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Lesson learned

Von | 28.03.2015, 11:56 | Kein Kommentar

Ich habe gestern einige Gespräche über Politik und persönliche Verletzungen und Konsequenzen daraus geführt. Und ich muss sagen, ich habe kein Verständnis für zuviel Verständnis. Eine Bilanz.

Für die politische Analyse ist Zeit bis Montag, hier möchte ich was Persönliches sagen.

Im Mai wählt das Burgenland, für mich wird da ein persönliches Trauma abgeschlossen. Vor fünf Jahren war ich Spitzenkandidat. Ich kann 100 katastrophale Rahmenbedingungen nennen, warum die Situation eigentlich ausweglos war. Ich kann 1000 Gründe  aufzählen, warum das knappe Überleben in Wahrheit ein Sieg war. Ich kann natürlich auch andere Personen nennen, die alles ganz falsch gemacht haben, während ich genau wusste, wie es wirklich geht… Und? Who cares? Ich hab den Kopf hingehalten und das Resultat zu verantworten.

Nach der Burgenland-Wahl war die Wien-Wahl, die Grünen haben zwei Mandate verloren und eine Koalition gebildet. Es gab keine Versorgung mit Posten für die eigenen Leute. Ich fand das richtig. Ich war stolz darauf. Ich will, dass meine Partei so funktioniert.

Im Burgenland waren die zwei Jahre danach, bis die Organisation wieder auf den Beinen war, eine wirklich schwere Zeit mit vielen GegnerInnen und nur ganz wenigen Freunden. Das war nicht schön. Und allein im Landtag mit allen zu kämpfen und niemand zur Unterstützung zu haben war schon gar nicht schön. Die Grünen haben kein psychologisches Betreuungsprogramm für mich eingerichtet, sondern erwartet, dass ich den Arsch zusammenkneife und hackle und das durchkämpfe. Wenige haben mich gefragt, wie es mir geht. Im Gegenteil, auf dem Bundeskongress 2013 bin ich bei der Wahl durchgeflogen.

Ich hätte der SPÖ die 19. Stimme von 36 im Burgenländischen Landtag verkaufen und mich bequem einrichten können, weil die Grünen mich “im Stich gelassen” haben. Stimmt zwar nicht, aber das hätt ich mir sicher so zurechtbiegen können – Menschen schaffen es ja leicht, sich selbst die Welt so zu erklären, dass sie sich praktisch jedes Fehlverhalten verzeihen dürfen. Auch dieses wäre wohl strafrechtlich nicht relevant gewesen. Aber es wäre trotzdem Korruption gewesen.

Es kandidieren erwachsene, geschäftsfähige Menschen, die für ihr Verhalten zu bewerten sind. Diesen Anspruch muss man stellen, als WählerIn an PolitikerInnen und auch als PolitikerIn an ehemalige und zukünftige KoalitionspartnerInnen.

400.000 EUR Steuergeld auf fünf Jahre für ein unfaires Wahlrecht zu nehmen und/oder zu bezahlen geht beides nicht. Punkt.

Ich halte das übrigens nicht für rasend moralisch, sondern für reinen Pragmatismus: Mich interessieren die Konsequenzen für die Zukunft mehr als jammern über gestern und ich bewerte die SPÖ danach. Ich war bisher immer für Rot-Grün, skeptisch gegenüber Schwarz-Grün im Bund. Das hat sich geändert. Die ÖVP mag politisch weiter weg stehen, aber Abmachungen mit der SP vertraue ich nicht mehr. Und die SP Burgenland ist kein besonders schlimmer Fall. Lesson learned.

Quelle: dem michel reimon sein blog

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