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Isabella NittnerUSA: Planet der Waffen

Von | 28.11.2014, 17:16 | Kein Kommentar

Wenn einen US-Cop der Finger am Drücker juckt, ist das Leben eines Menschen wenig wert. Das eines Schwarzen noch weniger. Die Protestwelle war schon lange fällig.

„Shot fired, male down, black male, maybe 20.“ Das ist der Funkspruch eines amerikanischen Polizisten, nach der Niederstreckung eines Bürgers. An sich korrekt, bis aufs Alter – der Schwarze männlichen Geschlechts war nicht 20, er war 12. Sein Name: Tamir Rice. Außerdem war er nicht bewaffnet, nicht wirklich. Die Softgun, mit der er auf offener Straße spielte, wurde ihm zum Verhängnis. Ein Passant ruft die Polizei, keine zwei (!) Sekunden nach Eintreffen der Funkstreife liegt das Kind tot am Boden.

Michael Brown hatte ein ähnliches Schicksal ereilt. Laut Aussage des Polizisten war der junge Afroamerikaner ein „Dämon“. Zeugen der Szene waren sich in vielem uneinig, eines wussten jedoch alle: Brown hatte sich ergeben. Er war mit erhobenen Händen da gestanden und hatte den Cop gebeten, nicht zu schießen. Auch er ist jetzt tot.

Waffen und Rassismus

Die Vereinigten Staaten, im Kern immer zwei Themen: Waffen und Rassismus. Um das US-amerikanische Waffengesetz wird ja viel gestritten. Seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule, beschäftigt das Thema auch den Präsidenten. Mit 14 Jahren darf man Auto fahren (zumindest in manchen Staaten), mit 18 eine Waffe tragen und mit 21 Alkohol trinken. Diese Staffelung folgt schon mal einer seltsamen Logik. Polizisten dürfen außerdem wesentlich mehr. Regelungen, wann man als Polizist schießen darf, sind extrem flexibel, etwaige strafrechtliche Verfolgung, sollte man seine Amtsgewalt missbrauchen und mal jemanden abknallen, fast ein Ausnahmefall. Menschenleben, von Uniformierten ausgelöscht, sind verdammt wenig wert. Und das Leben eines Schwarzen noch weniger.

Und somit wäre ich schon beim zweiten Punkt: Rassismus. Innerhalb der Polizei dürfte sich der Gleichheitsgrundsatz noch immer nicht durchgesprochen haben. Das ist leider auch bei uns manchmal so. Prekärer (weil häufiger) ist diese Situation anscheinend im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Daran scheint auch ein schwarzer Präsident nichts ändern zu können. Rassismus zerfrisst die Gesellschaft von innen – auch den „Schmelztiegel“ USA. Und Obama ist nicht Martin Luther King.

Für so jemanden wäre die Zeit langsam wieder gekommen.

Foto: atom.smasher, Lizenz: CC Attr.-NC 3.0

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