessant. Er hielt mir sogar eine Ansprache. Und natürlich Peter Preissle, mein Mentor in der Mascotte Familie. Ich nenne ihn Mister P, so wie er mich Miss P nennt.  Wenn man von Porno in der Schweiz redet, kommt man an Mister P schwer vorbei. Stichwort Heidi. Alles klar? Vor drei Jahren war er in allen Schweizer Zeitungen, da hatte er ein Girl namens Noemi engagiert, für 50 000 Franken. Soviel kriegst du von einem Mann wie Preissle, wenn du einen One Night Stand mit Robbie Williams hattest und dich vertraglich bereit erklärst, die „Night With Robbie“ mit ein paar Ersatz-Robbies nachzuspielen.  Außerdem ist Mister P ganz meine Art von Pornoprofi. Auch für ihn fängt ein Projekt mit der Idee an. Auch er steht auf Dialoge. Und er hat Respekt vor den Klassikern, will aber trotzdem Schwung in den Porno von heute bringen, Filme von heute, mit coolen Kids und fetter Musik.
Mister P hat mir den ersten und einzigen Jägermeister-Rausch meines Lebens verpasst, bei einem Bloodhound Gang-Konzert in Zürich, und wenn die Berliner Venustage sind, gehen wir immer ins „Kitkat“ oder ins „Insomnia“, das sind Fetisch-Klubs. Er geht da mal als Matrose, dann wieder als Krieger mit Lendenschurz und Stiefel und Kriegsbemalung. Ein Bild für Götter, das muss ich nicht erst beschreiben, oder?
Anyway, zurück ins Stüssi, wo der Techniker etwas Zeit brauchte, bis er den richtigen Film eingelegt hatte. Zur Halbzeit hatte ich mich in die angeschlossene Weinstube verzogen, während meine ältere Verwandte tatsächlich jedes Detail bis zum Abspann in sich einsog. Ich hatte ein paar Küppli intus, als ich den finalen Filmsong hörte und sich die Saalgäste nach getanem Voyeurismus an meinen Tisch gesellten. Ein bisschen Filmbesprechung, ein bisschen Lob, ein bisschen Kritik. Es war Donnerstag, 2 Uhr morgens und wieder einmal war eine Renee-Premiere Geschichte geworden.
Doch die Show ging weiter. Zu Mittag des nächsten Tages versammelten wir uns im Kino Walche, um das Produkt einer Traube von Voyeuren unter die Gürtellinie zu rammen. Little Josefine flimmerte den ganzen Tag über die Leinwände, während wir die Pausen mit einer kleinen Inszenierung füllten. Sophie Logan – in Little Jo die Domina Rita – schälte sich geübt aus dem Gewand und Frau Pornero knipste. Voller Kinosaal, alte Knacker, junge Männerrunden, Transen, weit und breit keine Frau. Das Übliche. Nicht dass mich das stört, im Gegenteil. Ich habe mich in Männerrunden immer sehr wohl gefühlt, es ist wie ein kleines Machtspiel – bei dem ich stets die Fäden in der Hand hab. Die netten Herren Marionetten sind ja in der Regel sehr simpel gestrickt. Und wenn man sie mal sozusagen an den Eiern hat, sind sie ganz artig. Überhaupt die Schweizer Voyeure hier, die saßen still da wie eine Herde Schafe und beäugten mein fotografisches Werken mit Sophie.
Das ging wie geschmiert. Sophie ist ja ein superfröhlicher Mensch, dem so ein Live-Exhibitionismus auf mein Kommando höllisch Spaß macht. Die Rolle der Domina, die ich ihr für Little Jo auf den Leib geschneidert hatte, war nicht ganz ihre Sache. Obwohl, die Lesbenszene, in der sie Little Jo per Strap-on bediente, kam verdammt echt. Leider hat sie sich vor kurzem in jemanden verliebt, deshalb filmt sie nicht mehr so oft, ihr Lover scheint das nicht so cool zu finden.
Sophie by-ReneeDas Spektakel wurde live im Internet übertragen, damit das arbeitende Freitagvolk vom Büro-PC aus teilhaben konnte. Weil das mit Reglements einhergeht, übten wir uns in Zurückhaltung. Sogar Sophies Schenkel (Foto) blieben geschlossen. Doch allein der Anblick des nackten Fleisches, das soeben noch auf der Leinwand in Aktion zu sehen war, schien die Männer maumau zu machen. Faszinierend, wie man Männeraugen mit den einfachsten Mitteln dieser Welt zum Leuchten bringen kann.

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6 Kommentare »

  • KarottERL sagt:

    ha!
    ein spass, das gefällt dem gemüse!
    verrats nicht dem frater8-)
    karotterl

  • sakristan biringer sagt:

    faszinierend, wie man es sich leicht machen kann, mit den einfachsten mitteln der welt zu geld zu kommen …

    • truetigger sagt:

      Ich bezweifle, dass es SO einfach ist.

      Bsp Mister P: Ein Imperium aufbauen braucht gewisse Selbstsicherheit, jede Menge Kontakte und die Bereitschaft, eine Menge Kohle im Zweifelsfall zu verbrennen. Egal ob Porno oder ein anderes Geschäft, für mich wär die Selbstständigkeit nix, da ziehe ich – weil es einfacher ist – einen Bürojob vor.

      Bsp Noemi: Einmal Porno, immer Porno – und nur die wenigsten steigen mit 50.000 für einen Film gleich ein. Und was sind schon 50.000 Euro, wenn man dann den grossen Durchbruch nicht schafft, sondern im Heer der Billigmädels untergeht? Oder wie Anina die Kohle für grauslige “Schönheits”-OPs raushaut, Zwischenstation RTL2+BigBrother lautet und am Ende eine Karriere wie Sylvia Rauch auf einen wartet? Erotikstar zu sein ist sicher alles, aber net EINFACH.

      Über Miss P will ich nicht auch noch spekulieren, aber ich glaub net, dass sie es je EINFACH hatte, auch nicht in Zeiten der leicht verdienten Kohle.

      Grüsse aus Graz

    • Oh, da fühlt sich jemand auf den Schlips getreten. Verzeih, das war nicht meine Intention. Gut, zum Trost möchte ich verkünden, dass ich ohne Männer nicht sein kann und ich ihnen unendlich dankbar bin, dass sie mir diesen einfachen Job überhaupt ermöglichen. Besser? Schön.

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