Jetztzeit

Reality-Check: die Gegenwart in Wort und Bild

Netzzeit

Geschichten aus dem Leben mit dem Netz

Sexklinik

Alle Zeit bereit: Quality Time zum Thema Nummer Eins

Auszeit

Kultur & Freiheit: Doping zur Bewältigung des Alltags

Denkzeit

Die Welt ist kompliziert. Reden wir darüber

Sie sind hier: Home » Auszeit » Warum ich Die Dunkle Fee nicht hasste
Share

Warum ich Die Dunkle Fee nicht hasste

Von | 04.06.2014, 21:37 | Kein Kommentar

Gestern passierte mir Seltsames. Ich verließ mit meinen Freunden das Kino, und alle waren bitter und zornig. Alle, außer mir.

Ich hab immer eine Meinung, bin ein intellektueller Snob und sehr emotionell – normaler Weise bin es also ich, die bitter und zornig und aufgebracht ist. Ich habe unzählige Male das Kino mit dem Wunsch verlassen, den Regisseur und die Produzenten und die ganze Crew zu verprügeln, nur um den Zorn los zu werden, der sich beim Konsum des unsäglichen Schmarrns aufgestaut hatte. Aber diesmal ging ich voll zufrieden raus, nahezu hypnotisiert.

„Die Story machte keinen Sinn, der erste Akt war total anders, das CGI war so kitschig, ich wollte `Die Dunkle Fee´ sehen, nicht einen Aufguss von Schneewittchen, was soll das mit der lesbischen Assoziation, es gab so viele billige Tricks (inklusive Einfrieren der Charaktere, damit sie den Mund hielten)!“

Meine Freunde waren aufgebracht.

Ich blieb stumm und hörte mir ihre Beschwerden an und begann mich zu wundern, warum ich den Film nicht hasste. Es dauerte eine Weile, bis es mir dämmerte. Ich liebte diese feministische Geschichte einer Frau, deren Liebe ihr die Flügel stutzte, nur damit er zu Karriere und Reichtum kam: die Geschichte ihres Zorns und ihrer Sehnsucht nach Rache. Ich liebte ihre kritische Haltung zu blindem Ehrgeiz, zum Egoismus, zum Hunger nach materiellem Reichtum und Anerkennung.

Ich liebte den Kontrast zwischen der weiblichen Welt der Magie und der männlichen materiellen Welt. Ich liebte diese Geschichte einer starken schönen Frau, die sehr zornig ist, weil ihr Ungerechtigkeit widerfuhr, und die – besonders in ihrem Zorn – extrem mächtig ist – aber dennoch eine sanfte Seite hat und weiterhin fähig ist zu lieben (wenn auch nicht zu vergeben).

Ich liebte ganz einfach ihre Multidimensionalität. Wie wahr! Und das war es wohl, warum ich von dieser Protagonistin so fasziniert war. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Film mit einer Hauptdarstellerin gesehen habe, die mich ähnlich stark ansprach (wegen des Spiegels, den sie vor mein Gesicht hielt).

Eva Green kam ihr nahe, in „300 – Rise of an Empire“ (click!). Aber die Tatsache, dass sie den ganzen Film trug und praktisch zur Hauptdarstellerin avancierte, passierte unabsichtlich, es ging auf die Kappe von Evas erstaunlicher Darstellung.

Im Ernst, ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, als eine Protagonistin und ihre Geschichte die Frau in mir so direkt und eindringlich ansprach. Ja, Hollywood hat uns in Sachen Figuren, die wir sehen wollen, vollkommen verhungern lassen. Und ich hasse es, wie eine dieser zornigen Feministinnen rüber zu kommen, die starke weibliche Figuren verlangen, sie aber nicht ansehen, wenn mal eine auftaucht (einer Theorie zu Folge sind sie unwillig, das Geld für ein Ticket hinzulegen, selbst wenn es ein Film mit starker Hauptdarstellerin ist. Dates und Ehemänner und Väter hingegen legen 80 Dollar für die ganze Familie hin, damit sie … hm, was nur … Bourne Identity -?- sehen).

Ja, es war erfrischend. Zugegeben, die Geschichte hätte besser sein können, gewisse Dinge machten keinen Sinn, und manchmal passte der der Rhythmus nicht. Aber Angelina war fantastisch – wie es eben ist, wenn du Schauspielern Rollen gibst, die sie nicht schauspielen müssen. Ihre Kostüme und die Effekte waren großartig. Ich liebte die magischen Kreaturen und die Märchenwelt. Es war visuell bezaubernd. Der Film beförderte mich in eine Welt der Magie und Märchen, der Prinzen und Prinzessinnen – aber in eine Welt, in welcher die Frau das Leben des Mannes zerstört und ihn köpft, wenn er sich erfrecht, ihre Flügel zu stutzen.

Ich will mehr solche Filme sehen! Morgen. Oder besser: heut Nacht. Ich bezahle auch die Tickets!

Übersetzung: Manfred Sax

Ana Tajders Blog in englischer Originalfassung: Why I Didn’t Hate Maleficent

Kommentare sind geschlossen.

ZiB21 sind: unsere Blogger