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Isabella NittnerVorsicht, scharfer Priester!

Von | 13.11.2014, 14:20 | Kein Kommentar

Ach, wieder mal Kinderpornografie im Computer eines heimischen katholischen Priesters? Manchmal verstehe ich nicht, warum meine Mutter weinte, als ich aus der Kirche austrat.

Die katholische Kirche. Freund und Helfer in Not. Eine Stütze in hoffnungslosen Zeiten. Oder so. Meine Mutter ist in Italien am Land aufgewachsen. In ihrer Heimatgemeinde leben gefühlte 300 Menschen. Ein Mal in der Woche versammelt sich das gesamte Dorf, um gemeinsam die Messe zu feiern. In einer der drei (!) Kirchen, die dort seit Jahrhunderten stehen. Auch ich wurde katholisch erzogen und besuchte eine Klosterschule. Vor dem Unterricht wurde gebetet. Wenn mich meine Mutter am Abend ins Bett brachte, wurde gebetet. Jahrelang habe ich ministriert, konnte das Vater Unser, das Ave Maria und auch das Glaubensbekenntnis im Schlaf aufsagen. Was die Worte wirklich bedeuteten, wusste ich nicht.

Heute glaube ich, dass viele Geistliche nicht wissen, was diese Worte bedeuten. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich aus der Kirche ausgetreten bin. Nicht wegen der Kirchensteuer, wie so viele andere. Als ich meiner Mutter diese Entscheidung mitteilte, musste sie weinen. Noch heute, wenn mir schlechte Dinge widerfahren, kann sie es sich manchmal nicht verkneifen. „Du bist ausgetreten. Und jetzt schau, was es dir gebracht hat.“

Die Institution katholische Kirche versucht seit Jahrhunderten auf bedenkliche Art und Weise, Menschen an sich zu binden. Abseits der blutigen Kreuzzüge erzählten sie im Mittelalter, dass das Paradies nur denjenigen vorbehalten wäre, die sämtliches Hab und Gut der Kirche vermachen würden. Erpressung also. Gib mir dein Geld, und ich vergebe dir deine Sünden. Als Martin Luther, der damalige Ober-Revoluzzer, eine andere Meinung hatte, wurden auch sämtliche seiner Anhänger mitunter gewaltsam unterdrückt. Das war die Gegenreformation, der 30-jährige Krieg war die Folge. Und auch heute funktioniert es nicht anders. Obwohl die Kirche jedenfalls diskreter geworden ist.

Porno, Koks & Stricherjungen

Im Vatikan werden Mafiagelder gewaschen. Wird Priestern sexueller Missbrauch oder gar Pädophilie vorgeworfen, werden sie einfach in eine andere Gemeinde versetzt. Am besten in eine Gemeinde, in der die Vorwürfe noch niemand zu Ohren bekommen hat. Kardinäle fahren mit vier Kilo Koks durch die Gegend. Italienische Geistliche predigen in rubin- und smaragdbestickten Kutten von der Kanzel, dass die Gemeindemitglieder doch Silvio Berlusconi wählen sollen. Grund: Der Kirche wurde unter der Regierung Berlusconi unter anderem die Immobiliensteuer erlassen. Erst als Berlusconis Bunga Bunga Parties öffentlich wurden, musste sich die Kirche distanzieren. Wegen Moral und so. Apropos Moral. Ich finde es moralisch schon irgendwie bedenklich, dass ein Priester des Stifts Göttweig einem Kind den Rat gibt, sein Geld als „Stricherjunge“ zu verdienen. Ebenso wie ich es moralisch verwerflich finde zu predigen, dass Kondome böse sind. In einer Zeit, in der weltweit 35 Millionen Menschen HIV-positiv sind. Manche dieser „Hirten“ halten Homosexualität tatsächlich für eine Krankheit. Müßig zu erwähnen, dass sich jetzt wieder mal Kinderporno in den Computer eines heimischen Priesters verirrt hat.

Bei diesen endlosen Fauxpas hilft es wohl nur marginal, einen Jesuiten (Motto: Armut (!), Ehelosigkeit und Gehorsam) zum Papst zu wählen. Mich hat die katholische Kirche als Schäfchen jedenfalls endgültig verloren. Predigen, was man selbst nicht lebt? Mit Moral, Ethik und vor allem Integrität hat diese Institution wohl nichts zu tun. Ich habe das sinkende Schiff verlassen.

Illu: pixabay, Lizenz: gemeinfrei

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