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Face off. Leben im 1000-Freunde-Klub. Hans-Christian Haas.

Von | 12.05.2009, 8:00 | Ein Kommentar

Ohne Facebook würde er auch leben. Wir aber fragen: Wie lebt es sich mit 1000 Freunden auf Facebook, Hans-Christian Haas?

n602312641_2235881_2371Name: Hans-Christian Haas
Alter: 29
Familienstand: geschieden
Beruf: Galerist
Wohnort: Wien
Zeit bei Facebook: 1 1/2 Jahre
Freunde: 1.028

Website: www.haas.at
Zitat: „Manus manum lavat. Ohne Gegenerwartung.“

ZiB21: Wie bist du zu Facebook gekommen?
Hans-Christian Haas: Eine Freundin hat es mir gezeigt. Damals gab es ja noch das Gerücht, dass man nur dabei sein kann, wenn man von jemandem eingeladen wird. Und weil ich das auch als Single-Plattform nutzen wollte, hab ich mich dann angemeldet.

ZiB21: Wie nutzt du Facebook?
HCH: Am Anfang hab ich es nur privat genutzt um Leute kennen zu lernen, aber auch um alte Freunde, Verwandte, wie meine Großcousins, wieder zu finden. Dann bin ich draufgekommen, dass man mit zwei, drei Klicks Newsletter oder Infos an 1.000 Leute verschicken kann. Und wenn man eine Gruppe gründet, kann man sich auch irrsinnig leicht einen Urlaub oder etwas für den Abend ausmachen.

ZiB21: Du hast momentan 1.028 Freunde auf Facebook. Wie viele Postings bekommst du an einem Tag?
HCH: Mehr als 200.

ZiB21: Nenne uns drei aktuelle Mitteilungen von deiner Facebook-Seite.
HCH: … findet, dass es Zeit wird für ein neues Profilfoto und sucht krampfhaft nach Möglichkeiten heute Abend unangenehm aufzufallen.
… ist gerade schwerst beeindruckt von dieser unmenschlichen Bestleistung!!!! Heidi Klum kann sogar mit einem Schuh gehen! Das ist Hammer!
… Das Fundament einer jeden guten Beziehung baut auf dem Stockholm-Syndrom!

ZiB21: Welcher Sager eines Facebookfreundes hat dir bislang am besten gefallen oder blieb lange in Erinnerung?
HCH: Die Leute, die Facebook zu ernst nehmen, sind selber schuld. Ich bin ja ein ziemlicher Psycho. Und ich poste auch ziemlich viel inkorrekte Meldungen und seh dann natürlich an den Reaktionen, wer Eier in der Hose hat und wer meinen Spaß nicht versteht. Der beste Sager war dann auch von einem Freund, der geschrieben hat, dass er HC-fiziert ist. Von meinem Humor.

ZiB21: Welches Posting auf deiner Seite hat die meisten Feedbacks erhalten?
HCH: Politisch und geschlechterspezifisch völlig inkorrekte Meldungen, die ein Lauffeuer entfacht haben an lustigen und oberflächlichen Klischees. Da habe ich beispielsweise einmal einen Spruch auf einer Toilette gelesen: Ich habe nichts gegen Schwule, solange meine Tochter keinen heiratet. Und den hab ich gepostet und man glaubt nicht wie viele da etwas in der Richtung: „Das Schwulsein kann man ja nicht verhindern, das wird einem in die Wiege gelegt und so weiter“ geantwortet haben. Die haben den Spruch nicht einmal kapiert.

ZiB21: Hat man da nicht ständig das ungute Gefühl, man könnte etwas versäumen, weil jemand gerade eine wichtige Mitteilung geschickt haben könnte?
HCH: Klipp und Klar – Nein!

ZiB21: Wie oft bist du drinnen?
HCH: Dauernd.

ZiB21: Wie viele Emails schreibst du zurück?
HCH: Wenn ich persönlich um etwas gefragt oder gebeten werde, schreib ich immer zurück.

ZiB21: Wie viele Stunden verbringst du im Facebook an einem Tag?
HCH: Zusammengezählt werden es schon ein bis zwei Stunden sein.

ZiB21: Deine schrägste Facebook-Geschichte?
HCH: Ist zwar schon öfters passiert, aber speziell am Almdudler Trachtenpärchenball: Meine Freundin und ich haben die Karten geholt und auf einmal hat ein sehr hübsches Mädchen, Gülay Hancer, natürlich ebenfalls auf FB, uns freundlichst begrüßt mit den Worten:  AHHHH, ihr seids doch dieses irre Pärchen auf Facebook! Darf ich ein Foto mit Euch machen?

ZiB21: Triffst du deine 1.028 Freunde auch einmal im richtigen Leben?
HCH: Andauernd. Egal wo ich hingehe. Und ich muss sogar betonen, dass sich daraus der beste Freundeskreis entwickelt hat, den ich je hatte. Einige kannte ich schon seit 13 Jahren, den anderen seit 5 Jahren, der wiederum kennt aber einen anderen seit 20 Jahren und so weiter und so weiter. Wir sind eine Clique von zirka 25 Leuten, die sich unter einander sehr gern haben und wo jeder mit jedem kann. Wir treffen uns regelmäßig zu Sportaktivitäten, fliegen gemeinsam in Urlaub und arbeiten sogar zusammen. Wir greifen uns gegenseitig unter die Arme, wo wir nur können. Manus manum lavat. Ohne Gegenerwartung. Das macht Freundschaft doch aus. Dass man immer für den Anderen ein Ohr hat und zu Stelle ist wenn er was braucht. So sind wir. Lauter Engerl.

ZiB21: Nach welchen Kriterien suchst du dir deine Freunde aus?
HCH: Mittlerweile akzeptiere ich nicht mehr jeden. Vor allem leere Anfragen von Menschen die ich niemals gesehen habe, und mit denen ich auch keinen gemeinsamen Freundeskreis habe, verweigere, bzw. sammle ich.

ZiB21: Früher hatte man ein Büchlein mit den Telefonnummern seiner Freunde. Dann seine Freunde im Handy. Heute sind sie im Facebook. Was ist für dich der Unterschied und was hat sich für dich dadurch geändert?
HCH: Ich hab nach wie vor alle Nummern im Handy und synchron in Outlook. Aber auf FB sehe ich wenigstens, was sie gerade machen, und wohin sie vielleicht am Abend gehen werden. So kann ich zusammen mit meinen Freunden auf einfachste Weise Urlaube und gemeinsame Aktivitäten planen, was ich auch aktiv mache.

ZiB21: Hattest du schon einmal das Gefühl über Facebook gelinkt worden zu sein?
HCH: Hmm, nein.

ZiB21: Hast du in Facebook mehr Frauen oder Männer als Freunde?
HCH: Das ist ziemlich ausgeglichen.

ZiB21: Könntest du dir vorstellen, über Facebook einen Partner zu suchen?
HCH: Das ist doch schon längst passiert. Ich bin unendlich dankbar, dass es Facebook gibt, da ich seit über einem Jahr, es war der 11. März 2008, überglücklich verliebt bin. Und wir haben uns tatsächlich nur über FB kennengelernt. Auf Facebook gibt es ja diese diversen Applikationen wie „interested in“, oder „have sex“. Und dann bekam ich eines Tages eine Nachricht: „Somebody had sex with you in handcuffs and screwed afterwards.“ Und da hab  ich mir gedacht, das ist ja interessant und mir die Dame einmal angeschaut. Und mich erst gar nicht getraut sie anzuschreiben. Aber dann hab ich es doch gemacht und wir sind draufgekommen, dass wir beide mehr als 150 Leute kennen, die sich untereinander auch kennen, nur wir sind uns noch nicht über den Weg gelaufen.

ZiB21: Gibt es etwas, das du dir von Facebook erhofftest, das aber nicht eingetreten ist?
HCH: Ja! Das ich reich werde, 1.000 Frauen in meiner Umgebung treffe und mein Penis größer wird. Außerdem weiß ich immer noch nicht, wie tief meine jüdischen Wurzeln sind (das versprechen einen immer die Werbefenster auf der rechten Seite).

ZiB21: Du verbringst jeden Tag viel Zeit im Facebook. Diese Zeit fehlt dann natürlich für andere Dinge. Was treibt dich immer wieder dazu dich einzuloggen? Und wie rechtfertigst du dich selbst für die „verlorene“ Zeit?
HCH: Ich sehe es nicht als verlorene Zeit. Im Gegenteil. Ich habe dermaßen viele uralte Gesichter wieder dank Facebook gefunden, dass es sich allemal ausgezahlt hat. Vor allem, Sie erinnern sich an die Partner Frage weiter oben, weil ich ja mein Glück auf Facebook gefunden habe.

ZiB21: Was würdest du ohne Facebook machen?
HCH: Leben.

Ein Kommentar »

  • facer sagt:

    auf facebook nur ständig lästiger einschleimer und sonst ? ….auch!

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